Die '
altfranzösischen Handschriften
der Palatina
Ein Beitrag zur Geschichte der Heidelberger Büchersammlungen
und zur Kenntnis der älteren französischen Literatur
von
Dr. Karl Christ
Bibliothekar an der Kgl. Bibliothek in Berlin
XLVI. Beiheft zum Zentralblatt für Bibliothekswesen
s
Leipzij
Otto Hurrasso w i tz
1916
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UNIVERSITYOF CALIFORNIA
I Original from
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Vorwort
Arbeiten im Auftrage der Deutschen Kommission der Berliner
Akademie, die eine ernente Durchsicht der vatikanischen Handschriften
auf literarische Texte des deutschen Mittelalters zur Aufgabe hatten.
führten mich zu einer eingehenden Beschäftigung mit den Handschriften
der Bibliotheca Palatina des Vatikans. Zwar waren die deutschen
Bestände, die einst einen besonderen Teil der palatinischen Bibliothek
gebildet hatten, 1816 in ihre alte Heimat zurückgekehrt, aber die in
Rom zurückgebliebenen Palatini latini, welche neben den lateinischen
Texten in den Sammelbänden noch manches Nationalsprachliche ent-
halten, versprachen nach Karl Zangemeiaters Fund der altsächsischen
Genesis 1 ) weitere Ausbeute, wenn man sich nicht mit der Nachprüfung
der meist nur auf das Wichtigste sich beschränkenden Angaben des
im XVII. Jahrhundert verfaßten Inventars begnügte, sondern die Hand-
schriften selbst auf zerstreute deutsche Stücke durchsah. *) Diese
Forschungen glaubte ich aussichtsvoller gestalten zu können, indem
ich auch die romanischen Handschriften in den Kreis meiner Auf-
merksamkeit zog und für die (Jeschichte der alten heidelberger
Bibliotheken neue Quellen zu erschließen suchte. Für die altfranzösische
Literatur schienen die Aussichten am wenigsten lockend zu sein. Ver-
gebens sucht man französische Handschriften der Palatina in dem
Inventar der altfranzösischen und provenzalischen Handschriften Roms,
dasErnestLanglois 1889 als einen stattlichen Band derNotices et Kxtraits
des Mannscrits veröffentlichte. Aber auch hier schien das letzte Wort
noch nicht gesprochen zu sein. Sollten wirklich die drei französischen
') Neue Heidelberger Jahrbücher IV (»894) 205 ff.
*) Mit den Palatini latini des Vatikans beschäftigt sich bereits der Anhang
„Deutsches in den Codices Palatioi latiui der Vaticana" zu Karl Bartsch»
Kat&log der altdeutschen Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Heidel-
berg (Heidelberg 1887) S. 182—19?, erschöpfend indessen nur soweit die den
ersten Teil des alten Inventars ersetzende Katalogisierung von Henricus
Stevenson und J. B. de Rossi, Codices Palatini latini Bibliotnecae Vaticanae
descripti. T. 1. Romae 1886, reichte (Pal. lat. 1 — 921) und Hinweise auf
deutsche Fragmente bot
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Handschriften , die 1816 nach Heidelberg zurückgekommen waren,
die einzigen sein, die an dem französischer Kultur so zugänglichen
pfälzer Hofe im Laufe von mehreren Jahrhunderten gesammelt, welche
die an nationalsprachlicher Literatur so reiche Bibliotheca Palatina
besessen hatte? Graf Durrieus Veröffentlichung Ober die Boccaccio-
Übersetzung Laurente de Premierfait in der Palatina 1 ) hatte erst in
jüngster Zeit den bekannten Handschriften eine neue, wichtige hinzu-
gefügt und schien ein Beweis dafür, daß Ueberraschungen noch
bevorstehen könnten. Meine Vermutung, daß die Zahl der altfranzö-
sischen Handschriften Heidelbergs erheblich größer gewesen sei, wurde
zur Gewißheit, als ich, der Geschichte der Palatina und besonders der
deutschen Handschriften nachgehend, die alten Inventare der heidel-
berger Bibliothekare durchsah. Dort waren freilich viel mehr französische
Handschriften verzeichnet, als man kannte, und die Hoffnung, sie in
der Vaticana zu finden, wurde bestärkt durch das Tagebuch des Maillot
de la Treille, auf das mich eine Abhandlung Ludwig Rockingers*) zuerst
aufmerksam gemacht hatte. Meine Erwartung erfüllte sich endlich in
der schönsten Weise, als die letzten Handschriften der Palatina durch
meine Hände gingen: hier hatte ich die Freude, vierundzwanzig völlig
unbekannte französische Handschriften zu finden, dieselben, die mir
schon längst ihrem Inhalt nach aus den alten Verzeichnissen bekannt
waren.
Diesen Fund unter Heranziehung der bekannten Handschriften zum
Gegenstand einer Monographie zu machen, schien mir eine lohnende
Aufgabe. Nicht nur lockte .mich die Bestimmung der Denkmäler und
die fortschreitende Erkenntnis ihrer Bedeutung für die altfranzösische
Philologie: ein kleiner, in sich abgeschlossener, leicht überschaubarer
Fonds, ein Dokument reger literarischer Beziehungen zweier Länder,
ein neuer Beweis für die Vielseitigkeit des Sammeleifers und die
geistigen Interessen der pfälzischen Witteisbacher auf einem bisher
kaum beachteten Gebiete war hier gegeben, seine Entstehung und
seine Schicksale zu verfolgen, schien mir für die Geschichte der
berühmtesten Bibliothek Deutschlands und der deutschen Bildung
überhaupt gewinnbringend.
Die Anregung zu der vorliegenden Untersuchung, die Möglichkeit
ihrer Ausführung verdanke ich einer mehrjährigen Beurlaubung
aus dem preußischen Bibliotheksdienst an das Preußische Historische
Institut in Rom. Neben meiner amtlichen Tätigkeit als Bibliothekar
des Instituts fand ich Zeit, wissenschaftlichen Neigungen nach-
zugehen und die ausgezeichnete Gelegenheit, welche die vatikanische
Bibliothek für handschriftliche Studien bot, zu nutzen. Ehrerbietigen
Dank schulde ich dem früheren Präfekten der Vaticana, Herrn P.
1 ) Academie des inscriptions et bellea-lettres. Comptes rendus. Paris 1909.
S. 342 ff.
2 ) Die Pflege der Geschichte durch die Witteisbacher. Akad. Festschrift
München [1677], S. 29 ff.
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Franz Ehrle, dessen großes Entgegenkommen nicht nnr meine Arbeiten
im Auftrage der Deutschen Kommission förderte, sondern auch eine
eingehendere Beschäftigung mit den französischen Handschriften der
Palatina gestattete. Den Abschluß der Arbeit, der in Deutschland
erfolgte, hat die Universitätsbibliothek in Heidelberg in dankenswerter
Weise erleichtert, indem sie mir die Einsicht ihrer altfranzösischen
Handschriften in der Handschriftenabteilung der Königlichen Bibliothek
in Berlin ermöglichte.
Berlin, im Juni 1916.
Karl Christ.
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Inhaltsverzeichnis.
Seito
Vorwort in
I. Zur Geschichte der alt französischen Handschriften
der Palatina I
IL Handschrift enbeschreibungen.
1. Die Handschriften der Bibliotheca Palatina des Vatikans ... 31
2. Die Handschriften der Universitätsbibliothek in Heidelberg . . 111
III. Register.
Verzeichnis der beschriebenen Handschriften, der Verfasser, der
Schreiber and Miniatoren, der Besitzer , der Anfänge der im
Pal. lat. 1994 enthaltenen Gedichte 118
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I. Zur Geschichte der altfranzösischen
Handschriften der Palatina.
Die heidelbergcr Bibliotheken 1 ) besaßen, als die Wirren des
dreißigjährigen Krieges sie der deutschen Heimat entfremdeten, ein-
nnddreittig altfranzösische Handschriften, von denen achtnndzwanzig
sicher erhalten sind. Ihr Inhalt mit mehr als fünfzig ganz oder
bruchstückweise überlieferten Denkmälern bietet ein vielgestaltiges
Bild französischen Schrifttums von der Höhe des Mittelalters
bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts.
Aus der älteren Zeit ist uns allerdings nur weniges, nur Bruch-
stücke einer nationalen Heldendichtung, der Chanson de geste von
Aspremont erhalten. Um so mannigfaltiger ist aber bereits die literarische
Produktion der Zeit von 1150 bis 1250 vertreten: die Ausläufer der
nationalen Epik mit Folque de Candie von Herbert le Duc, der
Roman d'aventureB mit Partonopeus de Blois, Floire et Blancheflore
(Fragm.), Amadas et Idoine (Fragm.), die Reimchronik mit Waces Brut
d' Angleterre (Fragm.), die religiös-erzählende Dichtung mit den Miracles
de Nostre Dame von Gautier de Coincy, der Prosaroman mit Tristan und
Artus' Tod, die gelehrte Prosa endlich mit der Uebersetzung der Belli
sacri historia des Wilhelm von Tyrus. In der Folgezeit bis zur Mitte des
3 ) Von der umfangreichen Literatur über die heidelberger Palatina zitiere
ich die folgenden öfters benutzten Werke abgekürzt, nur mit Nennung der
Verfasser:
Friedrich Wilken, Geschichte der Bildung, Beraubung und Vernichtung
der alten Heidelbergischen Blichersammlungen. Heidelberg 1817.
Augustin Theiner, Schenkung der heidelberger Bibliothek durch Maxi-
milian I. an Papst Gregor XV. und Ihre Versendung nach Rom. München 1844.
Ludwig Rockinger, Die Pflege der Geschichte durch die Witteisbacher.
Akademische Festschrift. München 1877.
Henricus Stevenson, Codices manuscripti palatini graeci Bibliothecae
Vaticanae. Romae 1885. Praefatio.
Katalog der Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Heidelberg.
Bd. I: K. Bartsch, Die altdeutschen Handschriften. — Bd. II: J.Wille,
Die deutschen pfälzer Handschriften des XVI. und XVII. Jahrhunderts.
Heidelberg 1887—1903.
Curzio Mazzi, Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg. Bologna 1893.
(Estratto del Prop ugnatore, Nuova Serie Vol. IV, V.).
Beiheft 46. 1
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XIV. Jahrhunderts herrscht die geistliche Literatur vor. Der Manuel
des p^ches des William de Wadington, Jean Chapuis' Sept articles
de la foi (Fragm.) gehören der religiös-didaktischen Dichtung an. Für
das Bestehen des geistlichen Dramas am Anfang des XIV. Jahrhunderts
bietet ein Passions- und Auferstehungsspiel ein wichtiges Zeugnis. Ihm
etwa gleichzeitig ist ein wertvolles, in Lothringen entstandenes Bibel-
werk in Prosa, das ältere Texte verwertet, während eine Sammlung
von Heiligenleben ihrer Entstehung nach noch in das XIII. Jahrhundert
weist. Mit Guillaume de Digullevilles Pclerinage de la vie humaine ist
die beliebteste Dichtung der religiös - allegorischen Epik erhalten.
Die weltliche Literatur dagegen erscheint nur mit zwei Prosawerken
medizinischen und didaktischen Inhalts, mit dem Regime du Corps
Aldobrandins von Siena und Jean Dupins Livre de Mandevie. Die
religiöse Prosa bleibt auch für die Zeit des ausgehenden Mittelalters
(1350 — 1500) im Vordergrund. Neben dem Guy de Roye zugeschriebenen
Doctrinal aux simples gens und zahlreicher theologischer Kleinliteratur
begegnen besonders Uebersetzungen, wie die des Missales, von Seuses
Horologium sapientiae, der Sprüche der Väter, Jean Goleins Ueb er-
tragung der lateinischen Legende des Volto Santo di Lucca. Ihnen
schließen sich Werke von verwandter Tendenz an: Jean Ferrons
Livre des cchecs moralisch und der Livre de bonnes moeurs von
Jacques le Grant. Daneben begegnet die weltliche Literatur der Höfe
mit bekannten Namen: Christinen^ von Pisa Cite des dames und Kpitre
de la deesse Othea, Alain Chartiers Livre des quatre dames und
La Consolation des trois vertus, Laurents de Premierfait dem Herzog
Johann von Berry gewidmete Uebersetzung von Boccaccios Dekameron.
Um die Mitte des XV. Jahrhunderts treffen wir die Literaten des
burgundischen Kreises: Martin Le Franc als Dichter des Champion des
dames und Raoul Lefevre, den Verfasser des Recueil des histoires de
Troie. Das Gebiet der Zeit- und Landesgeschichte behandelten die An-
ciennes chroniques de Savoye. In das XVI. Jahrhundert führen nur
zwei, aber wichtige Handschriften: die heitere Renaissancedichtung am
Hofe Franz I. spricht aus einer Anthologie von Gedichten Clement Marots,
Melius de St. Gelais und ihrer Freunde, der Ernst der Reformationszeit
aus der Tragödie vom Untergang der Waldenser von Cabriere.
Nicht nur der Inhalt der Handschriften machte diese Sammlung
erlesen. Sie bekundete auch den erwählten Geschmack der Besitzer,
ihren feinen Sinn für die Schönheit des Buches. Mehr als die Hälfte
sind Pergamenthandschriften, die mit wenigen Ausnahmen durch ihre
Größe, die sorgfältige Schrift und oft durch Reichtum des Buchschmuckes
ausgezeichnet sind. Elf illuminierte Handschriften *) gestatten die
Entwicklung der französischen Miniatur von der Mitte des XIII- Jahr-
hunderts bis zum Ausgang des Mittelalters zu verfolgen. Während
die älteren Handschriften die Buchmalerei noch in der bescheidenen
') Eine weitere Handschrift mit Miniaturen, Chriatinens von Pisa „Kpitre
de la deesse Othca", besaß die kurfürstliche Schloßbibliothek. Sie ist vielleicht
als ein Codex der Herzoglichen Bibliothek in Gotha erhalten, s.S. 21 f.
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Beschränkung auf Schmückung der Initialen und eine dem Text sich
unterordnende Illustrierung zeigen, treten unter den späteren die durch
große, bildmäßige Darstellungen und den Reichtum der ornamentalen
Verzierung prächtigen Handschriften entgegen, wie sie im XV. Jahr-
hundert, besonders in den Schreib- und Malstuben Flanderns, für die
Büchereien hoher Herren entstanden. Das Kleinod unter ihnen, Laurents
de Premierfait Boccaccioübersetzung (PaL lat. 1989), ist ein bedeutendes
Erzeugnis der französischen Miniaturmalerei am Anfang des XV. Jahr-
hunderts.
Keine andere Bibliothek deutscher Fürsten konnte sich sicherlich
am Anfang des XVII. Jahrhunderts eines gleichen Schatzes rühmen.
Aach für das Gebiet der altfranzösischen Literatur durfte die Palatina
den Ehrentitel beanspruchen: Optimus Germaniae literatae thesaurus.
So verhältnismäßig reich die Quellen für die allgemeine Geschichte
der heidelberger Bibliotheken, ihrer Gründung, Blüte und Zerstreuung im
Laufe von wenig mehr als zwei Jahrhunderten fließen, so wenig ergiebig
sind sie, wenn es gilt die Schicksale der einzelnen Handschriften auf-
zuhellen, im einzeln die Wege zu zeigen, auf denen die kostbaren
Bflcherschätze in die kurfürstlichen Sammlungen, insbesondere in die
Schloßbibliothek und in die Bibliothek der Kirche zum h. Geist
gelangt sind. Auch die Geschichte der französischen Hand-
schriften, ähnlich wie die der altdeutschen, bleibt vielfach im dunkeln.
Die Handschriften selbst geben nur spärliche Kunde und nur über
ihre ältere Geschichte. Mit den alten Einbänden, die 1623 der
päpstliche Bevollmächtigte Leo Allatius zur Erleichterung des Trans-
portes nach Rom den Handschrifteu und Büchern abnehmen ließ, sind
anch viele der alten Besitzeintragungen, Bibliothekszeichen und der
kleinen Merkmale verschwunden, die oft dem aufmerksamen Auge
über die Herkunft Rechenschaft geben; auch die alten Schutzblätter
sind damals sicherlich nicht selten verloren gegangen: ein oft beklagtes
Verhängnis, das die Geschichte vieler Handschriften der Palatina ver-
dunkelt. Wo wir aber den französischen Handschriften etwas ent-
nehmen können — und dies ist bei den kunstgeschichtlich wertvolleren
der Fall — zeigt sich, daß sie vordem in erlauchten Händen waren.
Die Uebertragung der Historia Hierosolymitana des Wilhelm von
Tyrus (Pal. lat. 1963) besaß einst die Königin Isabella von Norwegen,
die Gemahlin Eriks IL Magnusson. Auf Herzog Ludwig I. von Anjou,
den späteren König von Neapel, scheint Guillaume de Digullevilles
Pelerinage de vie humaine (Heidelberg, Pal. lat. 1969) hinzuweisen. Aus
den einst so berühmten Bibliotheken der Herzöge von Burgund kommen
zwei Prachthandschriften: der Boccaccio des 1419 auf der Brücke von
Montereau ermordeten Herzogs Johann ohne Furcht (Pal. lat. 1989)
und die aus der Werkstätte David Auberts stammende Handschrift
des Livre de bonnes moeurs (Pal. lat. 1995) mit den eigenhändigen
Besitzvermerken Antons von Burgund und seines Enkels Adolf. J) Die
») Die Handschrift der EpHre d'Othtia würde, wenn die palatinische Her-
kunft sicher wäre, eine zweite Handschrift aus der Bibliothek Antons von
1*
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gleichfalls reich illuminierte Legende des Saint Voult de Luques (Pal.
lat. 1988) gehörte dem herzoglichen Diplomaten und Bankier Dino
Rapondi.
Wann and wie die altfranzösischen Handschriften nach Heidelberg
gekommen sind, bleibt, die ans der Bibliothek Ulrich Fuggers stammenden
ausgenommen, im .unklaren. Hier versagen auch die alten Inventare
der heidelberger Bibliotheken, die mit dem Vermögensverzeichnis der
Universität von 1396 beginnend, bis zu der Zeit der Entführung nach
Rom erneuert und ergänzt, für den späteren Geschichtschreiber der
Palatina eine unschätzbare, bisher kaum genutze Quellensammlung
bilden. Sie erweisen zunächst nur den größeren Teil dieser Hand-
schriften als Besitz der Palatina um die Mitte des XVI. Jahrhunderts.
Von den drei Gelehrtenbibliotheken Heidelbergs, die mit
der Gründung der Universität oder bald darauf ins Leben gerufen
wurden: den beiden Universitätsbibliotheken (Bibliothek der Artisten-
fakultät und Bibliothek der drei oberen Fakultäten) und der 1438 durch
das Vermächtnis Ludwigs des Bärtigen bedeutend vermehrten Bibliothek
des Stiftes zum hl. Geist sind mehrere Verzeichnisse aus der Zeit vor der
Mitte des XV. Jahrhunderts erhalten. 1 ) Sie zeigen den engen Gesichts-
kreis mittelalterlicher Gelehrsamkeit, der sich nicht auf die Literatur
in nationaler Sprache erstreckte: unter den gegen 1600 Werken in
841 Bänden, welche die Inventarisation von 1461 als stattlichen Besitz der
drei Bibliotheken aufweist, darf man weder deutsche oder gar französische
Handschriften vermuten. Unter den Neuerwerbungen der folgenden Zeit
scheint sich allerdings eine französische Handschrift befunden zu haben:
als Prunkstück der Universitätsbibliothek lag in besonderem Pulte
eine mit Bildern geschmückte Pergamenthandschrift des Trojanerkrieges,
vermutlich Pal. lat. 1962, der 1464 — 1468 entstandene Trojaroman Rauui
Lefevrea. 2 )
Französische Handschriften werden diese Bibliotheken, die in enger
Verbindung mit dem Universitätsbetrieb und seinen Bedürfnissen standen,
soust kaum erworben oder besessen haben. Sie wären für sie ein ent-
Burgund sein, die in den Besitz der pfälzer Kurfürsten gelangte. — Die nahe-
liegende Vermutung, daß noch weitere Handschriften aus den burgundischen
Bibliotheken oder denen des Lonvre stammen, hat sich nicht bestätigt
') Das Vermögensverzeichnis der Universität von 1396, welches auch die
Handschriften der Bibliothek aufführt, ist gedruckt bei G. Toepke, Die Matrikel
der Universität Heidelberg von 1386—1662. Bd. 1—3. Heidelberg 1884—93,
1655 ff., der Akzessionskatalog der Universitätsbibliothek von 1396—1432 I.e.
I 678 ff.; das Verzeichnis der Schenkung Ludwigs des Bärtigen enthält der von
J. C. Kremer (Acta Academiae Theodoro-Pal&tinae I (1766) 373 ff.) gedr. Revers
der Universität von 1438. Die Inventare von 1461, Cod. Heidelberg. 358, 47
und 47 a, (s. Toepke I 695) sind noch nicht veröffentlicht. Auszüge ans allen
diesen Inventaren gibt Wilken S. 30 ff., 96 ff.
') Dem Verzeichnis von 1461 ist am Anfang von späterer Hand hinzu-
gefügt: Item prope tabulam jnristarum: In proprio pulpeto jacet hystoria
Troyana depieta. In pergameno (Cod. Heidelberg. 358, 47, Bl. 1 r). Der
Pal. lat. 1962 ist allerdings eine Papierhandachrift, aber die Miniaturblätter
sind Pergament.
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betulicher, ja lästiger Luxus gewesen. Mehr noch als in der Sammlung
der altdeutschen Handschriften der Palatina wird man in dem Besitz
an französischen den Ausdruck literarischer und bibliophiler Neigungen
der Mitglieder des kurfürstlichen Hauses erblicken dürfen. Dem
von Westen immer wieder andrängenden Einfluß französischer Kultur
war der benachbarte pfälzische Hof mehr als die meisten anderen
deutschen Höfe ausgesetzt. 1 ) Allerdings erreichte dieser Einfluß erst
den Höhepunkt als Friedrich III. (1559 — 1576) durch seinen Uebertritt
zum Kalvinismus mit den Hugenotten in enge Verbindung trat, und unter
ihm und seinen Nachfolgern Heidelberg die Zufluchtsstätte flüchtiger
Franzosen wurde. Damals freilich war schon der größere Teil der
französischen Handschriften , soweit sie aus kurfürstlichem Besitz
stammten, Eigentum der Bibliothek in der Kirche zum hl. Geist.
Aber bereits lange vorher hatten sich französisches Wesen und fran-
zösische Bildung am pfälzischen Hofe Eingang verschafft, sicher be-
günstigt durch die zeitweilig engen politischen Beziehungen zu dem
westlichen Nachbar,-) mehr wohl noch durch den Einfluß der Pfalz-
gräfinnen , die französischen oder f ranzösisierten Fürstenhäusern
entstammten. Die Gemahlin Ruprechts I. (1353 — 1390) war Elisabeth,
Gräfin von Namur (gest. 1382). Die Verlobung des ältesten Sohnes
Ruprechts III. (1398 — 1410), des deutschen Königs, mit Katharina,
der Tochter Karls V. von Frankreich, führte zwar nicht zur Vermählung,
ist aber immerhin ein Zeichen der guten Beziehungen zwischen beiden
Höfen. Als zweite Gemahlin Ludwigs III. des Bärtigen (1410 — 1436)
war Mathilde, die französisch sprechende Tochter des Grafen Amadeus
von Savoyen, von 1418—1438 Kurftirstin der Pfalz. Sie ist die Mutter
der geistvollen Pfalzgräfin und Erzherzogin von Oesterreich Mechthild,
der „Liebhaberin aller Künste", deren Namen mit der literarischen
Produktion Hermanns von Sachsenheim und Nikolaus' von Wyle, der
Gründung der Universitäten Tübingen und Freiburg verknüpft ist.
Die Gemahlin Ludwigs IV. (1437 — 1449) war abermals eine piemon-
tesische Prinzessin, Margarete, die geistig hochstehende und einflußreiche
Tochter Amadeus' V1IL, des späteren Papstes Felix V., welche in erster
Ehe Ludwig III. von Anjou, den König von Neapel (1403 — 1434),
geheiratet hatte und nach Ludwigs IV. Tode eine dritte Ehe mit Graf
Ulrich V. von Württemberg schloß (1453). Daß diese Frauen Vorliebe
') S. G. Steinhausen, Die Anfange des französischen Literatur- und Kultnr-
einBusses in Deutschland in neuerer Zeit (Zeitschrift für vergleichende Literatur-
feschichte. N. F. VII (1894) 349 ff.), C. Gebauer, Geschichte des französischen
jiltureinflusses auf Deutschland von der Reformation bis zum dreißigjährigen
Kriege, Straßburg 1911, beide die Zeit des ausgehenden Mittelalters kaum
berührend.
*) Diese sind besonders für die Ilegiernng Philipps des Aufrichtigen
(1476—1508) bemerkenswert, der sogar seit 14*12 im Solu« Karls VIII. stand;
doch schon früher hatten Ruprecht 111. (1398—1 110) und Friedrich I. der
Siegreiche (1449—1476) politische oder freundschaftliche Verbindung mit
Frankreich angestrebt, s. auch Ludwig Hau Her, Geschichte der rheinischen
Pfalz, 2. Ausg. Heidelberg 1856, 1 241, 4H>, 427.
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für französische Literatur mitbrachten und weiterhin hegten, darf zweifels-
ohne angenommen werden, umsomehr als wir wissen, daß sie auch den
literarischen Bestrebungen ihrer neuen Heimat rege Teilnahme und
Förderung zuwandten. *) Margaretens Sohn, Kurfürst Philipp der
Aufrichtige (1476—1508), schickte 1502 seine beiden Söhne Ludwig
und Friedrich, die späteren Kurfürsten Ludwig V. (1508—1544) und
Friedrich IL (1544—1556), nach Frankreich, dessen Hof unter Karl VIII.,
Ludwig XII. und Franz I. als Pflegestätte feiner Sitte und Bildung
galt, und von dem der gleiche französisierende Einfluß ausging, den
im XV. Jahrhundert der Glanz des burgundischen Hofes ausgeübt
hatte. Wie Friedrich IL, der völlig französisiert war, ging auch sein
Sohn Friedrich III. durch die Schule französischer Bildung, zuerst an
dem Hof von Nancy bei dem Herzog von Lothringen, später in Lüttich,
Paris und Brüssel.
Jedenfalls bestand immer an dem kurfürstlichen Hofe ein lebhaftes
Interesse für die französische Literatur, 2 ) nicht minder aber die Lust
an dem Besitz prächtiger Handschriften mit den bewunderten
Miniaturen französischer und flandrischer Künstler, wie sie die
französischen und burgundischen Großen in so reicher Zahl in ihren
glänzenden Bibliotheken vereinigt hatten.
Ueber Handschriftenkäufe der Kurfürsten in Frankreich ist nnr
weniges bekannt, nichts was auf den Erwerb französischer Hand-
schriften schließen ließe. Auf seinen lieisen nach Frankreich hatte
Ludwig der Bärtige Handschriften gekauft und mit nach Heidelberg:
1} Auf Befehl der Elisabeth von Nainur wurde 1370 die prächtige Hand-
schrift der Predigten Berthol ds von liegensburg (Heidelberg, Pal. germ. 24)
geschrieben, Mathilde von Savoyen veranlaßte die Ueborsetzung eines lateinischen
Gedichtes anf die Jungfrau Maria (Rom, Pal. lat. 41 1), und der Margarete von
Savoyen widmete Nikolaus von Wyle seine 1464 verfaßte Übersetzung der
Schrift Felix Hemmerlins „Von den Lollharden und Beginnen" (Heidelberg,
Pal. germ. 462). Margarete stand auch in Briefwechsel mit Heinrich Steinhü wel,
dem Uebersetzer Boccaccios, und gleich ihrer Schwägerin, der Pfalzgräfin
Mechthild, war sie Liebhaberin schöner Handschriften: 1477 schickte sie eine
besondere Gesandtschaft nach Bern, um dort Karls des Kühnen „Betbnch
wunderbars Gemachte" zu erwerben. S. die Beschreibungen bei K. Bartsch,
Altdeutsche Hss. Nr. 18, 349, 248, ferner Ph. Strauch, Pfalzgräfin Mechthild
in ihren litterarischen Beziehungen, Tübingen 18b3, besonders S. 29, 55.
a ) Für die spätere Zeit bezeugen dies die sehr zahlreichen Drucke
französischer Literatur, sowohl schöner als wissenschaftlicher, die in den
Inventaren begegnen. Es ist bemerkenswert, daß die Palatina ihre ältesten
französischen Handschriften der Schenkung Ulrich Fuggers verdankt Die
Handschriften der Kurfürsten enthalten dagegen großenteils ältere und neuere
Literatur, wie sie am Ausgang des Mittelalters gelesen wurde. Sie werden
am pfälzer Hofe kein totes Gut gewesen sein. Auch dieser Umstand scheint
mir dafür zu sprechen, daß ein großer Teil der französischen Handschriften
alter Besitz des kurfürstlichen Hauses ist, der allmählich, besonders im Laufe
des XV. Jahrhunderts, erworben wurde. Es war die Zeit, in der sich fürst-
liche Frauen, wie Elisabeth, Gräfin von Nassau -Zweibriicken, und Herzogin
Eleonore von Vorderösterreich, in der Uebersetznng dor französischen Prosa-
romaue versuchten, und in der wir diese deutschen Bearbeitungen in der
Bibliothek der Pfalzgrütin Mechthild antreffen.
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gebracht. Von den theologischen , juristischen und medizinischen
Handschriften, die er in seinem Testament von 1421 der Bibliothek
des Stifts zum hl. Geist vermachte, nahm er die Bibel aus, „die mit
der großen textur in einem buch gantz ist ane den salter, die wir
mit uns von Parise us Frankenrich brachten". 1 ) Weitere Nachrichten
fehlen bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts. Von Kurfürst Ott Heinrich,
dem glänzendsten Förderer der heidelberger Bibliotheken , wird
berichtet, daß er den Juristen Nikolaus Cisner beauftragte, während
eines vierjährigen Aufenthaltes in Frankreich und Italien (1552 — 1556)
dem Ankauf wertvoller Bücher und Handschriften die größte
Aufmerksamkeit zu widmen. 2 )
Mit den deutschen Handschriften bildeten die französischen, neben
jenen allerdings an Zahl und Bedeutung fast verschwindend, einen
bedeutenden, wahrscheinlich den wichtigsten Teil der kurfürstlichen
Privatbibliothek in dem Schlosse, die Kurfürst Ott Heinrich
zunächst bis zur Errichtung eines neuen Bibliotheksgebäudes der
Bibliothek in der Kirche zum hl. Geist überwies 3 ) und die später, als
des Kurfürsten früher Tod (1559) seine Pläne vereitelt hatte, endgültig
mit ihr vereinigt wurde. Im Gegensatz zu den der Wissenschaft
dienenden Gelehrtenbibliotheken der Universität und des Stiftes, war sie
eine Schöpfung der literarischen und wissenschaftlichen Bestrebungen
der Angehörigen des pfal v zgräflichen Hauses. Handschriften und
Bücher in den Nationalsprachen, moderne, insbesondere historische
und schöne Literatur, Werke von künstlerischer Bedeutung werden
ihre wertvollsten Bestände gewesen sein.
Aus der Zeit Ott Heinrichs ist uns nun unter den alten Inventuren,
welche Allatius mit nach Rom in die Vatikana gebracht hat, eine
Katalogisierung erhalten, die mit großer Wahrscheinlichkeit als ein
Verzeichnis der kurfürstlichen Schlottbibliothek angesprochen werden
kann. Es ist eine durchaus einheitliche, sorgfältig niedergeschriebene
Inventarisierung, welche, die Werke einzelner Wissensgebiete zusammen-
fassend, innerhalb dieser die Titel in alphabetischer Folge, bei jedem
Buchstaben nach Formaten geschieden, mit Druckort und Jahr anführt.
Dem Titel folgen in der Regel mehrere Zahlen, die den Standort
anzugeben scheinen. Ueber die Art der Aufstellung selbst bieten
diese Kataloge, die auf einer für die damalige Zeit sicher bemerkens-
werten Vereinigung des alphabetischen und sachlichen Ordnungsprinzips
sich gründen, keinen Aufschluß. Einzelne Teile sind doppelt aus-
gefertigt. Es ergibt sich die folgende Uebersicht:
') E. Winkelmann, Urkundenbuch der Universität Heidelberg, Heidelberg
1SSÖ, I 118.
*) Wilken S. 121, Deutsche Biographie IV (1676) 2(57.
') Das Jahr dieser Ueberweisuug scheint nicht genau festzustehen.
Wilken u. a. geben keine genaueren Zeitangaben; hin und wieder begegnet
in der Literatur das Jahr 155S, was auch stimmen mag. Die kurze Dauer
der Regierung Ott Heinrichs (1 55C> — 1 559) läßt ohnehin nur geringen Spiel-
raum.
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Pal. lat. 1929. Lateinische Theologie.
1932. Deutsche Theologie.
1934. 1936. Philosophie.
1933. Artes dicendi.
1946. Poetae graeci et latini.
1937. 1941. Historiographi et Cosmographi.
1940. Mathematik.
1935. Physik, Philosophorum opera omnia.
1942. 1943. Medizin.
1 944. Jurisprudenz.
Die Zeit dieser Katalogisierung ist einwandfrei durch die mehrfach
vorkommende Randnote „Anno 1555 u und die Druckjahre der Titel
gegeben: die Anlage erfolgte in den Jahren 1555 — 1556; die Druckjahre
zahlreicher durch Verschiedenheit der Schrift erkennbarer Nachträge
geht nicht über 1559, das Todesjahr Ott Heinrichs hinaus. 1 ) Aber
keiner der Kataloge, die leider auch der alten Einbände entbehren,
bietet den kleinsten äußeren Hinweis auf die Bibliothek, deren
Bestände verzeichnet sind. Eine Inventarisierung der Universitäts-
bibliotheken kann nicht vorliegen, denn die hier verzeichneten Hand-
schriften kehren in dem Inventar der Stiftsbibliothek oder, wie sie
später hieß, der kurfürstlichen Landbibliothek (Bibliotheca palatina,
electoralis) von 1581 wieder, ebenso wenig eine Aufnahme der
Stiftsbibliothek nach ihrer Vereinigung mit der Schloßbibliothek, da
die Aufstellung der Schloßbibliothek auf den Emporen der Heilig-
geistkirche erst nach 1556, ihre Verschmelzung mit der alten
Bibliothek noch später, nach Ott Heinrichs Tod (1559) erfolgte. Es
kann sich also nur um Inventare der Schloßbibliothek oder der Stifts-
bibliothek handeln. Auf die kurfürstliche Privatbibliothek weisen
m. E. die folgenden Erwägungen:
1. Die Bibliothek hat einen vorwiegend modern - literarischen
Charakter. Sie enthält wenig mittelalterlich-scholastische Literatur, die
in den älteren Katalogen der heidelberger Universitäts- und der
Stiftsbibliothek charakteristisch hervortritt und in der Inventarisierung
der Landbibliothek von 1581 einen ganz anderen Kaum einnimmt.
Die theologischen Werke gehören überwiegend dem Reformations-
zeitalter an und sind zu nicht geringem Teil in deutscher Sprache.
Dagegen erscheinen in diesen Verzeichnissen bereits die französischen
Handschriften mit Ausnahme der wenigen Erwerbungen der zweiten
Hälfte des XVI. Jahrhunderts und der Handschriften der späteren
l ) Im Pal. lat 1932, dem Verzeichnis der deutschen Theologie, findet sich
mit den unter M in Folio verzeichneten Werken allerdings ein „Martyrolocium
der heiligen, nach dem Calender; Verdeutscht; Gedruckt zu Weißenburg
Anno 15&3." Aber dem Verfasser des Inventars ist hier wohl ein Versehen
in der Datierung unterlaufen; gemeint kann nur sein: Hain, Kepert. Bibliogr.
10874 „Marti[ro]logium der heiligen nach dem kalcmler u , wie die Vorrede
8a gt, n Vft% dem lattin zu tutsch gemacht zu Wyssenburg* 1483. — Im Pal.
lat. 1944 kommt vereinzelt I5GU als Druckjahr vor.
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Schloßbibliothek, ferner — ■ was sehr wichtig ist — der sicher weitaus
größere Teil des vielgerühmten Reichtums an deutschen Handschriften
des Mittelalters, die nach allgemeiner Ansicht von dem kurfürstlichen
Hause im Laufe mehrerer Jahrhunderte gesammelter Besitz der
Schloßbibliothek waren. 1 )
2. Diesen Katalogen fehlen sowohl die Handschriften der älteren
Verzeichnisse der Universitätsbibliotheken als auch die Handschriften
des Reverses der Universität von 1438, der das Vermächtnis Ludwigs
des Bärtigen enthält. 2 )
3. Dagegen führen sie Handschriften und Drucke der Privat-
bibliothek Ott Heinrichs an, die dieser nach Erlangung der Kurwtirde
(1556) von Neuburg an der Donau mit nach Heidelberg nahm, 3 ) und
die zweifelsohne erst mit der kurfürstlichen Sammlung in die Stifts-
bibliothek gelangten.
4. Mit den Worten Summa lateris ist in den meisten Inventarcn
die Zahl der auf einer Seite verzeichneten Handschriften und Drucke
angegeben. Es handelt sich offenbar um einen Abschluß, eine Ueber-
gabe, eben der Schloßbibliothek, als diese, nach Ott Heinrichs Absicht
nur vorübergehend, in der Stiftskirche untergebracht wurde.
Die Handschriften und Drucke dieser Inventare kehren in einer
zweiten Katalogisierung wieder, die sich gleichfalls in der Palatina
des Vatikans befindet. Hier ist die Bestimmung ohne weiteres gegeben:
die Kataloge bezeichnen sich selbst als Verzeichnisse der Bibliothek
des Stiftes zum hl. Geist oder der kurfürstlichen Landbibliothek.
Als Verfasser bekennen sich in den Originalen Conrad Lautenbach
S. Wilken S. llOff.; K. Burdach, Die pfälzischen Witteisbacher und
die altdeutschen Handschriften der Palatina, im Zentralblatt für Bibliotheks-
wesen, Jg. V (1888), besonders S. 1 17 ff.; Willes Pfalzer Handschriften S. VIII
und die spätere Rede: Aus alter und neuer Zeit der heidelberger Bibliothek,
Heidelberg 1906, S. 7 f., 20.
*) Ich bin mir selbst bewußt, daß gerade dieser Punkt noch einer
genaueren Nachprüfung bedarf, zu der mich in Rom meine zum Abschluß
drängenden Arbeiten nicht mehr kommen ließen. Daß solche Untersuchungen
viel Zeit und bei den ungenauen Angaben der alten Inventare und dem
häufigen Vorkommen der gleichen Literatur in verschiedenen Bibliotheken
eine intime Kenntnis der Bestände voraussetzen — bei dem Umfang der
ehemaligen Palatina keine geringe Forderung — , weiß jeder, der sich mit
ähnlichen Aufgaben beschäftigt Bat. Ein Umstand tritt erschwerend hinzu:
die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der alten heidelberger Sammlungen,
die Inventarisierung von 1462, ist noch ungedruckt. Da auch der von
J. C. Kremer in den Acta Academiae Theodoro-Palatinae I (1766), 373 ff.
veröffentlichte Revers von 1438 mir in Rom nicht erreichbar war, so mußten
flir die Stiftsbibliothek als Ersatz Wilkens Auszüge aus den älteren Inventaren
dienen. Diese sind aber immerhin so ausführlich, daß m. E. auch eine eingehendere
Untersuchung zu keinem . wesentlich verschiedenen Ergebnis kommen wird.
3 ) „Die bnecher so in meines genedigsten Herrn Stuben vnd camer, vnd
von Neuburg kommen seind. u Das Verzeichnis, gedr. bei Rockinger S. (1)ff.
(vgl. auch S. 10), kann nicht früher sein, denn neben einem Druck und
einer Handschrift von 1555 begegnet „Marggraff Albrechts ansschreyben.
Anno [15J56 U .
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und Johann Strupp von Geinhansen, 1 ) mit der eigenhändigen Unterschrift
geben sie auch das genaue Datum der Vollendung der einzelnen
Bände an. Diese Daten bewegen sich zwischen dem 10. November
und 6. Dezember 1581. Weniger erfreulich als die Genauigkeit in
diesen Angaben ist die Arbeit der Verfasser selbst. Während die
erste Katalogisierung in ihrer Anlage und Sorgfalt eine anerkennens-
werte Leistung darstellt, zeugt die neue von einer unglaublichen
Flüchtigkeit und Nachlässigkeit. Paulus Melissus, der 1586 bei der
Uebernahme des Bibliothekariats der Stiftsbibliothek die Kataloge 1931
und 1938 revidierte, hat an einer Stelle 6einem Mißmut mit der
folgenden Randnote Ausdruck gegeben: Inepte et confuse inordinateque
factum ab heteroclitis. Ist kein richtikeit drinnen, den alles on
unterschaid zusammengemenget. Ita Meliss[us] sentio 1586 (Pal. lat.
1931, BL 271). Auch hier sind die Wissensgebiete abgegrenzt, aber
innerhalb dieser folgen sich Bücher und Handschriften durcheinander
nach Ordines und Formaten, offenbar so, wie sie gerade auf den
Gestellen 6ich vorfanden, ohne daß auch nur der Versuch einer
sachlichen oder alphabetischen Gliederung der überreichen Bestände
gemacht worden wäre. An den wenigen Stellen, wo eine Zusammen-
fassung gleicher Literatur besteht, wie bei den Schriften der einzelnen
Kirchenväter, der Reformatoren, den deutschen Handschriften scheinen
sie die Verfasser der lnventare auf den Regaley bereits angetroffen
zu haben. Im Gegensatz zn der Inventarisierung von 1556 fehlt
meist den Titelangaben das Impressum, dagegen ist auf die Be-
schreibung der alten Einbände, besonders der Handschriften, größeres
Gewicht gelegt. Nur diese Kataloge fand offenbar Allatius 1622 in
Heidelberg vor, und man begreift seine Klugen über die ungenügende
Ordnung der Bibliothek, das Fehlen neuer Indices, das ihm seine
Aufgabe erschwere, in den Briefen vom 23. Dezember 1622 an den
Kardinal Ludovisi und an Niccolo Alemanni, den ersten Kustoden
') Ueber den Theologen und Dichter Conrad Lautenbach, den Kurfürst
Ludwig VI. nach Heidelberg berief, damit er Sleidan übersetze, und den er
gleichzeitig mit der Ordnnng der Landbibliothek beauftragte, s. Deutsche
Biographie XVIII 71. Johann Strupp war der Sohn Joachim Strupps von
Gelnhausen, des Erziehers des Pfalzgrafen, späteren Kurfürsten Friedrichs IV.
Er zeichnet in den Inventaren als „Johann Strupp von Gelnhausen, Joachfiuii]
filliusl", ebenso wie sein Eintrag in die Universitätsmatrikel 1581 lautet (bei
loepke II 93). Eine Uebersetzung von ihm aus d. J. 1580 „Von dem neuen
indianischen bäum . . . sasafras u ist in Pal. germ. 501 und 735 erhalten.
Joachim Strupp war während seines Aufenthaltes am pfälzer Hofe (1579—1584)
auch Bibliothekar der Landbibliothek, wohl als Nachfolger Xylanders und
Vorgänger von Paul Melissus, s. die Vorrede seines Hofschulbuchs (Pal.
Genn. 310) z. T. gedr. in Mosers Patriotischem Archiv IV (1786) 223. Auf
die Inventarisierung der Landbibliothek bezieht sich ein Gutachten des
Kirchenrats von 1593 in Pal. Germ. S34, s. die Hs.- Beschreibung bei Wille,
Pfälzer Handschriften S. 132, ferner Wilken S. 1S4 und Fricdr. Schmidt,
Geschichte der Krziehung der pfälzischen Witteisbacher. Berlin lbttfl (Monu-
inenta Gcruianiae paedagogica. 19) S. XXX1IIT., auch Deutsche Biographie
XXXVI 070.
I Onqwal from
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der Vatikans. 1 ) Es scheint indessen nicht zweifelhaft, daß im Laufe
der langen Zeit, in der so bedeutende Bibliothekare wie Paulus
Melissus (1586—1602) und Janus Gruter 1602—1622) der Palatina
vorstanden, auch an der Neuordnung der Bibliothek und der Kataloge
gearbeitet wurde. Leider ist aus dieser Zeit nur verhältnismäßig
wenig erhalten, 2 ) und es ißt nicht unwahrscheinlich, daß die letzten
Inventare vor der Einnahme Heidelbergs 1622 geflüchtet und dann
verloren gegangen sind. 3 )
Die Katalogisierung von 1581 ist in zwei Ausfertigungen erhalten,
in den von Lautenbach und Strnpp selbst unterzeichneten Originalen
und in Kopien.
>) s. Theiner S. 21, 63 ff., Mazzi S. IS ff.
a ) So der von Friedrich Sylburg nach Erwerbung der Fuggerischcn
Bibliothek (1584) verfaßte Katalog der griechischen Handschriften, von dem
Antonius Possevinus, Apparatus sacri, Venetiis 1606, T. III. App. 8.95—125
einen Auszug (MS. qui ad res sacras et ecclesiasticas pertinent; gibt und der
vollständig von Ludwig Christian Mieg in den Monumenta pietatis et literaria,
Francofurti a. M. 1701 (1702") veröffentlicht worden ist. Ferner Verzeichnisse
hebräischer, griechischer una lateinischer Handschriften, meist nach Autoren,
in Pal. lat. 1916, 1950, 1951 (Konzepte nnd Reinschriften), s. Stevenson,
Palatini graeci S. XXX ff. Eine Abschrift dieser Inventare, die allerdings die
wertvollen Angaben der römischen Verzeichnisse über Standort, Herkunft
und Material der Handschriften wegläßt, ist von F. L. Hoffmann, Serapeum XI
(1850) 16t ff. (vgl. Serapeum XV (1854) S. 313f.) mitgeteilt worden. Sie war
1633 im 1 Besitz Isaac Gruters, eines Verwandten des letzten Bibliothekars der
Palatina, und gelangte, nachdem sie 1717 Uffenbach in Deventer erworben,
zuletzt in die Städtbibliothek in Hamburg.
3 ) Diese zuerst von J. Ch. F. Bahr , Die Entführung der Heidelberger
Bibliothek nach Rom i. J. 1623, im Serapeum VI (1845) bes. S. 145 geäußerte,
dann von Enrico Stevenson, Palatini Graeci S. XXXI wiederholte Annahme
wird von dem jüngeren Enrico Stevenson, La raecolta palatina dei codici e
libri a stampa ed i lavori eseguiti intorno alla medesima per ordine di Leone
'XIII. [1893] als „mera ipotesi. che non sembra abbastanza giustificata dai
raziocini addotti per confortarla" bezeichnet. Seine Gegengrilnde sind indessen
auch nicht überzeugend. Manches spricht jedenfalls dagegen, daß die Reibe
der alten Inventare, wie sie besonders in Kom und Heidelberg erhalten sind,
lückenlos ist. Nach Durchsicht der Verzeichnisse von 1581 halte ich es für
undenkbar, daß eine so unzureichende Inventarisierung, die für Ordnung und
Benutzung der Bibliothek die unvollkommenste Gewähr bot, vier Jahrzehnte
hindurch in Geltung geblieben sein sollte. Für eine Weiterführung dieser
Inventare, welche die auch in der letzten Zeit, besonders unter Friedrich IV.,
zahlreichen Zugänge verzeichnen müßte, fehlt jeder Anhalt. Andere Kataloge
der Stiftsbibliothek nach 1581 sind aber nicht erhalten, abgesehen von den
erwähnten Handschriftenindices, die aber mit Ausnahme des von Sylburg
keine endgültigen, offenbar auch nur Teilkatalogieierungen darstellen, und
einigen fragmentarischen Verzeichnissen in Pal. lat. 1916, 1950 und 1951, die
nnr Vorarbeiten zu sein scheinen. Eine Zäh hing der Handschriften mit fort-
laufenden Nummern, welche den Inventaren von 1581 noch fremd ist, und
die doch ohne neue Verzeichnisse nicht gut denkbar ist, bestand später
zweifellos. Nicht nur kommen diese Zahlen in den Handschriften selbst vor,
sondern auch In den obigen Indices und in dem bei Theiner (S. 81 ff.) und
Mazzi (S. 173 ff.) gedruckten Verzeichnis der Handschriften, die 1622 vor der
Ankunft des Allatius von Heidelberg nach München gebracht worden waren.
Sic erreichen hier die Uöchstzahl 1550.
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Originale: Pal. lat. 1930. Theologie.
1 945. Jurisprudenz.
1956. Geschichte.
1939. Philosophie (Grammatik, Rhetorik,
Auetores classici), Mathematik, Kosmo-
graphie, Medizin, Physik.
1927. Ungebundene Werke.
Kopien: Pal. lat. 1931. (= 1930, 1956, 1945, 1927) und
1938 (= 1939).
Die bedeutendste Bereicherung, die der kurfürstlichen Landbibliothek
nach Ott Heinrichs Tode zufiel, bildete die Schenkung der Bibliothek
Ulrich Fuggers, deren wertvollster Teil über tausend Handschriften-
bände waren. 1 ) Bereits 1571, nachdem Fugger an dem befreundeten
pfälzer Hofe Zuflucht gefunden hatte, wurden seine berühmten Bücher-
schätze in der Kirche zum hl. Geist aufgestellt. In diesem Jahre hat
sie der kaiserliche Notar Philipp Ludwig von Schwechenheim, beraten
von den Professoren der Universität Ludwig Graff und Hieronymus
Niger, dem Universitätsbuchdrucker Matthias Harnischt,?) auf kurfürst-
lichen Befehl verzeichnet, wie sie in den Kisten, die zur Ueberführung
von Augsburg nach Heidelberg gedient hatten, enthalten waren.
Dieses amtliche, mit Siegel versehene Protokoll ist der Codex Pal.
lat. 1921. Eine spätere Abschrift mit Besserungen und Ergänzungen, Pal.
lat. 1915, stammt wohl erst aus der Zeit nach Fuggers Tode (1584), als
gemäß seinem letzten Willen die Vereinigung der Bibliothek mit der des
Stifts endgültig vollzogen wurde. 3 ) Meist sind es griechische und lateinische
l ) Wilken S. 129 ff., neuerdings A. Stauber, Das Haus Fugger, Augsburg
1900, S. 104 ff.
*) Diese drei kommen mehrfach bei Winkelmann, Urkundenbuch der
Universität Heidelberg (1886) vor, 8. die Nachweise im Register. Hieronymus
Niger war seit 1562 Professor der Physik in Heidelberg: Über Ludwig Graff
(Gravo), den Professor der Medizin und späteren Hofmeaikua Friedrichs IV.,
8. Serapeum IX (1848) 292, über Matthias Harnisch s. Deutsche Biographie X 614.
*) Diese Ansicht von der Stellung der beiden Inventare tu einander, die
auch von Stevenson, Palatini gr&eci S. XXVI, und Alfons Müller, Zur Ueber-
lieferung der Apologie des Firmicus Maternua, Dissert., Tübingen 1908,
S. 12 ff., geteilt wird, widerspricht der von Johannes FIcker, dessen Einleitung
zu der Ausgabe von Luthers Vorlesung über den Römerbrief 1515 — 1516
(Anfänge reformatorischer Bibelauslegung, Bd. I, Leipzig 1908) sich in dem
Abschnitt „Zur Geschichte der handschriftlichen Exegetica Luthers in der
Bibliotheca Palatina" (S. XX VIII ff.) eingehend mit den Inventaren der Fugger-
bibliothek beschäftigt. Nach Ficker ist das notarielle Verzeichnis das
spätere, mit Benutzung von Pal. lat. 1915 oder dessen Vorlage „dem mit fort-
laufenden Seitenzahlen versehenen ursprünglichen Katalog der Fuggerbibliethek"
(S. XXXVI) entstandene Inventar. Meines Erachtens spricht schon der Wort-
laut des Protokolls (s. die Serapeum IX, 1S4S, S. 291 gedr. Stelle) klar aus,
daß im Pal. lat. 1921 eine erste Aufnahme auf Grnnd der Bücher selbst
vorliegt Die willkürliche Anordnung des Inhalts, die nur dadurch ver-
ständlich ist, daß die Kisten nicht in regelrechter Folge, sondern gerade so
geöffnet und verzeichnet würden, wie sie zufällig in der hl. Geistkirche auf-
gestapelt lagen (das Verzeichnis beginnt mit Kiste 32, es folgen dann 25, 27,
2 usw.), dieselbe Fassung der Titel kehrt in Pal. lat. 1915 wieder. Alle
1 OriQinal from
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Handschriften, die diese Inventare verzeichnen; auffallend wenig
deutsche Handschriften, nur einige französische und italienische,
letztere aus der von Fugger erworbenen Bibliothek des Humanisten
Janozzo Manetti stammend, sind damals in die Palatina gekommen.
Auch nach der Vereinigung von Schloß- und Stiftsbibliothek
fuhren die Kurfürsten und andere Mitglieder ihres Hauses fort, die
Bibliothek in der hl. Geistkirche mit Schenkungen zu bedenken.
I nter den Handschrif ten scheint indessen nur eine französische
gewesen zu sein: die Tragödie von dem Untergang der Waldenser
von Oabriere (Pal. lat. 1983) aus dem Nachlaß des 1574 in den
Niederlanden im Kampfe gegen die Spanier gefallenen Pfalzgrafen
Christoph, des vierten Sohnes Friedrichs III. 1 )
Differenzen lassen sich durch eine mit der Abschrift verknüpfte Revision des
ersten Inventars erklären, die Ungenauigkeiten richtig stellte und Ergänzungen,
insbesondere eine genauere Bezeichnung der früher nur summarisch ver-
zeichneten Gruppen einschob. Es folgen z. B. dem letzten Buch, das die
Kiste G7 in Pal. lat. 1921 enthält, in Pal. lat. 1915 als Nr. 420 — 426 einige
weitere Werke mit der Notiz: Weiters seint auch gefunden worden nach-
folgende Bücher so in Erster Inventation übersehen. Zwischen beiden In-
ventaren liegt als allerdings unwesentliches Mittelglied ein nicht mehr nach-
weisbares Inventar, auf dessen Blattzählung der Pal. lat. 1915 am Anfang einer
jeden, die Nummer der betreffenden Truhe der Bibliothek tragenden Abteilung
und ebenso die Eintragungen des Allatius in den Handschriften selbst ver-
weisen (s. die Beschreibungen der Handschriften Pal. lat. 1963, 1970>. Diese
Verweise können sich nicht, wie Müller meint, auf Pal. lat. 1921 beziehen,
da, um nur zwei Beispiele zu nennen, in Pal. lat. 1915 die Kiste 26, deren
Inhalt Ficker untersucht, den Zusatz p. 68 hat, während die in Pal. lat. 1921 ent-
sprechende Stelle Bl. 60 ist: bei der letzten Truhe 35 ist im Pal. lat. 1915
hinzugefügt pag. 271, während das Notariatsprotokoll nur 232 Blätter umfaßt. —
Das mit der Offen bachschen Sammlung in die Stadtbibliothek in Hamburg
gekommene Fuggerinventar, über das F. L. Hoffmann im Serapenm IX (1848)
289 ff. berichtet, ist nicht, wie Ficker meint, das Konzept des Notariats-
iostruments, sondern kann der ganzen Anlage nach nur ein alphabetischer
Index zu ihm sein.
') s. Häusser II 58, 79. — Aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. sind die
Verzeichnisse von mehreren kurfürstlichen Privatbibliotheken erhalten:
Der Katalog der an deutschen Drucken, vorzüglich der theologischen, schönen
und medizinischen Literatur, reichen Bibliothek Kurfürst Ludwigs VI.
(1576—1583) von 1584 (Pal. lat. 1947, Kopie in Pal. lat. 1919). Kataloge der
Privatbibliothek Friedrichs IV. (1592 — 1610) aus dem Jahre 1589 in zwei
Exemplaren, Pal. lat. 1917 nnd 1918, die erste Handschrift mit den Revisions-
vermerken des kurfürstlichen Hofpredigers Bartholomaeus Pitiscns und des
Magisters Porphyrius Crollius von 1594, welche die an die Landbibliothek
abgegebenen Bücher von den auf dem Schlosse zurückbehaltenen unter-
scheiden; ferner in Pal. lat. 19 16 ein Verzeichnis von der Hand des Melissus,
das nur die 1594 der Landbibliothek geschenkten Bücher und Handschriften
umfaßt; s. Stevenson, Palatini graeci, S. XXV, Note 2, wozu bemerkt sei, daß
Pal. lat. 1917 nicht von Melissus ist. Der Katalog der besonders an
französischer Literatur reichen Bibliothek des Pfalzgrafen Christoph
(Heidelb. Pal. germ. 835) und der meist theologischen Bücher der Pfalz-
Gräfin Elisabeth, der Gemahlin Johann Casimirs (Heidelb. Pal. germ. SOI).
Bandschriften haben diese Sammlungen nur in geringer Zahl besessen. In
die kurfürstliche Landbibliothek sind sicher gekommen die von Melissus
verzeichnete Schenkung Friedrichs IV. und der Nachlaß Christophs, wie das
Vorkommen von Pal. lat. 1983 in den Inventaren von 1581 beweist.
■ I Original fror«
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Die Freigiebigkeit der Kurfürsten der Stiftsbibliothek gegenüber
erstreckte sich nicht auf eine kleine Zahl kostbarer oder ihnen durch
den Inhalt, durch Beziehung zu der kurfürstlichen Familie nahe-
stehender Handschriften. Größtenteils wohl altes Erbgut, waren sie
schon von der Schenkung Ott Heinrichs ausgenommen und bildeten
mit Neuerwerbungen und zahlreichen Drucken eine zweite kurfürst-
liche Privatbibliothek im Schlosse. Ein wichtiges, leider nicht
gunz abgeschlossenes Inventar, das kurz nach dem Tode Friedrichs IV.
(1610) aufgestellt wurde (Heidelberg, Pal. germ. 809), gibt einen
Einblick in ihre Bestände. 1 ) An erster Stelle reformatorische und
historische Schriften, dann juristische und staatswissenschaftliche Werke,
die den Kurfürsten für die Regiernngshandlungen zur Hand sein
mußten, schöne Literatur und Uebersetzungen der antiken Schriftsteller
bildeten neben handschriftlichen Cimelien, unter denen sich die
Boccaccioübersetzung und vier weitere, durch Miniaturen ausgezeichnete
altfranzösische Handschriften befanden, den wesentlichsten Inhalt der
Hofbibliothek. Auch aus ihr hat Allatius das Wertvollste mit nach
Korn genommen.^)
l ) Bereits Chr. Baehr, Heidelberger Jahrbücher der Literatur, Jg. 65
(1872), S. 506 f. hat auf diese Handschrift hingewiesen, s. auch die Beschreibung
bei Wille, Pfälzer Handschriften, S. 122. An der Abfassung des Verzeichnisses
waren mehrere Hände tätig. Aus den Eintragungen BI. 138v, welche die
Rücklieferung entliehener Werke betreffen, gent hervor, daß an der Ver-
waltung der Bibliothek und wohl auch an der Inventarisierung der kurfürst-
liche Rat Zacharias Kolb beteiligt war. Sein Name kommt in anderem
Zusammenhang in den Archivalien vor, die den Pal. gcrm. 834 bilden (s. Wille,
8. 181, ferner Wilken S. 186, wo er mit Unrecht Colbert heißt). Die Be-
merkung Bl. Inl v, welche über die Entstehung des Inventars Auskunft gibt,
kann erst später eingetragen sein, da eine vorausgehende Notiz von derselben
Hand über eine ältere Biicherentleihnng an den Hofprediger Bartholomäus
Pitiscus dessen Tod (1613) voraussetzt. — In dem Katalog Ludwigs VI. wird
man kein Inventar der Schloßbibliothek erblicken dürfen, vielmehr ist diese
von der Schloßbibliothek getrennte Privatbibliothek erst später in der ersten
aufgegangen, vgl. den Anf. von Pal. lat. 1947: Inventarium aller der Bücher,
so aus Pfaltzgraff Ludwigs Churfürstens, meines gnedigsten Herrn hoch-
löblichster gedechtnus, gemach in die Ratstuben gethan. . . . Ebenso war die
Privatbibliothek Friedrichs IV. getrennt, als der Kurfürst 1594 den größeren
Teil der Landbibliothek übergab; der erwähnte Katalog "des Melissas, Pal.
lat. 1916, ist daher kein Katalog der Schloßbibliothek schlechthin, wie
K. Bardach, Zentralblatt flir Bibliothekswesen V (1888) S. 116 annimmt. Die
Angaben über Pal. lat. 1917 in dem Tagebuch des Maillot de la Treille
sind irreführend.
■) S. Theiner S. 33 ff, Mazzi S. 30 ff. Eine besondere Erlaubnis des
Grafen Tilly gab Allatius auch die freie Verfügung über die Handschriften
und Drucke der Schloßbibliothek und die der Universitätsbibliothek, des
Sapienzkollegs, welche in der Schenkung nicht einbegriffen waren. Während
Allatius ein Verzeichnis der in der letzteren gefundenen 76 Handschriften
mitteilt (Theiner S. 78 ff, Mazzi S. 198 ff), beschränkt er sich bei der ersteren
anf allgemeinere Bemerkungen. In einem Briefe an den Kardinal Ludovisi
spricht er von der Ueberlaasnng der „Biblioteca privata del Conte, dove sono
molti libri di molto buona, anchor che di non pretiosa, legatura, e parecbi
libri manuscritti, belli et antichi . . ." (16. Jan. 1623). Seine Erwartungen
wurden indessen bei einer näheren Prüfung übertroffen: „Qnanto piü vu
1 OriQinal from
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Diese weiter ausholenden Bemerkungen über die alten Inveutarc
der heidelberger Bibliotheken sind die vorläufigen Ergebnisse noch nicht
abgeschlossener Untersuchungen, die ich wieder aufzunehmen gedenke,
sobald meine Zeit es mir gestattet. Sie bilden die Grundlage für die
nun folgende, auf den Angaben der alten Kataloge beruhende Ueber-
sicht über die altfranzösischen Handschriften der Biblio-
theken Heidelbergs am Anfang des XVII. Jahrhunderts.
A. Bibliothek des Stiftes zum hl. Geist.)
(Kurfürstliche Landbibliothek, Bibliotheca Palatina.)
1. Kataloge von 1555 — 56.
(Handschriften der ehemaligen Schloßbibliothek.)
1. Officia de Sanctis. Gallice geschrieben, Perment (Pal. lat.
1929, Theologia latina, in foliis).
= Pal. lat. 1958. Offitia.
mesticando (!) la Biblioteca private del Palatino tanto piu trovo libri manuscritti,
che, se non saranDo di tutta sodisfattione, perche la maegior parte c in lingua
germanica, non perö saranuo ingrati; tanto piü che credo che siano cose che
appartengono alla casa loro. lo piglio ogni cosa; anchora le Bulle loro . . . u
(17. Jan. 1623 an den Kardinal von S. Snsanna, s. MazziS. 30, 34). Ein Blick
in das Inventar von 1610 bestätigt diese Angaben. Der großen Zahl von
Drucken gegenüber, mit denen in erster Linie die theologische und die
historische Literatur der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts ausgezeichnet
vertreten ist, bleiben die Handschriften erheblich in der Minderzahl. Einige,
besonders der theologischen, müssen durch Alter, künstlerischen Schmuck,
kostbare Einbände hervorragend gewesen sein. Die größere Mehrheit bilden
die deutschen Handschriften, von denen aber nur wenige Denkmäler von
literarischer Bedeutung enthalten. Meist ist es reformatorische Kleinliteratnr,
neuere historische und juristische Schriften, die sich überwiegend mit der
Pfalz und ihrem Herrscherhaus beschäftigen, Inventarien kurfürstlicher Mobilien,
Stammbücher, Handschriften über Kriegskunst, Pferde- und Jagdliebhaberei,
populäre Medizin, Alchemie u. ä. Unter den „cose che appartengono alla
rasa loro" wird man deutsche Handschriften zu verstehen haben, die den
eigensten Besitz der Rurflirsten und ihrer Familie bildeten: die zahlreichen
Gebetbücher, Stammbücher, Tagebücher und andere Privatissima des kurfürst-
lichen Hauses, die kaum je zu einer Bibliothek gehörten, ferner die Akten
des Schloßarchivs, soweit sie Allatius noch vorfand (s. auch Wille, Pfälzer
Handschriften S. IX f.).
') Handschriften werden in den palatinischen Inventuren fast ausnahmslos
durch den Zusatz „geschrieben", „Manuscript" gekennzeichnet. Die lieber-
schrift „Manuscripti", „geschriebene Bücher", unter der in einzelnen Katalogen
eine Reihe Eintragungen zusammengefaßt sind, ist allein nicht beweisend, da
auch dann neben den Handschriften, die der Bibliothekar als solche zu be-
zeichnen nicht verfehlt, Drucke nicht selten sind. Der Nachweis der erhaltenen
Handschriften wird dadurch erleichtert, daS die Bezeichnungen in den Inventareu
öfters auch in den Handschriften selbst eingetragen sind. Ich füge diese
Eintragungen den jetzigen, nach dem = Zeichen stehenden Standnummern
bei. Die Signatur Pal. lat. bezeichnet den Besitz der Bibliotheca Palatina des
Vatikans, ein vorgesetztes Heidelberg den der heutigen Heidelberger Univer-
sitätsbibliothek. An erster Stelle steht die Katalogeintragnng, in Klammer
die Angabe des Inventars, der sie entnommen ist.
■ I Original from
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2. Vitae sanctorum. Geschrieben, französisch (Pal. lat. 1937,
1941, Historiographi et cosmographi, V in foliis).
= Pal. lat. 1959.
3. Doctrina et Exempla patrnm. Geschrieben, Papier, frantzö-
sisch (Pal. lat. 1929, Theologia latina, D in foliis).
= Pal. lat. 1960. Doctrinae seu exempla patrnm.
4. Liber virtutum, cnius duae sunt partes. Frantzösisch, anf
Papir geschriben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, L in foliis).
=a Pal. lat. 1961. Virtutum Üb. I, cuius duae sunt partes.
5. Historiae Trojanae Collectionum libri 3. Frantzösisch,
auf Papier geschrieben (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmo-
graphi, II in median).
= Pal. lat. 1962. Historiae Troianae collectionum libri 3. 1 )
6. De ci vi täte nostrae dominae. Französisch, geschrieben,
Papir (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, 1) in fuliis).
— Identisch mit: Ein welsch buch von frawen gewonheit. Auf Papir
geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, E in foliis).
= Pal. lat. 1966.
7. Physica Gallica. Auf Perment geschrieben (Pal. lat. 1935,
Physica, P in foliis).
= Pal. lat 1967. Physica Gallica.
8. Oastrum amicitiae seu voluptatis, carmine Gallico. Auf
Papir geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, C in foliis).
= Pal. lat. 1968. Castrum amicitiae seu voluptatis carmine
Gallico.
9. Ein Buch von Theophilo und andern heiligen, gereymet.
Auf Perment, frantzösisch, geschrieben (Pal. lat. 1932, Theologia
Teutsch, E in foliis). — Legend» Theophili vnd ander hailigen.
(ieschriben, Perment (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et como-
graphi, L in foliis).
= Pal. lat. 1969. Ein Buech von Theophilo und andern heyligen.
10. llorologium Sapientiae. Auf Perment geschrieben, frantzö-
sisch (Pal. lat. 1929, Theologia latina, H in foliis). — Horologinm
sapientiae, fran^oys geschrieben, Perment (Pal. lat. 1936, Philosophia,
H in foliis).
— Pal. lat. 1973. Horologinm sapientiae, Eyn welsch blich
von der wysheit zu liben.
11. Nicodemi Evangelion. Gallice, geschrieben, Perment (Pal.
lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, N in fuliis).
= Pal. lat. 1988.
12. De virtute Missae. Geschrieben, Papier frnu$ois (Pal. lat.
1929, Theologia latina, D in foliis).
= Pal. lat. 1991. llorologium sapientiae. *)
! ) Diese Handschrift war vermutlich zuerst Eigentum der Universitäts-
bibliothek, s. S. 4.
*) Die Inventare bezeichnen die Handschrift nach ihrem ersten Stück,
der Erklärung der Messe.
f . I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
^ 17 —
13. Vom glauben, verstendtnus, Hoffnung und den vier
frauwen. Auf Papir geschrieben (Pal. lat. 1932, Theologia Teutsch,
V in quarto).
= Heidelberg, Pal. germ. 484. Von glauben, verstentnis,
hoffnung und den vier frawen.
14. Ein Buch von vier frauwen. Auf Papir geschrieben,
frantzösisch (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, E
in quarto).
sap Heidelberg, Pal. germ. 354. Ein buech von 4 frawen. ! )
15. Peregrinatio vitae humanae. Frantzösisch, auf Perment
geschrieben (Pal. lat. 1934, 1936, Philosophia, P in foliis).
«= Heidelberg, Pal. lat. 1969. Peregrinatio vitae humanae.
16. Preces, Mariae Vigiliae. Frantzösisch unnd Lateinisch,
geschrieben, Perment (Pal. lat. 1929, Theologia latina, P in foliis).
17. Liber de amore Dei. Frantzösisch, geschrieben, Perment
(Pal. lat. 1929, Theologia latina, L in foliis). — Wohl identisch mit:
Dialoges de amore communi et particulari, carmine gallico, auf Perment
geschriben (Pal. lat. 1933, Artes dicendi, D in quarto).
18. Chronica des Herzogthnmbs Sophoy. Frantzösisch, ge-
schrieben (Pal. lat. 1937, 1941, Historiographi et cosmographi, C
in foliis).
2. Kataloge von 1581.
1. Officia de sanetis. Gallice, geschrieben, Perment, folio,
Bretter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 88 v, Theologici).
— 1555, 1 2) = Pal. lat. 1958.
2. Vitae sanetorum. Gallice, Papir, Bretter, schwartz Leder,
Buckeln (Pal. lat. 1931, 307 v, Historici, geschriebene Bücher).
= 1555, 2 =-- Pal. lat. 1959.
3. Doctrinae seu exempla sanetorum patrum. Gallice,
geschrieben, Papir, folio, Bretter, rot Leder, Buckeln (Pal. lat. 1931,
85 r, Theologici).
= 1555, 3 = Pal. lat. 1960.
4. Liber virtutum. Gallice, geschrieben, Papier, in folio, Bretter,
rot Leder, gebunden (Pal. lat. 1938, 88r, Ethici).
= 1555, 4 = Pal. lat 1961.
5. Troianae historiae collectionum libri 3. Median, Bretter,
geschrieben, Papir, rot Leder, Bucklen (Bleistiftnotitz:) gallice (Pal.
lat. 1931, 276r, Historici).
= 1555, 5 = Pal. lat. 1962.
') Die unter 13 und 14 aufgeführten Handschriften waren ursprünglich
vereinigt. Der Verfasser des Inventars hat für seinen ersten Eintrag die auf
dem Vorblatt der Handschrift stehen gebliebene Bezeichnung des Sammel-
bandes Übernommen, als bereits der zweite Teil „von den vier Frauen 11 eine
selbständige Handschrift bildete.
-) Um unnütze Wiederholungen zu vermeiden, vorweise, ich mit diesen
Zahlen auf die Inventarisierung von 1555 - 1559.
Beiheft 46. 2
I OriQinal from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 18 —
6. Ein frantzösisch Buch vom Schachspiel. Geschriben,
Perment, in 4<\ Bretter, alt Leder (Pal. lat. 1938, 88 r, Ethici).
= Pal. lat. 1965. Diss buch sagt wie daz schachspil fanden
und erdacht ey.
7. De civitate Dominae. Papir, Bretter, rot Leder, Bucklen,
gallice (Pal. lat. 1931, 308r, Historici, geschriebene Bücher).
— 1555, 6 = Pal. lat. 1966.
8. Physica, Gallice geschrieben, Perment, folio, Bretter, rot
Leder, Bucklen (Pal. lat. 1938, 98 r, Physici).
= 1555, 7 = Pal. lat 1967.
9. Castrum voluptatis. Gallice, reimenweis, Papir, Bretter,
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 306 v, Historici, geschriebene Bücher).
— 1555, 8 = Pal. lat. 1968.
10. Historia von Theophilo unndt andern Heiligen. Ge-
schrieben, gallice, Perment, bredter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931,
308 v, Historici, geschriebene Bücher).
= 1555, 9 — Pal. lat. 1969.
11. Tragoediae du Sac de Cabriere. In 4° eingehefft (Rand-
note:) frantzösisch, geschrieben (Pal. lat. 1938 Bl. 51, Poetae latini).
= Pal. lat. 1983.
12. Nicodemi Evangelium (Bleistiftkorrektur: Legend). Gallice,
Papir, illuminiert, Bretter, braun Leder, Bucklen (Bleistiftnotiz: Seint
lügend) (Pal. lat. 1931, 307 v, Historici, geschriebene Bücher).
= 1555,11 — Pal. lat. 1988.
13. De virtute missae. Gallice, geschrieben, Papier, folio, Bretter,
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 88v, Theologici).
= 1555, 12 = Pal. lat. 1991.
14. Joannis du Pin Visionuni libri 8, primus autem desideratur;
item de virtutibus lib. I, cuius duae sunt partes. Gallice, geschrieben,
Papir, in foliis, Bretter, weiß Leder, Ketten (Pal. lat. 1938, 90 r, Ethici).
= PaL lat. 1992 (und 1961)*), Joannis du Pyn Visionum
lib. 8 . . . item de virtutibus lib. I.
15. Vom Glauben, verstendnus, hoffnung und den vier
fr auen. Geschrieben, Papir, in 4°, Bretter, rot Leder, Buckeln (Pal.
lat. 1931, 89 v, Theologici).
= 1555, 13 = Heidelberg, Pal. germ. 484.
16. Ein buch von vier frawen. Gallici rhytmi, Papir, Bretter,
rot Leder, Bucklen (Pal. lat. 1931, 310r, Historici, geschriebene Bücher).
— 1555, 14 — Heidelberg, Pal. germ. 354.
') Dieser Notiz entspricht in der deutschen Inhaltsangabe, die der
Handschrift beiliegt und die besonders den Anteil des Nikodemus an der
Volto Santo-Legeude hervorhebt, die Bemerkung: In summa non credo, wo-
durch die Identität mit Pal. lat. 19SS weiter erhärtet wird. Nach der Inventar!-
sation von 1555 ist es eine Pergament-, hier eine Papierhandach rift.
*) Beide Handschriften waren ursprünglich vereinigt. Auch hier bat
der Inventarisator die Inhaltsangabe des ehemaligen Sammelbandes mechanisch
übernommen, vgl. 1555,4; 1561,4.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 19 —
17. Peregrinatio vitae humanae. Frantzö9ische Carmina, ge-
schrieben, Perment, in folio, Hretter, rot Leder, Bucklen (Pal. lat.
1931, 49v, Theologie!).
= 1555, 15 = Heidelberg, PaL lat. 1969.
18. Chronica des Hertzogthumbs Sophoy. Papir, Bretter, rot
Leder, Bucklen, gallice (Pal. lat. 1931, 308 r, Historici, geschriebene
Bücher). ^
= 1555, 18.
3. Alphabetischer Index lateinischer Handschriften
in Pal. lat. 1916.
Tristani de Cornuaille fabula. Perg., 229 seors., gallice. 1 )
— Pal. lat. 1964. 229 seors [um].
4. Aus der Bibliothek Ulrich Fuggers.' 2 )
1. Chronicon gallica lingna scriptum. Auf Pergament 3 )
(Pal. lat. 1915, Truhe 26, pag. 68, No. 83).
= Pal. lat. 1963.
2. Gallici Rithmi de Religione. Auf Perment geschriben
(Pal. lat. 1915, Truhe 26, pag. 68, No. 18).
« Pal. lat. 1970, Gallici rhythmi de Religione.
3. Varii Rithmi, gallice. Auf Perment geschrieben (Pal. lat.
1915, Truhe 26, pag. 68, No. 13).
4. Liber gallicus de Christianorum quadragesima. Auf
Pergament geschrieben (Pal. lat. 1915, Truhe 18, pag. 58 b, No. 39). —
Nach Pal. lat. 1921 eine italienische Handschrift: Liber italicus de
christianorum quadragesima.
5. Aus der Bibliothek des Pfalzgrafen Christoph.
(Inventar von 1574, jetzt Heidelberg Pal. germ. 835.) 1 )
Tragoedie du Sac de Cabriere. Alt Perment 5 ) (98r).
= Pal. lat. 1983.
') Mit dem Verweis unter R: Roman fiazoes (Korrektur: fran^ois) lingua
gallica, Perg., 229 seors. (am Rand:) vide in T: Tristani fabulosa. In der
von F. L. Hoffmann veröffentlichten, öfters ungenauen Abschrift des Inventars
lautet der Eintrag: Tristani de Cornuaille fabnla gallica et germanica. Unter
den auf Bl. 38 — 42 verzeichneten Handschriften, die dem römischen Ver-
zeichnis fehlen, findet sich eine zweite französische Handschrift, Pal. lat. 1962,
ab Truianae historiae collectionuin libri III (Serapeum XI, 1850, S. 193, 195).
*) Ich beschränke mich hier auf das spätere und genauere Inventar des
Pal. lat. 1915; die mit jeder Truhe neu beginnende Zählung der Handschriften
und Drucke, der Verweis auf die Blattzählung des verlorenen Inventars
fehlen, wie bereits bemerkt, dem notariellen Protokoll (Pal. lat. 1921).
3 ) In beiden Inventaren unter den „auf Papier geschriebenen 14 Hand-
schriften; nur der Pal. lat. 101 A hat den berichtigenden Zusatz „auf Pergament."
4 ) s. die Beschreibung der Handschrift bei Wille, Pfälzer Handschriften S. 1 33.
5 ) „alt Perment" bezieht sich hier auf deu Einbaud.
2*
( ' " , . I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 20 —
B. Schloisbibliüthck.
(Inventar von 1610, jetzt Heidelberg Pal. germ. 809.)
1. Das alte Testament. Frantzösisch, *) vf Pergament geschrieben,
in schwartz Sammet mit vergulten Bucklen (74 v, Theologici in folio).
— Pal. lat. 1957.
2. Bocatii Decamero. Frantzösisch, vff pergament geschrieben,
mit figuren (125 r, Historici in folio).
= Pal. lat. 1989.
3. Ein Buch, vf ßergament geschrieben, dessen titulus: Lien de
corps a Tarne. Mitt etlichen figuren, in schwartz leder und ver-
gulten schniedt (79 r, Theologici in folio).
— Pal. lat. 1990.
4. Ein Buch, frantzösisch, vf Pergament geschrieben, dessen Titul:
De vertus et bonncs moeurs. Mit figuren, in schwartz ein-
gebunden mit vergulten Bucklen (79 r, Theologici in folio).
— i Pal. lat. 1995.
5. Ein frantzösisch Buch vf Pergeraent geschrieben, mit figuren:
Exhortations Spirituelles. In gülden stick eingebunden, auss-
wendig druf les Epitres Ozea (79v, Theologici in folio).
Von den einunddreißig altfranzösischen Handschriften, 2 ) welche
die Inventare aufführen, befinden sich zweiundzwanzig in der Yaticana
') „Frantzösisch" übergeschrieben nach Tilgung des ursprünglichen
„lateinisch".
*) Da die vorliegende Untersuchung sich mit Ausnahme der literar-
historisch bedeutsamen Palatini lat. 1983 und 1984 auf die altfranzösische
Literatur beschränkt, habe ich spätere französische Handschriften auch für
die obige Aufstellung außer acht gelassen. Die heidelberger Bibliotheken
besaßen noch eine Anzahl Handschriften des XVI. Jahrhunderts, aber fast
ausschließlich historischen oder reformatorischen Inhalts. Ich habe mir notiert
aus Pal. germ. 809 (Schloßbibliothek): Pourtrait de Babylon et batterie contre
ses ravehns par le Sr. Du Bois Lorea, geschrieben vf bapier (78 v), offenbar
ein theologisches Pamphlet, — Memoires de la vie de Frideric Cointe Palatin,
Electeur, par P. Denais, auf Papier geschrieben, weiß Pergament (120v) —
P. Denais. de Testat de Polongne, roanuscript in rot Pergament (124v), zwei
ungedruckte Schriften des auch als Dichter des heidelberger Kreises bekannten
Juristen Peter Denaisius ( 1 560— 1610), der unter Johann Casimir und Friedrich IV.
als pfälzischer Rat mit diplomatischen Missionen nach Polen und England
beauftragt wurde, s. Deutsche Biographie V 49. Zwei Musikhandschriften von
Gilles Bassenges (Aegidius Bassengius) verzeichnet das von Melissus verfaßte
Inventar der Schenkung Friedrichs IV. an die Stiftsbibliothek von 1594:
Emblemes mis en musique, par Gilles Bassanges, gallice. Prima cantio est
latina ad Joannem Casimirum, in 5 Tail gebunden, Manuscript, 4° — Les neuf
Muses palatincs, par Gilles Bassanges, gallice, Manuscript, b° (Pal. lat. 1916
II 65 v, Musica, dieselben Handschriften in den Verzeichnissen der Privat-
bibliothek Friedrichs IV. von 15*9 Pal. lat. 1917 und 1918). üeber Bassenges s.
F. J. F6tis, Biographie universelle des musiciens, Paris, I (1860} 2(ȧ, und
R. Eitner, Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten, Leipzig, I (1900)
368, beide ohne Erwähnung der genannten Werke.
1 Oriqinal from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 21 —
und drei in der Universitätsbibliothek in Heidelberg. Drei weitere
Handschriften der Vaticana — Pal. lat. 1971 (Partonopeus von Blois
und Epenfragmente), 1972 (Folque de Candie), 1984 (Lyrik des
XVI. Jahrhunderts) — , deren heidelberger Herkunft durch die Zu-
gehörigkeit zu dem Fonds der Palatini des Vatikans wahrscheinlich,
durch die in sie eingetragenen Signaturen des Allatius gesichert ist,
sind in den alten Inventaren nicht nachweisbar. Die Pergament-
handschrift Pal. lat. 1971 mit ihren epischen Fragmenten wird wohl
mit den „Varii Rithmi, gallice, auf Perment geschrieben" der Fugger-
handschriften gemeint sein. Bei der vierten Handschrift der Fugger-
bibliothek bleibt der französische Sprachcharakter unsicher, da hierüber
die Angaben der beiden Inventare auseinandergehen. Es ist weiterhin
möglich, daß in der Inventarisation von 1555 die Hs. 17 (Liber de
amorc Dei — Dialogus de amore communi et particulari, carmine
gallico) mit der Hs. 10 (Sense, Horologium sapientiae) *) identisch ist,
da bei dem alphabetischen Prinzip dieser Inventarisierung, welche ein
leichtes Auffinden der Handschriften ermöglichen soll, nicht aber der
Aufstellungsordnung folgt, dieselbe Handschrift je nach der Wahl des
Ordnnngswortes oder der Beurteilung des Inhalts mit variierendem Titel an
verschiedenen Stellen der Verzeichnisse vorkommen kann. Ueber den Ver-
bleib der letzten drei Handschriften, welche sich von den in den Inventaren
verzeichneten noch erübrigen, vermag ich nur Vermutungen auszusprechen.
Die Hof- und Staatsbibliothek in München besitzt als Cod. lat
10096 ein Gebetbuch mit Miniaturen aus dem Besitz Ott Heinrichs,
dessen Bild und Wappen mit der Jahreszahl 1558 der Einband zeigt.
Die Gebete sind lateinisch mit französischen Ueberschriften. Die
Handschrift, ein ehemaliger Bestandteil der Mannheimer Hofbibliothek,
mag ein versprengter Codex palatinus sein, der später in die Sammlung
Karl Theodors gelangte; 2 ) es ist nicht ausgeschlossen, daß sie mit
den „Preces, Mariae Vigiliae, frantzösisch und lateinisch, ge-
schrieben, Perment" der Kataloge von 1555 identisch ist.
Eine wertvolle Handschrift wird auch der, wie alle französischen
Handschriften der Schloßbibliothek, mit kostbarem Einband und Miniaturen
geschmückte Codex gewesen sein, den das Inventar von 1610 unter
den Theologici in Folio als „Ein frantzösisch Buch vf Pergement ge-' >
schrieben, mit figuren, Exhortations Spirituelles, in gülden stick
eingebunden, ausswendig druf les Epitres Ozea a bezeichnet Der
Name Ozea, wahrscheinlich eine Angleichung an den biblischen Namen
Ozias, der den Schreibern des Verzeichnisses vertraut war, weist
*) Pal. lat. 1973; das Horologiam in Prosa, aber der Epilog des Ueber-
setzera in Versen.
*) s. Cafalogus cod. lat. Bibliothecae regiae Monaceosis II 1 (1874), 132
und G. Leidinger, Verzeichnis der wichtigsten Miniaturen -Handschriften der
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, München 1912, S. 26. Die Jahreszahl ist 1558.
nicht 1553, wie es an beiden Stellen heißt. Einbände mit Ott Heinrichs Bild
besaß auch die Bibliothek in Neuburg, aber docli wohl nur ans der Zeit, als
dort Ott Heinrich vor Krlangung der Kurwiirde (155G) residierte. Sie sind
neuerdings in die Hof- und Staatsbibliothek in München gekommen.
I Original fVorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 22 —
auf die lehrhafte Epistre que Othea, deesse de prüde nee, envoya
a Hecior de Troye der Christine de Pisan hin. Daß aber anch
die Bezeichnung Exhortations spirituelles keine willkürliche Prägung
ist, zeigt der Anfang einer anderen Handschrift der Epistre, der einzigen,
die sich in Deutschland befindet, des Cod. membr. I 119 der Herzog-
lichen Bibliothek in Gotha. 1 ) Hier geht dem Text ein Register voraus,
das in fünf sachliche Gruppen geordnete Hinweise auf den Inhalt gibt,
mit dem Anfang: La table de celivre demonstre le nombre des chappitres
dont on vouldra lire. Si est la premiere partie de ceste [table] de exhor-
tacions espiritueles. Et theos en grec est autant a dire en fran^ois
comme dieu, et logos sermo, dont theologie est a dire sennon de dieu. Die
Epistre beginnt dann nach Schluß des Registers sogleich mit: Othea,
deesse de prudence, | Qui adresse les bons en vaillance (7r) ohne die
Widmung Christinens an den Herzog Ludwig von Orleans (Tres hanlte fleur
par le monde louee) und ohne die sonst übliche Rubrik: Cy commence
l'epistre que Othea la deesse envoya a Hector de Troye, quant il estoit en
l'aage de quinze ans. Dieses Register, besonders seine weitschweifige
Ankündigung, der inhaltlich wenig besagende Ausdruck „Exhortacions
espiritueles , der in der Epistre keine Stütze findet, die unangebrachte
Glosse, machen durchaus den Eindruck einer späteren Zufügung flan-
drischer Schreiber, die ihre Handschriften mit langatmigen Titeln und
Registern einzuleiten pflegten. Mit dem ursprünglichen Text hat es
sicher nichts zu tun. Eine ähnliche Handschrift aber muß den Verfassern
des Inventars von 1610 vorgelegen haben. Die kurfürstlichen Räte,
bei denen man kein großes Verständnis für französische Literatur
voraussetzen kann, und die sich nach eignem Zeugnis ihres Auftrags
„in großer eihl" entledigten, 2 ) haben zunächst den Inhalt der Hand-
schrift geprüft und, da Bie keine Titelrubrik fanden, dem Register die
Worte .Exhortations spirituelles", die nur als Ueberschrift für dessen
erste Gruppe gilt, entnommen, dann bei Beschreibung des Einbandes
die äußere , von sachverständigerer Hand herrührende Bezeichnung
hinzugefügt. Die naheliegende Vermutung, daß die gothaer Handschrift
der vorschollene Palatinns sei, läßt sich leider nicht zur Gewißheit
erheben. 3 ) Der schöne Pergamentcodex mit seinen hundert Miniaturen
>) Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr. Ehwald bin ich für Mitteilungen über die
Handschrift und ihre Sendung an die Königliche Bibliothek in Berlin zu
Danke verpflichtet — Eine eingehendere Besenreibung findet sich bereits bei
Fr. Jacobs und F. A. Ukert, Beitrage zur älteren Literatur oder Merkwürdigkeiten
der Bibliothek zu Gotha. Leipzig 1836—38. Bd. II, 161 ff.
f ) S. die Beschreibung des Inventars bei Wille, Ptalzer Handschriften, S. 122.
3 ) Eine Untersuchung, ob das Register des Gothanus in andern der zahl-
reichen Handschriften wiederkehrt, würde, selbst wenn sie zu einem negativen
Ergebnis führen sollte, nicht völlig beweisend sein, da verwandte Handschriften
verloren gegangen sein können. Die Beschreibungen der Handschriften Paris
Bibl. Nat. franc. 604, 606, &4S, 11S5, IIS«, 1644, 12438, 15214. 229S6, 25559,
Nouv. acq. 645*, 7519, Brüssel 4374, M92, '.»550, 111 »2, II 103, 11249, Chantilly
495, 490, Lille 391, 392, ltum Vat. lieg. 1323 enthalten keinen Hinweis auf
ein Register, doch könnte er bei der Klirao der Angaben unterblieben sein. —
Es sei hier bemerkt, daü der Uuthanus die ursprüngliche Fassung Christinens
I Original front
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 23 —
stammt aus der Bibliothek Antons von Burgund. Für ihn ist er ge-
schrieben, wie das in die Randfüllung der Zierseite (Bl. 7 r) eingefügte
Wappen beweist, und die bekannte Devise „Nul ne si frote. Ob. 1 ) de
Bourgogne" trägt das letzte Blatt. Die Bibliothek des „ Grand Bätard
de Bonrgogne" mit ihren zahlreichen Prachthandschriften scheint bald
nach seinem Tode (1504) zerstreut worden zu 6ein. Ein Teil indessen
ging wahrscheinlich an seinen Enkel Adolf von Burgund über; so
auch die später in die Palatina gelangte Miniaturenhandschrift des
Livre de bonnes moeurs (Pal. lat. 1995^). Die Schicksale der gothaer
Handschrift nach Antons Tod dagegen sind unbekannt. Der alte Einband,
der Aufklärung geben könnte, ist im XVII. Jahrhundert ersetzt worden;
Hinweise auf eine palatinische Herkunft habe ich in der Handschrift
selbst nicht gefunden. Als Besitz der Gothana wird sie erst 1714
erwiesen, durch ihr Vorkommen in dem Catalogus cod. rass. Bibliothecae
Gotha nae (Lipsiae 1714, S. 22) des Ern. Sal. Cyprianus.
Die „Chronica des Hertzogthumbs Sophoy, Papir, gallice"
der Inventare von 1555 und 1581 wird eine der zahlreichen Hand-
schriften der „Anciennes chroniques de Savoye" gewesen sein, der
am Anfang des XV. Jahrhunderts entstandenen Familienchronik des
Hauses 8avoyen, 3 ) die Mechthild oder Margarete von Savoyen mit
nach Heidelberg gebracht haben mag.
Unter den heidelberger Handschriften, die Leo Allatius im
Frühjahr 1623 über die Alpen entführte, befanden sich auch acht-
undzwanzig französische Handschriften der kurfürstlichen Bibliotheken.
Wie der Bevollmächtigte Gregors XV. seine schwierige Aufgabe mit
Geschick erfüllte, hat er selbst in seinen Berichten und Briefen
anschaulich geschildert. 4 ) Die französischen Handschriften teilten das
enthält, nicht die im Auftrag Philipps des Guten von Jean Mtelot verfaßte
Bearbeitung. Letztere scheint auch nur in der Prachthandschrift Mi6lots, Brüssel
9392, sich zu finden, deren Miniaturen J. van den Gheyn (Brüssel 1913) ver-
öffentlicht hat. Zum Vergleich mit der gothaer Handschrift konnte ich den
frühesten. Ende des XV. Jahrhunderts bei Philippe Pigouchet in Paris unter
dem Titel „Les cent histoires de Troye" erschienenen Druck der ersten Fassung
(Hain 4985, Berlin Kgl. Bibl. Ink. 4754) heranziehen. Mit den Holzschnitten
der Inkanabel zeigen die Miniaturen des Gothanus gleichfalls eine größere
Verwandtschaft als mit denen Mielots, obgleich auch letztere größtenteils auf
dieselbe Vorlage zurückgehen.
') Der Schaft des b ist mit einem Kürzungsstrich durchkreuzt
a ) S. die Beschreibung dieser Handschrift an späterer Stelle; dort auch
Literaturnachweise.
') Ausgabe in den Monumenta historiae patriae, Scriptores T. I, Augustae
Taurinorum 1840. v
*) Die ältere, tendenziöse, aber durch die, freilich nicht erschöpfende,
Erschließung des in der Vallicelliana in Rom aufbewahrten Nachlasses des
Allatius wichtige Arbeit von Augustin Theiner ist nun durch die auf ein-
gehendem Studium dieser handschriftlichen Quellen nnd auf ausgiebiger
Verwertung der gedruckten Literatur beruhende Untersuchung von Curzio
Mazzi, Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg, Bologna 1893, ersetzt
Ergänzungen bietet Enrico Stevenson, La raecolta palatina dei codici e libri
a stampa ed i lavori eseguiti alla medcsiuia per ordine di Leone XIII. [1893].
I Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 24 —
Schicksal der übrigen. Auch von ihnen hat Allatius die alten
schweren Einbände, wie sie die Inventare der Stiftsbibliothek von
1581 und der Schloßbibliothek von 1610 beschreiben, entfernen
lassen; nur die drei Handschriften, deren Deckel Ott Heinrichs Bild
und Wappen trugen (Pal. lat. 1969, Heidelberg Pal. germ. 354, 484)
blieben der römischen Instruktion gemäß verschont. ■) Zugleich mit
den lateinischen Handschriften wurden sie mit einer fortlaufenden
Zählung versehen, da die in Heidelberg vorgefundenen Inventare, mit
, Ausnahme desjenigen der griechischen Handschriften, für die Sichtung
und Ordnung der Bibliothek keine genügende Grundlage zu bieten
schienen. Der fortlaufenden Nummer fügte Allatius dann noch die
der Kiste hinzu, in welche die Handschrift verpackt wurde. Die
spätere Aufstellung in der Vaticana trennte die orientalischen,
griechischen, lateinischen und deutschen Handschriften. Die wenigen
französischen Handschriften wurden den lateinischen angereiht und
erhielten die folgenden Standnummern, aber das noch vor 1633 von
Alessandro Rainaldi verfaßte Inventar der Palatina*) schloß bereits
mit der letzten lateinischen Handschrift, Pal. lat 1956. Die Inven-
tarisierung der französischen Handschriften, denen sich im Laufe der
2eit noch einige andere, zuerst zerstreute Handschriften, insbesondere
eine größere Anzahl von Libri cum notis manuscriptis, die aus den
Drucken 3 ) der Palatina ausgesondert worden waren, zugesellten, blieb
einer späteren Zeit vorbehalten und scheint dann in Vergessenheit
geraten zu sein.*)
Hier standen nun gänzlich unbeachtet die altfranzösischen Hand-
schriften der heidelberger Bibliotheken. Die zahlreichen Gelehrten, 5 )
*) Ueber die Einbände Ott Heinrichs s. Wilken S. 122 f.— Die von Niccolö
Alemanni für Allatius verfaßte Instruktion schrieb betreffs der Einbände vor:
Per inanco peso, et per non multiplicar le casse, si potranno levare ai libri
le coperte di tavola . . . Ma sopra tutto non si tocchino quelle coperte nelle
quali appariranno arml, inscrizioni o memorie del giä Conte Palatino o altri
principi, o di monasteri, chiese, o locht d'onde detti libri ai saranno havuti
(Theiner S. 56, Mazzi S. 166). — In Rom wurden die französischen Hand-
schriften, die ihre alten Einbände verloren hatten, wie die meisten Palatini
alsbald mit gleichmäßigen, schmucklosen Pergamenteinbänden versehen; nur
die Pal. lat. 1957, 1970, 1989, 1990 haben Ledereinbände aus neuerer Zeit
') Vgl. E. Stevenson, Raoeolta palatina [1893] S. 10.
*) Die Drucke der Palatina hat Henricus Stevenson verzeichnet: Inventario
dei libri stampati Palatino -Vaticani, Roma 1886 — 1889.
4 ) Die nicht katalogisierten Handschriften umfassen die Pal. lat 1957—2017.
Unter den Pal. lat 1996—2017 stehen die Tage- und Stammbücher der Pfalz-
grafen, die F. von Bezold in seiner Ausgabe der Briefe des Pfalzgrafen
Jobann Casimir, München 1882 — 1903, teilweise verwertet hat; über die Stamm-
bücher Pfalzgraf Christophs, Pal. lat. 2016, 2017, s. die spätere Beschreibung
von Pal. lat. 1983. Pal. lat. 1976— 19S2 sind Musikhandschriften. Eine Hand-
schrift von Konrad Kyesers Bellifortis, Pal. lat. 19S6, beschrieb F. Saxl, Sitzungs-
berichte der heidelberger Akademie. Phil.-hist. Klasse Jg. 1915. Abh. 6—7,
S. 43 f.
& ) Eine Uebersicht bietet das Vorwort Langluis' zu seinen „Notices des
inanuscrits de Kome. u
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— 25 —
die den romanischen Schätzen der Vaticana ihre Aufmerksamkeit
zuwandten, sind achtlos an ihnen vorübergegangen, von Bernard de
Montfaucon, der in seiner „Bibliotheca bibliothecarnm manuscriptornm
nova" (Parisiis 1739) bereits viele französische Handschriften der
Vaticana verzeichnete, bis zu Ernest Langlois, dessen „Notices des
mannscrits fran$ais et proven$aux de Korne antcrieurs au XVI C siccle"
(Paris 1889. = Notices et extraits des mannscrits T. XXXIII 2.) die
ganzen altfranzösischen Bestände der römischen Bibliotheken umfassen
sollten. 1 ) Mit einer Ausnahme!
a ) Man wird jetzt, wo unsere Kenntnis der altfranzösischen Hand-
schriften Roms eine wesentliche Bereicherang erfährt, nicht ohne Interesse
die folgende Stelle der Besprechung der Arbeit Langlois' lesen, die Paul
Meyer in der Romania XIX (1890) 309 ff. geschrieben hat: Dorenavant,
pour tont ancien ms. franqais ou pro verbal de Korne, on pourra avec s6curitc
avoir reconrs au memoire de M. Langlois, assur6 d'y rencontrer, soit une
notice originale, soit une bibliographie bien faite des travaux plus anciens.
Ceux des mss. de Rome qui Interessent notre littärature ont 6t6 de bonne
heure l'objet de recherches assez nombreuses. Sans parier des notices r6dig6es
par Sainte - Palay e et La Port du Theil au aiecle dernier, et conserv6ea en
manuscrit ä la Bibliotheque nationale, notices que M. Langlois a consult6es
urilement plus d 7 une fois, les recherches de P. Lacroix, de Keller, de Guessard,
de Grüzmacher, de Bartsch, de M. Stengel, de M. Delisle et plusieurs eleves
J|ue l'Ecole des Chartes a envoy^s dans ces dernieres annäes a l'Ecole
ran§aise de Rome (nutamment de M. M. Elie Berger et Ant. Thomas), avaient
d6jä fait connaitre la plupart de ces mss. Aussi M. Langluis ne pouvait-il
espärer faire aucune d6couverte r6ellement importante. — Das Inventar
Langlois' läßt Indessen, auch wenn man von den Palatini absieht, an Voll-
ständigkeit sehr zu wünschen übrig. Bereits A. Thomas, Romania XIX (1890)
599 ff. , hat auf 16 Handschriften hingewiesen, die Langlois übersehen hatte.
Gelegentliche Notizen, die ich mir bei einer Durchsicht des Inventars der
Bibliotheca Reginae auf deutsche Handschriften machte, gestatten mir, weitere
Ergänzungen zu geben. Bei Langlois vermisse ich: Reg. lat. 25 (Bibliorum
epitome, Tatine et gallice, cum adnotationibus), 27 (Psalmorum über et cantica,
litaniae etc. cum veraione gallica), 80 (Excerpta ex sacris libris. partim gallice,
Earttm latine), 1177 (Marescalcia , sive de equis curandis, gallice), 1292 (De
erbia aüisqucf simplicibus medicamentis, ordine alphabetico, gallice cum
figuris), 1429 (Proverbia gallica antiqua cum explicationibus), 1628 (Vegetius
de re militari, a Joanne de Meung gallice expressus, s. Romania XXV (180«)
402 Note). Die lateinischen Bezeichnungen sind die des vatikanischen Inventars;
ich habe sie beibehalten, da eine nähere Prüfung des Inhalts dieser Hand-
schriften — es sind, wie ich mich überzeugen konnte, alles Pergament-
handschriften des XIV. und XV. Jahrhunderts — anfangs nicht in meiner
Absicht lag und später, mangelnder Zeit wegen, unterbleiben mußte. Zwei
altfranzüsische Handschriften, davon eine der Ottoboniana, die bei Langlois
fehlen, finde ich von Ludwig Bethmann, Archiv der Gesellschaft für ältere
deutsche Geachichtskunde XII (1874) S. 307, 367 verzeichnet: Reg. lat. 760
(Gesta epp. Cameracensium), Ottobon. 1474 (Loya de Normane! ie). Reg. lat. 315
(Livre d'neures, Perg.. 14. Jahrb.) enthält außer Gebeten auch ein Fragment
des Miserere des Renclus de Molhens (Ausg. von A. G. van IJamel, Paris 18S5,
Str. I— LXXVI1); zu Reg. lat. $70 vgl. Bibliotheque de l'Ecole des chartes
LXV (1904) 541 ff., zu Reg. lat. 1480 (Chrestieu Lo Gouais, üvide le grant)
jetzt F. Sail, I. c. 8. 68. Eine erneute systematische Durchsicht der Inventare
würde m. E. in allen Teilen der Vaticana, die Palatina ausgenommen, noch
erhebliche Nachträge zn Langlois* Verzeichnis ergeben.
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Kurfürst Karl Theodor, der kunstsinnige Fürst, dem die Mann-
heimer Hofbibliothek ihre Blüte verdankte, hatte auch ein lebhaftes
Interesse für die Bücherschätze seiner Vorfahren, die ein ungünstiges
Geschick nach Rom verschlagen hatte. Nachdem bereits 1750 in
seinem Auftrage Johann Georg von Lori den deutschen, auf die Pfalz
und Bayern bezüglichen Handschriften der Palatina ein längeres
Studium gewidmet hatte, wurde 1767 — 1768 dem pfälzischen
Akademiker und Hofbibliothekar Maillot de la Treille der Auftrag,
die ganze Palatina einer Durchsicht zu unterziehen. 1 ) Maillot fand
in der Vaticana weitgehendes Entgegenkommen. Es wurde ihm ge-
stattet, nicht nur die Kataloge, sondern auch die Handschriftenschränke
selbst, Handschrift für Handschrift prüfend, zu durchmustern. Die
ausführlichen Notizen, die der pfälzische Hofbibliothekar in seinem
jetzt in dem Kgl. Geheimen Hausarchiv in München befindlichen
Tagebuch niedergelegt hat, geben Kunde von dem Fleiß und der
Sorgfalt, die er seiner Aufgabe widmete. Auch die französischen Hand-
schriften entgingen seiner Aufmerksamkeit nicht. Die Stelle des Tage-
buchs, welche sie behandelt, verdient Wiedergabe, nicht allein weil
sie für diese interessant ist, sondern auch weil sie das Urteil eines
französischen Gelehrten der Aufklärungszeit über die mittelalterliche
Literatur seines Vaterlandes charakteristisch wiederspiegelt.
Nachdem unser Bibliothekar mit dem 14. Schrank und mit Pal.
lat. 1956 seine Durchsicht der lateinischen Codices beendet hatte,
fahren seine Aufzeichnungen fort: 2 ) Suite des autres manuscrits qui
sont places sans ordre et de quelques grecs dans l'armoire quator-
zieme: Deux volumes, petit in 4°, sur parchemin en lettre6 gothiques
contenant des cantiques et autres vers qui traitent de la religion et
des devoirs d'un bon chretien [Pal. lat. 1970, die zweite Hs. ist nicht
bestimmbar]. — Quatre volumes in 8° oblongo contenant des livres
de chants notes [jetzt Pal. lat. 1976 — 79, der Text ist lateinisch], il
paroit qu'ils ont et<$ pris dans la Boheme. — Un autre in 4° sur
parchemin en lettres gothiques contenant des historiettes de devotions
mises en vers frangois, ce volume a 233 feuillets [Pal. lat. 1969]. —
Un autre in 4° de 51 feuillets sur parchemin en lettres gothiques,
il a pour titre: Le Jeu des Eschecs par Jehan du Boys [Pal. lat
1965]. — Un in 8° sur parchemin, lettres gothiques, contenant cn 146
feuillets Thistoire des trois Maries. 3 ) — Un in 4° sur papier de
\) Rockinger S. 27 ff.. Auszüge aus dem Tagebuch S. (30) ff.; die Stelle
über die französischen Handschriften, die schon früh meine Aufmerksamkeit
auf diese hinlenkte, ist bei Rockinger sehr gekürzt: „In dem Schlußschranke
der lateinischen Handschriften sind sodann noch einige französische, und die
ersten 22 Nummern der griechischen aufgestellt" (S. 33).
*) München, Kgl. Bayer. Geh. Hausarchiv Nr. 290 b, Bd. 3.
3 ) Diese Inhaltsangabe paßt auf keine der heidelberger Handschriften,
die allgemeinen Angaben aber, besonders die Blattzahl, auf Pal. lat. 1972.
Warum allerdings Maillot diese -Handschrift mit der biblischen Legende von
den drei Marien, die in drei alt französischen Fassungen bekannt ist (s.
ü. Grocber, Grundriß der roin. Philologie, Bd. 2, Abt. I, S. 647, 761, 934),
I Original from
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188 fenillets contenant en lettres gothiques le ch&teau d'amour
en vers francois [Pal. lat. 1968]. — Treize autres volumes in folio
contenant des livres de priores, des vies des saints [Pal. lat. 1959]
et des romans, entre lesquels celui qni a pour titre Pelerinage de la
?ie hnmaine avec figures [Heidelberg, Pal. lat. 1969], m'a paru le
plus curieux; ils sont tous en lettres gothiques et la plnpart sur
parchemin. — La chroniqne de Godefroi de Bouillon in folio sur
parchemin de 258 fenillets en lettres gothiques [Pal. lat. 1963]; une
note apprend que cette chronique a ete coui'rontee avec la traduction
qu'en en[t] faite Guillaume Tyrius, le 29 mai 1598; in ßne rubrica
ita habet: Liber Dominae Isabellae reginae Norwegiae. — Six autres
volumes in folio, dont cinq sur parchemin en lettres gothiques,
contenant l'histoire fabuleuse du crucifix de Luques avec des figures
[Pal. lat 1988], la traduction d'une partie de la bible [Pal. lat. 1957],
le roman de Tristan [Pal. lat. 1964] et autres. — Somme totale, il
n'y a rien de rare en tous ces manuacrits franfais.
Tragödie du Sac de Gabriere, en vers frangois, petit in 4° sur
papier de 35 fenillets [Pal. lat. 1983]/ — Die Wiedergabe der Widmung
an den Pfalzgrafen Christoph und der ersten Verse begleitet die
Wertung: en voilä, ei je ne me trompe, assez pour juger de la belle
versification et des beaux sentiments que renferme cette pifcce.
Diese siebenundzwanzig französischen Handschriften fand Maillot
de la Treille am Schluß der Palatini latini. Zwei weitere waren durch
Zufall in den Fonds der deutschen Handschriften der Palatino- Vaticana
geraten. Sie erscheinen deshalb in einem im XVII. Jahrhundert ent-
standenen Verzeichnis derselben (Index librorum theutonicorum
manuscriptorum), von dem der Cod. Cat. Bav. 557 der Hof- und Staats-
bibliothek in München eine 1806 verfaßte Abschrift ist, 5 ) als Nr. 98,
Liber quatnor Matronarum poemate Gallico [Heidelberg, Pal. germ.
354], Nr 99, Dialogus gallicus; colloquutores sunt fides, intcllectus, spes,
diffidentia [Heidelberg, Pal. germ. 484] und in dem späteren von
Hieronymus Schimmelpfennig unter Clemens XI. (1700 — 1721) ver-
faßten Inventare, dessen Anordnung auch Wilken beibehielt, als Pal.
Germ. 354 und 484. *)
verwechselt haben sollte, ist nicht ohne weiteres klar. Jedenfalls wissen
auch die alten Inventare der Palatina nichts von einer „Histoirc des trois
Maries."
') Fast vollständig herausgegeben von Ruland, Serapeutn XVII (IS56)
212 ff. Die Unhaltbarkeit der von Roland an das Verzeichnis geknüpften
Hypothese, daß hier ein Inventar der in Rom zurückbehaltenen Schloß-
bibliothek vorliege, ist bereits von K. Burdach, Zentralblatt für Bibliotheks-
wesen Jg. V (1888) 116 dargetan worden.
*) Wilken S. 214, 545f., auch Rockinger S. (34). Nach E. Stevenson,
Raccolta palatina [1893] S. 15 befindet sich dieses Inventar noch in der
Vaticana. Eine Kopie des zugehörigen alphabetischen Index 1 ist der Cod.
Honac. Cat. Bav. 55*; (s. Serapeuui 1. c. S. 22G). Das ältere Inventar führt
außerdem unter den deutschen Handschriften noch auf als Nr. 07, Historia
S. Theophili et alioruui poemate gallico descripta [Pal. lat. 19G9J und als
I ' , . I . Original from
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— 28 —
Maillote Aufzeichnungen standen dem Heidelberger Professor der
Theologie Karl Friedrich Kasimir Wandt, dem Verfasser der
ersten selbständigen Geschichte der Palatina, zur Verfügung. Sein
Programma de' celeberrima quondam Bibliotheca Heidelbergensi,
Heidelberg 1776, das auch heute noch durch sorgfältige Benutzung
der Quellen von Wert ist, enthält eine Beschreibung der Bibliotheca
Palatina des Vatikans, ! ) der offenbar Maillots Tagebuch selbst zu
Grunde liegt, und die auch die französischen Handschriften nicht un-
erwähnt läßt. Es heißt dort: Ceterum Codices MSS. Palatini secundum
linguas dispositi atque collocati sunt . . . Latinos excipiunt nonnulli
Codices idiomate Galltco conscripti; inter quos Chronicon de
expeditione Godofredi Bouillonaei in primis memorabile est.
Guil. Tyrii Historia de Bello sacro a. 1598 cum hoc Chronico collata
fuit. Alii ob picturarum, quibus exornati sunt, artificium atque
elegantiam celebrari merentur. Huc in primis referunt: Histoire
de(!) Crucifix de Lucque, Histoire de (!) trois Maries, et la(!)
pelerinage de la vie humaine (S. 27f., nebst Anm. 57, 58).
A. Friederich, der kurz vor Wilken eine „Geschichte der nach Rom
entführten heidelberger Bibliothek u (Karlsruhe 1816) schrieb und
dabei Wundts Programm ausgiebig benutzte, hat diese Stelle in
deutscher Uebersetzung wiedergegeben (1. c. S. 50 f.).
Als 1797 nach dem Frieden von Tolentino die Franzosen fünf-
hundert der wertvollsten Handschriften der Vaticana nach Paris
entführten, fesselte die mit den Wappen der französischen Königs-
familie und mit Miniaturen geschmückte Handschrift der Pelerinage
de vie humaine die Aufmerksamkeit der französischen Kommissare.
Sie ist unter den achtunddreißig pfälzer Handschriften, die nach
Paris kamen, die einzige französische. 2 ) Die nach Napoleons Sturz
auf Wiedergewinnung der Palatina gerichteten und besonders von
Preußen diplomatisch geführten Bestrebungen erreichten zunächst, daß
die in Paris befindlichen palatinischen Handschriften nicht nach Rom
zurückkehrten, sondern im Januar 1816 der Universitätsbibliothek in
Heidelberg übergeben wurden. 3 ) Unter den 847 deutschen Hand-
schriften der Bibliotheca Palatina, die im Mai desselben Jahres der
Vatikan der heidelberger Universität zurückgab, befanden sich auch
die beiden Handschriften Alain Chartiers, Pal. germ. 354 und 484,
Nr. 379, Historiae Troianae Collectionum libri tres, gallice [Pal. lat 1962].
Maillot de la Treille fand diese Handschriften bereits unter den französischen,
nachdem sie Schimmelpfennig bei seiner Inventarisierung ausgeschieden hatte.
*) Wandt S. 25 ff, s. auch S. 16 Anm. 24.
a ) Recensio manuscriptorum codicum, qui ex universa Bibliotheca Vaticana
selecti, iussu dni. nri. PH VI. P. M. prid. Id. Jul. an. 1797 procaratoribus
Gallorum . . . traditi fuere, Lipsiae 1S»3, 8. 123 als Nr. 473: (Pal. lat.) 1969.
Cod. Membr. in toi., constans pag. 94, exarat. saec. XV. Continet Rom&ncium
Versibus Gallicis, cui Titulus Pe!erina(e)£e de la Vie lluinaine, cum Picturis;
s. auch Friederich, der 8. 5s ff. ein Verzeichnis der pfälzer Handschriften nach
der Recensio gibt.
3 ) Friederich S. vif., Wilken S. 23b ff.
1 Onainal from
UNIVERMFiOF-XIFCW.
— 29 —
während die gleichfalls ursprünglich zum deutschen Fonds zählende
Handschrift der Mirakel Gauticrs von Coincy in Rom die nach Paris
verschleppte und von dort direkt nach Heidelberg zurückgelangte
Handschrift üigullevilles 1 ) ersetzte.
Friedrich Wilken, der als Vertreter der Universität bei der
Rückgewinnung der deutschen Handschriften in besonderer Weise
beteiligt war, hat bereits 1817 seiner „Geschichte der Heidelbergischen
Büchersammlungen" ein umfangreiches Verzeichnis der zurückgegebenen
Denkmäler angefügt. Seine Beschreibungen der drei französischen
Handschriften (S. 545 f.) blieben für lange Zeit die einzigen, die man
von den französischen Handschriften der Palatina überhaupt besaß.
Erst die letzten Jahre brachten neue Kunde.
Auch Maillot de la Treille war ein Codex unbekannt geblieben,
den er zweifellos nicht unerwähnt gelassen, wenn er ihn unter den
Palatini gefunden hätte, die prächtige Handschrift von Laurents
de Premierfait Boocacciottbersetzung (Pal. lat. 1989). Als Teil der
sog. Riserva des Vatikans, der Sammlung besonders wertvoller Ciraelien,
war sie ihm entgangen. Dem Grafen Paul Durrieu gebührt das
Verdienst, im Jahre 1909 zuerst auf sie hingewiesen zu haben. 2 )
Es ist die einzige französische Handschrift der römischen Palatina,
von der bisher zuverlässige Nachrichten bekannt geworden sind.
Für die nun folgenden Handschriftei.beschreibungen , mit denen
ich den uns erhaltenen Besitz der kurfürstlichen Bibliotheken, soweit
er mit Sicherheit sich nachweisen läßt, zu erschöpfen glaube, waren
die mir vertrauten, bewährten Grundsätze der Deutschen Kommission
maßgebend. Die Textproben beschränken sich auf die Wiedergabe
von Anfang und Schluß der selbständigen Stücke. 3 ) Die älteren
Signaturen sind genau wiedergegeben, obwohl ein großer Gewinn für
die Geschichte der Handschriften sich aus ihnen kaum ergeben wird. 4 )
Eine eingehendere Berücksichtigung habe ich dem Handschriften-
*) Diese Handschrift hat in Heidelberg die alte vatikanische Standnummer
Pal lat. 1969) dieselbe Bezeichnung trägt auch im Vatikan die an ihre Stelle
getretene Handschrift Gautiers de Coincy.
*) S. die Bemerkungen über den Pal. lat. 1989 an späterer Stelle.
3 ) Nur aus der atz. Bibel (Pal. lat. 1957) habe ich längere Stellen mit-
geteilt. Die Texte selbst habe ich durch Auflösung der Abkürzungen und
Einführung der Interpunktion lesbarer zu machen gesucht, sonst aber alle
graphischen und textlichen Eigentümlichkeiten gewahrt, insbesondere
Besserungen nur selten eingeführt, nie ohne auf die handschriftliche Lesart
zu verweisen.
*) Es sind mehrere Signierungen zu trennen. Zunächst die von Allatius
selbst oder unter seiner Leitung eingetragene, meist ans der Bezeichnung der
Kiste — C (assa oder Capsa) mit folgender Zahl — und der fortlaufenden
Numerierung, die sich bei den französischen Handschriften der Palatini
latini zwischen 123s und 1262 bewegt, bestehend. Diese Signaturen können
i ' I . Original from
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— 30 —
schmuck gewidmet. ') Die philologischen Angaben möchte ich nicht
immer als endgültige oder erschöpfende angesehen wissen. Ihr Zweck
ist in erster Linie, eindringender auf den Wert einer Handschrift hinzu-
weisen nnd künftige Einzelforschungen anzubahnen. Abschließendes
in dieser Hinsicht zu bieten, war, anch abgesehen von der großen
Zahl der Texte, für mich umso schwieriger, als in Rom die literarischen
Hilfsmittel oft versagten, und eine Versetzung an die Königliche
Bibliothek in Berlin zur Beendigung meiner Studien drängte. Die
Absicht, diese Untersuchungen durch die Heranziehung verwandter
Handschriften, insbesondere der Pariser Nationalbibliothek, anf eine
breitere und sichere Grundlage zu stellen, vereitelten die politischen
Ereignisse. Ich mußte mich auf die Ausarbeitung meiner Notizen in
Berlin beschränken, fern von den Handschriften selbst und ohne die
Möglichkeit einer Nachprüfung. So ist das Gewordene vielfach hinter
dem Erstrebten zurückgeblieben. Aber immerhin hoffe ich einen nicht
unwichtigen Beitrag zur deutschen Bibliotheksgeschichte und einen
zuverlässigen Führer zu neugehobenen, für die Geschichte der älteren
französischen Literatur wertvollen Handschriftenschätzen gegeben zu
haben.
nicht mehr heidelbergisch sein, wie ihr gleichmäßiges Vorkommen in den
Handschriften aller palatinischen Bibliotheken, auch in denen der Schloß-
bibliothek, beweist. Dagegen sind in einer kleineren Zahl der Handschriften
die alten Heidelberger Zahlensignaturen in größeren, schweren SchriftzUgen
erhalten (s. Ficker 1. c. S. XXXVIII), die ich an erster Stelle auffiihre. Nur
bei Pal. lat. 1964 läßt sich diese Signatur auch in den alten Inventuren nach-
weisen. Eine jüngere Signierung, Zahlen zwischen 1808— 1S3S, ist offenbar
das Ergebnis einer vatikanischen Ordnnng. Die heutige Aufstellung muß im
wesentlichen Ende des XVIII. Jahrhunderts erfolgt sein, vor der französischen
Invasion, da die nach Paris verschleppte Handschrift Digullevilles bereits die
neue Standnummer Pal. lat. 1969 aufweist. Maillot de la Treille fand die
Handschriften noch ungeordnet, s. die S. 26 f. wiedergegebenen Auszüge aus
seinem Tagebuch.
') Dieser wird in den meisten Handschriftenverzeichnissen in ungebühr-
licher Weise vernachlässigt, ein Mangel der m. E. um so beklagenswerter ist,
als die Beschreibung ein klares, wenn auch nicht erschöpfendes Bild von dem
bibliotheksgeschichtlichen , paläographischen , inhaltlichen und nicht zuletzt
kunstgeschichtlichen Werte einer Handschrift geben soll, und weil in der
Frage der Datierung und Lokalisierung die Ulnminierung neben den paläo-
graphischen und textlicheu Kriterien ein wichtiges, oft das wichtigste Hilfs-
mittel bietet.
I OriQinal frorti
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
II. Handschriftenbesclireibungen. 1 )
1. Die Handschriften der Bibliotheca Falatina
des Vatikans.
Pal. lat. 1957. Bibel.
Pergament. 181 Blätter, 36x25,5 cm, Schriftfeld 23,5x13,5 cm;
zweispaltig zu 58 — 60 Zeilen. Kleinere, sorgfältige Buchschrift von
zwei Händen: die erste, von der Eanzleischrift beeinflußt, zeigt das
Bestreben, die Buchstaben zu runden und zu binden, Ober- und Unter-
schäfte in Spitzen enden zu lassen oder mit Schleifen und Fähnchen
zu zieren, so daß die Schrift einen zierlichen, zur Kursive neigenden
Charakter erhält; 2 ) die zweite Hand, die BL 102 (Anfang von Könige IV)
mit neuer Lage einsetzt, steht der üblichen Buchschrift näher. Die
Trennung der Sätze bewirken rot gestrichelte Initialen und der als
Interpunktionszeichen verwandte Punkt. 3 ) Von dem Rubrikator rühren
die laufenden Seitenüberschriften und die Blattzählung her, beide in
abwechselnd roten und blauen Majuskeln und Zahlen. 4 ) Moderner
') Nur mit Nennung der Verfasser zitiere ich die folgenden, des öfteren
benntzteu Werke:
Paulin Paris, Les manuscrits franko is de la Bibliotheque du Roi. T. 1 — 7.
Paria 1836— 1848.
Gustav Gröber, Französische Literatur. Grundriß der romanischen
Philologie. II. Band, I.Abt. Straßburg 1898—1902.
Georges Doutrepont, La litterature fraueaise k la cour des ducs de
Bourgogne. Paris 1909 ^Bibliotheque du XVe ßiecle. T. VIII).
*) Aehn liehen Schrmcharakter zeigt die sicher jüngere, etwa 1330
geschriebene Hs. Bibl. Nat. fr. 14G des Roman de Fauvel, s. die photographische
Wiedergabe von P. Aubry, Le romaii de Fanvel, Paris 1907, auch G. Paris in
der Uistoire littäraire de la France XXXII (189h) 137.
3 ) Die regelmäßige Verwendung der Trennungszeichen scheint darauf
hinzudeuten, daß die Handschrift auch zum Vorlesen dienen sollte.
') Die Ueberschriften geben in lateinischer Sprache die einzelnen Bücher
der Bibel an, sie fehlen nur Bl. 29 v— 37 r (Kompilation der drei letzten Blicher
Moses') und 138 v — 141 r (Zeitalter); Apokalypse und Apostelbriefe sind als
Bistoria ecclesiastica, die Proverbia als Lioer Salotnonis bezeichnet. Die
Blattzählnng Überspringt 125, zählt dafür Pitt doppelt, das letzte Blatt ist
angezählt.
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— 32 —
rledereinband mit dem Wappen Plug 1 Vi. (1775 — 1799) und dem des
Kardinalbibliothekars F. X. de Zclada (1779—1801). — Alte Sign.
C. 155. 1257, 1828. Handschrift der kurfürstlichen Schloßbibliothek.
Zahlreiche Miniaturen, eine verschwenderische Fülle von Gold-
initialen >) schmücken den Codex. Den Beginn des alten Testaments
(lr) umrahmt als Randftillung eine 4,8 cm breite Bilderbordtire, die
in dreizehn Felder gegliedert, Tagewerk, Sündenfall, Adam und Eva
bei der Arbeit, zuletzt Gott mit der geschaffenen Erdscheibe darstellen;
ein am Anfang des Prologs angegliedertes Feld zeigt den hl. Hierony-
mus als Bischof mit Stab und Mitra. Die Miniaturen am Anfang der
einzelnen Bücher haben die Gestalt eines schmalen (etwa 4 cm hohen),
die Breite des Schriftfeldes, seltener einer Spalte (13 oder 6 cm) ein-
nehmenden Bilderstreifens, in dem auf Goldgrund figurenreiche, ikono-
graphisch interessante Darstellungen eingetragen sind. Sie entnehmen
ihren Gegenstand in der Kegel dem Anfang des Buches, indem meist
mehrere zeitlich sich folgende Stufen der Erzählung räumlich neben-
einander dargestellt werden. Die Illuminierung, an der mehrere Hände
beteiligt waren, erreicht nicht die Feinheit der gleichzeitigen pariser
Miniatur, aber sie bietet ein wertvolles Zeugnis der Provinzialkunst
des Ostens, wohin die sprachlichen Kriterien die Handschrift verweisen.
Miniaturen: 2 ) 19v: Moses und Aaron vor dem König, beide sprechen
znm Volke, Frondienst der Juden (Exodus V). — 37 vb: Gott spricht zu
Josua, Josua zu dem Volk( Josua I). — 43 va : Judas 1 Sieg über die Chananäer
(Jndices I 4). — 53va: Booz auf dem Felde (Ruth II 3). — 56ra: Gebet
der Anna, Trostspruch des Heli (Reges I 1, 12). — 69vb: David läßt den
Boten, der die Kunde vom Tode Sauls überbringt, hinrichten (Reges II 1,2).
— 83ra: Salomons Krönung (Reges III 1, 39). — 102ra: Zerstörung
der Altäre auf Jezabels Befehl, Verehrung Baals, Enthauptung Naboths
(Reges III 16. 21). — 103v: Sieg Jehus, Tod der Jezabel (Reges IV 9). —
107 v: Tobias tröstet die gefangenen Stammesgenossen, der junge Tobias
imBade(Tobia8 1 19, VI 2). — lllr: Satan vor Gott, Job und seine Familie,
Vernichtung der Herden, Meldung der Boten (Job I). — 113v: Schlacht
der Könige, Nabuchodonosor die Städte bedrohend (Judith I 5. 12). —
118vb: Mahl beim König Assnerus (Esther I 3). — 124r: Susanna von
den Alten überrascht, das getrennte Verhör, die drei Jünglinge aus
dem Feuerofen vor dem König (?) (Daniel XIII 19. 51, III).— 128vb:
Jonas auf dem Meer (beschädigt). — 129 v: Entlassung der Juden
durch Cyrus (Esdra I 1). — 133ra: Sieg Alexanders, der König am
*) Die Initialen stehen am Beginn kürzerer Abschnitte, die den Kapiteln
der Bibel entsprechen, aber in ihrer Abgrenzung nicht mit ihnen übereinstimmen.
Die Goldinitiale ist auf einem blauen und roten, mit weißen Linienornamenten
belebten Felde grnndiert, dessen Umrahmung der Form des Buchstabens folgt
und noch nicht den Ausgangspunkt für Randverzierungen bildet. Eine Aus-
nahme macht nur die Initiale A der Genesis (Ira.), die zwei kurze Blatt-
ranken entsendet und auch in der Farbengebung von den übrigen Initialen
sich unterscheidet.
*) Mit Blei auf den Blattrand geschriebene Anweisungen für den Miniatur
sind mehrfach zu bemerken.
, I Original (Vom
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— 33 —
Lager des sterbenden Darms' (Makkabäerl 1). — 138rb: Kain und
Abel, der Brudermord (Anfang der Zeitalter). — 141 v: Martyrium
des Evangelisten Johannes, der Vergiftungsversuch (Anfang der Apo-
kalypse). — 154r: Gott erscheint Salomon im Traum, das weise Urteil
(Reges III 3, Anfang der Proverbia).
Den größeren Teil der Handschrift, welche sich als Bible abregSe
et corrigee (181 r) bezeichnet, bildet eine Wiedergabe des alten
Testamentes nach Art der Historienbibeln; ihr schließt sich die Ueber-
setzung weniger Teile des neuen Testamentes (Apokalypse und zwei
Apostelbriefe) und eine kommentierte Uebertragung der Sprüche Salomonis
an. Das Zeugnis der Sprache, des Stils der Miniaturen und insbesondere
die paläographischen Merkmale sichern als Entstehungszeit der Hand-
schrift die erste Hälfte, vermutlich den Anfang des XIV. Jahrhunderts.
Die ausgeprägten sprachlichen Eigentümlichkeiten gestatten die Zu-
weisung an das für die Geschichte der altfranzösischen Bibel 60 wichtige
ostfranzösische Sprachgebiet. Man möchte zunächst au Metz denken,
aber die in allen Teilen der Handschrift sich ziemlich gleichbleibende
Sprache ist keine dialektisch einheitliche, und eine begrenztere
Lokalisierung als die in Lothringen oder der östlichen Champagne
erscheint zunächst gewagt. Allenthalben stehen neben östlichen Formen
solche der westlichen Nachbargebiete, sodaß der Sprach Charakter weniger
rein erscheint als in der Mehrzahl der lothringischen Sprachdenkmäler,
auch als in dem späteren lothringer Psalter, mit dem ein Vergleich
naheliegt 1 ) Wieweit hier der Einfluß der Gemeinsprache sich geltend
macht, oder vielmehr eine andersprachliche Vorlage 2 ) durchdringt,
dürfte efne eingehendere Untersuchung des umfangreichen Denkmals
ergeben.
L Altes Testament. — Zeitalter.
Freie Wiedergabe der erzählenden Teile in der Folge: Genesis, Exodus
(nebst Auszügen aus den andern Büchern Moses 1 ), Josua, Richter, Ruth,
Könige I — IV, Tobias, Job (in starker Kürzung), Judith, Esther, Daniel,
Jonas, Esdra, Makkabäer und, den Schluß bildend, ein Exkurs über
die Zeitalter. Die didaktischen und prophetischen Bücher sind völlig
ausgeschieden, auch Stellen ähnlichen Inhalts innerhalb der historischen
Bücher unberücksichtigt geblieben. Die Bearbeitung trägt somit den
Charakter der Historienbibel, wie sie in den mittelalterlichen
Literaturen, besonders als Nachahmung der „Historia ecclesiastica" des
Petrus Comestor, bekannt ist und in Frankreich durch Guiart Dcsmoulins
') So wird insbesondere german. w, welches das lothringische Sprach-
gebiet wahrt, in der Bibel durchweg durch das westliche g vertreten.
') Diese ist mit Sicherheit anzunehmen für die Apokalypse und die Proverbia,
die in früheren, nicht lothringischen Handschriften erhalten sind. Den späten
Pirallelhandachriften des alten Testaments fehlen die lothringischen Sprach-
formen. Auf ältere Texte deutet wühl auch die Bezeichnung als Bible abregte
ä corrigee. Daß der Palatinus ferner eine Abschrift ist, beweisen die nicht
wenigen Versehen, die dem Kopisten zur Last fallen.
Bfih>ft 46. 3
■ I Original front
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 34 —
Uebersetzung des Comestor (1294) unter Verschmelzung mit älteren
Bibelübersetzungen die weiteste Verbreitung erlangte. 1 ) Der Historien-
bibel eigentümlich ist die Bevorzugung der al ttestamentl ichen Erzählungen.
Der Palatinus enthält nun eine selbständige Bearbeitung, die auch von
Comestor und Guiart Desmoulin sicher im wesentlichen unabhängig
ist, sich von ihnen durch den Verzicht auf eingehendere Glossiemng
und synchronistische Heranziehung der Profangeschichte unterscheidet ,
und durch Beschränkung auf den biblischen Text der eigentlichen
Bibeltibersetzung sich nähert, die kurz vor der Mitte des XIII. Jahr-
hunderts in einer vollständigen Uebertragung, der sog. Pariser Bibel,
einen Höhepunkt erreicht hatte. Nur gelegentlich sind Zufügungen
exegetischer und historischer Gelehrsamkeit, die zugleich auf Benutzung
weiterer Quellen als der Vulgata hinweisen. So findet sich zu Beginn
des Exodus die am Hofe Pharaos spielende Geschichte von Moses und
der glühenden Kohle, wie sie bei Comestor (Exodus V) steht; 2 ) die
Taten Alexanders (Makkabäer 1, 1) werden im Anschluß an die Alexander-
sage geschildert, 3 ) das Buch Job schließt mit einer Erörterung, ob der
fromme Dulder gelebt habe, wobei Gregors Moralia in Job zitiert werden;
historische Exkurse finden sich am Schluß von Esdra (Zerstörung
Jerusalems, Antichrist) und der Makkabäer, der Anhang über die Welt-
alter führt die biblische Geschichte bis zum jüngsten Gerichte weiter.
Der Verfasser besitzt die Gabe der schlichten, volkstümlichen
Erzählung, die indessen nicht selten durch ermüdende Längen beein-
trächtigt wird. In dem Streben nach allgemeiner Verständlichkeit
begnügt er sich nicht mit der Uebersetzung der Vulgata entgegen
seiner in der Vorrede ausgesprochenen Forderung einer möglichst
getreuen Wiedergabe des Bibeltextes, sondern er ersetzt ihn durch
eine freie, wortreiche Erzählung und erweitert ihn durch breite
Ausführung der gegebenen Situationen, indem er sich hin und wieder
an den Wortlaut, meist nur an das Tatsächliche der Vulgata anlehnt
Aber auch mit diesem hat er ändernd und kürzend frei und nicht
selten willkürlich geschaltet, oft zum Schaden einer klaren und
treffenden Wiedergabe der biblischen Erzählung.
Samuel Berger, dessen Forschungen über die altfranzösische Bibel
grundlegend sind, war die vorliegende Version unbekannt geblieben.
Dagegen wies Paul Meyer in seiner Rezension von Bergers Bible
') s. S. Berger. La Bible franijaise au moyen äge, Paris 1884, außerdem
Ed. Reuß' treffende Charakterisierung der Historienbibel in der Revue de
Theologie IV (1852) 2 ff. und in dem gleichnamigen Artikel in Herzogs Real-
enzyklopädie.
2 ) Migne, Patr. lat. T. 198 Sp. 1143; die gleiche Erzählung mit allerdings
abweichendem Schluß kommt- bereits bei Joseph us, Antiquitates Judaicae
II 9 vor, s. auch P. Perdrizet, Etüde sur le Speculum humanae salvationis, Paris
190S, S. 84; der Palatinus stimmt zu Comestor.
*) Der sterbende Darius warnt Alexander vor der Untreue seiner Diener
(I33rb), s. Li romans d'Alixandre, hrsg. von IL Michelant, Stuttgart 1846
(Bibliothek des literarischen Vereins XIII) S. 257, auch P. Meyer, Alexandre le
Grand, Paris 1886, II 162.
1 Onainal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
_ 35 —
fran$aise au xnoyen äge (1884)0 auf eine Bibelbearbeitung hin, die
zwar erst in mehreren Handschriften des späten XV- Jahrhunderts
erhalten ist, 2 ) die aber, wie Meyer als wahrscheinlich annahm, auf
ältere Uebersetzungen zurückgehe und deshalb in den Kreis der
Untersuchungen Bergers, die mit dem Tode Karls V. (1380) abschließen,
gehören würde. Ein Vergleich der allerdings nur sehr kurzen Aus-
züge, die von diesen Handschriften gedruckt sind, mit dem Palatinus
ergibt, daß ein Zusammenhang bestehen muH. Der Anfang von Genesis
und Job stimmen völlig überein; beiden Bearbeitungen gemeinsam ist
der Exkurs über die Zeitalter, Anfang in ähnlichem, Schluß in
gleichem Wortlaut. Auch den andern in der Romania XVII 140 f.
nach der 1462 datierten Hs. Bibl. Nat. fr. 906 wiedergegebenen Stellen
wird die Version des Palatinus zugrunde liegen. P. Meyers Ver-
mutung, daß diese Bibelbearbeitung älter sei als ihre späte Ueber-
lieferung erhält durch die heidelberger Handschrift eine unerwartete
Bestätigung, Diese Historienbibel, deren Existenz im frühen XIV. Jahr-
hundert nunmehr feststeht, und der ein Fortleben bis zum Ausgang
des Mittelalters beschieden war, 3 ) verdient neben der nicht viel älteren
Guiart Desmoulins genannt zu werden, zugleich als ein weiteres,
wichtiges Zeugnis für die in dem Gebiete Lothringens während des ganzen
Mittelalters lebhaften Bestrebungen, die hl. Schriften den Laien in der
Volkssprache zu erschließen, von denen die Nachrichten über die Unter-
drückung der Waldenserbewegnng in Metz (1199) die erste Kunde geben.
Bei der Wahl der folgenden Textproben, die ein Bild von dem
Stil und der Sprache des Denkmals bieten sollen, habe ich die den
Auszügen in S. Bergers Bible fran^aise entsprechenden Bibelstellen
bevorzugt, so daß ein Vergleich mit den bekannten altfranzösischen
Bibelbearbeitungen möglich ist. Ich gebe die handschriftlichen Texte
genau wieder, mit Bewahrung der Interpunktion, doch mit Auflösung
der wenigen Abkürzungen. 4 )
Prolog. — Ira: Cil 5 ) qui se uuet entremetre de traitier de uiue 6 )
escriture. et metre de latin en roumans. ce doit mout 7 ) bien gairdeir
') Romania XVII (1888) 121 ff.
*) Paris, Arsenal 2000, Bibl. Nat. fr. 906, 17061, 22S8S. Auszüge bei
Meyer I. c. und in den Katalogen der Bibliotheken; ich gebe die ent-
sprechenden Stellen des Palatinus in den Textproben wieder, mit Ausnahme
der Richterstelle, die in meinen römischen Exzerpten fehlt. Ueber die Hs.
Bibl. Nat. 90H ist P.Paris VII 21 8 zu vergleichen, der ihren Inhalt als
rhistoires abr6g6es de TAncien Testament 6crites ä la maniere de la fameuse
Bible de Royaumont" bezeichnet.
■) Die jüngste Handschrift, Bibl. Nat. fr. 22SS8, ist 149fc geschrieben.
4 ) Alleinstehendes p gebe ich mit per wieder, wie der Dialekt es fordert,
den Querstrich über dem Vokal, ebenso wie «>, vor m mit (co)n. Diese
Auflösungen entsprechen auch der überwiegenden Schreibung der Handschrift,
wenn sie keine Kürzung eintreten läßt.
5 ) Ha. QU, falsche Initiale dnreh Versehen des Miniators.
°) statt devinc.
') Hs. mVtj ausgeschrieben mout (s. die folgenden Zeilen) neben häufigerem
nioult.
3*
( " I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
_ 36 —
que il ne mette riens qni ne soit de la uraie ystoire. Car ce il
läissoit la ueritei et il metoit la mansonge. il seroit 1 ) mout a reprandre
de ceuz qui Pentenderoient. Et ponr ceu ne ce doit nulz entremetre
c'il n'cst bien segurs qu'il entende bien Pescriture. Mais il sont aueune
maniere de gens qui sunt, si cuident en lor afaire qu'P) lor samble
que nus les doie desdire de lor foliez. se dient ce qu'il pancent a la
uoleie. Et li foul qui les entendent lor louent tout ce qu'il dient
pour aus seruir a gr<5. Et por ce ai ie ce dit que ie vourai escriture
qui est en latin metre en roumans. au plus pres de la ueriteit que ie
pourai et sauerai. Si com li sains esperis le m'ensignerait. cui ie en
proi et requier que il m'envoit tel cens et tel entendement par sa
sainte graice que ie n'i m'esprangne mie. ansois puise tenir et gardeir
la ueriteit de lai sainte escriture. 8 )
Genesis I. — lra: Oi conmence la bible en romans. Av con-
mencement creait dex le ciel et la tefre. la terre estoit vainne et
wide. et grans tenebrez de lai 4 ) Fabisme. Et f ist dex lnmiere. et ce
fut fait le premier iour. Au secont iour fist dex la raondesce dou
firmament. Au tiers jour fut craee Fiawe an lai mein et l'erbe sor
la terre. et li arbre qui portairent frut et li autre. Au quart iour
furent fait li solax. et la lune. et les estoilles. Et departirent li solax
et la lune la clartei des tenebres. Et espelait dex la clartei iour. et
les tenebres apelait nuit. Au quint iour furent fait li oizel. et li
poisson en Fiawe. Au sisime iour fut [1 rb] fait Adam, et le portait
dex de lai ou il Fauoit fait en paradis. et li espirai en la face espir
de nie. et ot li hom ame viuant. Et apres dist il (:] n'est mie boin qne
li hons soit ceuz. faisons li vne aide qui soit samblans a luy. Adonc
donait dex nostres sires Adam volenteit de dormir. et il dormit Et
en tant que il dormoit. il prist vne des costes Adam et raemplit lou
leu dont il auoit prize la coste de char. Et de la coste qu'i 2 ) print de
Tome forma et fist la fame. Et quant il Tot faitte si l'amenait a
Adam por uaoir conment Adam l'apeleroit. et quant Adam la uit ce
dit: Cest ci os de mes os. et char de ma char. et cerait cest(!) apeleie
virago. Cest a dire barnesse, car il(!) est prise de uiro. qui vaut autTe
tant com ber. Et quant dex nostres sires out fait toutes ces chozes
qu'il auoit faites. se ce reposait au septainme iour de l'ueure qu'il
auoit faitte. Et regardait nostres sires dex toutes les chozes qu'il auoit
faites. et astoient moult bonnes. Et Adam et la fame que dex li auoit
donnee que il auoit appelei Eue estoient nu. et n'en auoient nulle
vergongne.
Ruth III. — 54 vb: Quant Ruth oult tout le iour recolli des espis
et messonneit si com eile solloit. si print ce qu'elle auoit messonneit
>) Hs. feroit.
'') Für q\Cü mit verstummtem l, s. F. Bonnardot in: La Guerre de Metz
en 1324, pnbl. p. # E. de Bouteiller, Paris 1875, S. 448; F. Apfelstedt,
lothringischer Psalter, Heilbronn I8S1 } (Altfranz. Bibliothek IV) S. XXXVII.
a ) Man vergleiche mit dieser Vorrede die des lothringer Psalters, s. auch
Berger, Bible trangaise S. 279.
«) Ha. de loi.
I Onqinalfrom
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— 37 —
e Ten portait a sa danme en Bethleem. Et esgardait Noemy qu'elle
auoit grant graiee a Booz. Et qaant li vespre vint ce li dist Neeray:
Fille je sais que eacor en cest nuit Booz gerait en Taire de sa cort
deuant sai grainge. ou les gens li anmoinent son bleif. Et quant il
serait anuity et je saurai que il soit couchiez au lieu ou il se doit
gesir. tu irais tout secreement en Taire. et entrerais en la cort et te
coucherais a ces pies. Ce il s'auaille per auenture. et il te regarde.
il ce mervillerait qui tu serais. qui gis ei pres de lui. Et te deman-
darait qui tu iez. Et tu li respondirais: Sire oste ton maateil et coeure
t ancelle car tu iez prochiens. Et quant tu auerais ensic dit. enten
bien quelles parolles il te dirait. et coment il te responderait. si que tu
le me saches redire quant tu reuenderais a moy.
Könige I, 1. — 56 ra: Uns hons fut de Ramatha en (!) Soffim qui
fut appelleis Elchana. et fut Eufratiens. Et oult eis Elchana .jj.
fanmes l'une fut appellee Anna et l'autre Fenenna. Et oult celle
Fenanna fis et filles et enfans aseeiz. Et Anna n'en pooit nul auoir
que diez ne le uoloit miez. Et estoit ensio com eile ne peust conseuoir
ne enfanteir. ... Et aloit chaseun an Elchana et sa fanme et ci enfant
adoreir dieu en Sylo. et faire ces oblations et ces sacrifieee. si com
Hoyses l'auoit comandeit en la loy. Car Sylo estoit li leus qui estoit
estaublis de par dieu ou dieus voloit estre adoureis et servis. Et lai
estoit li tabcrnacles. . . .*)
Könige 1,3. — 57 va: Ensic passait li temps tant que Samuel
vint en aage d'onme. Et moult l'amait Hely. Et tiiit eil qui venoient
faire lor oblations ou tabernacle le prisoient et honoroient. — Un
iour ce gisoit en biaus temps Hely en sai chambre si come il auoit
acostumeit. Et Samuel gisoit ou tabernacle et dormoit. Et une voix
vint de par dieu. a Samuel et li dist: Samuel. Samuel. Samuel. Quant
Samuel oult la voix entendue qui l'appelloit. si cuidait que Hely
rappellaist. et tantost ce leuait et vint ai Hely lai ou il gisoit. et il
dist: Sire. je suy ci. car tu m'ais appelley. Et Hely li di6t: Samuel
biaus [57 vb] filz, retorne et vai dormir. Et quant il oult un petit
estoit si li reuint la voix autre fois et li dist: Samuel. Samuel. Et il
6e releuait. et s'en vint a Hely lai ou il gisoit. et li dist: Sire je suis
ci. car tu zn'aia appellei. Et Hely li dist: Samuel va dormir en paix
car je ne t'ai mie appelley. Mais ce la voix qui t'ait appelley te rappeile
plus, si respont ensic: Sire parolle car tes cers Torrait bien. Et entendit
bien Hely que nostre eires l'auoit appelley. Et Samuel retornait et ce
prist au dormir. — Apres ce ne demorait gaires que lai voix qui deuant
l'auoit appdleit. Tappellait encor et li dist: Samuel. Samuel. Et Samuel
respondit: Sire parolle et di. et tes sers l'orra.
Reges II, 12. — 77 rb: Au temps que la citey de Ramath fut rendue.
auoit eut Bcrsabec l'enfant dont eile estoit ainscainte. et fut vns filz.
Et apres ce envoiait dieus nostres sires. Nathan le prophete a Dauid
') Diese Stelle zum Vergleich mit P. Meyers Zitat aus der Hs. Bibl. Nat.
fr. 906.
I Original rrom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 38 —
et li dist ce que il li diroit de par dieu. Et Nathan quant il out
oy le comandement de noßtre signour. si vint a David ou il estoit
et li dist: Rois or entent nostre Bires dieus m'envoie a toy. et je le
te di de par loy: Duy honme estoient en vne citey. li vns poures.
et l'autre riches moult. Li riches anoit bues et berbis et antres bestes
asceis. et awec tout ce moult graut richesces. Et li poures hons n'auoit
que vne soulle berbis. U lai norrisoit et faissoit maingier de celle
viande teille come il raeisme maingoit. Et tant l'anmoit qu'il lai faissoit
gesir awec luy en gon lit. Adonc vint au riebe honme vns siens amis
cui il ha[r]bergat Et quant il Tout en son ostey ha[r]bergie. si espargnait
ces bestes dont il auoit asceis. et la berbis au poure honme tollit.
Et apres il occist le poure home. Or te di de par dieu qu'il le
te mande que tu fay cest jugement. — Quant Danid oult entendue la
parolle que Nathan dist. si pensait et li respondit: Li hons qui tollit
la berbis au pouvre [76 va] honme est filz de mort. et la berbis doit il
rendre au quatre doubles. Et quant Nathan oult entendue la parolle
et la responce David, si li dit: Rois tu iez li hons que ce a fait.
Job, Cap. I. — 111 ra: Uns hons estoit en vne terre que est
appellee Vs et auoit non cilz hons Job et estoit cilz hons iustes et
moult proudons. Et laissoit tous malz et faissoit tous les biens que
il pooit [faire]. Et ot .vjj. filz et .jjjj. filles et moult grant maisniee.
Et auoit. L. charrnes de buef. et dous mille chamoilz. ') et .vjj. M.
berbis. et aultres bestes a moult grant planteit. Et estoit Job grans
sires et honoreis entre tous soulz de la terre d'orient et de toutes
aultres gens et faissoit moult de biens et de almosnes. — Un ior que
li filz de deu vinrent deuant lui et Sathan y fuit. entre les autres.
et deus le vit entre ses filz, si li demandait [:] Sathan dont viens
tu. Et Sathan respondit: jJe ay environnee la terre [111 rb.] et alleir*)
per tout. Et deus li dist [:] n'ais tu mies veus et esgardeis Job mon
Bergent que en terre n'ait home qui le resemble de bonteit et conment
il me sert et ne fait nul nulz malz. Et Sathan li respondit [:] en nc
doute Job deu por noiant et en vain . . .
Cap. III (111 vb): Apres parlait Job et dist [:] maldis soit li iors
que ie fuys neis et la nuys que il fuit dist [:] vns hons est consceus.
Cel ior ne requiere ia deus entre les autres iors de Tan. Et celle
nuys ?oit soule et ne soit iai loueie ou il fuit dit que ie fuys consceus.
Cap. XLI1, 15 (113vb): Moult ot Job belles filles. et per toute
la terre d'orient parloient les gens de la biaultei des filz et des filles
Job. Et vesquit Job apres ce qu'il fuit seneis et guaris et que deus
Tot remis en plainne santei per lonc tempz. Et vit les enfans de ses
enfans jusques a la tierce et a la quarte generation. Et fuit moTs
en bonne viellesce et en grant eaige. s )
') Vnlgata I, 2 — 3: tres filiae . . . tria milia camelomm.
-) Mit unetymologischem, verstummten r, s. Apfelstedt I. c. S. XXXVIII.
s ) Die dem Schluß der verwandten Handschriften (s. P. Meyers Wieder-
gabe nach Bibl. Nat. fr. 906 1. c.) inhaltlich entsprechende Stelle, welche der
■ I Onainal from
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— 39 —
Makkabäer I, 1. — 133ra: Au temps que Alixandres qui fuit
filz Phillippon de Macidoyne regnait premiers et ot la signorie del
roiaulme de Gresce. il guerroiait et prist en moult fort guerre Daires
de Perce. Por la raison de ce que Daires voloit auoir et demandoit
le treuz de la terre de Macedoyne et de la terre de Gresce. que
Philippes li peires celui Alixandre tenoit. Et n'estoit qui le contre-
deist. Et quant Alixandres l'oyt qui estoit encor joenes et n'avoit
que .xjj. ans. il le contredist a ceulz qui l'estoient venut querre et
demandeir. Et prist des gentilz et des nobles bacheleirs. joenes
dont il estoit de la terre. et entrait a toutes ses gens qui estoient
neis de sa terre et de son pais en vne terre que on appelloit Chetym
que estoit dou roiaulme que Daires tenoit et la destruit et gaistait.
Et toute la richesce et Tor et l'argent que fuit trouueis en Celle terre
donnait a ses homes qui estoien en sa compaingnie.
Makkabäer II, 1. — 138vb: A lor freires Juys qui son en la
terre d'Egypte. lor freires Juy qui sont en la terre de Jherusalem
salut et saintei. Nous sunmes delivres de par Deu de nos grans
peris. Si en rendons a celui grans mercis qui deliureis nos ait et
grans graces.
Dem Brief folgt eine kurze Uebersicht der Ereignisse bis zur
Herrschaft der Römer.
Schi. 138rb: A cel temps fuit Cesar empereres de Kome . . .
Et rendoit chascunne regions treusaige au conmandement qui estoit
estaublis de par Rome. Et se aucunnes estrainges gens vouloient
faire maul as gens qui rendoient le treusaige. li Romains les en
deffendoient. Et fuit la terre en tous leus en pais. jusques aus
temps que Octauianus Augustus fuit empereres de Rome.
Die Zeitalter. — Anf. 138rb.: Quant Adam nostres premiers
peires fuit geteis et mis fors de paradis et il et Eue sa ferne per lor
meffait. si conmensait li premiers eaiges. Car [138va] adonc orent
pardut Adam et Eue toute ioie et toute signorie et entrarent en terre
de dolour. et en vie de pouretei. Car il orent pardue la haute vie
que estoit sanz corruption per lor meffait.
Das achte Zeitalter beginnt mit dem jüngsten Gericht, das im
Schlußpassus ausführlich geschildert wird:
Schi. 141 vb.: Et conme[n]ce ensic chascune airme que est en
deu creans: sainte esglise que eu deu es creans et tiens Jhesucrist
a signour. moinne ioie et soies en leace . . . Et li respons fuit teilz
apres ceste parolle que Tesglises respondit: Je 6uis et ai grant ioie
des choses que ie ai oies et que me sont dites. Car ie sai et voi
bien que ie et tuit cilz qui a moi se tiennent yront en la maison et
eben zitierten vorausgeht, lautet: ... Et ad ce respundent aulcuns maistres
et dient que li dyables ne volt tonchier a la ferne Job. Ains la gardait en
Tententiun de ce que eile le tormentast per sa parolle. Si faissoit eile com
plus le veoit en grant dolour de maladie. Et ce que sa ferne dissoit le
tonnentoit et li faissoit pis que la dolours que il soustenoit (113va).
■ I Original from
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— 40 —
ou leu dont deus est sires et gouuerneires. *) . . . En queil leu ne
serait pestillence . . . inaie toutes consolations parfaites et enthieres.
et parmenaubles sans rapel, sans nombre et sanz fin. Et li mauuais
auront ce qu'il ont deserui.
IL Apokalypse.
Fassung der Handschrift Paris, Bibl. Nat. fr. 1036,2) 8 . Berger,
Bible fran^aise, 8. 90 ff., L. Delisle et P. Meyer, L'Apocalypsc
en fran$ais au XIII 6 siecle, Paris 1901 (Societe des anciens
textes), S. CCXXXVllf. Im Gegensatz zu S. Berger, der in der
pariser Handschrift nur ^eine Paraphrase der normannischen Apo-
kalypse im Dialekt von Ile-de-France erblickt hatte, zeigte P. Meyer,
daß ihr Text eine völlig selbständige Version darstellt, die nur in
dieser einen Handschrift erhalten sei. Ihr zur Seite tritt nun der
Palatinus. Er bietet eine willkommene Ergänzung der pariser üeber-
lieferung, urasomehr als er einen von ihr unabhängigen und wohl
gleichwertigen Text in lothringischer Sprache gibt.
Anf. 141 va: Nous trouuons en vne hystoire que est appeUee
Ecclesiastica que vns empereres qui estoit appeleis Domycianus qui
fist moult de malz et de persecutions en sainte esglise. (il) fist penre
saint Jehan ewangeliste. por ce que il anonsoit au pueple la loy de
Jhesucrist. et faissoit baptisier [141 vb] cianlz qui a la crestientei
■*• volloient vcnir.
Legende von der wunderbaren Kettung des hl. Johannes und
seiner Verbannung nach Pathmos als Einleitung; gedruckt nach der
pariser Handschrift bei Berger S. 90. 3 )
142ra: Appochalysces Jhesucrist nostre signour que il volt [142rb]
moustreir a ses sers. et revelait a cel sergent saint Jehan qui en
portait tesmoignaige et de la parolle den et de Jhesucrist en toutes
les choses que il vit. Beneoys [et bona 4 )] eures est qui oyt et list
la prophecie de cest livre et gardet les raisons que il s ) sont
escriptes.
Der Anfang, gedruckt bei Berger S. 91, ausführlicher und mit
Wiedergabe des Schlusses von P. Meyer 1. c. Der Palatinus bietet an
! ) Hiermit schließen die Hss. Arsenal 2000, Bibl. Nat fr. 906.
3 ) Pergamenthandschrift des XIII. Jahrhunderts, Beschreibung bei Berger
S. 345.
: ') Die textlichen Varianten sind unbedeutend, ich verzeichne die wich-
tigeren: Berger S. 90 Zeile 10. que il li feroit encor grant maul. — 17. fist
la creus. — 19. assamble fehlt, ebenso 23. — 21. qui gisoient mors por le venin.
S. 91,2. erranmetit fehlt. — 5. et haitie fehlt. — 7. leuait et conmendait que
il fuissent baptisiez. — b. conueriirent et tindrent deti nostre signour et furent
baptisies. — 9. si en fuxt moult iries. Gar il vit bien que il. — 12. en essil
fehlt, Pasmos. — 13. moustrait deus moult de diuerses visions.
*) Ergänzt nach (1er pariser Handschrift.
'-) Für i mit unetymulogischcm, verstummtem I.
■ I Onainal from
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— 41 —
einigen Stellen einen korrekteren Text und bestätigt Konjekturen
P.. Meyers.')
Schi. 150rb.: Je Jehans 2 ) ai enuoiei mon aingle tesmoingnier a vos
ces choses as eglises. Et ie suis racine et ligniee de David, estoile
resplendissans. et estoille de la matinee. Et li espous et li espouse
dient [:] vien. 3 ) Et cilz qui ot dire 4 ) [:] vien. Et eil« qui ait soif vaingnet.
et qui weit praingnet de Piaugue 5 ) de vie de grey. Et ie di a ceulz
qni oient toutes les parolles de la prophecie de cest liure. Et se
auleuns met auleune chose en ces choses. Deus mostrait 6 ) sor li les
tonnens qui sont escrips en cest liure. Et se auleuns descroit des
parolles des proverbes et des prophetes 7 ) de cest liure. Deus osterait
et abaiterait sa parolle dou fruit de vie des choses que sont escriptes
en cest liure de vie. Et dist cilz qui portet 6 ) la tesmoingnance de
ces choses: Et ie vieng tost. Amen. Vien sire Jhesu [.] la grace de
nostre signor Jhesocrist soit awec nos toz. Ci finet l'Appochalypsce
saint Jehan ensic conme il est escript.
' III. Zwei Apostelbriefe.
Jakobusbrief. — Anf. 150 va: Jaques de deu nostre signor
Jhesucrist sers. as .xjj. ligniees que sont en disperdicion salut. r Mi tres
chiers freires. aieis en vos cuers grant ioie quant mauuaises tempta-
tions vos viennent et assaillent. Saichies que ce est por vos esproueir . . .
Schi. 152 rb: Helyas estoit hons semblans aus mortex. Et il fist
orisons a deu nostre signour que il ne pleust sor terre. Et il ne
plust en .jjj. ans et en .vj. mois. Et apres il proiait que il plust sor
terre. Et plust .jjj. ans. Li cielz donnait ploge a 9 ) la terre donnait
fruit. Mi freires se auleuns* de vos est en errour de la veritei et
auleuns se 10 ) conuertist et met en la droite voie. il doit savoir que
! ) Ich gebe auch hier die wichtigeren Varianten zu dem von P. Meyer
gedruckten Text der pariser Bandschrift, soweit ich nicht den Paiatinus selbst
wiedergebe: S. CCXXXVIII Zeile 11. et est . . . einssint fehlt. — 17. et fu
fehlt. — CCXXXIX, 3. en Jhesucrist nostre Sauvcor fehlt. — 4. Pasmos.
— 5. en tspans. — 6. en .?'. jor de diemanche fehlt. — 9. au .vjj. esgliscs. —
11. ce oit. — 13. chandelabres d'or. Et en la moxenne des .vjj. chandelabrcs
(Tor samblance. — 17. flanme ardant. — 19. la voiz de fehlt. — 22. quant il
est. — 27. et les choses qui sont fehlt. — S. CCXL, 8. toi fax que.
*) Statt Jhesu ; mit der pariser Hs. gemeinsamer Fehler.
a ) Hs. bien.
4 ) Statt die; Vulgata qui audit dicat; derselbe Fehler in der pariser -Hs.
*) Die Form iaugue (augue, yaguesY neben der häufigeren iawe habe ich
mir wiederholt, besonders m der Apokalypse, notiert. Sie findet sich auch
in der altlothringischen Uebersetzung des Dionysius Cato, die Ulrich, Zeit-
schrift f. rom. Phil. XIX (1695) S5ff. herausgegeben hat.
•) Statt tnetrait
7 ) Statt vrophecics; derselbe Fehler in der pariser Hs.
H ) Die IIa. wiederholt dist nach portet. s
'-') Lothr. für et, s. Bonnardot I. c. S. 474 und Jahrbuch der Gesellschaft
für lothringische Geschichte VI (ls94) 206.
I0 ) Statt le.
I Original from
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cilz [152va] qui ferait conuertir le pecheour de l'errour de sa vie
qu'il sauluerait l'airme de lui * de la mort. Et pour ce auient ! ) il
raoult de pechies.
Erster Petrusbrief. — Anf. 152ra: Peires li apostres de Jhesu-
crist aus olaus 2 ) aus estrainges de la disparsion de la raeir. de
Galilee. de Capace. d'Asye. de Bethanie. 3 ) Selonc la science de deu
le peire. en la sanctif [ic] acion dou samt espir. en l'obedience et en
la dißparsion dou sanc Jhesucrist. Graice soit a tous multiplieie.
Schi. 154 rb: PaH) Siluanon nostre loiaul freire ai ie escrit a
vos briefment. qui vous proiet et tesmoingnet que ce est la vraie
grace de deu si vos y teneis. L'esglise que est assemblee en Babi-
loyne vos saluet. et Marchus mes filz [.] Salueis vous Tuns Tautre ou
noiD de sainte pais. Grace soit a vos tous qui estes et viueis ou
nom de nostre signour Jhesucrist.
IV. Proverbia Salomonis mit Kommentar.
Der gleiche Text findet sich in folgenden Handschriften: 1. Bern
590, Pergamenthandschrift des XIII. Jahrhunderts, ehemals in Bongars 7
Besitz, s. H.Hagen Catalogus cod. Bernensium, Bern 1875, S. 472,
auch Gröber S. 983. — 2. Paris, Bibl. Nat. fr. 402, Pergamenthandschrift
des XV. Jahrhunderts, s. P. Paris III 369, ferner Catalogue des
manu8crits fran^ais, ancien fonds, I (1868) 38. 5 ) — 3. Paris, Bibl.
Nat.fr. 24 768, die Handschrift der „Quatre livres des rois", enthält
auf Bl. 105 v — 134r Nachträge, die bisher für eine Homilie
gehalten wurden, s. Le Roux de Lincy, Les quatre livres des rois,
Paris 1841, S. CXXXIII; W. Förster, Romanische Forschungen II
(1886) 195 f. Ein Vergleich des Eingangs, den Förster wiedergibt,
mit Pal. 178 ra zeigt, daß eine Wiedergabe von Proverbia cap. XXXI
unserer Uebersetzung vorliegt. Die Schrift gehört nach Le Roux de
Lincy dem XIV., nach Förster dem Ende des XV. oder Anfang des
XVI. Jahrhunderts an. — Die lothringische Sprachfärbung scheint nur
dem Palatinns eigen zu sein; sie findet sich jedenfalls nicht in der
ältesten, der Berner Handschrift.
Der Uebersetzung der Sprüche geht eine kurze Einleitung voraus,
die über Salomon, seine Schriften, ihre Uebersetzung in der Vulgata
berichtet. Die Erklärung, anfangs nur spärlich, wird mit dem Fort-
gang der Uebertragung immer ergiebiger; sie ist besonders eingehend
in der Deutung des letzten Kapitels auf die Kirche und ihre Mission
1 ) Vulgata et operiet multitudinem peccatorum, das der Ueberaetzer nicht
verstanden zu haben scheint.
2 ) Vulgata electis.
3 ) Vulgata Ponti, Galatiae, Cappadociae, Asiac, et Bithyniae.
*) Hs. Car durch Versehen des Miniators.
Ä ) Dagegen hat der anglo-norm. Prosakommentar der Hs. Bibl. Nat. fr.
24 862 (s.P.Meyer, Notices et extraits XXXV, 1 (1896) S. 131) mit unserer
Fassung nichts zu tun.
I Onqinal fron»
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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(178 rb folg.). Die wichtigste Quelle des Kommentars ist die Expositio
in Proverbia Salomonis des Rabanas Maurus (Migne, Patr. lat CXI 679),
die bald wörtlich, bald frei oder kürzend übernommen ist.
Anf. 154va (Prolog): Au temp que Salemons li filz le roi Daniel
fuit roi6 de Jherusalem. deus li moustrait moult grant amour. Car
on lit en escripture que il fuit sacreis a roi en s'enfance . . [154 vb].
Et fist .jjj. liures de moult grant sapience. dont nos metterons le
premier en fransois au plus droit que nos porrons por mieulz gardeir
Tentendement de la matiere. Et tout premerainnement dirons dou
prologue qui ensic conmencet: Sains Jheromes qui fuit moult boins
clerß et fuit neis de Bethleem mist la blibe [!] d'ebreus en latin . . .
[155 ra]. Et enuoiait a dous euesques le liure Salemon que nous
faissons et le prologue qui est teilz: Ceromate et Heliodore euesques.
Jheromes. ... — Kürzende Uebersetzung des Briefes, den Hieronymus
seiner Uebersetzung der Proverbia vorausgeschickt hat (= Migne
Patr. lat XXVUI 1305—1307).
155 ra: Ce sont les parables Salemon le fil Dauid le roi d'Israhel
ponr donneir sapience et diseipline por entendre parole de sauoir. et por
receuoir vraie doctrine. et por sauoir iustice iugemens et droiture et
por ce que as enfans soit donnee aperseuance et as iones sciences et
entendemens. Ne ia hons ne serait si saiges qu' il ne peust assez apenre.
et cilz qui bien y entenderait aprendrait a gouuerneir sa vie et l'autrui
(Proverbia I 1 — 5).
178 ra: Ci recomancet Salemons quant 1 ) sa meire l'ensainnet et
chastoiet et dist. Ce sont les parolles [le] roy Lamuel 2 ) et la uision
conment sa meire le doctrinait. La meire fuit la grace dou Saint esperit
qui l'ensaingnait et aprist qu'il enluminait puis si sainte esglise que
on parlerait de son enluminement tresques au jour dou iugement. Et
que cilz qui le seeiuent entendre en vaulront mieus. Et dist ensic la
meire: Tres doulz filz mes enfes qui ies neis de mon euer de raon ventre
et estaublis a roy. Mes filz en cui sont tuit mi desirs. Et qui ies
esleus a la dignitei que ie desirroie de tout mon euer, ne donnes mie
ta substance as folles fernes ne ne mes ton sens ne ta vertu en corruption
de pechiiS. Ne donnez mies tes richesces por les roys destruire. —
Proverbia XXXI 1—3; Anfang nach Bibl. Nat. fr. 24768 bei W.Förster
1. c; zu den Glossen vgl. Rabanus, Expositio III 31 (Migne CXI 779).
178 va (Prov. XXXI 10, Muliereru fortem quis invenietV): Ceste fors
ferne est sainte esglise que est fors per la seurtei de eclui qui de son
sanc la rachetait. Et ceste force li donnet Jhesncrist dont il dist a ses
aingles quant il montait as cielz: Faites moy ioie et awec moy faites
feste. Car ie ai reconquises mes berbis que li dyaubles m'auoit tollnes.
(Test la nature humainne que estoit pardue per la transgression de Adam.
Et quant il vit que li dyaubles auoient si grai^d pooir. et que nulz ne
porroit estre salueis se li filz deu proprement ne descendoit en terre.
") Paris Bibl. Nat. fr. 24 7f>8, Bern 590 comment.
3 ) Oder Samuel; so die andern Handschriften.
I Original from
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si dißt: tu qui trouerais') la fort ferne. Ce est Stinte eglise per cui
ensignemens cilz seront salueis qui croire la voulront . . . (Rabanns
III 31, bei Migne Sp. 781).
Schi. 181 ra: La ferne que den doutet sereit loeie et amee (Prov.
XXXI 30). La ferne ce est Tairme que soulement doutet deu et ainmet
de tout son euer enthierement . . . Donneis li selonc sa deserte
(XXXI 31). C'est a dire coronneis lahaultementen la grant ioie de paradix.
Ensic serait loeie per ses oeures et per ses fais a Tantree de la grant
signorie. Ensic seront en la fin les saintes airmes coronnees ou grant
roiaulme qui tous iors durrait sans fin. et li mauais seront dampneis
et meneis en Tangoissouse dolour d'enfer. dont il n'isteront iamais.
Explicit la bible en fransois corregiee. et abrigiee. Et li prouerbes
Salemon.
Pal. lat. 1958. Missale.
Pergament. 288 Blätter, 28,2 x 20,5 cm, zweispaltig zu 34 Zeilen.
Größere Bachschrift, Rubriken, rote Initialen, Absatzzeichen, Strichelung
der Majuskeln. Alte Sign. 975, C. 175. 1247, 1829. Heidelberger
Bezeichnung Offitia (lr).
Uebersetzung des Dominikanermissales, 1368 von einem David
de Grufiez geschrieben und wahrscheinlich für die Nonnen des Ordens
bestimmt. Das Fehlen des hl. Thomas (kanonisiert 1323) unter den
Heiligen des Dominikanerordens spricht für eine ältere Vorlage, die
indessen nicht vor 1297, der Heiligsprechung des hl. Ludwig, dessen
Messe den Schluß der Handschrift bildet, entstanden sein kann.
Anf. lra (Register): C'esl la table pour trouver les Offices chascum
jour par ordre.
3ra: Le premier dimanche de Vavent Nostrc Seigneur. L'office
de la messe. Ad te levavi animam meam ... — A Toi, Sire, jai leve
m'ame: mon Dieu, jai fiance en toi, que je n'aie nule confusion et que
mi anemi ne m'escharnissent pas. Et certes tuit eil qui t'atendent,
n'aront nulle confusion.
3r: De tempore, Advent bis Karsamstag. — 106 r: Praefationen,
Canon. — 109 r: De tempore, Ostern bis Dominica 25. post Trinit
(Corpus Domini fehlt). — 161 r: In dedicatione ecclesiae. — 162 v:
De sanetis von Vigilia S. Andreae bis 8. Catharinae. — 207 v: Episteln
und Evangelien des Commune sanetorum. — 214 v: Missae diversae
(de SS. Trinitate, de Spiritu saneto, de S. Cruce, Marienmessen, pro
quacumque necessitate). — 219 v: Orationes diversae. — 222 r: Missae
und Orationes pro defunetis. — 226 r: Benedictio aquae. — 227 r:
Missa de SS. Eucharistiae Sacramento, S. Ludovici Confessoris. 2 )
') Bern O qui trouera la forte fame, entsprechend Vulgata XXXI 10.
'■') Die in der Table verzeichnete Beneifon des espousauU* und Bcneifon
de$ fönt fehlen, wohl weil sie als Reservate der Pfarrkirche in einem Kloster-
missale nicht am Platz waren.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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Schi. 228 vb (Missale, die 25. Augusti, 8. Ludovici Confessoria):
Apres le communion . . . Diex, qui par ton saint confesseur Loys as
fait tant de miracles en terre, nous te prions que li meismes, que tu
äff ja fet glorieus es cielx: tu le weilles donner a t'eglise desfenseur
et icelle meismes par ses merites et ses prieres weilles delivrer de toute
aversite. Per Dominum . . .
L'an mil CCCLXVIII je missel fuiz escrit par la main Davi de
Grufiez. Te Deum laudamus.
Pal. lat. 1959. Theologische Sammelhandschrift.
Papier. 159 Blätter, 25,8x19,5 cm, einspaltig zu 28 Zeilen.
Buchkursive der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote
Initialen, Strichelung der Majuskeln. Alte Sign. C. 74. 1251, 1838.
Heidelberger Bezeichnung Vitae sanctorum (lr).
Eine Vereinigung meist auch sonst wohlbekannter Texte, fflr
Frauen, vermutlich Nonnen, zu religiöser Erbauung und Belehrung
bestimmt.
Anf. lr: Qy s'ensuyvent de molt belies escripturez et les viez de
plusieurs sains.
I. Einleitender Abschnitt, der dem reuigen Menschen das Lesen
der Psalmen Davids, insbesondere des Misereres empfiehlt
Anf. lr: C'est foy, esperance et charite Tune ne profitte gaires
ganz Tautre, dont est esperance l'nne des vertus qui est neccessaire
au sauvement de chacun homme et femme. Pour nous donner bonne
esperance de misericorde sont plus usö les escrips David que des aultres
prophettes. Car ainsi comme David ot plus de la grace de Dien apres
la repentance de ses pechez qn'il avoit en devant, aussi devons nous
avoir esperance . . .
IL Doctrinal pour les simples gens. — Der in vielen Hand-
schriften und Drucken verbreitete, meist Guy de Roye, Erzbischof von
Sens und Reims (gest. 1409), zugeschriebene Traktat, welcher, die
wichtigsten Glaubens- und Sittenlehren enthaltend, sowohl dem ein-
fachen Laien als auch besonders den des Lateins unkundigen Pfarrern
als Anleitung zur religiösen Belehrung des Volkes dienen sollte.
Vergl. Gröber S. 1090; ferner E. Langlois in den Mclanges d'archdologie
et d'histoire V (1885) 40 f. mit der Wiedergabe des Eingangs nach
der Hs. Vatic. Ottobon. 2523.
Anf. 1 r: Qy commance le doctrinal en frangoys pour les simples
gens. — (lv): C'est si une bonne doctrine pour briefment et plainement
enseigner les simples gens a bien vivre et a bien confesser et est
cornpile de ce qui s'ensuit . . . (2r): Ce qui est en ce petit livre
doivent enseigner les prestres a leurs perrossiens. Pour les simples
prestres qui n'entendent pas les Escriptures et pour les simples gens
fnt il faiz en fran^oiz plainement et par graut conseil examine et es-
prov6 a Paris par plusieurs maistrez en divinite. Et pour ce qu'il
i ' I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 46 —
est briefment fait, poigne le bien celui qui l'escripra et on l'entendra
clerement, autrement non.
Des articles de la foy premier. Nous devons croyre en ceste foy,
vivre et morir qu'il est ung seul Dieu en trois personnes - . .
III. Gebete vor der Messe und der Commnnion. — Für Frauen
bestimmte Uebersetzung der Orationes ante missam (die dominica bis
sabbato) des Missales unter Umänderung der nur für den zelebrierenden
Priester passenden Stellen, mit Auslassung von Feria V., VI. und des
größeren Teils von Feria IV.
Anf. 20 v: Souverain prestre et vray evesque, qui a Dieu le pere
de toy mesme feist offrande pure et sanz tacke sur l'autel de la croix
pour nous chetifz pecheurs, qui nous as donne ta char a mengier et
ton sang a boire ... je te prie dont par ton sang, qui est le grant et
le precieux chastel de nostre sauvement . . .
Schi. 22 r: ... et la tu rae saouleras d'ime plante si merveilleu.se
que jamaiz en la vie pardurable je n'auray ne faim ne soif.
IV. Von der Messe. — Eine volkstümliche Erklärung der Messe
und Anleitung, wie man ihren Teilen mit Andacht folgen solle. Der.
kurze Traktat findet sich, textlich vielfach variiert, als Devise de la
messe, Signification de la messe, Vertu de la messe, Instruction pour
entendre la messe u. ä. in zahlreichen theologischen Handschriften.
Vergl. P. Meyer, Romania VI (1877) 10, Bulletin de la Soctete des
anciens textes XII (1886) 45; Handschriften der Pariser National-
bibliothek: Fonds fr. 190, 402, 436, 916, 940, 1879, 19 271, 19 355,
Nouv. acq. 4510, 6881, 10237; s. auch Pal. lat. 1991.
Anf. 22 r: L'Introite de la messe est le commancement, ce doit
Ten entendre qu'on 1 ) ne doit penser ne regarder a chose que on ayt
oye ou veue. Apres chanton neuf foiz kyryeleysoa, ce signifie qu'il a
neuf ordres d'anges en paradix. Et de chacune ordre en vient .x. ou
plus a la messe et non mie toute l'ordre, mais de chacune une partie.
Schi. 22 v: Apres dit on la derrienne oroyson. Si doit on ramente-
voir aux benois sains, (23 r) que ilz n'oblient mye que ilz ne facent 2 )
nostre besongne a Nostre Seigneur a nostre sauvement.
V. Passionsbetrachtungen im Zyklus der kanonischen Tages-
zeiten, mit dem Kompletorium beginnend und endend. Zu Grunde liegt
mit einigen Erweiterungen 3 ) der Beda zugeschriebene Traktat „De
meditatione passionis Christi per Septem diei horas" (Migne, Patr. lat.
XC1V Sp. 561 ff.). Aehnliche Stücke begegnen öfters in der religiös-
erbaulichen Literatur der Zeit, doch ist infolge der unzureichenden
Angaben der Kataloge ihre Bestimmung ohne Einsicht in die Hand-
schriften schwierig. Eine 1456 datierte Handschrift Jean Mielots, des
1 ) Hs. c'est com.
2 ) IIa. face.
8 ) Diese betreffen besonders die Einleitung und die Zufllgung einer neuen
Kompletbetrachtung am Schlüsse.
(~~ . I . Original from
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— 47 —
im Dienste Philipps des Guten von ßurgund tätigen Uebersetzers und
Bearbeiters theologischer Werke, enthält u. a.: Ancunes tres devotes
contemplations snr les sept heures de la Passion, translatäes de latin
en fran^ois . . . (Bibl. Nat. fr. 12441).») Ferner Bibl. Nat. fr. 1181
151. 82 ff.: Horloge de la Passion, Meditations snr les heures de la
Passion; 5 ) Valenciennes 119. 3 ) Als lateinische Quelle dieser Literatur
kommen außer der Beda- Apokryphe besonders die unter Bonaventuras
Namen gehenden „Meditationes vitae Christi" 4 ) in Betracht.
Anf. 23r (Vorrede): Celui ou Celle qui vouldra monter en la
montaigne tres haulte en laquelle on aprent la grant science et le
proffitable commandement, [doitj premierement prendre et couformer
en 8oy celle vertus pour la quelle especialment le benoist filz de Dieu
descendit plus tost ou tres glorieux tabernacle de la pucelle, glorieuse
vierge Marie, nette et monde de euer et de corps, et ceste vertus est
sainte humilite ... A Comp lies ainsi commanceres, qui est a dire
pour complie. Quant le bon Sire ot acomplies (!) le cours de sa sainte
predicacion, il fist la cene a ses disciples. Et a celle eure il leur
monstra (23 v) une grant partie de s'amour de quoy il les amoit et
avoit am<5, et en celle tres grant amour il leur lava les pies . . .
Schi. 30 v: II nous donne vraye coustumiere remembrance des
peines que il souffrit pour nous, et (que) il nous doint'en teile maniere
vivre et morir que nous puissionB avec lui en sa gloire venir. Amen.
VI. Marienklage. — Eine Versversion des weitverbreiteten und
wiederholt in die Vulgärsprachen übersetzten „Planctus beatae Mariae
virginis", eines Prosatraktates, der meist dem hl. Bernhard, seltener
Augnstin oder Anselm zugeschrieben wird. 5 ) Wiederholte Hinweise
auf die altfranzösischen Bearbeitungen hat P. Meyer gegeben; 6 ) zu den
vier von ihm nachgewiesenen Prosaübersetzungen und einem anglo-
norm. Gedicht in Langversen des XIII. Jahrhunderts tritt eine weitere
>) S. P. Perdrizet Revue d'histoire littäraire de la France XIV (1907) 477.
*) S. L. Delisle, lnventaire g6n6ral et mSthodique des manuscrits fran$ais
de la Bibliotheque Nationale, Paris 1876, 1110.
8 ) S. J. Mangeart, Catalogue des manuscrits de la Bibliotheque de
Valenciennes, Paris 1860, S. IUI ff.
*) Feria VI: De passione, nach den Hören. Opera, Venetiis 1751—50,
XII 379 ff.
y ) Der lateinische Text ist gedruckt von W. Mushacke im Anhang zu
seiner Ausgabe der altprov. Marienklage, Halle 1690 (Romanische Bibliothek III),
8. auch Migne, Patr. lat T. 159 Sp. 271, T. 182 Sp. 1134.
*) Bulletin de la Societ6 des anciens textes frangais I (1875) 01, XI
(1885) 49, XII (1886) 48, Roinania XV (18b6) 309, Histoire litt6raire XXXIU
(1906) 441, 446, s. auch E.Wechsler, Romanische Marienklagen, Halle 1893,
S. 17. Es sei noch auf folgende von P. Meyer nicht erwähnte Handschriften
der Prosa hingewiesen: Berlin, Kgl. Bibliothek, Gall. 28. S" (s Zeitschr. f. rom.
Phil. XIII, 1889,3*), Arsenal 2071, Chantilly 134. Eine weitere Bearbeitung
enthält die im Auftrag der Isabeau de Baviere verfaßte und als Quelle der
Pasaionsmysterien wichtige Uebertragnng der „Meditationes vitae Christi* des
Pseudo- Bonaventura (Passion von 1898, s. E. Roy, Le mystcre de la passion
en France, Revue bourguignonne XIV, 1904, 254).
I ' , . I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 48 —
poetische Version n en mdchants vers franyais", die sich nach E. Roy 1 )
in der 1462 geschriebenen Ha. Bibl. Nat. fr. 9587 findet. Der neuen
Versredaktion (meist 12 Silbler) des Palatinus kommt ebensowenig wie
der vorhergehenden ein poetischer Wert zu; die geringe Begabung
des Verfassers seigt sich auch hier besonders in der Vernachlässigung
der metrischen Form. Ein überwiegend in Prosa geschriebenes Vorwort,
das die lateinische Vorlage Augustin zuschreibt, und ein Epilog mit
Ermahnungen an die Leserinnen scheinen Zufflgnngen des französischen
Bearbeiters zu sein.
Anf. 31 r (Prolog): Pour ce que noz cners sont mout endurcis et
tellement que nous ne povons mais entrer ne penser a l'amonr enbrasee,
obliee l'avons . . .
31 v: Saint Augustin nous dit ou livre Jeremie | que mout estudia
et lut la prophecie, | que vous y trouveres tout entiejement, | se de
euer bien voulez entendre bonnement. | II dist en teile maniere: Je
donray a mon chief | de grant douleur de quoy il soit mouillie | et
a mes yeux de larmes grant fontaine. 2 ) | De vostre doulce amour soit
m'ame tonte plaine, | pour ce que bonnement nnit et jour | menez
grant dueil et grant plour | . . .
Schi. 40 r: De la douleur sa mere tous temps vous souveigne, | si
que en paradix soyez en sa compaign(i)e. | A[i]nsi povez venir a
celle haulte gloire | avec Nostre Seigneur en son saint oratoire. | Priez
Dieu et sa mere | de bon euer purement | pour moy qui en ce faire |
ay mis tout mon attant! Si fault li-^plains Nostre Dame, | qui nous
garde le corps et Tarne. Amen.
VII. Zeitgedicht. — Mahnung zur Vorbereitung auf den Tod
und Klage über die Zerrüttung des Landes, welche die schwache
Regierung eines jungen Herrschers verschulde. 24 paarweis gereimte
Achtsilbler. Die Beziehung auf die ersten Jahre der Regierung Karls VI.
(1380—1422) liegt nahe.
40 r: Faittez tendiz que vous vivez,
S'apres la mort vivre voulez.
Ne vous fiez point en santö . . .
ßeaux pere, a grant deshonnour
Puet vivre ung Jone seigneur,
Povre de senz et ignorant,
Qui het bon conseil et mal prent.
Pour moy le dy que je scay
Ne bien, ne mal, laz, que feray.
Bieu doit estre pais a grant douleur,
Quant pert Bon bon seigneur.
Ung royaume est tons destruiz,
Quant le roy n'a nulz bons amis.
') I.e. S. 251.
-) Die Vorlage ist vielfach mit mangelhaftem Verständnis und sinnlos
wiedergebenen, so gleich der Anfang; Quin dabit capiti meo aquam et oculis
meis fontem lacrimarum (Jeremias IX 1).
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
-~ 49 —
VIII. Legendär der Heiligen in Prosa. — Die von P. Meyer 1 )
zuerst untersuchte und als Lögendier liturgique charakterisierte älteste
französische Sammlung von Heiligenlegenden in der Folge des Kirchen-
jahres. Die lateinische Vorlage, welche sehr frei behandelt wird, ist
die nach 1230, vermutlich in der Diözese Auxerre entstandene
„Abbreviatio in gestis et miraculis sanctorum u oder „Summa de vitis
sanctorum". Von deta französischen Legendär, das zwischen 1240 und
1280 anzusetzen ist, .sind mehrere, in der Zahl der Legenden sehr
verschiedene Handschriften bekannt. Ein Vergleich mit der aus-
führlichen Analyse, die P. Meyer nach der Hs. Bibl. Nat. fr. 988 gibt,*)
zeigt, daß die heidelberger Sammlung erheblich gekürzt hat: es fehlt
der ganze Schlußteil mit den Legenden von Ende August bis Advent
(Meyer Nr 122 — 168), und von den vorhergehenden 121 Legenden
der pariser Handschrift hat der Palatinus nur 50. Die Anordnung
folgt, wie bei Meyer, dem Kirchenkalender, doch ist die Alexiuslegende
(Meyer 85) an den Anfang gerückt; durch ein Versehen, das wohl
schon die Vorlage aufwies, 3 ) sind Papst Gregor, Ambrosius, Georg
und das Fest der Verkündigung unter die Heiligen des Januar geraten,
und hier findet sich auch in Uebereinstimmung mit der Summa und
der Mehrzahl der französischen Handschriften die Legende des hl.
Remigius am Todestag des Heiligen (13. Januar), während die pariser
Handschrift sie erst am Tage der Translation (1. Oktober, Meyer 144)
bringt.
Anf. 40 v: Cy commance la vic saint Alexi de Borne. II fut a
Romme ung mout preudomme, noble et riche, qui avoit nom Eufemien,
qui premiers estoit appellö ou palays des ampereurs.
Schi. 158r (Translation Augustins nach Pavia): Hz leverent mout
legierement le saint Corps et fut portö a Pavie et fut receu du clergie
a grant honneur et de tout le pueple, et fut mis mout dignement
le corps en Tesglise.
Das Legendär enthält folgende Viten und Feste: 4 ) 40 v: Alexis
(Meyer 85). — 43v: Andre (1). — 51 v: ßloi (2). — 52 v: Nicolas (3). —
57 r: Fuscien et Victorique (4). — 58 v: Lucie (5). — 59 v: Nicaise
(6). — 60 v: Thoraas l'apotre (7). — 64 v: Anastasie (9). — 66v:
Etienne (10). — 68r: Jean Tevang^liste (11). — 7lv: Les Innocents
(12). — 72v: Thomas de Cantorböry (13). — 74r: Siivestre (14).—
77 r: Colombe (15). — Genevifcve (16). — 79 r: Julien (17). —
82v: Remi (144). — 85r: Hilaire de Poitiers (18). — 86v: Antonie
') Notice sur un legendier fran<;ais du XIII e siecle classe selun l'ordre
de Tann6e liturgique, in den Notices et extraits des manuscrits XXXVI (1899)
I liT., ferner Histoire litt6raire de la France T. XXXIII (1906) 448 ff., s. auch
Groeber S. 989
') Notices et extraits 1. c.
*) Ein Vertieften liegt nicht vor.
4 ) Von der Wiedergabe der Rubriken und Initien sehe ich ab, da sie
nur unbedeutend von denen der pariser Handschrift, wie sie P. Meyer aus-
führlich mitteilt, abweichen; die Zahlung Meyers füge ich in Klammern bei.
Beiheft 46. 1
■ 1 Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 50 —
l'abbä (20). — 89r: Grögoire, pape (41). — 94r: Annonciation (45). —
96 r: Ambroise (46). — 98r: Georges, martyr (50). — lOOr: Fabien
(21). — Söbastien (22). — 104r: Vincent, martyr (24). — 106r:
Conversion de 8. Paul (25). — 107 r: Purification (30). — 108 r:
Amand (34). — 109v: La Chaire 8. Pierre (37). — HOr: Mathias
(38). — 111 r: Marc l^vangöliste (51). — 111 v: Philippe l'apötre
(53). — 112v: Jacques le Mineur (54). — 113v: Invention de la
s. croix (55). — 116r: Urbain (63). — 116v: Barnab<5 (68> —
117r: Jean-Baptiste (73). — 118r: Pierre et Paul (76). — 123v:
Paul (77). — 126 r: Thibaut (79). — 129 r: Marie-Madeleine (88). —
133r: Jacques le Majeur (91). — 139v: Pierre 6s liens (101). —
140 v: ßtienne, pape (104). — 143 r: Laurent, martyr (111). —
144r: L'assomption (114). — 154v: Barth&emi (120). — 156v:
Augustin (121).
Ein näheres Eingehen verdient eine Anzahl Marienwunder, die
im Anschluß an das Fest der Assumption erzählt werden. P. Meyer
hat nur einige flüchtig besprochen, da sie nicht zum Gegenstand seiner
Untersuchung gehörten. Ich gebe eine vollständige Uebersicht unter
Verweis auf die inhaltlich tibereinstimmenden Fassungen bei A. Mussafia,
Studien zu den mittelalterlichen Marienlegenden I — V (Sitzungsberichte,
der Wiener Akademie, Phil.-hist Classe Bd. 113, 115, 119, 123, 139.
1886 — 98), wobei ich besonders die Hs. Darmstadt 2777 berücksichtige,
welche die Mehrzahl der Legenden in der Fassung der auch hier
dem französischen Legendär zugrunde liegenden „Summa de vitis
sanctorum" zu enthalten scheint 1 ) Die Vorlagen der Mirakel 4, 6,
9 — 12, 14, 15, 17 — 21, die Gautier von Coincy verwertet hat,
behandelt Mussafia in seiner bekannten Untersuchung über die Quellen
dieses Dichters (Denkschriften der Wiener Akademie, Phil.-hist. Ciasse,
Bd. 44, 1896). Weitere literarische Nachweise beschränke ich auf
Gröbers Geschichte der altfranzösischen Literatur und die inhaltsreiche
Einleitung in G. F. Warners Ausgabe von Jean Mielots Miracles
de Nostre Dame, Westminster 1885 (Roxburghe Club).
1. 146 r: Comment le laz Nostre Dame chayt devant saint Thomas.
En autre lieu trouve on en Tescripture que quant les appostres orent
ensepveli le corps Nostre Dame ... — s. Jacobus a Voragine, Legenda
aurea cap. 119 (Ed. Grässe, Dresdae 1846, S. 509): Thomas autem
cum abesset . . .
2. Comment saint[e] Elisabeth parla a Nostre Barne. Nous lisons
en les canonique 2 ) ... — Meyer S. 45 f., Jacobus a Voragine cap. 119
(Grässe S. 510).»)
1 ) Das = Zeichen verwende ich, wenn nicht nur eine völlige lieber*
einstimmong im Inhalt, sondern aach in den Initien besteht, so daß der
lateinische Text als Vorlage des französischen Uebersetzers anzunehmen ist
2 ) Die Pariser Hs. an croniques.
s ) Die zweite Vision der Elisabeth (Meyer S. 46 : Commant sainte Elizabeth
vit porter Nostre Dame ou ciel) fehlt im Palatinus.
[ . Original ftom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 51 —
3. 146 v: Pour quoy nous devons savoir que le corps Nostre Dame
est ou ciel. Nous devons savoir vrayement que Nostre Dame fut portee
en corps et son ame en paradix ... — Meyer S. 47.1)
4. Nonne verläßt das Kloster. 147 r: De la nonnain que Nostre
Dame fist son office ung an. II advint d'une nonnain qui estoit
secretaine de son abbaye ... — Meyer S. 48 II, = Mnssafia IV 7
(Darmstadt 2777, 2); vgl. Mielot S. XXXVI (Nr 69), Gröber S. 918
(Sacristine).
5. Maria gibt der Mutter den Sohn zurück, der als Dieb gehängt
werden sollte. Comment Nostre Dame rendit a une fetwme son enffent.
Une bonne femme, que mout estoit povre et servoit en teile maniere
Nostre Dame, cessoit chascun samedi de toutes euvres ... — Meyer
8. 48 IV, = Mnssafia IV 7 (Darmst. 2777, 4), vgl. Mielot S. XXXIV
(Nr 63), Gröber S. 922 (Mfere).
6. Gehängter Dieb. 147 v: Comment eile soustint le lierre qui
pendus estoit Ung lierre qui mout amoit Nostre Dame fut pris et
pendus ... — Meyer S. 48 III, = Mussafia IV 7 (Darmst. 2777, 3).
7. Kleriker enthält sich des Mädchens, das Maria heißt. Comment
eile restaury ung autre au deable. Ung clerc estoit qui mout estoit joli
et legier ... — Meyer S. 48 V, = Mussafia IV 7 (Darmst. 2777, 5),
vgl. Mielot S. XXIX (Nr 46), Gröber S. 923 (Nom de Marie).
8. Maria entreißt den Teufeln die Seele einer Buh ler in. 148r:
Comment une femme fut delivree des deables. Comme une fole femme
cessast de son pech<5 tous les samediz pour l'onneur de Nostre
Dame . . . = Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 7); vgl. Mielot S. XXIX
(Nr 47).
9. Teufel als Diener eines reichen Sünders. Du deable qui gaittoit
ung bourgois. Ung rfche homme qui mout estoit pecheur . . .
= Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 8), Varianten s. Mielot S. XI (Nr 8).
10. Ehefrau und Buhlerin. 148v: De la femme qui touloit a sa
dame son mary. En eveschie de Tournay avoit une femme qui servoit
en l*ostel d'un chevalier ... — Zuerst bei Guibert de Nogent, De laude
s.Mariae cap. 12 (Migne, Patr. lat. CLVI 572), s. Mussafia I 927, 929,
949 u. ö., Mielot S. XIII (Nr 15).
11. Eulalia betet täglich in Eile 150 Ave Maria. D'une nonnain
qui disoit C et L Ave Maria. Comme ^) une sainte nonnaine eust
salue mout longuement et chascun jour de C et L foiz . . . = Mussafia
IV 8 (Darmst. 2777, 9), vgl. Mussafia I 942 u. ö.
12. Priester kann nur eine Messe. 149 r: Du prestrc qui ne
savoit chanter que la messe de Nostre Dame. Ung prestre qui mout
estoit de bonne vie chantoit en une parroisse ... — Mussafia I 939
(Pothonis Liber de miraculis 9), II 66 (Jacobus a Voragine cap. CXXXI, 7),
IV 8 (Darmst. 2777, 10), s. Gröber S. 927 (Nur eine Messe).
') Die drei ersten Abschnitte sollen die Tatsache der Himmelfahrt Mariae
erhärten.
a ) Hs. comment.
4*
[ . Original ftom
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
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13. Hieronymus wird Bischof von Pavia. D'un clcrc qui fut
evesque pour ce qu'il servoit Nostre Dame. A Pavie avoit ung clerc
qui mout amoit Nostre Dame ... — Mussafia I 939 (Pothonis Liber
de miraculis 13), IV 8 (Darmst. 2777, 11).
14. Marienbräutigam. 149 v: Ung clerc qui mout amoit Nostre
Dame et disoit chascnn jour ses h^ures *) . . . = Jacobus a Voragine
CXXXI, 6 (Grftsse S. 592), ähnlich Mussafia I 939 u. ö., Mielot S. XI
(Nr 9, 20).
15. Jndenknabe. Comment eile garyt Venfent du feu ardant
A Bourges avint le jour de pasques . . . = Meyer S. 49 (lat. u. frz.
Text), Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 12), s. Gröber S. 918 (Juitel).
16. Maria erscheint einem Sterbenden als Mater misericordiae.
150r: Comment Nostre Dame conforta le malade. Ung homme estoit
mout malade en teile maladle qu'il n'avoit nulle esperance ... —
Zuerst bei Anselm von Ganterbury, Oratio 49 (Migne, Patr. lat
CLVII1 946), s. Mussafia I 925, 930 u. ö.
17. Schwiegermutter und Schwiegersohn. Comment eile sa[ü]va la
femme qui avoit faxt occirre son genre. Es miracles Nostre Dame de
Laon ... — Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 13), Fassung Hermanns
von Laon, De miraculis 8. Mariae Laudunensis III 27 (Migne, Patr.
lat. CLVI 1008); vgl. Mussafia I 926, II 66.
18. Bild in Konstantinopel. Schleier. 151 r: De Vymage Nostre
Dame de Constantinoble. En la cite de Constantinoble est une eglise
que est apelle Lucerne ... — Mussafia I 944 (Pothonis Liber de
miraculis 42) u. ö.
19. Soissons. Heilung und Erleuchtung des Hirtenknaben. D'ung
enffant que Nostre Dame garda du feu. II avint que ung enffent de onxe
ans d'aage gardoit bestes ... — Hugo Farsitus, Libellus de miraculis
s. Mariae virg. in urbe Suessionensi 9 (Migne, Patr. lat. CLXXIX, 1783),
bei Gautier von Coincy das erste der Wunder von Soissons (Ausgabe
von Poquet 1857 Sp. 147; dort auch der lat. Text).
20. Theophüu8. 151 v: Comment Theophile fut delivre du deable.
En Tan de grace cinq cens et XXXVII ans Theophile qui baillif
estoit a ung evesque de la terre de Sezille ... — Jacobus a Voragine
cap. CXXXI 9 (Grässe S. 593), Mussafia IV 8 (Darmst. 2777, 14).
21. Julianus und Basilius. 152r: Comment Vempereur fut oeeiz
le commandant Nostre Dame. On list en la vie saint Basile, et le
tesmoigne Fubles, qui fut evesque de Ghartres, que quant Julien
Tempereur ... — Jacobus a Voragine cap. XXX (Grässe 8. 144).
22. Ritter lernt nur Ave Maria. 153r.: D'un Chevalier qui ne
pot aprendre que Ave Maria. Ung Chevalier renonga au siecle et se
rendi en Vordre de Citeaux . . . = Jacobus a Voragine LI 2 (Grässe
S. 221), Mussafia IV 8 (Darmst 2777, 15) u. ö., Mielot S. X Nr 7), s.
Gröber S. 919 (Ave Maria).
l ) 14 und 15 durch Versehen des Miniators mit derselben Rubrik, die
nur 15 zukommt.
I Original front
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 53 —
23. Drei Brüder enterbt. De celui qui junoit les vigilles Nostre
Dame. II advint nouvellement en Tan de grace mil II ( XXV en la
comte de Nevers que ung chastellain du pais avoit desheritö du tout
trois freres ... — Meyer 8. 50, = Mussafia IV 5, IV 8 (Darmst. 2777, 16),
8. Mielot S. XXX (Nr 48), Gröber 8. 922 (Confession).
24. Ritter verleugnet Maria nicht. 153v: Comment Nostre Dame
delivra Vescuier qui avoit Dieu renyi. En Tan de grace mil II c et
XXX ung eseuier gentil homme vint de mout grant richesse a
povrete ... — Meyer S. 50, = Mussafia IV 8 (Darmst 2777, 17),
vgl. Mielot 8. XXV (Nr 39).
25. Edelmann verführt seine Nichte. 154r: Comment Nostre
Dame sa[u]va une femme qui occirre se vouloit. En ce mesme temps
ung gentil homme d'Alemaigne print en garde une sienne niepee ... —
Meyer 8. 50, = Mussafia IV 9 (Darmst. 2777, 18), s. Mielot 8. XXX
(Nr 49), Gröber 8. 929 (Pecheresse).
IX. Gautier de Coinoy, Legende der Nonne Eulalia, die
tlglich in großer Eile 150 Ave Maria betete. 1 ) Ausgabe Gautiers von
Poquet, Paris 1857, Sp. 481; bei A. Mussafia, Ueber die von Gautier
de Coincy benutzten Quellen 1 ) 8. 4 (I 20, Eulalia); die gleiche Legende
in Prosa als elftes der Marienwnnder des Legendars dieser Handschrift.
Anf. 158ra: Pour ung miracle reciter,
Ou mout se doivent delicter . . . ^
En escript trouve qu'i[l] fut jadiz
Une mout tres sainte nonne . . .
Schi. 159 r: Qne a la gloire du ciel parti
Quant de ce siecle departi.
Pal. lat. 1960. Doctrines des Pferes.
Papier. 164 Blätter, 27, 3x20 cm; einspaltig zu 20—25 Zeilen.
Ruchkursive des ausgehenden XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote
Initialen, Absatzzeichen, Strich elnng der Majuskeln. Alte Sign. 1216,
C. 91. 1250, 1832. Heidelberger Bezeichnung Doctrinae seu Exempla
8. Patrum (lr).
Eine Sammlung von Aussprüchen und Legenden, den Leben der
ägyptischen Einsiedler entnommen, die, nach sachlichen Gesichts-
punkten geordnet, die Mönche belehren und zur Erreichung des Ordens-
ideales aneifern sollen. Die lateinischen Quellen sind die von Heribert
Rosweyde in seiner Ausgabe der Vitae patrum 3 ) als Verba seniorum
bezeichneten Bücher. 4 ) Die Gliederung des Stoffes, die dem Palatinus
') Zweispaltig, die abgesetzten Verse mit rubrizierten Majuskeln beginnend.
Die Nonne heißt hier Seur Hclaine.
3 ) Denkschriften der Wiener Akademie, Phil. -bist. Classe. Bd. 44, 189G.
a ) Antwerpen 1628, Neudruck bei Migne, Patr. lat. LXXIU.
4 ) In Betracht kommen besonders die Bücher HI, V und von Buch IV
die Auszüge aus Cassian, De coenobiorum institutis.
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 54 —
eigentümlich ist, weicht stark von der üblichen ab; ich konnte sie weder in
einer lateinischen Vorlage noch in den französischen Prosabearbeitungen
der VieB des peres nachweisen. *) Die ersten der 28 Kapitel handeln
von der Einsamkeit, dem Verzicht auf die Welt, dem Glauben, Fasten,
den Nachtwachen, dem Gebete, der Gottesfurcht, das letzte von der
Aufnahme der Novizen.
Anf. lr (Prolog und Register): Tci commencent maintes doctrines
des sains peres et mains exemples qui furcnt escript de aucuns de
leurs disciples . . . Sans faute le monde est soustenu par la miseri-
corde de Dieu et [les] bons merites des sains peres, des doctrines
de8quel(e)s est escript cestuy livre . . .
2v: Comment solitude est moult prouffitable par especial a la vie
contemplative. Estant entoure Saint Arcein a Rome en la cour de
l'empereur, il fist oracion a Dieu disant: Seigneur, monstre raoy la
v[o]ie par la quelle me puisse sauver! (Vitae patr. üb. V 2, 5).
8chl. 164r: De la multiplicacion de vertus nacist puretc') et nettete
de euer; de purete et nette[t£] de [euer] 3 ) nacist la perfeccion de la
charitö apostolique, c'est amer Dieu sur toutes choses, qui est desus
tous les autres biens (1. c. IV 31). Deo gracias semper in omnibus
et per omnibus hominibus [!]. Amen.
PaL lat. 1961.
Jacques Le Grant, Livre de bonnes moeurs.
Papier. 89 Blätter, 28x20,5 cm, einspaltig zu 40—45 Zeilen.
Nachlässige Kursive der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Alte
Sign. 1255, C. 1. 1252, 1833. Heidelberger Bezeichnung Virtutum
lib. 1, cuius duae sunt partes (lr); früher mit Pal. lat. 1992 vereinigt.
Das weitverbreitete, in vielen Handschriften und mehreren Drucken
überlieferte, 1410 dem Herzog Johann von Berry gewidmete Buch der
Sitten des einflußreichen pariser Theologen und Predigers. Die Palatiua
besaß zwei Handschriften, s. Pal. lat. 1995. Ueber den Verfasser vergl.
Gröber S. 1119, ferner A. Coville, De Jacobi Magni vita et operibus,
Paris 1889, und Petit de Julleville, Jacques Legrand in Revue des
cours et Conferences IV (1896) 642 ff., V (1896—97) 17 ff.
Anf. lr: Cy apres s'ensuit le livre de bonnes meurs (spätere
Hand). — Tous orgueilleux se veulent a Dieu comparer en tant
qu'ilz se glorifient en eulx mesmes et es biens qu'ilz ont, desquelles
choses la gloire est deue principaulment a Dieu.
Schi. 89 r: Par quoy il appert que pou vault Tesperance de ceulx
qui dient que le monde durera moult longuement. Explicit. Deo
gracias, Finito libro sit laux [!] et gloria Christo!
') b. P. Meyer in der Histoire Htt6raire de la France T. XXXIII (I90C) 254 ff.
*) Hs. povrete.
*) de purete et nette[ii\ de [euer] am Rande von anderer Hand zugefügt.
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 55 —
Pal. lat. 1962.
Raoul Leffevre, Recueil des Histoires de Troie.
Papier, die Zierseiten Pergament. 309 Blätter, eine gleichzeitige
Zählang beginnt erst nach dem Register (9 r); 36,7 x 27,5 cm.
Flandrische Buchschrift, Schriftfeld 24 X 18 cm, zweispaltig zu
34 Zeilen. Rubriken, rote und blaue Initialen und Absatzzeich en,
Majuskeln des Textes mit gelber Tupfung, Linien mit violetter
Tinte vorgezogen. Alte Signaturen fehlen. Heidelberger Bezeichnung
Historiae Troicmae collectionwrn libri 3 (1 r, 8v); die Handschrift ist
wahrscheinlich die Hystoria Troyana depicta, in pergameno, welche
nach 1461 von der Universitätsbibliothek erworben wurde. 1 )
Fünf Zierseiten zeigen die entwickelte Miniaturmalerei der zweiten
Hälfte des XV. Jahrhunderts. Man wird nicht fehlgehen, wenn man sie
dem burgundisch-niederländischen Gebiete zuweist, einer Werkstätte, die
mit dem Hofe Philipp des Guten in Verbindung stand, an dem die
Kompilation Lefevres entstanden war, und unter dessen Einfluß die
Mehrzahl der Handschriften geschrieben wurde. Große, .bildmäßige
Miniaturen (etwa 18x20 cm) nehmen die obere Hälfte des Schrift-
feldes ein, während reiches Blattwerk, mit Blumen, Tieren und Drolerien
belebt, eine breite Randfüllung bildet.
Miniaturen: 9r: Saturn im Tempel zu Delphi vor der Goldstatue
Apollos betend. — Vesta, Cybeles Mutter, übergibt deren neugeborenen
Sohn Jupiter einer Dienerin mit dem Befehl, ihn zu töten. — Ein Spruch-
band im Blattwerk der Bordüre trägt den Namen Jehan du beau gardin.
— "102r: Galantis, die Dienerin Alkumenes, betet im Tempel der
Diana. — Herkules in der Wiege erwürgt die beiden Schlangen. —
135 r: Herkules im Kampf mit den nemeischen Löwen. — 220r:
Tod des Herkules. — 224 r: Flotte und Landung der Griechen
vor Troja.
Die häufigere Fassung der bekannten Kompilation der Trojasagen
in drei Büchern, von denen die beiden ersten von der Gründung der
Stadt und ihrer zweimaligen Zerstörung durch Herkules handeln und
1464 von Raoul Leffcvre im Auftrag Philipps des Guten verfaßt sind,
das dritte, eine Uebersetzung der „Historia destructionis Troiae" des
Guido delle Colonne, vor 1468 zugefügt wurde. 2 )
Anf. 1 ra (Register): Comment Saturne avoit commande que Ten
occist Jupiter qui estoit enffant nouveau nee . . .
9ra: Tous les filz de No«5 espars par les climatz, les rengnes et
les estranges habitacions des siecles par la generale division des
«) S. oben S. 4, auch Wilken S. 74.
2 ) S. A. Bayot, La 16gende de Troie a la cour de Bourgogne, Bruges 1908
(Hocicte d'emulation de Bruges, Melangen 1), auch G. Doutrepont S. t73ff.,
Über die Handschriften s. H. 0. Sommers Ausgabe der 14Gb begonnenen
englischen Uebersetzung Caxtons (The recuyell of the historyes of Troye,
London 1894) I S. XLVI1 ff. und vollständiger Bayot S. 6 ff.
■ I Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 56 —
langues, faitte a la fondation de la tour de Babilonne, ez jours que
les siecles füren t dorez, que les bommes pesans comme montaignes
et rüdes comme pierres et bestes esleverent lenrs pesanz couraiges ou
esleverent leur groz concepvoirs, et que l'ennemy les induisi mali-
cieusement a pratiquer villes, cites et chasteanlz . . .
Vorrede und Name des Verfassers feblen im Palatinus wie in der
Hs. Bibl. Nat. fr. 255, den Handschriften des Arsenals und des Britischen
Museums. >) Buch I schließt mit der ersten Zerstörung Trojas (Wortlaut
= Brüssel 9261 s. Bayot S. 6), Buch II beginnt mit dem Kampf des
Herkules gegen die nemeischen Löwen (Anfang = Bibl. Nat fr. 253,
s. Sommer I S. XLIX; Schluß = BibL Nat. fr. 252, 255, s. Bayot S. 24f.),
der Anfang von Buch III entspricht der Fassung der Vulgata (Bibl.
Nat. fr. 59 u. a.; s. Bayot S. 24).
Schi. 309 rb: Dyomedes occi[st le] roy Antiphus, le roy [Estorius,
le roy] Prothfenor et le roy Obtomeus.] 1 )
Pal. lat. 1963.
Wilhelm von Tyrns, Histoire de la Guerre sainte.
Pergament. 258 Blätter nach alter, wohl heidelberger Zählung,
35,5x27 cm, zweispaltig zu 40 — 42 Zeilen. Wenig gebrochene Buch-
schrift, Mitte des XIII. Jahrhunderts. Alte Sign. 469, C. 89. 1260, 1836.
Die Miniatur (7x6,5 cm) am Anfang des ersten Buches, eine
Erneuerung in späterem Stile, die an Stelle der ursprünglichen Miniatur
auf Goldgrund trat, stellt eineu Kleriker, offenbar den Verfasser, vor
einem Altare sitzend dar. Die Anfänge der übrigen Bücher (mit
Ausnahme von Buch III, dessen Initiale ausgeschnitten ist, und von
Buch XXIII) mit größeren Lettres historiees (etwa 7x6 cm), die
Ereignisse des Textes darstellen: auf Goldgrund, von dem sich der
rote oder blaue Buchstabenkörper abhebt, sieht man die Fürsten mit
Gefolge, ihre Krönung, Vermählung und Bestattung, den Auszug zum
Kampf, die Belagerung und Einnahme von Städten, einmal auch eine
Meerfahrt. 3 ) Befremdend in einer französischen Handschrift ist der
Stil dieser Miniaturen. Sie scheinen die Arbeit eines Buchmalers zu
sein, der vielleicht Franzose war, jedenfalls aber stark unter fremdem
(byzantinischem oder italienischem?) Einfluß stand. Wie die Schrift mit
') S. Sommer S. LV; daa Fehlen jeder Rubrik und Ueberschrift am Anfang
der römischen Handschrift ist allerdings auffällig und läßt die Annahme zu,
daß ein vorausgegangenes Blatt verloren ist.
') Der beschädigte Text ergänzt nach Bayot S. 21, mit dessen Zitat auch
der vorhergehende Teil des Schlusses übereinstimmt.
3 ) In ähnlicher Weise Bind wohl die meisten Handschriften der Histoire
de la guerre sainte illustriert. Eine eingehendere Beschreibung der Miniaturen
der beiden Didot-Handschriften gibt Montague Rhodos James, A descriptive
catalogue of 50 mss. from the coflection of Henry Yates Thompson, Cambridge
1898, Ms. 42 und 4:«; die Wiedergabe der Initialen der Us. 42 in Ulustrations
from one 100 mss. in the library of Henry Yates Thompson, London 1912,
111 Taf. 40—51. Die Darstellungen sind z.T. die gleichen wie im Palatinus.
I Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 57 —
ihrer Neigung zur Rundung der Buchstaben von der nordfranzösischen
sich unterscheidet, so scheint der Buchschmuck auf Entstehung der
Handschrift in einem der unter französischem Kultureinfluß stehenden
Länder des Mittelmeerkreises, vielleicht in dem französischen Orient
selbst hinzuweisen. 1 )
Uebersetzung der Geschichte der Kreuzzüge (Historia belli sacri)
des Wilhelm von Tyrns. Ausgabe in dem Recueil des historiens des
croisades, Historiens oeeidentaux T. I, Paris 1844, femer von P.Paris,
Guillaume de Tyr et ses continuateurs, Paris 1879 — 80. Der Palatinus
gehört zur ersten Familie der am vollständigsten von dem Grafen
Riant-) aufgestellten Handschrifteneinteilung, zu der kleinen Gruppe,
die nur das Werk des Wilhelm von Tyrus (Buch I— XXII, XXIII, 1),
aber keine seiner Fortsetzungen enthält, welche die Geschichte des
hl. Landes über das Todesjahr des Bischofs, 1184 (oder 1186), hinaus
weitergeführt haben. Nach Riant gehören zu dieser Gruppe elf Hand-
schriften, von denen drei fragmentarisch, zwei als verloren bezeichnet
werden. Von den vollständigen sind die ältesten, Bibl. Nat. fr. 2632,
2826, 9081, im XIII. Jahrhundert geschrieben. Ihnen gleichzeitig und
gleichwertig dürfte der Palatinus sein. 3 )
Ueber die Geschichte der Handschrift sind wir trotz mehrfacher
Rasuren, die Einträge späterer Besitzer tilgen oder nnlesbar machen,
gut unterrichtet. Sie war einst in königlichem Besitz und ist ein wertvolles
Zeugnis für den Einfluß französischer Kultur auf das Geistesleben
des Nordens. Am oberen Rande der Vorderseite des ersten und letzten
Blattes steht in roten Majuskeln: Liber Domine Isabelle, Bei gratia
Reghie Norwegie. Diese Isabella ist Isabella Bruce, eine Schwester
von Robert Bruce, dem späteren König von Schottland, die seit 1293
') In dem Gefolge des Xerxea (Initiale zu Buch XII, 115 r) sieht man
Orientalen mit turbanartiger Kopfbedeckung in so realistischer Darstellung,
wie sie ein Miniator wohl nur, aus eigener Anschauung malen konnte. Nach
Maa-Latri, Bibliotheque de l'Ecole des chartes, Ann6e XXI (1860) 38 ff., ist
ein Teil, besondere der älteren Handschriften der Conqueste de la Terre
Sainte in den Pays d'Outremer, wie im Königreich Cypern, entstanden: von
den vier Handschriften der ersten Klasse sollen zwei orientalischer Herkunft
»ein. Andere sind in Italien geschrieben, wie die Rom 1295 datierte Hs.
Noailles, die dem Palatinus verwandt ist (s. u.).
*) Archivea de POrient latin I (1881) 247; s. auch Recueil II (1859)
S. XI II ff. und Mas-Latri 1. c.
3 ) Der Mangel einer Varia Lectio in der Ausgabe der Akademie macht
es leider unmöglich, die Stellung des Palatinus zu den andern Handschriften
zu bestimmen. Nur zu dem letzten Kapitel (XX III, 1), mit dem die Fort-
setzungen beginnen (Recueil T. 2), werden die Lesarten von vier Hand-
schriften gegeben, von denen aber keine znr ersten Familie gehört. Der
Palatinus geht hier mit der Hs. G (Noailles, Bibl. Nat. fr. 90S2), ohne ihre un-
mittelbare Vorlage zu bilden. Zu der Aufzählung Riants sei bemerkt, daß
der zu den verlorenen Handschriften gezählte Palatinus nicht mit der seit
1821 verschwundenen Hs. Paris Institut 326 identisch ist. 9 und lo sind
Turiner Handschriften; ob sie den Hrand der Bibliothek (1904) überdauert
haben, ist mir nicht bekannt.
I Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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mit König Erik IL Magnus son von Norwegen (1280 — 1299) vermählt
war. Sie starb, ihren Gemahl lange tiberlebend, 1358. *)
Im Jahre 1395 hat ein Engländer einzelne ihn besonders
interessierende Ereignisse mit Randnoten begleitet. 2 ) Etwas später
maß die letzte Eintragung am Schluß der Handschrift 3 ) sein: Dominus
GuillclmuSj primo archidiaconus, deinde archiepiscopus de Sur, prout
lectura istius libri testatur, istam historiam composuit in latino. Habeat
eius anima pro munere Bei regnum precante Colino. Amen. Ein Colinus,
Cantor von St. Paul in Worms, ist in dieser Zeit als Handschriften-
sammler bekannt. 49 Handschriften, mit wenigen Ausnahmen juristischen
Inhalts, sind nach seinem Tode (1401) als Vermächtnis in die Palatina
gekommen. 4 ) Der Name ist freilich nicht selten. Jedenfalls wurde
der Codex damals noch nicht Eigentum der Palatina. Er gehörte
vielmehr im XVI. Jahrhundert zu der Bibliothek Ulrich Fuggers, die
1584 nach dem letzten Willen des Besitzers mit der Kurfürstlichen
Landesbibliothek vereinigt wurde. 6 ) In den lnventaren der Fugger-
schenkung ist der Palatinus als Chronicon gallica lingua scriptum
auf Pergament verzeichnet. 6 ) Als Eigentum der Palatina hat Bong ars
») S. P.A. Munch, Det norske Folks Historie. IV, 1. Christiania 1859,
S. 201. Isabella von Joigny, die für Eriks Bruder Hakon bestimmte Gemahlin,
kann nicht in Frage kommen, da die von Philipp dem Schönen begünstigten
Verhandlungen nicht zur Vermählung führten (1296). Bakon war damals
Herzog und bestieg den Thron erst 1299 nach seines Bruders Tode, s. Munch
S. 258.
") So Bl. 78 va die Einnahme Jerusalems 1099 (Recueil I 361): Et $ic patet
quod infrascripto die hoc anno Domini M° CCC»* nonagesimo guttata deßuebant
a die istius captionis II* IUI** XVI anni; BL 226 va über Thomas von
Canterbury (zu Recueil I 979); Bl. 284 r über Eduard III. (1327— 77); Bl. 254 r
Nota de modo levandi pro necessitatibus regni quod dieunt anglice yheldis
(me. yeld, Steuer) (zu Recueil 1 1 1 10); Bl. 236 v englische Verse: My reverende
lady, quene of love | Ye save ye godtst St Jaeobus (z. T. unleserlich).
s ) Voran gehen Eintragungen von vier verschiedenen Händen , die z. T.
durch Rasuren unverständlich geworden sind. Die erste lautete ursprünglich
wohl: Explicit iste über [Scrlpsit Francus,] hoc est homo liber; die vorletzte,
eine Notiz über Wilhelm von Tyrus, scheint von der Hand des Engländers
herzurühren.
*) S. Wilken S. 49. Das in dem Accessionskatalog der Universitäts-
bibliothek 1396 — 1432 enthaltene Verzeichnis ist gedr. bei G. Töpke, Die
Matrikel der Universität Heidelberg von 1386—1662, Heidelberg 1884—93,
I 6S5, s. auch S. 663 und E. Winkelmann, Urkundenbnch der Universität
Heidelberg, Heidelberg 1 886, im Register unter Colinus.
5 ) S. oben sT 12.
•) Nr 83 der 26. Kiste (Pal. lat. 1915). Die Identität mit dem Werk des
Wilhelm von Tyrue wird durch Notizen der heidelberger Bibliothekare
gesichert, die auf einem dem Pal. lat. 1963 lose eingelegten Folioblatt erhalten
sind; es heißt da u. a.: Prolixum Chronicon GaUica lingua scriptum [!].
Ex latino Guillelmi Tyrii. 29. Maji 1598, i/[eidelberg]a, Collat. (Iland des
Melissus?). Ferner dort von der Hand des Allatius der Verweis pag. 71
jFjuggeriana] NrS.'i, der auf den verlorenen Fuggerkatalog sich bezieht; die
Handschriften der Kiste 26 müssen in ihm, wie auch Pal. lat. 1915 angibt,
auf Bl. 68 — 72 verzeichnet gewesen sein. S. oben S. 12 Anm. 3 und Ficker
I.e. S. XXXV ff.
, I Original from
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die Handschrift für seine Ausgabe der „Genta Dei per Francos" nach
Angabe der Vorrede benutzt: 1 ) Verae lectioni firmandae et illnstrandae
historiae profuerunt Gallicae interpretationes : Palatina Heydelbergensis,
quam fnisse Isabel lae Regln ae Norwegiae indicat inscriptio rubricata:
eam nobis olim impetravit Georg. Michael Lingelshemius; nuper con-
sulenti adfuit Janus Grnterus . . . Er hebt hervor, daß im Gegensatz
zu den anderen französischen Handschriften die heidelberger allein
auf die Historia des Wilhelm von Tyrns sich beschränke: Et cum
Galilei interpretes historiam longins, etiam ultra Gnillermi mortem,
deduxerint, unus tarnen Palatinus Heydelbergensis nee verbulo Latinum
excedit. Der kurfürstliche Befehl, der den Bibliothekar Melissus
ermächtigte, die Handschrift an Bongars zu schicken, liegt noch jetzt
als loses Blatt bei: Auf chur fürstlicher J^ % altz bcvelch soll dero selbiger
Bibliothecarius Paulus Melissus bei Ihrer Churf genauen Bibliothec
aufsuchen Codicem manuscripium, qui continet historiam Expeditionis
Boullioneae Hierosolimitanae, Gallicem[l] conscriptum et ex Galiclmo[l]
Tyrio conversum, und solch Buch herrn Bongarsio auf widererstattung
ein Zeitlang zu gebrauchen folgen lassen. Signal, den 19. Junij
Anno [15]98. Churf Pfaltz Canzlei, Handschrift^) Seit der Ent-
führung der Palatina nach Rom galt die Handschrift als verloren. 3 )
Anf. lra: Les ancienes estoires dient que Eracles, qui fu mult
bons crestiens, governa l'empire de Rome. Meis en son tens Mahomet
avoit ja estä, qui fu mesages au deable, et il fist entendant qu'il
estoit prophetes envoies de Damme Deu. El tens Eracle estoit ja la
desleautes et la fause loi que il sema si espanduc par tonte s les terres
d'Orient et nomement en Arrabe . . .
Schi. 258 vb: Li cuems et si Chevalier v[in]drent tot soudenement
et les seurpri8trent Aucuns en ocistrent et toute la proie en menerent,
qnanqu'il troverent de robes et d'avoir enporterent tot a Escalonne.
La novele en vint au roi qui en fu toz desvez. Si manda le conte de
Triple, et por ce qu'il se fioit en son sen et en sa leaute, tantost li
*) Erstausgabe Hanoviae 1611; Bongars 1 Vorrede auch bei Migne Patr. lat.
CCI Sp, 201 ff.
2 ) Der Vermittler war, wie Bongars angibt, der pfälzische Rat Lingelsheim,
der ab Förderer wissenschaftlicher und literarischer Bestrebungen bekannt
ist und mit hervorragenden Gelehrten der Zeit in Verbindung stand. In seinem
umfangreichen Briefwechsel mit Bongars ist von dieser Entleihung nicht
die Rede, s. Jacobi Bongarsii et Georgii Michaelis Lingelshemii epistolae,
Argentorati 1660 (Neudr. in Miegs und Nebels Monumenta pietatis, Frankfurt
1702), ferner Briefe 6. M. Lingelsheiins, M. Berneggers und ihrer Freunde,
hrsg. von A. Roifferscheid, Heilbronn 1889. In den Ausleih Verzeichnissen der
Palatina aus den Jahren 1589— 1621, die unter den Papieren des Alatius in
der Vallicelliana in Rom sich befinden (s. Mazzi 3. 27, gedr. bei Theiner S. b7ff.,
M&zzi S. ISO ff.), kommt die Handschrift gleichfalls nicht vor.
3 ) S. Graf P. Riant, Exp6ditions et pelerinages des Scandinaves en Terre
S&inte an temps des croisadea, Paris 186« r i S. 431 und Archives de I 'Orient latin
1(1881) 248. An der ersten Stelle vermutet Riant den Palatinus im Vatikan,
an der zweiten bezeichnet er ihn als „perdu".
■ I . Original from
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bailla tot le pooir et toute la baillie de son reaume. Trop en orent
grant joie tuit li baron et li menuz pueples, por ce qu'il avoient dit
des anceis, que 1 ) antrement ne po[oi]t estre la terre en bon point,
tandis com lor dui roi estoient si non puissant, se toz li fes et li
goveraemanz n'estoit bailliez au conte de Triple.
Pal. lat. 1964. Tristanroman in Prosa.
Pergament. 397 Blätter, 34x93,5 cm, zweispaltig zu 40 Zeilen.
Schwere, gerundete Buchschrift aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts.
Rubriken, größere farbige Kapitelinitialen mit leistenartiger, in Ranke
oder Tierkopf endender Randverzierung, daneben kleinere Goldinitialen.
Am Anfang eine Miniatur auf Goldgrund (8,2x5,4 cm): Der Philosoph
verkündet König Thanor in Gegenwart seiner Gemahlin Chelinde den
Tod von der Hand seines eben geborenen Sohnes (Löseth § 2). Heidel-
berger Sign. 229 seor[sum],*) spätere 1259, 1835.
Nach Löseths Untersuchungen 3 ) sind zwei Redaktionen des Prosa-
tristans zu trennen: eine ältere, kürzere, nur in ihrem zweiten Teil
erhaltene Fassung und eine spätere, verbreitetere mit zyklischer Tendenz,
welche die ganze Queste du Saint Graal anfnimmt. Der Palatinus
gehört zur letzten Gruppe. Für den in ihm erhaltenen ersten Teil
des Romans (entsprechend Löseths Analyse § 1 — 164) bestehen nur
an zwei Stellen größere Verschiedenheiten der Ueberliefernng: der Kampf
Tristans mit der Schlange, den nur die Hss. Bibl. Nat. fr. 103, Arsenal
3357 und die Drucke haben (s. Löseth S. 24, 475), und die Erzählung
der Ereignisse bei Löseth 8. 57 ff., wo die Hss. Bibl. Nat. fr. 750 und
12 599 als die ältere Fassung weitere Taten Brunors schildern, während
die Vulgata zu Tristan und seinen Abenteuern im Walde Darnantes
übergeht. Den Kampf mit der Schlange kennt auch der Palatinus,
jetzt die älteste Handschrift, welche diese Episode überliefert; im
zweiten Falle folgt er der Vulgata, die besonders durch die Hs. Bibl.
nat. fr. 334 vertreten wird. Im allgemeinen steht der Palatinus dieser
Handschrift am nächsten; kleinere Uebereinstimmungen ergeben sich
in der ersten Hälfte (Löseth S. 1 — 57) mit den zu der gleichen
») Hs. Ott.
*) Unter dieser Signatar erscheint die Handschrift in dem etwa 1590
abgefaßten alphabetischen Index lateinischer Handschriften der kurfürst-
lichen Landbibliothek (s. o. S. 19). Ihre früheren Schicksale sind unbekannt.
Der Nachlaß des Pfalzgrafen Christoph enthielt auch einen „Trist&nt, Gallice,
Ferment" (Inventar, Heidelberg Pal. germ. 835 Bl. 97r), aber der Zusatz
„Ferment* bezeichnet in dem Inventar in üer Regel nur die Art des Ein-
band es; die Handschrift fehlt ferner in der Katalogisierung der Landbibliothek
von 1581 f in der sie, ebenso wie der aus Christophs Bibliothek stammende
Pal. lat. 1983, vorkommen müßte. Der Tristan des Pfalzgrafen war wohl einer
der zahlreichen Drucke, die bis Ende des XVI. Jahrhunderts den beliebten
Roman vervielfältigten.
"), E. Löseth, Le roinan en prose de Tristan. Paris 1S91 (Bibliotht^ne
de l'Ecole des hautes Stades. T. 92).
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Gruppe gehörigen IIss. Bibl. Nat. fr. 97, 100 und 102, wo diese von
334 abweichen. 1 )
Anf. lra: Ci commence li roumanz de Tristan* de Corn[ö]uaille.
-Apres ce que je ai leu et releu et pourveu par maintes foiz le grant
livre de latin, celi meismes qui devise aperte l'estoire don Saint
Graal, moult m'esmerveil que aucuns preudomme ne vient avant qui
a[m]pregne a tranlater le de latin en fran^ois. Car ce seroit une
chose que volentiers croient 2 ) povres et riches, pour qu'il eussent
volente d'escouter et d'entendre beles aventures et plaisanz qui
avindrent sanz doutance en la grant Bretaigne au tans le roy Artu . . .
Schi. 397 rb (Ivain, erzürnt über die Niederlage Lucans, fordert
Tristan, den Sieger, zum Kampf; Löseth § 164): Sire Chevaliers, je
vous ai fet ce que vous nie demandastes. Or vous apareilliez d'un
autre affaire, gardez vous de moi, car je vous apele de la bataille et
premierement a la jouste san[z nul delaiement 8 )]. Finis.
Pal. lat. 1965. Le Jeu des Echecs moralises.
Pergament. 51 Blätter, 24x 16,5 cm, einspaltig zu 25 — 30 Zeilen.
Buchkursive des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote Initialen und Absatz-
zeichen. Als Schreiber nennt sich Jehan du Boys. Alte Sign. 2139,
C- 78. 1241, 1823. Von einer heidelberger Hand rührt die Bemerkung
her: Diss buch sagt wie das schachspil fanden und erdacht sy
(vorderes Schutzblatt).
Des Jakobus' de Cessolis Ludus scacchorum in der altfranzösischen
Uebersetzung, die der Dominikaner Jean Ferron als Kaplan eines
Bertrand Aubert de Tarascon 1347 verfaßte. Die Handschriften sind
zahlreich, doch fand die zweite, fast gleichzeitige Uebertragung von
Jean du Vignay, dem bekannten Uebersetzer, einen noch ausgedehnteren
Leserkreis. 4 )
Anf. lr (Vorrede Jehan Ferrons): L'cschiquier. [A] Noble homme
et discret Bertran Auberi, 5 ) eseuier de Tarascon, frere Jehan Ferron
de l'ordre des freres prescheurs de Paris, son petit et hnmble chappelain.
La sainte escripture dit que Dieu nous a fait commandement de
pourchasser a tous nos prochains leur sauvement . . . (1 v) Or prenes
l ) Eine andere Tristanhandschrift des Vatikans, Reg. lat. 727, konnte ich
vergleichend benutzen. Laogloia' Beschreibung (Notices et extraits XXXIII, 2
(1Ss9) S. 36) ergänzend, sei bemerkt, daß ihr der Kampf mit der Schlange
fohlt, mit der Vulgata die Episode im Wald Darnantes gemeinsam ist; der
zweite Teil, welcher der jüngeren Version folgt, endet mit Löseth § 260.
a ) Statt oroientj Fehler des Schreibers.
a ) Die letzten Worte des Textes, der hier nach der Tristanhandschrift
Bibl. Nat. fr. 334, Bl. 262 ra ergänzt ist, sind durch Rasur entfernt, das folgende
Finis ist von anderer Hand zugefügt.
*) s. Hlstoire Ittt&aire de la Frtuice XXV (1869) 26 ff., A. von der Linde,
Geschichte und Literatur des Schachspiels, Berlin 1874, I.Beilage S. 114 ff.,
Groeber S. 1024.
y ) In den meisten Handschriften Bertrand Aubert.
■ I Onainal from
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donques ce petit present comme[n]ci£ le IUI'' jour de may, Tan mil
111«= XLVU.
lv (Jacobus de Cessolis): [M] onlt ay est<5 prie et requis de
religieuz et de seculiers que je leur deise une chose, c'est assavoir
que je leur enseignace par le jeu des esches, comment Ten se doit
en bonnes meurs gouverner . . .
Schi. 51 v: ... et nous doint sa grace perdurable, affin que nous
puissions vivre avecques lui et venir au regne de paradis. Qni vivit
et regnat Deus per omnia secula seculorum. Amen. — Explicit le
jeu des eschas escrip[t] par Jehan du Boys.
Pal. lat. 1966. Christine de Pisan, La Cit6 des dames.
Papier. 186 Blätter, 25,8 x 18,8 cm, zweispaltig zu 28—32 Zeilen.
Erste Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, rote und blaue Initialen.
Alte Sign. C. 1. 1249, 1834.
Miniaturen am Anfang der drei Bücher: graziöse Federzeichnungen
(etwa 9x13 cm) mit erst begonnener Kolorierung, die auf die Blätter
des Textes geklebt sind. — Bl. 3r: Der lesenden Verfasserin erscheinen
die drei Frauen. — Christine und Dame Raison beim Bau der Stadt-
mauern. — Bl. 70 r: Christine, Droiture und andere Frauen am Eingang
der in ihrem Aeußeren vollendeten Cit<$ des dames. — Bl. 157 v:
Christine und Justice empfangen am Stadttor die Himmelskönigin und
ihr Gefolge. 1 ) — Der Text dieser Zierseiten beginnt mit farbiger
Initiale anf Goldgrund, den Rand schmückt die Goldleiste mit feinem,
reichverästeltem Rankenwerk.
Anf. lra: Cy commence la table des rebroiehes du livre de la
cite des dames . . .
3ra: Oy commence le Ihre de la die des dames, duquel le premier
chapistre parle pour quoy et par quel mouvement le dit Uvre fut fait —
Selon la maniere que j'ay plus en usaige et a quoy est dispose
l'excercice de ma vie, c'est assavoir en la frequentacion d'estude de
lettres, ung jour comme je fusse seant en ma celle, avironnee de
plusieurs volumes de diverses matieres . . .
Schi. 186 ra: ... et m'ottroyt la joie qui a tousjours dure, laquelle
ainssi par sa gracc vous face. Amen.
Pal. lat. 1967. Aldebrandin de Sienne, Le Regime du corps. —
Mort d'Artus.
VereinigungzweierPergamenthandschriften. 102Blätter, 29,9x21 cm.
Alte Sign. 1019 (?), 1242, 1824. Heidelberger Bezeichnung Physica
Gallica (lr).
') In verwandter Weise sind die Brüsseler Handschriften 2297 und 2302
illustriert, s. die Beschreibungen bei J. van den Gheyn, Catalogue des manu-
scrits de la Bibliotheque royale de Belgiqne, Brnxelles 1901 ff., III 405 ff.
I Original frorn
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I. Aldebrandin de Sienne, Le regime da Corps.
Zweispaltig zu 47 Zeilen. Sorgfältige Schrift der ersten Hälfte des
XIV. Jahrhunderts. Rote und blaue Initialen mit reicher Filigranierung,
Rubriken.
Die bekannte Darstellung der Hygiene nnd Diätetik, welche als
das erste medizinische Werk in französischer Sprache von besonderer
Bedeutung ist Aldebrandin, der nach Angabe des Prologs der besten
Handschriften der Verfasser ist und die Schrift 1256 im Auftrag von
Beatrix von Savoyen, Gräfin der Provence, verfaßt haben soll, ist neuer-
dings von A. Thomas ') als Arzt in Troyes urkundlich nachgewiesen
worden. Zahlreiche Handschriften, mehrere Umarbeitungen, ein Druck des
XV. Jahrhunderts und zwei italienische Uebersetzungen bezeugen die
langdauernde Beliebtheit seiner Arbeit. Kritische Ausgabe mit wichtiger
Einleitung von L. Landouzy et R. Pepin, Le Regime du Corps de
Maitre Aldebrandin de Sienne. Pr^face de M. A. Thomas. Paris 1911.
Der Palatinus gibt den Text der älteren Handschriften wieder.
Er steht meist der Hs. B (Bibl. Nat. fr. 14822) näher als der Hs. A
(Bibl. Nat. fr. 2021), die der Ausgabe zu Grunde liegt. *) Das den
Schluß enthaltende letzte Blatt ist verloren gegangen.
Anf. Ira: Ici commenee fisique en fran^ois. Diex, qui par sa
grant pnissance tout le mont establi, qui premierement fist le ciel,
apres fist les.inj. elemans, c'est la terre et Haue et li airs et [li] feus,
si li plot que toutes les autres choses de la lune en aval fussent et
soient faites par la 3 ) vertu de ces.mj. elemanz, si con sont herbes, 4 )
anbres (!), oisiaus et toutes autres bestes et poisons et homes. Et
fist premierement toutes ces choses avant qu'il feist home, . . .
SchL 38vb (Buch IV cap. 5, Ausg. S. 195): Des sorciz. Qui a granz
sorciz et grant habundance de paus, si est signes de granz pansces
et de triteice et de gros [et] de mal parier. Qui les a Ions, si est
outrageus et sanz honte. Et qui a les sorciz qui pendent par devers
le nes. . . .
IL Mort d'Arttis.
Zweispaltig, meist 46 — 48 Zeilen. Mehrere Hände der ersten
Hälfte des XIV. Jahrhunderts, als Schreiber nennen sich Wafflarz und
») Romania XXXV (1906) 454.
-) Im einzelnen sei bemerkt, daß der Palatinus wie B ohne den Prolog
beginnt, der den Namen des Verfassers enthält. Jedem der viej Bücher geht ■
ein Verzeichnis der Kapitelrubriken voraus. Nach dem CapiteUs de pois
(Ausgabe S. 141) folgt wie in B und D ein Abschnitt mit der Rubrik Des
chickes, dagegen hat der Palatinus mit A die Kapitel de fasoles, lupin, orbc,
cierres (Ausgabe S. 142 f.), die den Hss. B und C fehlen; ein Kapitel des parages
fea esparges, asperges, nach de porcelaine S. 1G8) findet sich sonst nicht
in den älteren Handschriften, wohl aber in Vat. Reg. lat. 125(1 und 1334
(XV. Jahrhundert, s. Ausg. S. XLIIIf), die ich heranziehen konnte.
») Hs. «o.
«) Hs. herber.
I Original from
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Huez. Rote und blaue Initialen mit z. T. reicher kalligraphischer
Verzierung. Am Anfang eine Miniatur auf Goldgrund (6,2x4,5 cm):
König Heinrich befiehlt dem vor ihm knieenden Walter Map die
Abfassung des Romans.
Der letzte Teil der in den Handschriften unter dem Namen
Walter Maps gehenden Trilogie Lanzelot - Qraalsu che - Artus 1 Tod.
Ausgabe nach der 1274 datierten Hs. Bibl. Nat. fr. 342 von J.Douglas
Bruce, Mort Artu, Halle 1910, eine Aufzählung der zahlreichen Hand-
schriften S. XU ff. Der Herausgeber hat keine Klassifizierung dieser
reichen, textlich vielfach variierenden Ueberlieferung versucht und
andere Handschriften nur gelegentlich herangezogen, so daß es mir
nicht möglich war, die Stellung des Palatinus festzulegen.
Anf. 39 ra: Apres ce que mestres Gautiers Map ot tranlatä des
aventures dou saint Graal assez souffisement, si conme il li sembloit,
si fu avis au roy Hanri, son seignenr, que ce qu'il avoit fet ne devoit
pas souffire, se il ne recontoit la fin de ceus dont il avoit avant fet
mention, et conment eil moururent de cui il avoit les proesces
ramenteues en son livre. Et pour ce conmen;a il ceste darriene
partie . . .
Schi. 102 ra: Si se test or atant mestres Gautiers Map de l'estoire
de Lancelot. Car bien l'a donc menee a fin selonc les choses qui en
avindrent et fenist ici son livre si outreement que 1 ) apres ce n'an
porroit nus raconter qui n'an mantist [102 rb] de toutes choses. —
Explicit la mort le roy Artus. — Wafflarz et Huez.
Pal. lat. 1968. Martin Le Franc, Le Champion des dames.
Papier. 188 Blätter, 26,7x20,5 cm; zweispaltig zu 34 Zeilen.
Kursive des XV. Jahrhunderts. Am Anfang eine größere blaue Initiale
auf Goldgrund, rote Initialen am Strophenbeginn. Alte Sign. C. 46. 1248,
1826. Heidelberger Bezeichnung: Castrum amicitiae seu voluptatis
carmine gallico (lr).
Der geringe Erfolg, der Le Francs großer, zur Verteidigung der
Frauen geschriebener Traumdichtung zuteil wurde, und den der Dichter
selbst in seiner „Complainte du livre du Champion des Dames"
beklagt, wird durch die kleine Zahl der Handschriften bestätigt
G. Paris, der auf die Bedeutung Le Francs nachdrücklich hinwies, 2 )
kannte nur vier (Bibl. Nat. fr. 12 476, Arsenal 3121, Brüssel 9281,
9466), denen A. Piaget in seiner Monographie Martin Le Franc, Prevöt
de Lausanne (These, Lausanne 1888), S. 262 ff. zwei weitere hinzufügen
konnte (Bibl. Nat. fr. 841, Grenoble 875). Einen Champion des Dames
besaß eine Privatbibliothek des XV. Jahrhunderts; die Kürze der Angabe
J ) Hs. qui.
*) Romania XVI (1887) 383 ff., s. auch Grüber S. 1128 f., Doutrepont
S. 30*2 ff.
I . Original from
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in dem von P. Meyer 1 ) veröffentlichten Inventar läßt nicht den Schluß
zu, datt diese Handschrift eine der erhaltenen ist. Der Palatinus zeigt
Korrekturen und Ergänzungen von späteren Händen: eine ältere bessert
Fehler des Schreibers, trägt Auslassungen nach; 2 ) eine spätere hat
die Beschreibung des Cymetiere autour de la chappelle d'Amours zum
großen Teil erneuert (Bl. 15, 16) und durch einige Textänderungen
die Anna von Burgund, der Schwester Philipps des Guten und Herzogin
von Bedford (gest. 1432), gewidmeten Strophen zu einer Huldigung
für die als Danphine 1445 gestorbene erste Gemahlin Ludwigs XL,
Margarete von Schottland, umgestaltet. 3 ) Der Prolog, mit dem Le Franc
sein Gedicht 1442 dem Herzog Philipp dem Guten von Bnrgund
widmete, fehlt, ebenso bei der Verherrlichung der Jungfrau von Orleans
die sechs Mehrstrophen, die Piaget nach der Hs. Brüssel 9466 heraus-
gegeben hat. 4 )
Anf. lra: A l'assault, dames, a Tassault!
A l'assault desaus la muraille!
Ores est venu en sursault
Malebouche en grosse bataille.
A rassau lt, dames! chascune aille
A sa defense, et tant s'efforce
Que l'envieuse vilenaille
Ne nous ait d'emblee ou de force.
1 ) Bulletin de la Soci6t6 des anciens textes IX(18S3) Tuff.
'*) So die auf die Rückkehr Karls von Orleans aus England (3. Nov. 1440)
sich beziehenden Strophen (92 ra, gedr. Romaoia XVI 418). Daß diese ihr
Fehlen einem Versehen des Schreibers verdanken, nicht etwa eine Fassung
vorliegt, der dieses Ereignis noch unbekannt war, ergibt sich daraus, daß im
Ten spätere Vorgänge erwähnt werden, die Einnahme von Pontoise durch
Karl VII- (1441. bl. 113va) und die Joumee de Nevers (1442, Bl. 132 ra),
s. Romania XVI 39.) f.
2 ) Nachdem in der ursprünglichen Fassung der Dichter und sein Begleiter
die Gräber der Belle Dame sans merci und anderer berühmter Frauen erblickt
haben (s. Romania XVI 410), wohnen sie in einer erst jüngst errichteten,
prächtigen Kapelle der Tranerfeier für Anna von Burgund bei, die von allen
Tagenden zelebriert wird. Der Umarbeiter ersetzt die Verse: La congnois tu,
c'est madame Anne, j Du sang de Bourgogne semee, i La doulceur du monde
ä la manne | . . . durch Las, c'ent madame la daulphine, I Du haxdt sang
des tote semee, \ Im doulceur du monde treffine | . . . und beseitigt die folgende
Strophe Je ne die quelle fut Regente | Et duckesse de Bethefort | . . . (zitiert
bei Piaget S. 91), ohne sonst den Text wesentlich zu ändern. An einer späteren
Stelle, wo der Dichter die Frauen du temps present verherrlicht (156va), läßt
dieselbe Hand an Stelle Magaretens eine Toohter Karls VII., Magdalena, die
spätere Gemahlin Gastons de Foix, treten, indem sie den Reim daulphine + fine
durch Korrektur zu Magdelaine + saine ändert. Von den älteren Schwestern,
Jolanda „la piemontoyse princesse" und Katharina „Madame de Charolais",
war in den vorhergehenden Strophen die Rede (s. Piaget S. 101). — Herr
Bibliothekar Viktor Mausen in Kopenhagen hatte die Güte, mir, als die Hand-
schriften unerreichbar waren, aus dem ersten Druck des Champion des dames,
Lyon um 1485, den die dortige Königliche Bibliothek besitzt, die urspün glichen
Lesungen mitzuteilen.
*) Le Moyen-äge VI (1893) 105 f.
Beiheft 46. 5
1 . Original ftom
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— 66 —
Schi. I88vb: Oultre plus, Amours me commande.
Car je ne puis Sans vons rnerir,
Que a toutes je me recommande
Pour bien et honneur acqderir.
Siques vueillez moy secourir,
Dames, et en fais et en dis,
Vueillez pour moy requerir
La Royne de Paradis.
Pal, lat. 1969.
Gautier de Coiney, Les Miracles de Notre Dame. —
Passions- und Auferstehungsspiel.
Pergament. 234 Blätter, 22,8 X 16 cm; zweispaltig zu 36 — 40 Zeilen.
Die Verse beginnen mit vorgerückten Majuskeln, größere Abschnitte
mit roten Initialen. Verheftungen liegen vor Bl. 194 — 199, 229 — 233.
Schrift der ersten Hälfte, wahrscheinlich des beginnenden XIV. Jahr-
hunderts. Mehrere Hände: Bl. 1 — 93 va sorgfältige, kräftige Buchschrift
mit energischer Brechung, die Bl. 93 va mitten in der Spalte durch
eine kleinere, flüchtigere, spitze Schrift ersetzt wird (BL 93 — 220);
ein ähnlicher Schriftcharakter, aber andere Hand bereits Bl. 49 — 56
(eine Lage); Bl. 221 — 234 (Passionsspiel) ist wieder von dem ersten
Schreiber geschrieben. Die roten Initialen sind durchweg demselben
Miniator zuzuweisen, so daß die Zusammengehörigkeit der beiden Teile der
Handschrift gesichert erscheint. — Einband des Kurfürsten Ott Heinrich: *)
Holzdeckel, mit braunem, gepreßtem Leder überzogen, auf dem Vorder-
deckel in Goldpressung das Bild des Kurfürsten mit der Jahreszahl 1557,
auf dem Rückendeckel das pfälzer Wappen. Metallbuckel und Schließen.
— Alte Sign. 151 (?), 1940, C. 183. 1361. Heidelberger Bezeichnung
Ein Buech von Thcophilo und andern heyligen* (vorderes Schutzblatt).
I. Gautier de Coiney, Les Miracles de Notre Dame.
Poquets Ausgabe 2 ) gibt nur einen durch Lesefehler vielfach entstellten
und die Ordnung der Erzählungen willkürlich ändernden Abdruck
der Handschrift von Soissons, ohne die anderen zahlreichen Hand-
schriften zu berücksichtigen. Eine Uebersicht über die Mirakel mit
Bewahrung ihrer ursprünglichen Folge schickt A. Mussafia seiner
Untersuchung „lieber die von Gautier de Coiney benutzten Quellen** :t )
voraus. Der Palatinus enthält die ganze Sammlung mit Ausnahme
weniger Stücke. Es fehlt: der Prolog des ersten Buches mit den
folgenden Liedern (Poquet Sp, 3 — 26), die beiden letzten Legenden
des zweiten Buches (Mussafia II 18: Sardenay, II 19: Constantinopel,
Schleier am Samstag, bei Poquet Sp. 649 u. 671) und einige kürzere
>) Ueber Ott Heinrichs Einbände s. F. Wilken, Geschichte der Heidel-
bergischen BUchersammluugen (IS 17) S. 122 f.
2 ) Les miracles de la Sainte-Vierge traduits et m(s en vers par Gautier
de Coiney. Paris 1857.
a ) Denkschriften der Wiener Akademie, Phil- bist. Ciasse, Bd. 44, 1896.
. I . Original ftom
UNIVERSITYOF CALIFORNIA
— 67 —
Stücke am Ende des Werkes. Die Anordnung ist im wesentlichen
die gleiche wie in der Handschrift von Soissons.
[Buch I. 1 )] 1. Theophilus. lra: Pour ceus csbatrc et deporter.
Mussafia I 1, Poquet Sp. 29.
2. Hildefonsus. 15 ra: Un arcevesquc eut a Toulcte. Mussafia 12,
Poquet Sp. 77.
3. Judenknabe. 28vb: A Bohorges, ce tniis lisant. Mussafia I 3,
Poquet Sp. 283.
4. Besudeltes Marienbild. 29 vb: Un biau miracle )iOus recytc.
Mussafia I 4, Poquet Sp. 423.
5. Priester kann nur eine Messe. 30 rb: Un miracle trnis de tot
provoire. Mussafia I 5, Poquet Sp. 323.
6. Chartres; Blume im Munde. 31 ra: A Chartres fu, ce trnis,
un clers. Mussafia I 6, Poquet Sp. 297.
7. Teufel in Tiergestalt. 3 Ivb: Un moinne fu d'une abeic.
Mussafia I 7, Poquet Sp. 327.
8. Milch; Zungen und Lippen. 33 ra: Pour plusicurs cuers plus
enflammer. 2 ) Mussafia I 8, Poquet Sp. 341.
9. Incest. 34 rb; Un haut miracle mout piteus. Mussafia I 9,
Ulrich in der Zeitschr. f. roman. Phil. VI (1882) 325.
10. Reicher Mann und arme Frau. 39 ra: Tnlt li miracle Nostre
Dame. Mussafia I 10, Poquet Sp. 429.
11. Aebtissin. 42 va: Unc abeessc fu jadis. Mussafia I 11,
Ulrich 1. c. 334.
12. Marienbräutigam; Ring am Finger. 45 ra: Tenez sillence, belcs
gens. Mussafia I 12, Poquet Sp. 355.
13. Kind dem Teufel. 46 rb: Entendez tuit, faite\s\ scillenre.
Mussafia I 13, Poquet Sp. 443.
14. Fünf Psalmen M. A, R. I. A. 49 va: Un brief miracle molt
ooine. Mussafia I 14, Poquet Sp. 359.
15. Mönch von S. Peter in Köln. 50 ra: Si com mrs Ihres me
tesmoigne. Mussafia 1 15, Poquet Sp. 455.
16. Giraldus. 51 va: Un bei miracle ros rucl dire. Mussafia 1 16,
Poquet Sp. 291.
17. Vision der Nonne; Brunnen mit Schlangen. 52 vb: Mes livre*
me dit et revcille. Mussafia I 17, Poquet Sp. 475.
18. Humbcrtns. 54 rb: En*) escrit truis qu'cn Vabeie. Mussafia 1 18,
Poquet Sp. 489.
19. Ritter mit der cuculla. 55 ra: A ceux qui abnent doucement,
Mussafia I 19, Poquet Sp. 493.
20. Eulalia. 57 ra: A la loengc de In virge. Mussafia I 20,
Poquet Sp. 481.
>) Die Einteilung in zwei Bücher fehlt, nur die Mirakel des zweiten Teiles
(39 ff.J haben Rubriken. Der bei den Liedern für die Noten freigelassene Raum
Ist leer geblieben.
'*) IIa. tnflammet.
3 ) Hs. Un, Veraehen des Miniators.
5*
[ . Original ftom
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— 68 —
21. Gehängter Dieb. 58 vb: Ici apres veil metre en bries.
Mussafia 121, Poquet Sp. 501.
22. Vision des Mönches; Bach Isaias. 59 va: Sc pres de moy
raus volez traire. Mussafia 1 22, Poquet Sp. 333.
23. Sarazene; Marienbrtiste. 61 rb: Que que de oir estes en grant
Mussafia I 23, Poquet Sp. 505.
24. Ehefrau und Buhleria. 63 ra: Que que talent avez de oir.
Mussafia I 24, Poquet Sp. 511.
25. Orleans; Pfeil ins Knie. 64 ra: En escrit truis que pres de
' Orliens. Mussafia I 25, Poquet Sp. 275.
26. Schiffbruch; Licht auf dem Mäste. 65 va: Entendez fuit et
clerc et lag. Mussafia I 26, Poquet Sp. 517.
27. Bonus. 66 vb: Puis que volenti me stimmt Mussafia 127,
Poquet Sp. 303.
28. Exkommunizierter durch einen Toren absolviert. 69 ra: Un
miracle veil recyter. Mussafia I 28, Poquet 8p. 575.
29. Teufel als Diener eines frommen Mannes. 74 va: Pour ce
qu'oiseuse est mort a Vame. Mussafia I 29, Poquet Sp. 523.
30. Neffe und Onkel. 76 vb: II fu uns clercs, uns danwisiax.
Mussafia I 30, Poquet Sp. 363.
31. Milch; Mönch auf der Bahre. 79 ra: Bien est que nous le
bim dions. Mussafia I 31, Poquet Sp. 347.
32. 150 Ave täglich, um die Geliebte zu erlangen. 81 rb: U fu,
ce truis, un chevalier. Mussafia I 32, Poquet Sp. 533.
33. Ertrunkner Glöckner. 83 vb: Gele en cui prist humanite.
Mussafia I 33, Poquet Sp. 461.
34. Kröte im Kelch. 86 va: En escrit truis qu 9 il ot vers Sens.
Mussafia I 34, Poquet Sp. 470. i )
35. Nonne aus dem Kloster. 88 ra: A la gloire la glorieuse.
Mussafia 135, Ulrich 1. c. VI (1882) 339.
36. Reliquien der hl. Leokadia. 92 ra: Que de memoire ne dechee.
Poquet Sp. 111. — Es folgen die drei Lieder zu Ehren der Heiligen:
97 vb: Las! las! las! las! par grand delit. — 98 va: Sor*) cest
rivaige, a ceste croiz. — 99 rb: De sainte Leocade. Poquet Sp. 129
bis 138.
[Buch IL] 37. Prolog. 99 vb: A saint Maart, ou biau livrairc.
Poquet Sp. 375.
38. Lieder. 101 rb: Pow[r] la pucelle^ en chantant me deporL
Poquet Sp. 385. — Mere Dieu, virge senee, s. P. Meyer, Romania XVII
(1888) 436. — L'amors dont suis espris. Poquet Sp. 387. — [D'June
amor coie et serie. Poquet Sp. 391. — Au matin a la jornee. Poquet
Sp. 389. — Ja pour yver, pour noif ne pour gelee. Poquet Sp. 393. —
Ma vielle vidier veil un biau son. Poquet Sp. 385.
1 ) Diese Legende bildet wie in der Handschrift von Soiasons und bei
Poquet einen Teil des Epilogs von Nr 33, s. Mussafia S. 4 Anm.
2 ) Ha. Por, Versehen des Miniators.
i . Original from
UNIVERSITY0F CALIFORNIA
— 69 —
39. Kaiserin von Rom. 105 ra: Uns sag es dit et fait savoir.
Mussafia II 1. M£on, Nouveau recneil de fabliaux, Paris 1823, II 1 ff .
40. Widmung an die Nonnen von Soissons. 129 vb: Ici meprant,*)
ici m'aart. — Vos damoisseilles et vos dames — La fonteneille i sort
clere. Poqnet Sp. 707—34.
41. Basilius. 137 ra: Un miracle trop merveilleus. Mussafia II 2,
Poquet Sp. 399.
42. Constantinopel gerettet. 141 vb: Au temps que de Ta cite
noble. Mussafia II 3, Poquet Sp. 417.
43. Knabe, .der „Gaude Maria 44 singt, von Juden erschlagen.
143 rb: Sainte escripture nos esclaire. Mussafia II 4, Poquet 8p. 557.
44. Die Wunder von Laon. 148 ra: Assez savez qu' assez loon.
Mussafia II 5, Poquet Sp. 209—232.
45. Jude leiht dem Christen. 152 vb: Tant truis escriz, foi que
doi m'ame. Mussafia II 6, Poquet Sp. 543.
46. Zwei Brüder in Rom. 156 va: Qui bons livraires viaut cerchier.
Mnssafia II 7, Poquet Sp. 593.
47. Habsüchtiger Bauer. 159 va: Conter vos veil sanz nul delay.
Mussafia II 8, Poquet Sp. 617.
48. Roc-Amadour; Pierre de Siglar. 162 vb: La douee mere au
creator. Mussafia 119, Poquet Sp. 315.
49—52. Die Wunder von Soissons. 165 ra: Se diex tn'aist hui
et demain. Mussafia II 10—13, Poquet Sp. 145—190.
53. Schwiegermutter und Schwiegersohn. 176 rb: Ceille qui est
de tel meniere. Mussafia II 14, Poquet Sp. 237.
54. Mädchen von Arras. 181 ra: Mes Ihres dit, conte et narraz.
Mussafia II 15, Poqnet Sp. 261.
55. Schiffbruch, Seelen als Tauben. 185 rb: Qui viaut ouir, qui
viaut entandre. Mussafia II 16, Poquet Sp. 605.
56. Pisa, Marienbr&utigam. 188 rb.: Vos qui amez de euer antier.
Mussafia II 17, Poquet Sp. 631.
57. Ueber die Kürze des Lebens. 194rb: Gautiers qui est de
euer et d'ame. Poquet Sp. 687. >)
58. Mariengrüße. 210 rb: A la fin de cest livre, ou j'ai pene jor
maint. Poquet Sp. 733—53.
59. Gebet an Maria. 218 va: Dame resplandissant, roigne glorieusc.
Poquet Sp. 757.
60. Fünf Freuden Mariae. 220 ra: Dame de paradis, Dame de
taut le monde. Poquet Sp. 761—62.
61. Schlußgebet. Poquet Sp. 763. Anf. 220va: Doulz Diex, qui
Sans fin ies et sans inition.
Schi. 220 vb: übi erit fielus et Stridor dentium. — Ci fenist U
livres des miracles Nostre Dame en frangois.
') Hb. m'aprant.
') Dieses Stück ist dreimal so umfangreich ftls du bei Poquet ge-
druckte.
. I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 70 —
Zu der folgenden Textprobe, dem Anfang der Erzählung von dem
Priester, der keine andere Messe als „Salve sancta Parens" kannte, ist die
kritische Ausgabe nach sieben Handschriften bei Bartsch-Horning, La
langue et la litteratore franyaises, Paris 1887, "Sp. 363 ff. zu vergleichen.
30 rb: Un miracle truis de un provoire,
Qni la poissant dame de gloire,
30 va: Qui nommee est vierge Marie,
Honora moult toute sa vie.
Mais bien vous puis de lui tant dire,
QuMl ne savoit chanter ne lire.
Une messe Sans plus savoit,
„Salve sancta parens", qu'avoit
Aprise d'enfance et de usage.
Mais en quaresme n'en charnage,
A pentecoste n'a noel,
Ne chantat ja nnle fois d'el.
C'estoit touz jourz touz ses effors,
Et pour le[s] vis et pour les mors
Ce8te messe tant seulement
Chantoit touz jourz devotement
En remembrance et en memoire
De la poissant dame de gloire.
Devant l'evesque accuses fu.
L'evesque dit qu'ens en un fu
Le deut on par droit jeter
Et come un hours batre et beter;
Car ne savoit ne plus ne mains
Et si sacroit entre ses mains
Le haut seigneur qui tont cria.
IL Passions- und Auferstehungsspiel.
Die Handlung beginnt mit der Ankündigung des Abendmahles
und der Aussendung der Jünger Petrus und Johannes. Gespräch der
beiden mit dem Unbekannten. Von den Knaben Israels bewillkommt,
zieht Jesus in die Stadt. Während des Mahles im Hause des nicht
genannten Wirtes dringt die reuige Magdalena ein und salbt Jesu
Füße (22 Iva). Judas, erzürnt über die Verwendung kostbarer Salben,
beschließt den Verrat. 1 ) Einsetzung des Abendmahles, die Frage.
Der Abend am Ölberg, die Erscheinung des Engels (221 vb). Judas
erhält von der Synagoge den Verräterlohn, dreißig Silberlinge, die
ihm Stück für Stück vorgezählt werden; Streit über die fehlenden
') (Judas): Maitres, dites apertement,
Pour quoi de si chier oignement
Avez souffert tel gastement!
S'est honte et vilainement.
Bien valoit .im", deniers,
Et plus encor que moult est chiers,
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 71 —
beiden letzten 1 ) (222rb). Verrat tmd Gefangennahme Jesu, Episode
des Malchus (Marques). Die Verhöre vor Caiphas, dann vor Pilatus
und Herodes (222 vb). Letzterer verlangt ein Wunder; Jesus mit
■einein Mantel bekleidet, gesehlagen (Qui Va fem? or le devine!) und
verspottet (223rb). Neues Verhör vor Pilatus, der die Gesetzes-
gelehrten kommen läßt. Judas 1 Reue, der vergebliche Versuch, das Geld
zurückzugeben, seine Verzweiflung (223vb). Johannes und Petrus im
Vorhof, des letzteren dreimalige Verleugnung. Jesus, an einen Pfeiler
gebunden, wird von Cayn und Huitacelin gegeißelt; sie werfen das
Los über seine Kleider (224 vb). Pilatus liefert Jesum den Juden aus,
nachdem diese die Freilassung des Barabbas gefordert (225 va). Das
Kreuz wird gefertigt. Herodes schickt Malchus 2 ) zu dem Schmied.
Da dieser krank ist, schmiedet seine Frau die Nägel (226 ra). Unter
Caiphas 1 Aufsicht wird Jesus von Haquin und Mosse an das auf-
gerichtete Kreuz geschlagen 3 ) und mit der Dornenkrone gekrönt (226 va).
Klage der Maria, Jesus empfiehlt seine Matter dem Johannes (227 ra).
Der blinde Longinus wird zum Kreuz geführt, das an seiner Lanze
herabfließende Blut des Erlösers macht ihn sehend; er erhält Ver-
zeihung. 4 ) Consummatum est (227 vb). Neue Klage Maria, Johannes
sucht sie zu trösten. — Streit der Teufel in der Hölle, Jesus erscheint, 5 )
erzwingt die Öffnung der Pforten und befreit die Seelen der Vorväter
(228 vb, 230 ra). — Joseph von Arimathia erbittet von Pilatus den
Leichnam Jesu; Abnahme vom Kreuz und Bestattung, an beiden ist
Nikodemus beteiligt (231 rb). Annas läßt durch seinen Boten Evramin
Caiphas holen; beide beschließen, mit Erlaubnis des Pilatus das Grab
bewachen zu lassen. Werbung, Aufzug und Prahlereien der Wächter
(chcvaliers). Erscheinung des Engels und Auferstehung Christi. Die
Wächter entfliehen bestürzt (233 va). — Klage der drei Marien
(233 va, 229 ra). Sie kaufen Salben bei dem Apotheker. Der Engel
verkündet ihnen am Grabe die Auferstehung und befiehlt, den Jüngern
die frohe Kunde zn überbringen. Frauen • und Apostel beschließen,
Qui lealment Feut vendu
Avant com Feut espandu.
II en afferoit a ma rente
De .im c . deniers les .xxx. ...
Je les recouvrera[i] par ma foi! (221 va.)
Vergl. Passion de Semuy V. 5000 ff., 5305 ff., mit der richtigeren Lesart
in c . deniers, Ausgabe von E. Roy, Le Mystere de la Passion en France du
XIV«au XVIesiecle, Dijon 1903—04 (= Revue Bourguignonne, T.XII1, XIV),
8. 101 ff., s auch S. 2l9f. f 392 f.; ähnlich in der Passion von Arras V. 10321 ff.
(Ausgabe von J.-M. Richard, Arras 1891, S. 121).
') Vergl. Passion de Semur V. 6055 ff., auch Roy S. 314.
-) Vergl. Passion de Semur V. 7 129 ff.
3 ) So auch in der epischen Passion des Jongleurs und in der Passion
d'Amboise. Es ist die ältere und seltenere Version,, s. Roy S. 91*, 314.
4 ) Die Heilung des Longinus vor dem Kreuzestod Christi hat von den
französischen Mysterien wohl nur die Passion von Au tun, s. Roy S. 38* f., 43*.
*) Die Hüllenfahrt Christi also unmittelbar nach dem Tode am Kreuz,
noch vor der Bestattung!
■ I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 72 —
deu Auferstandenen in Galiläa zu suchen (229 vb). Gemeinsamer
Gesang des Tedeums (234 ra).
Diktion und Handlung des gegen 1900 Verse umfassenden Spiels
sind schlicht, nüchtern, volkstümlich. Der Inhalt entspricht der
biblischen Darstellung und dem apokryphen Evangelium Nicodemi,
doch zeigt der Aufbau der Handlung manche Eigentümlichkeiten.
Szenen, die sich im späteren Passionsdrama einer besonderen Beliebtheit
erfreuten, sind bereits zugefügt oder in realistischer Weise erweitert:
so die Mißhandlung Christi und die Reden der Henkersknechte, das
Schmieden der Kreuzesnägel, die Heilung des Longinus, die Klagen
Marias unter dem Kreuz, der 8treit der Teufel in der Hölle, das Gespräch
der Salben kaufenden Frauen mit dem Krämer. 1 ) Anderes fehlt noch,
wie die Legende von der Frau des Pilatus und der Veronika.
Spielanweisungen werden nicht gegeben, die auftretenden Personen,
etwa 35, nur ausnahmsweise bezeichnet. 2 ) Die vorliegende Hand-
schrift des Spiels scheint weniger für die Aufführung als zum Lesen
bestimmt gewesen zu sein. Der Vers ist der fast immer paarweis
gereimte Achtsilbler, an feierlichen Stellen treten Zehn- und Zwölf-
silbler ein, zuweilen auch kürzere Verse und strophische Gliederungen;
Unregelmäßigkeiten in Reim und Versbau sind nicht selten. Die Rede
schließt fast ausnahmslos mit dem zweiten Vers des Reimpaares, ein
Ueberspringen des Reimes, das sonst in der altfranzösischen dramatischen
Literatur die Regel bildet, findet sich nur selten. Erzählende Verse
kommen nur vereinzelt vor, an drei Steilen (223 va, 224rb, 227 rb),*
zweimal je zwei Verse, einmal einer. Wie auch ihre isolierten Reime
zeigen, sind es verifizierte Spielanweisungen, die dem Dichter oder
Schreiber unwillkürlich in die Feder geflossen sind. 3 )
Auf Einzelheiten einzugehen, die literarischen Fragen, die sich an
das Spiel knüpfen, zu behandeln, muß späteren Untersuchungen vor-
behalten bleiben. Das palatinische Spiel scheint jedenfalls in engerer
Verbindung zu dem ältesten französischen Passionsdrama zu stehen,
das ß. Roy nach einer lokalisierten Handschrift als Passion d'Autun
bezeichnet hat. 4 ) Dieser Text ist bisher ans drei Handschriften bekannt:
') Einzelnes dürfte aus der als Passion des Jongleurs bekannten volks-
tümlichen Dichtung des XIII. Jahrhunderts stammen, die als Quelle des
späteren Passionsspiels von Bedeutung ist, s. Roy S. 27* ff.
2 ) So: Judas parle (222 va), Saint Pierre respont (224 ra), Jhesu (233 ra),
Saint Jehan, Nostre Dame (228 vb), u.a.; zweimal lateinisch: Post dyabolus
(228 vb), Angelas (233 m). — Der Anfang der Repliken ist durch rote Inirialen
hervorgehoben, die aber nicht regelmüßig, oft auch an unrichtiger Stelle
verwandt sind.
3 ) S. W. Creizenach, Geschichte des neueren Dramas. Bd. I (Halle 1S93)
S. 136. — Nur der alleinstehende Vers (224 rb) ist durch Reim mit der
folgenden Rede gebunden.
4 ) K. Roy 1. c. S. 40* ff. Anf die wichtige Besprechung von A. Jeanroy,
Journal des savants, nouv. s6rie IV (1906) 476 ff. bin ich erst während des
Druckes aufmerksam geworden, so daß eine eingehendere Berücksichtigung,
die indessen keine Atmderung des Gesagten bedeuten würde, unterbleiben
mußte. Jeanroys Ansicht über das Alter des Passionsspiela in Frankreich
und die Stellung der Passion von Autun erfährt durch den Palatüms Bestätigung.
( , , I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 73 —
Zunächst Fragmente einer Handschrift des ausgehenden XIII. oder
beginnenden XIV. Jahrhunderts, 87 Verse enthaltend, die F. Jostes in Sion
gefunden und J. ßädier herausgegeben hat;*) dann erst einen vollständigen,
aber sehr überarbeiteten Text bietend, zwei Handschriften des XV. Jahr-
hunderts der Bibliotheque Nationale, Nouv. acq. fr. 4356*) yund 4085,
letztere 1470 in Autun geschrieben. 3 ) Für die Zugehörigkeit zu dieser
Handschriftengruppe spricht das Vorkommen der Verse 26 — 42 der Frag-
mente Bediers, wenige Verse ausgenommen, in dem Palatinus. 4 ) Auch
die Handlung beider Spiele zeigt wichtige Berührungspunkte; beiden
gemeinsam ist ferner die in dem Drama Nordfrankreichs ganz
ungewöhnliche Eigentümlichkeit, daß die Reimpaare nicht auf die
Unterredner verteilt werden, ein Anreimen des Schlußverses mit dem
Anfangsvers der Gegenrede nur selten stattfindet. Die nicht umfang-
reichen Fragmente Bediers, die ausführliche Analyse, die Roy nach
den späten Handschriften gibt, die nur wenigen Verse, die er aus
ihnen mitteilt, b ) genügen indessen nicht, um die Identität der Passion von
Autun und des heidelberger Spiels darzutun oder die Uebereinstimmungen
als nur gelegentliche, auf Abhängigkeit des einen Spieles von dem
andern oder auf Gemeinsamkeit der Quellen beruhende zu erweisen.
Für die Beantwortung dieser Fragen kann nur ein Vergleich der Texte
selbst ausschlaggebend werden. Der Wert der neuen Handschrift aber
wird in keinem Falle gemindert werden:
Aus der Zeit der Anfänge des nationalen geistlichen Spieles in
Frankreich sind uns bekanntlich zwei Dramen biblischen Inhalts
erhalten: das Adamsspiel (Ende des XII. Jahrhunderts) und die anglo-
norm. Rösurrection (Anfang des XIII. Jahrhunderts). Für die Folgezeit
sind wir über den Entwicklungsgang des Mirakelspiels nur durch
wenige Texte unterrichtet. Sie fehlen ganz, von den Fragmenten
Rädiers und von der nur kurzen, in der Sammlung der Quarante Miracles
de Nostre Dame erhaltenen Nativite nostre seigneur Jhesu Christ
abgesehen, für das biblische Drama bis zu seiner überraschenden Blüte
im Anfang des XV. Jahrhunderts. In diese Lücke tritt das Spiel der
J ) Romania XXIV (1895) 86 ff.
') Auch diese Handschrift ist lückenhaft, wird aber durch die Fragmente
Bediers ergänzt, s. Roy S. 41*.
3 ) Eine Ausgabe der Passion von Autun bereiten E. Roy und J. Bedier
vor, s. Roy S. 65*.
*) Die vorhergehenden Verse sind in beiden Spielen textlich und inhaltlich
verschieden: in dem Fragment endet hier die Höllenfahrt Christi mit der
Befreiung der Vorväter, im Palatinus folgt das Gespräch der Wächter der
Auferstehung. Ebenso wenig begegnen die den zweiten Teil des B6dierschen
Fragments bildenden, dem Schluß des Spiels angehörenden Verse. Den
Descensus ad inferos scheint die römische Handschrift in einer kürzeren
Fassung zu bieten; das Fehlen der letzten Verse ist vielleicht dnrch eine
mögliche Lücke verschuldet, die durch Verlust eines Blattes vor dem Schluß-
blatt verursacht sein kann.
3 ) Auch unter ihnen finden sich einzelne, im Palatinus völlig gleich-
lautende Verse. Dasselbe gilt auch für die von Jeanroy 1. c. S. 488 ff.
gedruckten Verse.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 74 —
palästinischen Handschrift. Den paläographischen Indizien und der
Sprache nach den Fragmenten Bediers vielleicht gleichzeitig, sicher nicht
viel später, bietet sie das älteste französische Passionsspiel in jedenfalls
nahezu vollständiger Erhaltung, ein wichtiges Zeugnis für das Bestehen
u&d den Znstand des biblischen Dramas am Anfang des XIV. Jahr-
hunderts. *)
Anf.221ra: (Jesus zn den Jüngern:)
Mi ami, mi deciple, franche gent honoree,
La sainte pasque aproche que j'ai tant desiree,
Pour mengier avec vous la pais qui moult m'agree,
Ainz que ma vie soit pour le pueple finee.
Pierre et Jehan, sa venez,
En la cite leanz irez!
Un hömme si encontrerez.
De moie part vous li direz,
Que veil aler en sa maison,
Et je et tuit mi compaignon.
Mengier i veil priveement,
II le voudra moult bonement.
(Petrus und Johannes:)
Sire, volentiers nous irons,
Vostre commandement ferons.
(Zu dem Unbekannten:)
Amis, Jhesu, li nostre sire,
Nous envoie a vous pour dire
Que vous huimais le he[r]bergiez,
A mengier li appareilliez.
Mengier veut a vostre maison,
Ensemble lui si 2 ) compaignon.
(Der Unbekannte:)
Sire, bien soyez vous venuz!
Quant venrra mes sires Jhesu,
') Das nächstälteste Passionsspiel ist die Passion Sainte -Gene vie vc,
s. Roy 55*. — Es scheint kein Zweifel daran berechtigt, daß das Spiel der
Palatina zur Aufführung bestimmt war. Die Passion und mit ihr die Person
Christi würden also viel früher dargestellt worden sein, als bisher fast allgemein
angenommen wurde (vgl. Roy S.*49, G. Paris im Journal des savants 1901, S. 784),
mindestens gleichzeitig mit der K345 überlieferten südfranzösischen Passion
Didot, die gleichfalls Passion und Auferstehung verknüpft. Die Identität mit der
Passion von Antun vorausgesetzt, würden die zahlreichen erzählenden Verse
der Hs. 40S5, die Roy der Ansicht zuneigen ließen, in dem Spiel von Antun
eine nur gesprochene „Passion dialogu6e u zn erblicken, als spätere Zufügungen
erwiesen sein. Auf die hypothetische Abhängigkeit des südfranzösischen
Mysteriums, vielleicht auch der deutschen Spiele, von Nordfrankreich, könnte
der neue Text Licht werfen. Auffällig sind wörtliche Uebereinstimmungen
mit der von Roy herausgegebenen Passion von Semur, die wohl kaum aus
einer gemeinsamen epischen Qelle herzuleiten sind, vielmehr auf Einwirkung
der römischen Passion auf das spätere Mysterium deuten.
a ) Hs. 8on.
I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 75 —
Sus lui, biau Sire, rien ne ai,
Ainz est trestout sien quanque j'ai.
Quant il venrra tout trovera
Qnanque mestier li avera.
Venez le atendre en maison,
Car il est bien drois et raison.
(Petrus und Jobannes:)
Sire, bien dites, si vous plait,
Et nous le ferons Sans plait.
Si atendrons nostre Seigneur
Et la compaignie greigneur,
Qu'il avec lui avra,
Quant il en cest ostel venrra.
(Pueri Hebreorum:)
()r sus, or sus, seigneur, enfant!
Alons nous en au roy puissant,
Aourer et beneir.
Veez le la ou il vient - . .
233 ra: (Der erste Wächter:)
Or sus, compains, or sus, or sus!
Le cors, je 1 ) cuit, avons pardu!,
J'ai ne sai quele vois oie,
Qui disoit: „Te lieve de ci! 2 )
Biau fiuz, tu as assez geu!"
Et quant j'oi le mot entendu,
Si vi si grant clartc venir,
Veoir ne la po[i] ne souffrir,
223rb: Ne movoir tant que feust partic
La clarte et amenuisiee .....
(Ein anderer Wächter:)
233va: Seigneurs, grant savoir n'est mie
Que de nous metre en leur balliee.
Sachiez que je ne mi metrai,
Mais tant com je porrai fuirai ....
Or tost, or tost, fuions, fuions! 3 )
Pal. lat. 1970. William de Wadington, Manuel des p6ches.
Pergament. 92 Blätter, 21 x 15,5 cm, zweispaltig, meist 30 Zeilen.
Zwei Teile, beide sorgfältig um 1300 geschrieben, der erste in der
üblichen Buchschrift mit wechselndem Duktus, der zweite (Bl. 62 ff.)
*) Ha. te.
*) Hs. Qui disoit de ci te lieve.
8 ) Vergl. das von Sedier herausgegebene Fragment V. 26—42.
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 76 —
in flüchtiger, kleiner Minuskel, welche noch die für das XIII. Jahr-
hundert charakteristischen Formen zeigt. Dem Wechsel der Schrift
entsprechen andere Verschiedenheiten: der erste Teil hat rote Über-
schriften und Initialen, rubrizierte Versanfinge und als Trennungs-
zeichen den Punkt am Versende; der zweite Teil verwendet schwarze
Ueberschriften, neben roten auch blaue Initialen und Absatzzeichen.
Die Handschrift stammt aus der Bibliothek Ulrich Fuggers. Das
als Schutzblatt vorgeheftete Fragment einer liturgischen Pergament-
handschrift des XI. Jahrhunderts trägt noch die alte Signatur 890
und die Bibliotheksbezeichnung Gallici rhythmi de Religionc, unter
welcher der Manuel des pechez in den Inventaren der Fuggerbibliothek
vorkommt. Auf letztere verweist auch die Bleistiftnotiz von der Hand
des Allatius: p. 68b F[ugger] No 18.i) Die Signatur des Allatius
ist C. 76. 1238. — Roter Ledereinband der Vatikana: der Handschrift
voraus geht ein Kupferblatt mit dem bayerischen Wappen und der
Schrift: Sunt de Bibliotheca, quam Heidelberga capta, Spolium fecit
et P. M. Gregorio XV trophaeum mint Maximilianus utriusque Bavariae
duz etc. [Wappen] Anno Christi 1622, das bekannte Exlibris, welches
in Rom den wertvolleren Handschriften der heidelberger Bibliotheken
beigefügt wurde. 2 )
Parallelausgabe des Manuel und der englischen Bearbeitnng
Robert Mannyngs of Brunne von F. J. Furnivall. 3 ) Ueber die be-
kannten Handschriften, die ebenso wie der Palatinus in England
geschrieben und mit einer Ausnahme (Bibl. Nat. fr. 14959) in englischen
Bibliotheken geblieben sind, s. P. Meyer, Romania VIII (1879) 333,
XV (1886) 312, XXIX (1900) 47, ferner G.Paris, Histoire littfraire
de la France. T. XXVIII (1881) 207. Der Palatinus beginnt Bl. lra
mit einem gleichzeitigen lateinischen Fragment, vermutlich einer Homilie,
dessen Anfangszeilen durch Tilgen unleserlich geworden sind. Bl. 1 rb
folgt von anderer Hand die erste Hälfte des Manuel (Ausg. V. 1 — 7910),
der zweite Teil beginnt 62 r mit dem Petit Sermon, dem älteren Pofeme
sur l'amour de Dien et sur la haine du poche, das mit Kürzungen
und Umstellungen in die größere Anzahl der Handschriften Wadingtons
übergegangen ist 4 ) (Ausg. S. 426 ff., Append. 2); diesem folgt das
Confessionale und der Schluß des Gedichtes (V. 8597— 12755).
Anf. Irb: Le premer article de la fey.
La uertu del seint espirit
Nous seit aydant en seint 5 ) escrit,
') Auch diese Handschrift gehörte ebenso wie der Pal. lat. 1963 zum
Inhalt der 26. Kiste, s. S. 12 Anm. 3 und die Bemerkungen zu Pal. lat 1963.
2 ) Die Wiedergabe eines dieser Buchzeichen mit etwas längerer Auf-
schrift und der Jahreszahl 1623 bei A. Themer, Schenkung der Heidelberger
Bibliothek (1844); s. auch Wilken S. 211.
8 ) Roberd of Brunne'a Handlyng Synne (written A.D. 1303), with . . .
le Manuel des Pechiez by William of Wadington. Ed. by F. J. Furnivall.
Printed for the Roxburghe Club. London 1862.
4 ) S. P. Meyer, Romania XXIX (1900) 5 ff.
5 ) Die Ausgabe hat die beasere Lesart cent.
I , Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 77 —
A uuous deus choses mustrer
Dunt hum se deyt confessir (!),
E ausi en la quele manere,
Ke ne fet raie bon a tere;
Kar c'est la uertn del sacrement
Dire le pecche e content
Touz pecchez ne poum counter,
Mes par tant se poet remembrer
E ses pecches ben amender
Ky cet escrit uelt *) regarder.
Prime8 dirrum la dreite fey,
Ke fnndement est de nostre ley.
Schi. 92 rb: De deu seit beneit checnn home
Ke pri 2 ) pur Willame de Widi[n]gton; 3 )
Ki pur autri pri e houre
Pur sei memes, dist em, labour.
En deu finist cest escrist,
En den 4 ), en fiz, en seint espirit,
E en le nun de sant Marie,
Amen, amen checun en die. 5 )
Pal. lat. 1971.
Partonopeus de Blois. — Fragmente von Amadas et Idoine,
Wace's Brut, Floire et ßlancheflor, Aspremont.
Pergament. 98 Blätter, 21x13— 14 cm. Die einzelnen Teile
von verschiedenen, zeitlich und örtlich getrennten Händen des XIII. Jahr-
hunderts. Als Schutzblatt dient das Doppelblatt einer lateinischen
Handschrift des XIV. Jahrhunderts philosophischen Inhalts. Alte 8ign.
864, C. 85. 1239, 1818.
Sammelband der Heidelberger Bibliothek. 6 ) Mit einer Handschrift
des Partonopeus de Blois sind vier verschiedenen Handschriften des
XIII. Jahrhunderts entstammende Bruchstücke altfranzösischer Epen
vereinigt. Eine endgültige Wertung der durch Alter und Ueberlieferung
wichtigen Texte muß späteren Einzeluntersuchungen überlassen bleiben;
hier soll nur eine vorläufige Beschreibung gegeben werden.
») Hb. ucit.
*) Die Hs. wiederholt pri.
8 ) o scheint aus a korrigiert zu sein.
*) Ausg. richtiger pere.
'*) Die beiden letzten Verse nur im Palatinos.
a ) Da alte Signataren, die heidelberger 864 und die des Allati us C. 85. 1239,
nur am Anfang, anf dem alten Schutzblatt eingetragen sind, ist anzunehmen,
daß die Handschrift bereits in der kurfürstlichen Bibliothek die heutige
Zusammensetzung hatte. Wahrscheinlich stammt sie aus dem Besitz Ulrich
Fuggere, s. oben S. 21.
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 78 —
I. Partonopeus de Blois.
60 Blätter, davon das letzte leer; zweispaltig zu 44 Zeilen.
Zierliche Minuskel etwa gegen Ende der ersten Hälfte des XIII. Jahr-
hunderts- Der erste Vers eines jeden Reimpaares beginnt mit vor-
gerückter Initiale, eine Eigentümlichkeit, die auch in dem Fragment von
Amadas und Idoine wiederkehrt und für die vor 1250 in der Normandie
oder in England geschriebenen Handschriften charakteristisch ist. *)
Rote und blaue Initialen auf den ersten acht Blättern, später ist der
für sie freigelassene Raum unausgefüllt geblieben. Alte Zählung der
Lagen (II — VII, Bl. 16 v beginnend), eine spätere (A — H) wohl erst
aus der Zeit des Neueinbandes.
Die neue Handschrift enthält das Gedicht lückenlos bis zur Ver-
mählung des Partonopeus mit Melior, und zwar den letzten Teil in
der Fassung der Vulgata, die durch alle Handschriften, die von Crapelet 2 )
herausgegebene Handschrift 2986 der pariser Arsenalbibliothek aus-
genommen, überliefert, ist. Die in den andern Handschriften an-
gefügte, aber nicht zu Ende geführte Fortsetzung fehlt. Der Palatinus
endet mit den zu ihr. überleitenden Versen, in denen der Dichter auf
Befehl seiner Herrin zu weiterer Erzählung sich entschließt. Der
Inhalt entspricht so der Analyse, die Le Grand d'Aussy nach der zu
der gleichen Gruppe gehörenden Handschrift Bibl. Nat. fr. 19 152
(früher 1830) gegeben hat. 3 ) Zur Frage der Ueberlieferung- vergl.
E. Pfeiffer, Ueber die Handschriften des altfranzösischen Romans
Partonopeus de Blois, Marburg 1885 (Ausgaben und Abhandlungen XXV)
und P. Meyer in Notices et extraits des manuscrits XXXIV (1891) 219.*)
Der Palatinus, der keiner der bekannten Handschriften als unmittel-
bare "Vorlage gedient hat, 5 ) noch aus einer kopiert sein kann, zeigt,
neben wichtigen Berührungen mit der Hs. A, wenigstens in der zweiten
Hälfte mit der Hs. B die nächste Verwandtschaft und dürfte der Gruppe
BPS der von E. .Stengel aufgestellten Filiation zuzuordnen sein. 6 )
Die Sprache weist auf Entstehung im Westen, wahrscheinlich in der
Normandie hin.
Anf. lra: A Deu rend graces e merciz
De quanque sai en faiz n'en diz,
De ma sante, de ma richesce,
De quanqu'il m'ad fait de largesce.
>) S. P.Meyer, Romania XL (1911) 71.
a ) Partonopeus de Blois. Publi6 par G.-A. Crapelet. Paris 1834 (Collection
des anciens monuments de Thistoire et de la langue fratxjoise. XII).
3 ) Fabliaux ou contes, traduits ou extraits par Le Grand d'Aussy. 3 e ed.
T. V (Paris 1829) S. 189ff. f eine noch ausführlichere Wiedergabe von Koquefort
in den Notices et extraits IX. 2 (1813).
*) Die Ashburohainhandschrift ist jetzt Bibl. Nat. fr. nouv. acq. 7516.
ö ) Es fehlen z. B. die Verse 4693—4756 nnr im Palatinus.
a ) Mein Urteil beruht hauptsächlich auf einem Vergleich mit dem bei
Pfeiffer S. 51 ff. nach sechs Hss. gedruckten Text der Verse 7475 — 8036;
Stengels Filiationsschema bei Pfeiffer S. 46.
I Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 79 —
Beneit seit li bons Jesus,
Ki (ist quanqu'at sus e jus:
Beneit seit li Sainz Esperiz
Ki meint el Pere e el Fiz,
Ki m'ad donc sue merci,
De man seignor sa grace issi;
Qu'il uolt que j'aie pes e joie,
Diable seit surz e Deus l'oie. *)
42 va: E Melior saisist l'espee,
Si lui ad bei del col ostee,
Des renges l'ad par les flancs ceint,
E fait le nu e bien estreint;
E il anccis que de li part,
Qu'il fait mult [a] enuiz e tart,
L'ad regardee en suspirant,
E grosses lermes espandant.
La dame bien l'entent e ueit;
Mais ne porquant ne se parceit
Que 50 seit il, qu'il serreit torz;
Quant ele quidet qu'il seit morz.
Uers Urake se turne e dit:
„[GilJ Chevaler scmble un petit
De bels oilz ueirs et de fa(un ..."
E ne dit plus, ne oc ne nun;
Ainz Tad derechef csgardee,
Por poi que ne l'ad repelee;
Mais li membra' 2 ) de s'amur
Li tolt parier e fait dolur,
81 qu 1 ele se tient a grant peine,
Qu'ele n'est pasmee, tant est ueine.
42 vb: E eil s'en vait mult regardant;
Car a mult poi de bei senblant
Que li feist d'aeeinement
Reuenist il joiusement.
|oult ad grant dreit, co m'est [a]uis;
Car si jo fusse en parais,
E la bele m'aeenast fors
Que j'aim plus que m'alme u mun cors,
U de >chef, u d'oil, u de dei,
Tut 3 ) me fereit uenir a sei.
Mult ad grant tens que ne la ni,
Deus, car fusse jo ore od lui!
(V. 7487—7520, s. Pfeiffer 1. c. 8. 52 ff.)
•
*) Crapelets Ausg. m'oie (Hs. A).
2 ) Für la membrance, so die andern Hsa.
3 ) Die anderen Hss., mit Ausnahme von S, richtiger tost
[MJ
I Original front
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 80 —
Schi. 59 vb: A Deu la comand e otrei,
E tutes lea dames del munt
Ki sunt u furent u serront,
Qu'il lur doinst la grant joie estable,
La plenere, la pardurable,
S'il in'otreit qu'al derein jor
Seit m'aneme en joie entre les lur.
Amen en dient li plugur
Ki seruent Deu le creatur. Amen. Amen. 1 )
II. Amadas et Idoine.
Lage von vier Blättern; nach alter Zählung ( a 3) am unteren
Rande von Bl. 68 v. die dritte Lage der ursprünglichen Handschrift.
Zweispaltig, 35 — 38 Zeilen, ungleichmäßige Minuskel des frühen
XIII. Jahrhunderts. Anfangs- und Endbuchstaben der Zeilen sind
abgerückt, die der ersten Keimzeile des Verspaares mit größeren Ab-
ständen als die der zweiten; rote, blaue und grüne Initialen. Die
wiederkehrende Randnote imago, ohne daß ein leerer Raum vorhanden
ist, scheint darauf zu deuten, daß eine Bilderhandschrift als Vorlage
diente.
Ausgabe von Hippeau, Amadas et Ydoine, Paris 1863 nach der
einzigen vollständigen Hs. Bibl. Nat. fr. 375. Ein göttinger Fragment
(V. 1110— 1246, 1791—1927) ist von Andresen, Zeitschrift f. rom.
Phil. XIII (1889) 85 ff., herausgegeben worden; eine Neuausgabe unter
Heranziehung eines neuen Fragmentes hatte W. Foerster beabsichtigt,
8. G. Paris, Melanges de literatnre fran^aise du moyen äge I (Paris 1910)
329 und Foerster, Zeitschrift f. rom. Phil. XXXVIII (1914) 108f. —
Der Palatinus enthält den Anfang des Romans, gegen 1184 Verse, die den
Versen 1 — 972 bei Hippeau entsprechen, in einer Fassung, die von
dem bekannten Text, allerdings nicht inhaltlich, erheblich abweicht.
Die Sprache ist, wie die des goettinger Fragments, anglonormannisch,
im Gegensatz zu der picardischen pariser Handschrift. 2 )
Anf. 61ra: Cumunalment uus qui auez
Am£, et uus qui ore amez,
U qui esperance de amer unt,
v E tuz ices ki amerunt;
Vus ki auez oi de amurs
Sulunc les cuntes des auturs,
Et en latin et en rumanz;
Des amantes e des amanz;
Vers mai saient entendant,
Si lur dirai de un fin amant
I) S. Le Grand d'Auss)) S. 317.
3 ) Das von Foerster gefundene, noch unedierte Fragment scheint dem
Palatinus nahezustehen, wenigstens finden sich die von Foerster 1. c. zitierten
beiden Verse in gleichem Wortlaut auf Bl. 68 vb.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 81 —
Et de wie amante quo 1 ) amat
Mut leaument, tant cum durat
Dire uoil cument auint
A ces quo amurs en semble tint
Tute lur uie senz tricher,
Senz uilainie e senz boiser.
Schi. 68 vb: AI plus bref terme qu'il pot,
Cum eil qui fere le po 2 ) estot,
Vent a Y[doine] la bele
Od tute 8a fole querele;
Cum eil ki ad turnö a un
Tut 8un curage et en commun
Et mort et uie et anenture.
8i cum de murir a draiture,
De murir ignelepas,
Ne Tat mie mains pris a gas.
Icest uolair, a icest pensö 3 )
At tut sun curage turnd.
III. Wace, Brut d'Angleterre.
Zwei Lagen von je vier Blättern, die 2. und 4. Lage einer Hand-
schrift, wie die alte Zählung am Lagenschluß (76v: II, 84v: IUI)
angibt; zweispaltig, 36 — 38 Zeilen, Zierliche, sorgfältige Minuskel
der Mitte des XIII. Jahrhunderts. Der für die Initialen größerer
Abschnitte ausgesparte Raum ist unausgeftillt geblieben.
Das Fragment umfaßt die Verse 1255—2467, 3679—4853 der
Ausgabe von Le Roux de Lincy, Le Roman de Brnt par Wace,
Rouen 1836 — 38.
Anf. 69 ra: [Q]vant il ot quis lieu conuenable
Et aaisiez et deletable,
Sa c\t6 fist desor Tamise.
Mult fn bien faite et bien assise.
Por ses ancesors remenbrer
La fist Troie noue appeler.
Pois ala le non corrunpant,
Si l'apela Ton Trinovant.
Mais qui le non garde, si troeve
Ke Trinovant est Troie noue.
Ker bien pert par corruption
Faite la composicion.
') quo = que, io der Kürzung #, ist in der Hs. die reguläre Form.
2 ) Dieses unberechtigte po ist vom Schreiber versehentlich ans der vorher-
gehenden Zeile {pot mit abgerücktem t) übernommen worden.
*) a ist übergeschrieben, der Vers und die Konstruktion fordern A cest
uolair, a cest pense.
Beiheft 46. Ü
■ I Onainal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 82 —
Schi. 84 vb: Par mei et par ses altres omes,
Qui mainte feiz nafre i surames,
Ot Cassibellam la uictoire,
Dun il a puis men£ tel gloire.
Li baron et li cheualier
Son de la gloire pargonier;
Come chescuHS mielz i conquiert
Et mielz i uaut et mi[e]Iz i ficrt . . .
IV. Floire et Blancheflor.
Lage von drei Blättern, zweispaltig, 48 Zeilen. Minuskel mit erst
beginnender Brechung, Anfang des XIII. Jahrhunderts. Altertümlich ist
die Verwendung der Majuskeln M, N, R am Schluß, zuweilen aber
anch im Innern des Verses, die Ligierung von N und T, von d mit
hochgerücktem c, sprachlich die Erhaltung des isolierten auslautenden
Dentals wie in ad, od, der 3. sg. des Futurs.
Fragmente der ersten, von Du Meril 1 ) als „Version aristocratique"
bezeichneten Fassung; in Du Merils Ausgabe V. 131 — 1390. Die
Sprache ist anglo - normannisch. Den drei bekannten Handschriften
gegenüber, die kontinental sind, und von denen die älteste erst dem
Ausgang des XIII. Jahrhunderts angehört, bietet der Palatinus einen
oft sehr freigestalteten , zwischen den beiden Handschriftengruppen
AC und B schwankenden Text, dem auch die des öfteren größere
Ausführlichkeit der Erzählung 2 ) eine selbständige Stelle zuweist.
Anf. 85 ra: Et pur la part de la reine
De reguart dune la meschine. 3 )
La reine mult se fait lee;
En ses chambres l'ad menee.
Sa lai li laisse bien guarder;
Seruir la fait et honur(e)er:
> Od li suuent giue et parole,
Et franceis aprent de s'ascole.
La meschine ert curteis et pruz;
Mult se feseit am er a tuz:
La reine forment serueit,
Cume cele ki os asteit.
l ) Floire et Blanceflor. Publ. p. Edelestand Du M6ril. Paris 1856,
s. Einleitung, besonders S. CCVff., ferner über die Hss.-Filiation die neueste
Untersuchung von L.Ernst, Floire und Blantscheflur, Straßburg 1912 (Quellen
und Forschungen 118).
■) Sie besteht meist in der Ausführung von Situationen, die auch in den
anderen Handschriften gegeben sind, so nach V. 402 (38 Verse), 680 (14 Verse),
1009 (8 Verse). Andererseits bestehen erhebliche Kürzen: es fehlen V. 233— 260,
517 — 662 (hierflir nur 6 Verse), die nur in den Hss. A. C überlieferten Episoden
von dem Zauberer Barbarin und dem Abenteuer in der Lüwengrnbe (s. Du Meril
S. 33 Note 1 und S. 229 ff.).
a ) Den besseren Text haben die anderen Handschriften : Et, por sa part,
a la roine j Done de gaaing la meschine (Du M6ril V. 131 f.).
. I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 83 —
Schi. 90 vb: Or est Floires en la cite,
U estre auait tant desire,
Herberge ches le pontener.
De cunseill ad mult grant mester:
Char ja seit 90 que venu seit
La u tant uenir desireit.
II ne set, si cunseill n'an ad,
Con faitement se cuntendrad.
Saneir se met en sun curage,
Que lui remembre sun parage,
Et cum il erre foleraent.
Fait ele: Char t'entent . . .
V. Aspremont.
Lage von vier Blättern. Einspaltig, 25 — 28 Zeilen. Größere Schrift
von altertümlichem Charakter, Anfang des XIII. Jahrhunderts. Anfangs-
ond Endbuchstaben abgerückt, Wechsel von roten und blauen Initialen
am Anfang der Laissen.
Ueber 400 Verse aus dem letzten Teile des in zahlreichen, aber
meist lückenhaften Handschriften erhaltenen Gedichtes, von dem bisher
nur Bruchstücke herausgegeben sind. 1 ) Das Fragment beginnt mit dem
Bemühen Uliens, die Flucht der von den Franken verfolgten Sarazenen
aufzuhalten, und bricht in der Erzählung von dem Verrat Aumustenes
(Amustant) ab- Der Inhalt entspricht der Analyse, die L. Gautier,
Kpopees fran^aises III 92 f. Anm. von der Hs. La Valliere (BiblANat.
fr. 25 529, Bl. 67 — 74, gegeben hat, die Reime und Assonanzen den
Tiraden 443 — 462 der von Roepke auf gestellten Konkordanz.*)
Anf. 91 r: (Ulien zu den fliehenden Sarazenen:)
Ja vos aveit res Agoulant noriz 3 )
E autrui rennes donnez et departiz,
Or lui estes au grant beson falliz!
Ouant Aufriquans ont crestiens veuz
Et a grans cous les ont requeneuz,
Les plus hardiz sont coarz deuenuz
») S. L. Gautier, Les 6pop6es fran$aises. 2 dü ed. T.M (Paris 1880) S.TOff.,
Bibliographie des Chansons de geste (Paris 1S97) S. 58 ff., F. Roepke, Studien
zur Chanson d'Aspreinont, Dissertation, Greifswald 1909.
*) Für die fehlende er-Tirade 458 tritt wie in anderen Bandschriften eine
kurze in-Tirade ein. — Die Folge der Tiraden 452 ff., welche die Hs. P 2 (25 529)
ändert, ist in dem römischen Fragment die gleiche wie in den andern Hand-
schriften. Der Palatinns weicht daher von Gautiers Analyse nicht unerheblich
ab, indem die Kämpfe Rolands (La Valliere Bl. 6S— 72) fehlen, dafür aber die
Episode von der drohenden Gefangennahme Karls und seiner Befreiung durch
Beilenger (B6renger) eingefügt ist, die in der pariser Handschrift erst an
späterer Stelle (Bl. 76—77) folgt.
') Das auslautende z der Anfangsverse, das durch Beschneiden des Randes
verloren ging, ist ergänzt.
■ I Original from
UNIVERSITYOF CALIFORNIA
L
~ 84 —
Et les plus sages se sont por fons tennz:
Tant enn.i out de morz et d'abatuz
Trencheies testes et espanlles et buz,
Les chans en sont couuers et reuestuz.
Frans sunt armez et Aufriqnans sunt nuz.
Quant les conres .G. i sunt uenuz,
Senpres les ont et percez et ronpuz.
a gent d'Aufrique nes poureit plus soufrir,
Veieit lor gent detrencher et mourir
E de lor morz la qnanpenne couurir . . .
Schi. 98v: (Aumustene zu seinem Sohn:)
En cest ost ei de mon linnaie tant,
Con uos uerrez enz le solel cuchant.
Que uos irei 1 ) la parolle celant,
II ont trestoz find a mon graant.
Prennez mon cor, si guerpisez le chant,
Si le sonnez quatre fez enn.oiant,
Asez uaut moiz que ne fet l'olifant.
Trestoz iron la ou ferei senblant,
11 uos seiuront a esperon brochant.
Dret a Aufrique uos enn.alez ponnant.
Pal. lat. 1972.
Herbert le Duo de Danmartin, Folqne de Candie.
Pergament. 146 Blätter nach vatikanischer Zählung, die indessen
vier Blätter überspringt (nach Bl. 101, 108, 131, 137). Eine Zählung
der Lagen (A — S) scheint aus der Zeit des Neueinbandes in der
Vatikana zu stammen. 18x10,5 cm, einspaltig zu 36 Zeilen. Schrift
des XIII. Jahrhunderts, etwa des Anfangs der zweiten Hälfte. Die
Lai9sen beginnen mit größeren roten Initialen, die Verse mit vor-
gerückten, auf einem gelben Längsstrich stehenden Majuskeln; rote,
schwarze und gelbe Schnörkel bilden eine Kolumne am Schluß der
Verse. Die Vershälften sind oft durch Punkte geschieden. Einige
Korrekturen von anderer, nicht viel späterer Hand. Alte Sign. 889,
C. 86. 1240, 1825.
Alter und Wert der Ueberlieferung dürften die neue Handschrift
den besten der bekannten zur Seite stellen. Leider bietet sie das
Epos nicht vollständig: sie enthält lückenlos den ersten in Zehn-
silblern geschriebenen Teil, von der tiberwiegend in Alexandrinern
verfaßten Fortsetzung dagegen nur den Anfang, entsprechend Vers
1 — 10960 der Ausgabe von Schultz -Gora.' 2 ) Nach den ersten Zeilen
1 ) Hs. irezi mit Unterpanktierung des z.
2 ) Folque de Candie von Herbert le Duc de Danmartin. Hrsg. von
0. Schultz-Gora. Dresden 1909 — 15 (Gesellschaft fllr romanische Literatur.
Bd. 21 u. 39). Glossar und Kommentar stehen noch aus.
[ . Original ftom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 85 —
der letzten Blattseite, mitten in einer Schlachtschilderung, hat der
Schreiber die Feder niedergelegt, ohne die angefangene Laisse zu
Ende führen.
Anf. 1 r: Oiat un uers 1 ), qui ne sont pas frarin;
II nes trouerent Gascon ne Enieuin.
Herberz li Dux les fist a Danmartin,
Ses fist escriure en un brief Baudoin:
Si com Guilermes s'eu fuit lo chief enclin,
Qni.llaisa mort Uiuien et Gerin.
lni n'en meine ne neuem ne coisin.
Apres lui poignent plus de mil Sarrazin.
Deoant l'enchauce Bauduz li filz Aquin;
Ainc ne ueistes plus felon Sarrazin: *
Toz fu estraiz del lignage Chain.
Ainc en sa terre ne.ssorst aigue de rin;
Solez n T i Inist an seir ne al tnatin;
N'i troue amor donzele ners meschin.
Schi. 146 r: ]V^"olt fu bele reschiele qu'amenerent Franceis.
-LVA Forque est en la premiere tant blans com une neis,
S'ot dous manches vermoilles d'un cendal d'Andre freis
Et s'ot lieoncels bis, ne sai o dous ou treis.
Joste lui fu Gaudins et Drue dAmineis.
A icels laissent corre qui mescreient noz leis;
146v: Chascuns ocist lo suen al fer sarragoeeis.
Forque ioste a Bedel, qui d'Erie fu reis,
Que l'escu li per$a et l'auberc iohenneis;
Parmi lo cors Ten passe une teise a borgeis.
Jen uei les piez desore, dist Aubris li Teois.
Qui si fiert Chevalier n est pas Brez ne Galeis,
Ainz doit bien baisier dame soz cortine d'orfreis ;
Ne li doit rien veer qui li tort a defois.
Pal. lat. 1973. Sense, Hörloge de Sapience.
Pergament. 214 Blätter, 25,8x18 cm, einspaltig zu 31 Zeilen.
Bachkursive der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts. Rubriken, Rand-
noten, rote und blaue Initialen und Absatzzeichen, Majuskeln des
Textes mit gelber Tupfung. — Heidelberger Bezeichnung Horologium
aapientiae, Eyn welsch buch von der wyslwit zu Üben. Alte Sign.
C. 103. 1256, 1823.
Die in zahlreichen Handschriften erhaltene Uebersetzung von Seuses
Horologium sapientiae, welche nach Angabe des gereimten Epilogs
der lothringer Minorit Je hau de Souabe, Magister der Theologie, auf
') Statt Oics bons vers, wie P* liest; die erste Zeile ist von dem Rubri-
kator geschrieben, daher die fehlerhafte Wiedergabe der AnfaDgsworte.
/ ' " . I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 86 —
Wunsch des Maistre Dimenche dit de Port, Lizentiaten des bürger-
lichen und kanonischen Rechtes, verfaßte und 1389 in Chastelneuf
vollendete. Inhalt und Einleitung in zwei Bücher zu 16 und 8 Kapiteln
entsprechen genau den Angaben, die Qnetif und Richard, Scriptores
ordinis Praedicatorum, Paris 1719 — 21, I 636 nach lateinischen Hand-
schriften machen. Ueber die französische Uebersetzung s. L c. I 657,
ferner K. Bihlmeyer, Heinrich Seuses deutsche Schriften, Stuttgart 1907
S. 158*. Die Handschriften der Bibliothfcque Nationale sind verzeichnet
von L. Delisle, Inventaire general et methodique des mss. frang. de la Bibl.
Nat, I (Theologie), Paris 1876, S. 87, die der anderen pariser Bibliotheken
von K. Brunner in den Mitteilungen der badischen historischen Kom-
mission XX (Beilage zur Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 1898).
Der Epilog ist öfters gedruckt, am ausführlichsten bei P. Paris IV, 155.
Anf. 1 r: La table ... — 3r: Si commetwc Ic traicüe qui est nomme
Orloge de Sapience, ouquel est parfaictcment contenue la voie et moniere
(Vacquerir sauvement. — Salomon en son livre de sapience ou premier
chapitre dit: Sentite de Domino in bonitate et in simplicitate cordis
querite illum. Sentes et entendez de Dieu en bonte . . .
Schluß der Prosa (212v): ... et plus encore, car je donray a toy
et a eulx grace et misericorde en la vie presente et a la fin ma gloire,
en laquelle je regne avec mon perc et le saint esperit de siecle en
siecle pardurable. Amen.
Epilog. Anf. 213 r: Es rers cy escrips trouvcras les nonxs de ceulr
qui ont fait et fait faire cest livre.
Ceste doctrine couronnee
Fut premierement ordonnee . . .
Schi. 214r: Pour moy une fois le pater-nostre.
Disons en la derreine voye: 1 )
Amen, amen, que Dieu l'ottroye. Explicit.
Pal. lat. 1983. Tragödie du Sac de Cabrifere.
Papier. 36 Blätter, die gleichzeitige Zählung tiberspringt ein Blatt
nach BL 32; 20 x 14,5 cm, einspaltig zu etwa 25 Zeilen. Zierliche
llumanistenschrift. — Alte Sign. 1246, 1808.
Ein nur in dieser Handschrift erhaltenes protestantisches Tendenz-
drama des XVI. Jahrhunderts, das, historische Ereignisse verwertend,
den Untergang der Waldensergemeinde Cabriere in Südfrankreich unter
der Regierung Franz 1 I. (20. April 1545) behandelt.
Baron d'Opede ist durch Beschluß des Parlaments von Aix, mit
Billigung des Königs beauftragt, die Waldenser der Provence zum
rechten Glauben zurückzuführen oder zu vernichten. Bereits sind ihre
Niederlassungen, zuletzt Merindol, zerstört, nur Cabriere widersteht
noch und weist alle Angriffe zurück. Das Spiel beginnt mit einem
] ) IIs. roye.
I . Original from
UNIVERSLTYOF CALIFORNIA
— 87 —
Wortwechsel Opedes mit seinen Genossen Catderousse, dem Herrn
von Cabriere, nnd dem Söldnerführer Poulin, die den an dem Erfolg ver-
zweifelnden Opede verhöhnen nnd zu einem letzten Sturm drängen.
Doch auch dieser, wird zurückgeschlagen. — Poulin begibt sich nun
zu trügerischen Verhandlungen nach Cabriere. Er weiß die Führer
der Waldenser, den Maire und Syndicus 3 zu überzeugen, daß sowohl
er als Catderousse auf der Seite der Verfolgten stünden, und Opede
zur Aufgabe der Belagerung bereit sei, wenn nur die Waldenser ihm
eine Niederschrift ihres Glaubens an die Dreifaltigkeit überreichen
würden, die zu seiner Rechtfertigung dem Parlament gegenüber dienen
solle. — Maire und Syndicus im Lager Opedes. Während sie in
feierlicher Wechselrede ein Glaubensbekenntnis ablegen, dringen die
Söldner in die unbewachte Stadt, die in Flammen aufgeht. Die
Waldenserführer erblicken und beklagen vom Lager aus den Unter-
gang ihrer Glaubensgenossen, den ein Bericht Poulins in allen Einzel-
heiten beschreibt, bis auch sie der Befehl Oatderousses in das Feuer
treibt.
Das Drama zerfällt, ohne daß die Teilung äußerlich angedeutet
ist, in drei Akte, von denen der erste und letzte im Lager Opfcdes,
der zweite in der Stadt spielt. Der ungeteilte Chor, gebildet von
den bei der Plünderung Merindols übrig gebliebenen Waldensern,
beschränkt sich nicht auf längere lyrische Gesänge (kürzere Verse in
Strophen) 1 ), sondern begleitet auch reflektierend und schildernd Dialog
nnd Handlung. Das Versmaß ist tait Ausnahme der Chorlieder der
Alexandriner. Prolog und Epilog fehlen. Die Einheit der Zeit ist
gewahrt, nicht die des Ortes.
Während die protestantische Polemik vorwiegend die Moralität
und nach Bezas Vorgang das Bibeldrama in ihren Dienst stellte, 2 )
dient hier die Dramatisierung eines zeitgenössischen Ereignisses mit
Beschränkung auf das rein historische 3 ) der kalvinistischen Propaganda. 4 )
Die Handlung gibt die Vorgänge wieder, wie sie in den gleichzeitigen
Berichten von protestantischer Seite dargestellt werden. 5 ) Beruht die
') Zwei Gesänge (Preis Gottes als des Gebers des Sieges, — die böse
Zunge als Quelle des Unheils) schließen die beiden ersten Akte, zwei weitere
(Segen der guten Rede — Bedrohung Opedes mit der Strafe des Himmels)
finden sich innerhalb des dritten Aktes.
-) F. Holl, Das politische und religiöse Tendenzdrama des XVI. Jahr-
hunderts in Frankreich. Erlangen u. Leipzig 1903 (Milnchener Beiträge XXVI).
3 ) Allegorische oder übernatürliche Rollen fehlen völlig.
*) Von einem in Tendenz und Inhalt der Tragedie du Sac de Cabriere
nahestehenden Spiel, das 1558 von Genfer Schülern aufgeführt werden sollte,
ist uns nur der Titel durch die Annales Calviniani bekannt: Louis Enochs
Trag6die des cinq escoliers de Berne exrcutäs ä Lyon (S. Holl S. 111, mit
falscher Jahresangabe).
& ) Die unmittelbare Vorlage vermochte ich noch nicht zu ermitteln,
s. indessen Histoire uiemorable de la pers6cution et saccageuient du peuple
de M6rindol et Cabriöres, et autres circonvoisins, appeläz Vaudois. L'an 1555
(o.O.) S. 95— 121, wiederholt bei Jean Crespin, Histoire des martyrs (Neu-
ausgabe Toulouse 1885—89, 1 408—419) und allgemein £. Lavisse, Histoire
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 88 —
wichtige Stellung, die dem Spiel innerhalb der dramatischen Literatur
des XVI. Jahrhunderts zukommt, in erster Linie auf seiner Tendenz
und der Wahl des Gegenstandes, so ist doch auch der poetische Wert
nicht zu bestreiten: Der Untergang der für ihren Glauben sterbenden
Waldenser wird in würdiger Weise gefeiert, die Sprache, besonders
der Chorgesänge, ist durch religiösen Ernst gehoben und mit Sentenzen,
die teils der Bibel, teils der Antike entlehnt sind, geschmückt, die
Tendenz wird vorwiegend durch Charakteristik und Handlung erstrebt.
Die Entstehungszeit des Dramas ist jedenfalls nach der Reform
des französischen Theaters, die durch Bezas Tragödie franyaise du
sacrifice ■ <T Abraham (1550) und Jodelles Cläop&tre captive (1553)
bezeichnet wird, anzusetzen. Einen weiteren Anhalt gibt die Widmung
der Handschrift, mag sie nun die Originalhandschrift oder eine Ab-
schrift sein, an den Pfalzgrafen Christoph, den für literarische und
wissenschaftliche Bestrebungen empfänglichen Sohn Friedrichs HL, der
23 Jahre alt im April 1574 auf der Mockerheide im Kampfe mit den
Spaniern den Heldentod fand. 1 ) Das Verzeichnis seiner erlesenen, an
französischer Literatur reichen Bibliothek, das kurz nach seinem Tode
aufgestellt wurde, enthält auch die „Tragoedic du Sac de Cabrifere"
(Heidelberg, Pal. germ. 835, 98 r.).*) In der Widmung whtf Christophs
Vater als Kurfürst bezeichnet, als Inhaber der Würde, welche 1559 nach
Ott Heinrichs Tode auf ihn überging. Die zeitliche Begrenzung ist somit
zwischen 1559 und 1574 gegeben. Den ungenannten Verfasser wird
man im Kreise Bezas suchen dftrfen, in Genf oder Lausanne, der
Heimat und Blütestätte des kalvinistischen Schauspiels. Christoph stand
in engen Beziehungen zu den schweizer Kalvinisten. Von seinem
Erzieher Otto von Hövel begleitet, war er in Genf gewesen, bevor er
1566 in Heidelberg das Rektorat der Universität bekleidete. Ein
zweiter Aufenthalt in der Schweiz fällt in die Jahre 1566 — 68, wie
die zahlreichen Einträge schweizer Kalvinisten, auch Bezas, in des
Prinzen Stammbücher, die die Vaticana besitzt, 3 ) zeigen. In Lausanne
oder Genf, wohin die Hilferufe der seit 1557 verfolgten Waldenser
Piemonts wiederholt drangen, 4 ) mag auch die Tragödie von der Ver-
nichtung ihrer Glaubensgenossen in der Provence, von Schülern auf-
geführt und dem jungen Pfalzgrafen gewidmet worden sein. 5 )
de France, V, 2 (1904) S. 121. Nicht erreichbar war mir: Jaquea Bonjour,
Luoubrationum primitiae ... De bello in Caprerienses commentaria. Parisiis
1 549 (verzeichnet im Katalog der pariser Nationalbibliothek).
l ) s. L. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz II (lb56) 58, 79, ferner
Friedr. Schmidt, Geschichte der Erziehung der Pfälzischen Witteisbacher,
Berlin 1899. (Honumenta Germaniae paedagogica XIX) S. XXXI.
*) S. oben S. 19.
3 ) Pal. lat. 2016, 2017.
4 ) s. J. W. Baum. Theodor Beza, Leipzig 1843—52, I 240 ff.
5 ) Andererseits könnte der Verfasser auch einer der zahlreichen aus
Frankreich flüchtenden Kalvinisten gewesen sein, die in Deutschland und
besondere am piälzer Hofe Schutz suchten. Hat doch selbst der bedeutendste
Vertreter des protestantischen Dramas, Louis Desmasures, in der Zeit, die für
f* I . Original from
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— 89 —
lr: Pour trfes illustre Prince, Monsieur Christophle, Duc de
Bavifcres, filz tres-aimä de Monseigneur l'älecteur, et Comte Palatin
etcae. *)
Iv: Tragedie du Sac de Cabriere.
D'Opede, Poulin et Catderousse.
D'Opede.
Un coeur vaillant mourra plustost qu'estre vaincu,
Et moy, las malheureux, auray je tant vescu
Qu'ä vaincre ou a mourir je puffere la fuite!
Poulin.
Le Hon fuit, s'il a un cerf pour sa conduite.
Ainsi le camp, auquel com m and e un bonnet rond,
Comme neige au soleii devant l'ennemi fond.
Catderousse.
Vous vous entendez trop aux proces et enquestes,
A faire fouetter, ä faire couper testes,
Ou a faire souffrir quelque plus dure mort.
3r: Le Choeur.
Du sac de Merindol cruellement funeste
Troupe captive au camp de ces brigans je reste.
Les autres sont heureux qui errent par les champs,
Encor plus heureux sont ceux ä qui ces meschans
Ont esteint les tormens en esteignant la vie;
La nostre ä petit feu nous doit estre ravie.
Si faut il constamment tenir pour resolu
Que c'est pour nostre bien que Dieu Ta voulu.
Cabriere cependant redouble son courage
Et d'Opede affoibli de plus en plus enrage,
Pour ce que contre Dieu n'y a force ne conseil,
Qu'il ne desrompe ainsi que les nerfs d'un sommeil.
Pal. lat. 1984. Gedichte des 16. Jahrhunderts.
Papier. 85 Blätter in zwei Lagen, 31 x 21 cm. Die Zuweisung
der unregelmäßigen, meist sehr nachlässigen Schrift an verschiedene
Hände ist umso schwieriger, als auch die Schriftarten, ältere und
Humanisten-Kursive, miteinander wechseln; jedenfalls wurde die Hand-
schrift, wenn sie von einem Schreiber herrühren sollte, zu sehr ver-
schiedenen Zeiten geschrieben, wahrscheinlicher ist, daß eine erste
Sammlung von mehreren Händen fortgesetzt wurde. Alte Sign.
1244, 1831.
die Entstehung unseres Dramas in Frage kommt, in Metz, Pfalz — Zweibrücken
und im Elsaß gelebt. Die Lösung der Autorfrage könnten vergleichende
Untersuchungen fördern, die zweckmäßig mit einer Ausgabe des Textes zu
verknüpfen wären.
') Bis hierher alles in Majuskeln von der Hand des Schreibers.
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 90 —
Sammlung von Gedichten aus der Zeit Franz 1 L, überwiegend
Erzeugnisse der an seinem Hofe blühenden Renaissancedichtung; ;
Nachträge führen in die Zeit der Plejade. In den dem Hofe nahe-
stehenden Kreisen wird auch die Sammlung, die mit französischen
lateinische und italienische Gedichte vereinigt, in den Jahren 1540
bis 1560 entstanden sein. 1 ) Sie zeugt von humanistischer Bildung
des Sammlers, literarischem Interesse und besonders von reger Teil-
nahme an den politischen Ereignissen der Zeit. Seine Quellen sind
sicher nur zum Teil gedruckte gewesen. Der Nachweis der Gedichte
in verwandten handschriftlichen Sammlungen und Drucken wird da-
durch erschwert, daß nur wenige mit Nennung des Verfassers ein-
getragen sind; einige, die bekannten Dichtern zugeschrieben werden,
fehlen in den Ausgaben. Jedenfalls verdiente die Handschrift, die
manches Unbekannte zu enthalten scheint, eine eingehendere Prüfung. 2 )
1. (lv:) Double d'unes lettres de mons. le chanceliier Poyet,
envoyces a mons. le cardinal de Tonrnon, lorsqu'on le menoit prisonnier
ä Bourges. (Datiert:) A Argilly, le 3 e d'aoust 1542.
Druck dieses Briefes, in dem Poyet 3 ) am Tage nach seiner Ver-
haftung den Schutz des Kardinals Tournon anruft, nach einer pariser
Handschrift bei Capefigue, Francis I er et la renaissance, Paris 1845,
IV 316. Der Sturz des einflußreichen Kanzlers Franz' I., des Urhebers
der berühmten Ordonnanz von Villers- Cotterets, der in Ungnade ge-
fallen, am 2. August 1542 in Argilly verhattet und nach langem
Prozeß 1545 seiner Aemter entsetzt und verurteilt wurde, erregte
das größte Aufsehen. Der Verfasser der Handschrift gehörte offenbar
zu den Gegnern des vielbefeindeten Mannes: er hat nicht nur den
für Poyet demütigenden Brief als einziges Prosastück in seine Sammlung
aufgenommen, sondern auch später zahlreiche Spottgedichte der Zeit-
genossen registriert (s. Nr 47 ff., 65).
2. (3r:) De la court de France. S. V. — Ung ciel en terre on veoyt
la court de France, | Tous gens s$avans appliques y vos yeulx (14 Zeilen).
J ) Die Zeitgrenzen sind durch die Ereignisse, welche einzelne Gedichte
voraussetzen, gegeben: Dachätel war Bischof von Tulles 1539—44 (Nr 3),
1540 Tod des Janus Olivarius (38) und G. Bud6s (116), Sturz Poyeta 1542
(l,47ff.), 1543TodDuBellays(66fif.), 1544 C16ment Marots (121); Zeitgedichte
von 1556 (110), 1559 (141) unter den Nachträgen.
*) Diese war mir in Rom unmöglich aus Mangel an Zeit und an literarischen
Hilfsmitteln. Meine Feststellungen beruhen auf einem Vergleich der mir in
Berlin zugänglichen Literatur mit den Initien, die ich mir notiert hatte. Ich
habe mich erst nach längerem Bedenken entschlossen, das so naturgemäß nicht
erschöpfende Ergebnis durch eine ausführlichere Beschreibung mitzuteilen,
nur darum, weil die Handschrift schwer erreichbar ist und ihr mannigfacher
Inhalt nur so annähernd erschlossen werden kann. Ich verzeichie die ersten
Verse eines jeden Gedichtes und füge bei den kürzeren literarisch nicht
nachweisbaren in Klammern die Seitenzahl zu. — Ein alphabetisches
Verzeichnis der Anfangsverse der lateinischen und französischen Gedichte
findet sich am Schluß dieser Arbeit unter den Registern.
3 ) Ueber Poyet s. M. Deubel, Guillaumc Poyet, Paris 1901, mit Verweisen
auf die umfangreiche Literatur.
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 91 —
3. A mons. l'evesque de Tulles. *) — Ta vertu est cou-
ronn^e | De gloire et environnöe (6 Zeilen).
4. D'une dame. — Pourqnoy pint on Amour ne voyant goutte, | Veu
que par l'oeuil son feu es cuers il boate (6).
5. A une dame. — Honneur cherchant oü habitens les graces, j
Parmy la cour de l'ung ä l'anltre alloyt (10).
6. A celle mesme. — Me prenant garde ung jonr que le soleil |
Jettoyt ses raiz sur toute creature (8).
7. A une aultre. — Pour mettre accord entre Venus la belle, | Jnno
la riebe et Minerve la saige (10).
8. (4r:) A une aultre dame. — Nature a faict ung grand bien
aux hnmains, | En te tirant du profond de noblesse (10).
9. D'estre loue d'ung seigneur. — De quoy rae sert d'estre louo
düng maistre, | Que je soys docte ou en prose ou en mettre (6).
10. A nne damoyselle. — Si j'estoys ciel, damoysellette, | Par
vos clairs yeulx je reluyrois (4).
11. Ung aymant k sa dame. — Cest oeuil pour qui je suys
aymant. | Qui scet si bien ses rayons traire (4).
12. Du cueur et de l'oeuil. — Mon cueur estoit en sa chambre
secrette, | Qui devisoyt avec les belies muses (10).
13. D'une chambriere amoureuse d'ung trottain crocheteur. —
Quant pour donner au portefaix, | Alis, tu desrobes du vin (4).
14. A ung qui s'ayme. — On dict que tu es amoureux (Melin de
St- Gelais II 2992)).
15. A la Royne de Navarre. — Au monde n'a, o soeur de Roy
et Royne, | Pour t'estrener assez de beaux atours (8).
16. (5r:) D'ung moine. — En mon chemain j'ay trouve ung gras
moyne, | Bien hault crotte ä mode de Savoye (8).
17. De Süffisance. — De moyns que rien on peult ii peu venir
(Melin de St- Gelais 1113).
18. D'une damoyselle. — En desespoir de folle amour surprise, |
Mon jeune cueur deceu de son vouloir (8).
19. Epitaphe. — Ci gist mai6tre Herne (?) de Pince, | Amerement
de mort pince (8).
20. De Tan mil cinq cens vingt et sept. — L'an mil cinq cens
trente et troys moins, | Les eanx nous firent des maulx moins. | Au
moys de may, gaye saison, I Fut occis Charles de Bourbon (14). 3 )
') Wohl Pierre Duchätel, Petrus Castellanus, der bekannte Humanist am
Hofe Franz' 1., 1539—44 Bischof von Tulles, später von Macon und Orleans,
gest. 1552, s. Hoefer, Nouv. Biographie g6n6r. XIV (1855) 936. Ein Epigramm
Clement Marots auf ihn s. Oeuvres completes, publ. p. P. Jannet, Paris 1868 ff.,
111 65.
*) Oeuvres completes de Melin de St-Gelays. Ed. p. P. Blanchemain.
Paris 1873 (Bibliothüque-Elz6virienne).
a ) Ein Zeitgedicht, das Ereignisse des Jahres 1527 erwähnt: den Tod
Karls von Bourbon, den Sacco di Roma, mit besonderer Hervorhebimg der
Hinrichtung Jacques" de Beaune, seigneur de Semblan^ay, für dessen Unschuld
der Dichter eintritt, s. Lavisse, Histoire de France, V 1, S. 230 ff.
■ I . Original from
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21. Un gentilhomme chantant de s'amye. — Quant eile estoyt
d'unze ans encore pucelle, | Venus luv mist aux yeulx son estincelle.
22. (6r:) Cantique de Zacharie. — Benoist soit Dien, nng seul,
vray, tout pnyssant, \ Qui de sa grace Israel languissant (36).
23. (7r:) S. G. — Cheveulx, seul remede et confort (Melin de
SU-Gelais 1191).
24. (8r:) Huictain de Alexis. — Je prye a Dieu qne ce petit, | Ce
petit enfant qni remne.
25. Qnatrin. — Las, si je suys en ung jour envieilly, | Blasmer
n'en fault prison, perte ou naufrage.
26. S. G. — Pliys que nouvelle affection (Melin de St- Gelais
IU 290).
27. (9v:) Chantique de la Vierge, Luc. CL M. — L'ame de moy,
en ceste chair enclose (Bonaventure Desperiers I 85).
28. (10r:) Cantique de Simeon, Luc. Cle. Mar. — Puys que de ta
promesse (Bonaventure Desperiers I 87).
29. Dixain. M. N. — Mort et amour onl semblab[l]es effectz, |
Oü semble avoir beaucoup de repngnance.
30. (1 1 r:) Epitaphe d'une bellette par S. G. — Soubz ceste menue
herbelette (Melin St- Gelais I 53).
31. (12v:) Oblectat, satiat, carpit, voce, haustibus, igne, | Aures,
ventrem, animas, Musica, Bacchus, Amor.
32. (13r:) Bernardinus Donatus Veronensis 2 ) in hunc modum
deplorabat duorum filiorum mortem. Ad Battum amicnm. — Batte,
animos quando tristes curasque levare | Musa potest, miseram sortem
casusque supremos.
33 — 37. Epitaphien auf Louise von Savoyen, die Mutter
Franz' 1.3)
33. (I5r:) Epitaphium in D. Lodoicam Regis Francisci matrem,
author Olivarius Cancellarius Alen§onicus 4 ) — Hie illa dormit,
quae saluti publicae | Rebusque nunquam dormivit comunibus, | Loysa . . .
34. Pietas, fidesque prisca, pertinax amor | Recti . . . (14).
35. Quiescit isto, rapta per invidiam deüm, | Loysa tumulo, nota
super sydera (9).
36. Isto Loysa diva sub tumulo iacet, | Pietate magnos ac meritis
equans deos (4).
') Oeuvres fran^oises publ. p. L. Lacour. Paris 1856 (Bibliotheque Elze-
virienne). In der Handschrift Clement Marot zugeschrieben.
a ) Ueber Bernardinus Donatua s. Tiraboschi, Storia della letteratura italian».
1500—1600. Lib. III cap. 2, 20,
3 ) Noch im Todesjahre der Königin erschien eine Sammlung von Epitaphien :
In Lodoicae Regis matris mortem Epitaphia latina et gallica. Paris: Geofroy
Tory 1531. Der nur in wenigen Exemplaren erhaltene Druck (b. Antoine
H6roet, Oeuvres poetiques, publ. p. F. Gohin, Paris 1009, S. LXI1) war mir
leider nicht erreichbar.
*) Francis Olivier, als Beamter der Königin von Navarra Kanzler des
Herzogtums Alen^on, seit 1543 im Dienst Franz' I., nach Poyets Sturz Kanzler
von Frankreich (1545), s.Hoefer, Biographie generale XXX V11I (1862) 637.
I . Original from
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37. (17r:) Isto qaiescens Allobrox sub marmore j Loysa patriae
precipuum decus (5).
38. Jani Olivarii Audi um pontificis tumulus. — Inquiris, hospes,
qui siem. 1 )
39. Der Laokoonstelle ans Plinius, Historia Nat. XXXVI 5 folgt:
Jacobi Sadoleti de hac statua Carmen. — Ecce alto terrae e cumulo,
ingentisque ruinae. 2 )
40. (19r:)Sonnetz de Petrarcque, traduictzpar Clement Marot. —
Vous qui oyes en mes rimes le son. — pas espars, o pensöes soub-
daines. — Qui vouldra veoir tout ce que peult nature. — Mort, sans
soleil tu as laisse le monde. — Le premier jour que trespassa la belle.
(Ausgabe Marots von Jannet III 148 ff., Sonnet I — V.)
4L (21 v:) Dixain de S. G. — Robin avoit ung lopin de pain
bis (vgl. Melin de St- Gelais I 275, Marot III 114). — Response. Ung
jour d'hiver, Robin auprfcs du feu j Ve[o]it Marion devant luy des-
couverte (10 Zeilen, fehlt in den Ausgaben).
42. Dixain Cl. Ma. — Puys qu'ä la court nous voyons revenue
(Marot III 75).
43. Dixain Cl. Mar[ot]. — Une nonnain tres belle et en bon
poinct | Se repentoit d'avoir laissä le monde.
44. Huictain ddnZov. — Une mignonne en l'eage de qui[n]ze ans, |
Soubmise aux loys sainctes de mariage.
45. Huictain CL Ma. contre Dol[et], — Tant que vouldras jette
feu et fum<5e (Marot III 91).
46. Quatrain d'ung gentilhomme ä une damoyselle. — Si la
beanlte se perist en peu d'heure . . . Response par la damoyselle. —
Si ma beaulte doibt perir en peu d'heure . . . (Melin de St.- Gelais
II 12—13).
47 — 54. Auf den Sturz Po'yets:
47. (22r:) Dixain de G. Poyet parlant. — Gloire et caquet, fardes
d'affecterie, | De tout mon bien furent commencement.
48. Huictain. — Des Angevins Taffect^ parroquet, | Garny d'or-
gueil et ville ambition.
49. Dixain. — Ung hypochrite, ayant fard6 s^avoir, | Prompt en
babil, avare, ambicieux.
50. Huictain. — II avoit sens, s^avoir et eloquence | Pour estre
mis entre terrestres dieux.
51 — 52. Translation de quatre vers latins cy apres ensuyvantz.
— Tu t'esbahis, passant, avecques nous | Dont chaseun rit et personne
ne pleure.
') Der lateinische Text gedruckt mit der französischen Uebersetzung eines
Zeitgenossen Marota bei J. Denais, Poesies de Germain Colin Bucher, Paris 1890
S. 269. Jean OHvier war der Oheim von Francis Olivier und starb 1540 als
Bischof von Angers. Er ist auch als lateinischer Dichter bekannt, s. Hoefer 1. c.
*) Gedruckt in Carmina illustrium poetarum Italorum, Florentiae 1719 — 26,
VIII 22S.
/ ■ , ^ . I . Original ftom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 94 —
{23 r:) De GuiL Poyeto. — MirariB, viator, praeter morem | Ridere
omnea, flere neminem (4). 1 )
53. De eodem. — Nobilibus, clero, plebi, legumque peritis, | Dum
scriptis decimis mnneribusque nocet (4).
54. De eodem. — Haec voluit tumulo, laqueo ne pendeat, addi |
Carmina, qui sacris dis, populo hostis erat (4).
55. De rege et Carolo imperatore. — Et pergebat adhuc
Caroli Rex credere dictis, | Neo cavet expertos terqne qnaterque dolos
(6). — Der Friede zwischen beiden Herrschern werde nicht von langer
Daner sein.
56. Blason du lut par S. 6. — lut, plus eßtimö present (Melin
de St-Gelais I 239).
57. Epistre. C. M. — Dieu tout puissant en repos te maintienne
(Marot, hrsg. von G. Guiffrey, Paris 1875 ff. III 107).*)
58. (25 r:) Epistre dö/jÄ[ov]. — Si le desir avoit este autheur j
De mon amonr et le seul conductenr . . .
59. (27 t :) combien est heureuse (Melin de St- Gelais I 66).
60. (28 v:) La Transmontane a bien sondö (Melin de St-Gelais
I 121).
61. (30 v:) La mort d'Adonis. S. G. — Laissez la verte couleur
(Melin de SL-Gelais I 127).
62. (32 r:) Quatrin. — Ce n'est pas moy, mays vous, qui
faict que je vous ame. j Ce n'est pae vous, may[s] moy, qui le mal
en sou8tient. 3 )
63. Oinquin doinde. Nescio quid it amor. S. R. — Des faictz
d'amour je n'ay point congnoissance, | Je n'ayme point, et ne suys
point ayme.
64. Sixain de S. R. — Je euys un rien, quant point ne me voyez, ]
Et si suys tout, quant vostre oeuil veoit le mien.
65. De la prinse de mons. Guillaume Poyet, chancelier de France.
— T'esbahis tu dont point on ne souspire (Marot III 101 ). 4 )
66. De la mort de mons. de Langeay, messire Guillaume du
Baillay. — T'esbahis tu dont si fort on souspire [ Et qu'on ne rit!
Helas, qui s^auroit rire (4). 5 )
! ) Marots Uebereetzung dieser Verse *. unter Nr 65.
2 ) Die Zuweisung dieses in der Hs. Soiasons 1S9B anonym überlieferten
Gedichtes an Marot, zu der Guiffrey innere Gründe führten, wird durch die
neue Handschrift bestätigt.
8 ) Vgl. Melin de St-Gelais III 97.
*) In den Ausgaben Marots unter dem Titel D'un glorieux emprisonnS,
?ris du latin. Die wertvollen Angaben des Palatinus mit der Beziehung auf
oyet gestatten aueh eine genauere Datierung des Epigramms, das zu den
letzten Marots gehört (Poyets Verhaftung am 2. Ang. 1542). vgl. Nr 51— 52.
5 ) Guillaume du Bellay, Heerführer und Staatsmann Franz' 1., Verfasser
wichtiger Memoiren, starb am 9. Januar 1543, s. die Monographie von V.L.
Bourilly, Guillaume du Bellay, seigneur de Langey, Paris 1905. Das Gedicht
ist eine Variation des vorhergehenden, indem Du Bellay als Vamy dt totis
et de nul Vennemy Poyet, dem amy de nul et ennemy de tous, gegenüber-
gestellt wird.
[ . Original ftom
UNIVERSITYOF CALIFORNIA
— 95 —
67. Dixain de S. G. — Un jour que Madame dormoit (Melin de
SL-Gelais I 272).
68. Quatraio. — Je n'aur[o]ys point ä bien choysir failly, | Si
je eusse eu l'oeil au coenr comme au visaige.
69. (33 r:) Eclogue en petit traitö, intitule l'epitaphe d'Adonis,
mise en parapbrase fran?oise du grec de Theocrite. — C'est Adonis,
pour lequel je lamente, | Las, il est mort, Adonis le tant beau (Bion,
Epitaphium Adonidis).
70. (37 r:) Epistre de Cl. Marot pour inviter les dames de la court
ä chanter les psaulmes de David en fran$oys. — Quand viendra le
sifecle dor6 (Marot IV 64).
71. (38 r:) Epistre — Je s$ay tres bien qu'ane divinite, j Une
grandeur, une felicitö (24). — Response. Nous avons faict comme
le paintre saige, | Lequel voulant s^avoir si son ouvrage (24).
72. (39 r:) Epigramme. — Ce qu'on desir est une voluptd, | Comme
menger et boire necessaire (8).
73. Les adienx des dames de la court au Roy ;i son partement
de Lion pour aller ä la guerre contre l'empereur en Provence. —
A vous, Seigneur, qui nous voules laisser. 1 )
74. (40 v:) A une ä qui on donna ung libre de receptes pour
ayder la beaulte. — Ne faictes point de ce libvre lecture, [ Pour
plus parfaicte en beaultö devenir (8).
75. (41 r:) A une qui portoit le bleu. — Tant que le bleu aura
non loyaulte (Marot III 63).
76. Amour et moy et celle que j'entends | Avons jure et ensemble
promis (12). — Randnote von anderer Hand : XII [Douzain] Borderie. 2 )
77. Response de la chanson: Plus ne suys ce que j'ay estö (Marot
III 85, Epigr. 213). — Pourquoy voules vous tant durer (I.e. Epigr. 215).
78. D'une dame trouv^e au lict. — Tu as vaineu, amour, que
tant on prise, | D'une qui a le non d'honneste et belle (10).
79. D'une mal contante de son amy. — Pour aller ailleurs tra-
cassant, | M'avez faict tort de me laisser (8).
80. A une dame rigoreuse. Que ferois tu pis a ton grand
ennemy, j SM! estoit mys et libvr^ en tes mains (10). — Response
de la dame rigoreuse. Envers celuy qui me faict guerre ouverte, |
S'il est vaineu, j'useray de pitie (10)..
81. (42r:) Madame la princesse de Nau[arre?] parle de son
mesnage. — Voicy mesnaige accomply et parfaict, | Comme chaseun
en sa maison Tordonne (8).
82. Dixain. — Pour messe ouyr en la Sainte chapelle, | Je m'estois
mis ung petit ä Tescart. — Randnote von anderer Hand: Souillat.
») Dasselbe Gedicht in der Hs. Paris Bibl. Nat. fr. 1700. Als Verfasser
wird dort Cardinal Tournon genannt, s. E. Picot, Les Fran^ais italianisants
au XVl e siecle, Paris 1906, I lüSff. Picot gibt die ersten Verse wieder und
bezieht das Gedicht auf die Ereignisse des Jahres 1525.
2 ) La Borderie, der Schiller Marots und Verfasser von L'amie de cour
(1542)?
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 96 —
83. Dizain perdu au jeu. — Dizain heureux, vous n'estes plus k
moy, | Heureux vous tiens d'avoir changä de maistre.
84. (43 r:) Chanson. — Daphnis a la chasse s'en va, | Ainsi
comme il avoit d'usaige (32).
85. Enigme. — Ung bon esprit, quand le beau jour l'esveille
(Bonaventure Despcriers I 89).
86. (45 v:) Epygramme pris de Claudien et traduit par S. Gelais.
— bien-heureux qui a pass<$ son aage (Melin de St-Gelais I 63).
87. (46 v:) Blason d'une nuict. — doulce nuict, o nuict heureuse
et belle, | Digne que jour et clartö je t'appelle (34).
88. (47 v:) Huictain. — Tu es fol painctre, ce me semble, | D'aller
si loing pour la portraire.
89. II est plus de sorte d'aymer (Melin de St-Gelais II 43).
90. Si Ton me monstre affection (Melin de St-Gelais II 44).
91. (49 r:) De gli occhi. Donna, l'ardenti stelle. — De le gancie.
Per la vezzosa, eterna primavera. — De la bocca. Ben e possente
la vivace fiamma (Girolamo Mueio, La bella donna, canz. 4 — 6).*)
92. (52 v:) Traite de Theocrite, intitulö l'epitaphe de Bion. —
Bion est mort, o vous fleuves courans, | Et vous buissons, soyez en
souspirans. (Pseudo-Moschos, Epitaphium Bionis.)
93 — 96. Uebersetzungen aus Theokrit.
93. (56 v:) Chant nuptial du mariaige d'Helaine, tourn^ de Theocrite.
— En la cit6 partout si renoramöe, | Qui fut jadis Lacedemon nommee
(Idyll XVIII).
94. (58 v:) Traictä de Theocrite, intitulö La quenouille. — Que-
nouille, invention divine, | Qui de Pallas prens origine (Idyll XXVIII).
95. (59 v:) Petit traicto de Theocrite grec, intituld Hylas, mys en
fran$oys. — Quiconque soyf celluy d'entre les dieux, | Qui engendra
ce tiran furieux (Idyll XIII).
96. (61 v:) Traicto de Theocrite, intitulä L'amoureulx. — Au
temps pass<5, il fut ung personnaige | Si amoureulx qu'on n'eust sceu
d'avantaige (Idyll XXIII).
97. (64 r:) De Helide Carmen Sangelasii. — Helis Pompilii furoris
ardor (Melin de St-Gelais II 304).
98. Aliud de Helide Carmen Bezaej. — Helis quod speculo
multumque diuque retenta (Beza, Juvenilia, 1548, Elegia XII).
99. (65r:) Carmen incerti authoris. — Pauper erat, fieri vult dives,
cogitat unde (10).
100. Aliud incerti authoris. Fama volat mammas olim caruisse
papillis (8). — Gallica versio. Au temps passö n'avoit ad ce qu'on
dict | Femme au tetin le rouge boutonnet (13).
101. Dixain. — Ha, ha, monsieur, disait ung gros sotart j A son
voisin, le curö d'ung tel lieu.
Die auf Bl. 47 v stehenden Gedichte (S8— 90) werden auf Bl. 48 v (Beginn
der zweiten Lage) wiederholt.
a ) Rime diverse del Nutio, Vinegia 155!, Bl. 4 — II; über den Dichter
s. Tiraboschi, Storia della letteratura Ital., 1500—1600. Lib. II cap. 1, 34.
I ( Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 97 ^
102. Vous qui porte z pour chose fort nouvelle | Ung aneau d'or
h l'aureille percee (10).
103. Quand tn me voys avoir melancholie | Et plus pensif que
ne me souloys veoir (10).
104. Autant qu'homme qui soyt au monde, J Ce paintre est expert
en son art (10).
105. (66 r:) Ung advocat consoloyt une femme, | Que quelque
fol avoyt injnriee (10).
106. Les jours passez, je voyoys une troupe | De pauvres gueux
ä la porte d'ung riche (12).
107. A ce matin, me com plant d'ung proers, j Que tu as eu en
court de pari erneut (12).
108. Martin menoit son pourceau eto. — Marti num comitatur Alis,
porcamque vicissim | Ad propius dueunt (lata per arva) forum (der
französische Text bei Marot IU 16).
109. Epistre de Paris ä Helaine. — Paris, le fils de Priam,
roy de Troye, L'heur et salut, fille ä Leda, t'envoye (Ovid,
Heroides XVI).
110. (74 r:) Non mirum est Parmam nostros petiisse rebelles.
| His opus est parma, qui minus ense valent. (6). — Der Gegen-
stand des politischen Gedichtes ist der Streit Ottavio Farneses und
Philipps II. von Spanien um das Herzogtum Parma, der am 15. Sep-
tember 1556 durch einen für den Farnese günstigen Frieden beendet
wurde, s. T. Bazzi e U. Benassi, Storia di Parma, Parma 1908
8. 179 ff.
111. Le balladin. — Verrav je poinet ä mon grä bien danser
(Marot I 107).
112. (77 v:) Puys que je voys que tant plus je m'efforce | Couvrir
l'ardeur que je porte en mon cueur, | Et plus le feu se ralume et
renforce . . . Randnote von anderer Hand: Salel. 1 )
113. (79r:) Sainct Gelais. — Si je le doy, jamais en ce mortel
sejour, | L'attente de ma mort ne me soit que d'un jour. . .
114. Sainct Gelais. — que d'ennuv ü mes yeulx se presente
[Melin de St-Gelais II 182).
115. (80 v:) Sainct Gelais. — Puys que vi vre en Servitute (Melin de
St.- Gelais II 215).
116—118. Gedichte auf den Tod Guillaume BudiSs. 5 )
116. (81 v:) Epytaphium Budaei. — Quis jacet hie, quem tanta
virura comitata Corona est? (8)
117. Qui est ce corps qu'un si grand peuple suyt? (Melin de
St.- Gelais I 120)
118. Eiusdem. — Cuius id est tanta comitatum plebe cadaver (8).
») Hugues Salel, der Uebersetzer der Iiiaa (1545)?
*) Von den vielen Gedichten, zu denen der Tod Bud^s (1540) Anlaß gab,
hat sein Biograph Louis Le Roy eine Auswahl mitgeteilt, unter ihnen auch
das Epitaph St-Gelais' (117), s. Ludovicus Regina, G. Budaei vita, Parisüs 1540,
S. 49 ff.: Doctornm hominum Epigrammftta in laudem Budaei.
Beiheft 46. 7
I Original rrom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 98 —
119. Distique faict par feu mons. de Langey 1 ) de la lictiere en
la quelle esterent Tempereur et le Roy de France ensemble incontinant
apräs l'appoinctement faict ä Madrit. — Una rapit lectica duos quibus
antefercndis | Unius imperium non satis orbis erat.
120. Aultre distique faict par le s|eigneur] de Langey d'une
ymage de marbre de Venus presentee au Roy. — Sic faciera, sie illa
oculo8, sie ora gerebat, | Que Venus Idalie constitit ante Parim.*)
121. (82 r:) Epitaphe de Clement Marot. — Mort pour revivre,
a mis en terre icy Clement Marot de Cahors en Quercy (14).
122. D. B. — l'ng jour dliyver, Robin tout esperdu (Marot
III 86).
123. D. B. — Eslre ä bon escient, donc, ma dame, | Que vous
parlez? Car par mon ame (20).
124. D. B. — Estant tout prest de nie niettre en chemin, j.Desja
monte, Amour vint au devant (10).
125. D. B. — Helas, fault il que pour ung fault [!] rapport | Je
soys absent de vous, mon henr, mon bienV (12)
l ) Guillaunie du Bellay, seigneur de Langey s. die Anm. zu Nr 66.
2 Eine Statue der Venus war, wie aus einem Aktenstück hervorgeht,
. de Mont&iglon, Archives de l'art fran^.ais IX (1857) S34, veröffentlichte,
Franz I. 1531 von einem venezianischen Edelmann Ange Gabriel geschenkt
worden. Auf diese Statue bezieht Montaiglon, Archives de l'art fran^ais XI
(1858) 77, drei Epigramme M&rots (Ausgabe von Jannet III 14—16) und schließt
aas dem letzten, De la Statue de Venus endormie, daß das Geschenk eine
Darstellung der liegenden Göttin war, die schlafend den Apfel in der Hand
hielt. Gleichzeitig oder einige Jahre früher hatte Franz eine andere Venus-
statne aus Italien erhalten. Der Geber war diesmal Lorenzo Orsini, bekannter
als Renzo da Ceri, ein italienischer Kondottiere, der zuerst im Solde Venedigs
und des Papstes, später bis zu seinem Tode (lö3t>) Parteigänger Franz' I. war
und an der Verteidigung Roms (1527) hervorragenden Anteil hatte (s. Michaud,
Biographie univers. XXXI 420). Diese Statue maß allgemeine Bewunderung
erregt haben: Beza hat ihr ein Gedicht seiner Juvenilia, De Venere mkrmorea,
regi donata a Renzo equite, gewidmet und der pariser Theologe und Kanoniker
Germain Brice einen ganzen Zyklus von zehn Epigrammen, darunter ein
griechisches: De Venere marmorea Francisco Regi ab Renzo equite donata,
ad eundem Franciscum Regem eiusdera Brizii epigrammata diversa (Germani
Brizii eleemosynarii regii gratulatoriae quatuor . . . epistolae. Pariaiis 1531);
Neudruck der lateinischen Gedichte in den Delitiae c. poetarum Gallorum, coli
Ranutio Ghero, 1609, I 764, II J 598; in den Carmina illustr. poetarum Italorum,
Florentiae 1719—26, I1 19 gehen zwei Epigramme des Brixius unter dem
Namen des Hieronymus Baibus; biographisches s. Hoefer, Nouv. biographie
univers. IV 23», VIT 372. Aus den Angaben des Brixius, der mit dem Hofe
in Verbindung stand und die Statue sicher gesehen bat, läßt sich entnehmen,
daß sie eine aufrechte Venns mit dem Apfel in der Rechten darstellte und
in Schloß Amboise an der Loire Aufstellung' gefunden hatte. An diese Statue
einer idalischen Venus hat Dn Bellay sein Distichon gerichtet, und auch die
beiden ersten Epigramme Marots möchte ich auf sie beziehen, um so mehr
als das erste, Oeste dt?. esse avec sa ronde poinme, in dem Gedankengang
völlig mit dem Gedicht Non ego sum Cypris des Brixius Übereinstimmt.
Der Hinweis auf die Venus Renzos, der m. W. hier zuerst gegeben wird, mag
für die Geschichte der Statuensammlung Franz* I. von Wert sein, über deren
Bestand wir nur dürftig unterrichtet sind, s. L. Dinner, Le Primatice, Paris 1900,
S. 57 ff.
I Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 99 —
126. D. B. — Ce forgeron, ce boiteux Valcanus, j Me vit ung
jüur embraseer ma maitresse (10).
127. D. B. — Vous avez tort de pleurer mon absence, | Et ne
s^anriez vos larmes excns<5e[s] (8).
128. (83 r:) D. B. — Or $a, ma langue, aurez vous hardiesse, | De
dire adieu u ma dame et maitresse (8).
129. Qui veult garder son cueur de pleurs j Et de desirs in-
satiables (8).
130. Sonnet de Petr. Quando'l pianeta che. D. B. — Quand le
soleil, des Saisons l'ordonnenr, | Faict son logis avec le Thoreau
(Petrarca, Canzoniere IX).
131. Da premier lib. des Absolains de Bemb. Quand'io penso. —
Quant au tourment et martire je pense j Qu'amour me donne . . .
(Bembo, Asolani I).
132. Carmen Bembi de morte Longolii. — Te juvenem rapuere
deae fatalia nentes (Carmina illustr. poet. Ital. II 143).
133. De Caesaris in Galliam adventu Julii Camilli. — Offenso
est ausus Caesar se reddere Gallo (1. c. VI 375).
134. Eiusdem. — Perdere quem voluit Caesar se reddidit hosti
(1. c. VI 376). i)
135. Sangelasü in Karol[um] 8. im[eratorem|. — Que tibi jam
sedes, aquila, aut que regna petuntur (Mclin de St.- Gelais II 304).
136. Epitaphium Anne, Galliarum regine et Britonum ducis[se]
illastrissime. — Contendunt dum forte Venus, Tritonia, Juno (Melin de
St- Gelais II 303).
137. Epitaphe d'ung yvrogne. D. B. — Cy gist avec sa rouge
trongne | Ung petit homme, grand vvrongne, | C'est frere Jehan, ce bon
viellard (54).
138. (84 v:) M. Antonii Caonii (?) Mediolanensis de eruditione
et comparatione trium clariss. virorum Budaei, Erasmi, Alciati. —
Die mihi, nam sylvis non tantum aut vallibus finis (12).
139. Pasquillus et Marphorius, Romae affixus apud S. P. anno dni.
1533. — M[arphorius:] Quid suspiras, Pasquille? (Coelius Secundus
Curio, Pasquillorum T. 2, Eleutheropoli 1544, S. 296.) 2)
140. (85 r:) Claudianns de sene, qui iuxta Veronam existens,
villa sua nunquam egressus est. — Felix qui propriis aevum transegit
in agris (Claudiani Carmina rec. J. Koch, Lipsiae 1893, 8. 223).
141. Sonnet sur le traiettf de la paix. — Si le Roy, Tennemy et
le peuple de France, | Pitoyable, vaineu, durement tourmentd, | A
voulu, a requis, a desja soubhaite | Du doux fruict de la paix l'hen-
reuse jouyssance, | Ce nous est, o Konsart, une bonne esperance,- | Que
l ) lieber Giulio Camillo s. Tiraboschi, 1500— 1600, Hb. III cap. 5, 13, ferner
F. Flamini, Studi di storia letteraria, Livorno 1895, S. 3 19 ff. In der zitierten
Sammlung stehen die beiden Gedichte unter dem Namen des Joh. Thomas
Musconius; sie fehlen auch in den Opere di Giulio Camillo, Yinegia 1552
und 1584.
*) üeber Curio s. Tiraboschi 1. c. cap. 5, 28.
7*
■ I Onainal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 100 —
nous verron8 bien tost cest accord arreste (14). — Das Gedicht gibt
die Stimmung wieder, die in Erwartung des erst nach langen Unter-
handlungen 1 559 abgeschlossenen Friedens von Cateau - Cambresis
herrschte. l )
Pal. lat. 1988. Le saint Voult de Luques.
Pergament. 44 Blätter, Durch Verheften ist der Anfang der Hand-
schrift in Verwirrung geraten; die richtige Folge ist, wie auch die alte
Zählung der mit Bl. 3 beginnenden ersten Lage angibt, Bl. 2, 1, 3, 8, 9, 6,
7, 4, 5, 10. Blattgröße 34,5 x 24 cm, Schriftfeld 22,5 x 14 cm, einspaltig
zu 25 Zeilen. Buchschrift aus dem Anfang des XV. Jahrhunderts,
einspaltig zu 25 Zeilen. Kapitelanfänge mit Miniaturen, Rubriken und
großen Initialen; innerhalb des Textes kleinere Goldinitialen, bunte
Zeilenschlüsse. — Alte Sign. 1245, 1830. Eine deutsche Inhalts-
angabe, „Inhalttang dieses buechs u (2. Hälfte des XVI. Jahrhunderts),
die lose beiliegt, schließt der Verfasser, wohl ein heidelberger Biblio-
thekar, mit den Worten : In summa non credoJ)
Die Verehrung, welche die nach der Legende von Nikodemus ge-
schnitzte und von Engelshand durch Zufügnng des noch fehlenden
Antlitzes (volto santo) vollendete, später in den Dom von San Martino
in Lucca gelangte Darstellung des Gekreuzigten in Frankreich genoß, 3 )
hat auch in der altfranzösischen Literatur Ausdruck gefunden. Das
bekannteste der ihr zugeschriebenen Wunder, die Erzählung von dem
Spielmann, dem das Kruzifix als Lohn für sein Spiel einen silbernen
Schuh zuwirft, eine Variante zu dem Tumbeor Nostre Dame, hat
ein nordfranzösischer Dichter des XIII. Jahrhunderts in Verse gebracht. 4 )
Im XIV. Jahrhundert erscheint eine Prosaerzählung von der Herkunft
und den Wundern des Volto Santo unter den Legenden, die als Fetes
nouvelles in einzelnen Handschriften Jean de Vignays Uebersetzung
der Legenda aurea angefügt sind. 5 ) Als Verfasser dieses Legenden-
l ) Auch die Widmung an Pierre Ronsard, damals das anerkannte Haupt
der neuen Dichterschule, spricht gegen eine frühere Datierung und eine Be-
ziehung auf den Frieden von Cr6py (1544).
') s. oben S. 18.
•) Von der umfangreichen Literatur Über den Volto Santo di Lucca er-
wähne ich nur die ausführliche Monographie von Almerico Guerra, Storia del
Volto santo di Lucca, Lucca 1881; neuere Arbeiten, insbesondere die
6. SchnUrers, sind zitiert von E. Lazzaretscbi, Archivio storico italiano XLV
(1910) 94, vgl. auch die Festschrift für G. von Hertling, München 1913, S. 96.
— Ueber die Verbreitung des Volto Santo -Kultes in Frankreich s. Guerra
S. 1 77 ff.; zahlreiche Erwähnungen des Saint Voult in der altfr&nzüsischen Literatur
verzeichnet Godefroy, Dictionnaire de l'ancienne langue frangaise VIII 152, 298;
W. Förster, Romanische Forschungen XXIII (1907) lff., ferner die Zeitschrift
für roman. Philologie XXXII (19u8) 458, XXXIII (1909) 7b, 726.
4 ) Ausgabe nach der einzigen, toriner Handschrift mit für die Geschichte
der Legende wichtiger Einleitung von W.Förster, Le saint Vou de Luques, 1. c.
■') Es sind mir folgende Handschriften bekannt: Paris, Bibl. Nat. frang.
184, 24», 416 (s. P. Paris II 88, 25Ö, IV 33), Genf Bis. fr. 57 (s. Senebier,
Catalogue rais. des manuscrits conserves dans la Bibliotheque de la ville . . .
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 101 —
zyklns nennt eine Genfer Handschrift J ) den Karmeliter Jean Golein,
der als Lehrer an der pariser Universität und Uebersetzer lateinischer
Werke im Dienste Karls V. bekannt ist. Er starb in Paris 1403.*)
Goleins Vorlage war die lateinische Volto Santo-Legende, die, in Lncca
kompiliert, seit dem XIV. Jahrhundert in Handschriften überliefert ist.
Ihren wesentlichen Teil bildet der ältere, einem Augenzeugen, dem
Diakon Leboinus, zugeschriebene Bericht von der Translation des Volto
Santo nach Lucca (i. J. 849); ihm folgen Aufzeichnungen der Kleriker
von San Martino verwertende Berichte von Wundern des Kruzifixes,
von denen das letzte, 1334 zeitlich fixiert, die späteste Grenze fflr die
Entstehungszeit der Sammlung bietet. Eine kurze Einleitung, die
vielleicht erst der Uebersetzung zugefügt wurde, berichtet von Niko-
demus und der Entstehung des Bildes. 3 )
Die Uebersetzung Goleins, von den tlbrigen Legenden der Fetes
nöuvelles losgelöst, liegt im Palatinus vor. Der Buchschmuck, vor
allem die Miniaturen, geben der Handschrift eine ihren textlichen
Wert weit überragende Bedeutung. Mit soviel künstlerischem Aufwand
ist wohl in keiner anderen Handschrift das Bild von Lucca ver-
herrlicht worden. Nicht weniger als 27 farbenprächtige, die größere
Hälfte des Schriftfeldes einnehmende Miniaturen illustrieren den in
schöner, großer Bnchschrift geschriebenen, mit zahlreichen Initialen ge-
schmückten Text. Eine schmale, von farbigem Streifen begleitete Gold-
leiste umrahmt die Miniaturen und dient, isolierte Blattranken tragend,
zur Verzierung des Randes. Während Initial- und Randschmuck ganz
in dem französischen Stil der Zeit gehalten sind, erscheinen in den
Miniaturen fremde, wohl italienische Einflüsse, die vielleicht durch die
Vorlage bedingt waren. 4 )
de Genäve, Geneve 1779, S. 318, ferner H. Aubert, Bibliothcque de l'Ecole
des chart es LXX, 1909, S. 480), Brüssel Bibl. r ovale 3422 (vielleicht auch 3423,
s. Van den Gheyn, Catalogue des manuscrits V 394 ff.).
l ) lv (Table): Cy apres tfcnsuivent les intitulations des Festes nöuvelles,
translaUes de latin en franfois par tres excellent docteur en theologie, maistre
Jehan Qolein de Vordre de nostre Dame du Carme — , s. Senebier, Aubert 1. c.
In der Hs. Brüssel 3423 lautet der Anfang: . . . ces histoires ont esU trans-
lateez par ung maistre en theologie de Vordre de Nostre Dame du Carme (nach
Van den Gheyn 1. c); die Pariser Handschriften geben keinen Verfasser an.
Die Zagehörigkeit der Legende des Saint Voult zu dem Zyklus der Fetes
nöuvelles, die in der Genfer Handschrift nicht ganz klar ist, wird durch die
anderen Handschriften zweifellos, in denen unsere Legende den Schluß der
neuen Legenden bildet oder wie in der Brüsseler Hs. 3422 in ihrer Mitte steht.
a ) Ueber Golein vgl. L. Delisle, Recherche« sur la librairie de Charles V,
Paria 1907, I 94.
*) Von der lateinischen Legende sind bis jetzt nur Teile gedruckt, s. unten
S. 103 f.; über italienische Uebersetzungen s. S. 104 Anm.
«) Miniaturen haben auch die Hss. Genf »7, Paris 184, Brüssel 3422 (die
Aufzählung bei Van den Gheyn 1. c. 3% zeigt gegenständliche Berührungen
mit dem Palatinus). Zur Ikonographie des Volto Santo sei bemerkt, daß
die Darstellung im Palatinus von der traditionellen sich nicht erheblich unter-
scheidet Der Gekrenzigte ist mit einem langen, schwarzen, goldumsnuniten
Aermelgewand bekleidet, ein mit Edelsteinen besetztes Goldbaud umgürtet
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 102 —
Für die Geschichte der Handschrift wichtig ist das der Legende
vorgeheftete Widmungsblatt. Eine Miniatur zeigt einen Mann und
eine Frau (oder Jüngling?) zu beiden Seiten eines Altares kniend,
auf dem der Volto Santo sich erhebt, darunter die Bitte: Vous qui
cestui Uvre lisicz, | Ou il a maint enseignernent, | Je vous pri que
pour moy priez, \ Qui Vny donnt dcvotenieut. Es folgen zwei Wappen :
links, unterhalb des Stifters, ein wagrecht geteilter Schild mit
silberner (oberer) und roter (unterer) Hälfte, rechts auf dunkelblauem
Schildfeld sechs goldene Aehrenpaare in der Anordnung 3, 2, I.
Das letzte Wappen ist das der aus Lucca stammenden und in
Nordfrankreich und in den Niederlanden -ansässigen Kaufmannsfamilie
der Rapondi. Von ihren für die Herzöge von Burgund tätigen An-
gehörigen hat der durch seinen Reichtum berühmte Dino Rapondi
Philipp dem Kühnen und Johann dem Unerschrockenen als Bankier
und Diplomat wichtige Dienste geleistet, aber auch durch Besorgung 1
oder Schenkung kostbarer Handschriften der Bücherliebhaberei seiner
Gönner gedient. In Dino wird man den Besitzer der Legende des
Wunderbildes seiner Vaterstadt am ehesten vermuten dürfen. Indessen
hat auch sein Verwandter Jacques Handschriften an den burgnndischen
Hof verkauft oder ihre Ausführung geleitet. 1 ) Das erste Wappen ist
seiner Einfachheit wegen weniger leicht eindeutig zu bestimmen.
Wahrscheinlich ist es daß Stadtwappen von Lucca, der Heimat der
Rapondi und der Legende. 2 ) Eine verschiedene Malweise, kleine
die HUfce und geht bis zum Saum des Kleides herunter. Die Brust ist mit
einem großen Goldkreuz geschmückt. Der bärtige Kopf trägt eine Goldkrone,
das braune Haar fällt laug auf die Schultern herab. Nur die Häode sind an-
genagelt. Unter dem rechten, mit kreuzweisem Band versehenen Fuß steht
ein goldener Kelch; der linke trügt den silbernen Schuh, während der rechte
gemäß der Spielmannslegende unbekleidet sein soll. Das blaue Kreuz ist
von dem lilienartig endenden Goldreif umzogen, der fllr die Darstellungen
des Volto Santo charakteristisch ist. Den Hintergrund bildet meist eine rote,
mit zahlreichen, symmetrisch verteilten Goldkreisen bedeckte Fläche. Vergl.
z. B. die Beschreibung des Volto Santo -Bildes in der Burgkapelle zu
Kronberg i. T. von G. SchnUrer, Zeitschrift f. christl. Kunst XXVI (1913) S. 78
l ) lieber Dino und Jacques Rapondi s. P. Durrieu , Hanuscrits de luxe
executes pour des princes et des grands seigneurs fran^ais, in der
Zeitschrift Le manuscrit II (1805) 163 ff. und Doutrepont S. 11 ff. u. ö.
Beschreibung des Wappens bei Rietstap, Aruiorial gän£ral, 2<*° ed.
Gonda 1884 — b", II 524, wo es indessen heißen muß: ■ . . Us dites
paires posees 3, 2 et 1; eine Wiedergabe des Siegels, das ebenfalls die
charakteristischen Aehrenpaare in gleicher Verteilung zeigt, bei Le Ronx
de Lincy et Tisserand, Histoire generale de Paris, Paris et ses historiens,
Paris 1867 S. 335. — Luccheser und^jenueser Kaufleute hatten an der Aus-
breitung des Volto Santo -Kultus nach Norden hervorragenden Anteil. Auch
in Brügge, wo Dino seit 1 3ö*» zumeist lebte und 1415 starb, besaßen die
Italiener in der Kirche des Augustinerklosters eine Kapelle, in der die Luccheser
den Volto Santo verehrten. Das Kloster wurde 157$ von den Geusen
geplündert, die Bibliothek zerstreut; s. Guerra S. Ibl und A.Keelhoff, Histoire
de landen couvent des Ermites de St-Angustin ä Bruges, Bruges 1S69.
a ) Als Geschlechtszeichen führen das gleiche Wappen mehrere italienische
Familien: die Grafen Pandolo v<m Venedig, die Giandonati in Florenz, die
I Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 103 —
Unterschiede in der Darstellung des Volto Santo und in der Schrift
sprechen dafür, daß das Widmungsblatt von anderer, aber doch wohl
gleichzeitiger Hand stammt und erst nachträglich zugefügt wurde.
I. Nikodemus und der Saint Voult. — Anf. 2v: Cy est des-
cripte la legende du mint voult de Luques, Ic quel est mis et pose en
la ffrant eglise cathrdral de Saint Martin de Luques. La quelle histoire
est de la revelation, construccion et advenement glorieux du dit Saint
voult en la ditte cite de Luques. Et premierement comment par la
grace de Dieu un ange apparut a Nychodeme . . .
Schi, lr: Et fut en teile anwe mesmes quo nostre seigneur Jhesu
Crist fut crucifie et mort pur les juifs.*)
Bl. 1 v, 2r leer; vorausgeht, yon der Zählung übersprungen, das
vorgeheftete Pergament- Doppelblatt, auf dessen letzter Rückseite die
auf die Schenkung der Handschrift bezügliche Miniatur mit Unterschrift
und Wappen steht.
Miniaturen. — 2v: Nikodemus fällt auf des Engels Geheiß den
Raum, aus dessen Holz das Kruzifix geschnitzt werden soll. — lr:
Ein Engel fügt, während Nikodemus schläft, der bis auf den Kopf
vollendeten Statue das Antlitz Christi zu.
IL Translationsbericht Leboins. — Lateinischer Text bei
Guerra 299 ff. und in den Memorie e doeumenti per servire airhistoria
dcl Ducato di Lucca. VI, Lueca 1844, 8.53 ff.
Anf. 3r: Ci comtnenre le Ihn' Leboin dyacre, le quel est de Vin-
rencium, revelatians, translation du saint et glorieux voult de Luques.
Et premierement le pmlogue. — Leboin dyacre, petit scrviteur de
Jhesucrist, a tous mes freres feaulx en la foy catholique par tout le
monde salut en nostre seigneur Jhesucrist, atteur du salut pardurable.
Ce que nous avons veu de uoz yeulx . . .
Schi. 15 v: ... que se pie ou main fut blecie ou autre membre
et ceste piecette du saint volt le touchast, tantost fast garis a l'aide
de Dieu qui vit et regne in secula seculorum. Amen.
Miniaturen. — 3r: Leboin und seine Zuhörer. — 8v: EJn Engel
erscheint Bischof Galefroy. — 6v: Galefroy findet den S. V. — 7v:
Der S.V. wird zum Meere getragen. — 4r: Einschiffung des S.V. —
5r: Das Schiff vor Luni. — lUr: Ein Engel erscheint dem Bischof
Jehan von Lucca. — 11 r: Jehan begibt sich ans Meer. — 12 r: Die
Bischöfe von Luni und Lucca erblicken das von Engeln geleitete
Schiff. — 13r: Der Bischof von Lucca übergibt dem von Luni eine
Fiole mit dem Blute des Erlösers. — 13v: Der S. V. wird in feier-
lichem Zuge nach Lucca gebracht. — 14 r: Die Einwohner Luccas
ziehen ihm entgegen.
PUstelli und Prendiparti vou Bologna, s. Th. de Kenesse, Dictiouuaire des
fignres bcraldiques, Bruxellea lS'J-llV., V \b$ (coupe dargent sur gueules).
Eine Verbindung dieser Familien mit den Kapondi vermag ich indessen nicht
nachzuweisen.
') Der ganze Text bildet eigentlich nur die Rubriken zu den beiden
Miniaturen.
■ I Onainal from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 104 —
III. Wander des Saint Voult. — Zwölf Erzählungen, jede mit
Miniatur und Rubrik. Den Inhalt der fünften, achten, elften und
zwölften hat Guerra S. 236, 339, 238, 240 wiedergegeben. Von der
lateinischen Vorlage ist gedruckt: der Prolog bei Guerra S. 524 ff.,
das erste Wunder, die Spielmannslegende, bei Förster 1. c. S. 53 f.;
das dritte bei Guerra S. 526 f. und in den Memorie di Lucca V 1 S. 28;
der Schluß des letzten (Rettung des unschuldig Verurteilten von Pietra-
lunga) bei Guerra S. 536 ff. Die übrigen Wunder sind von geringerem
Interesse, bei allen hat der Uebersetzer sich streng an das lateinische
Legendär gehalten. 1 )
Anf. (Prolog) 15 v: Jusqucs cy Leboin. Ce qui vient apres ont
escript les renerables clers de Ja ditte eglise en doitbte de D/e«, les-
quielx Vont sceu de vaillans hommes ou des malades maismes qui &nt
este ffuvry ... (1 6r:) Cy cornmence a parier des miraclcs fais pur
le saint voult — Apres ce que Leboin a descripte Tistoire du Saint
voult, or venons aux miracles que Nostre Seigneur a voulu faire par
le saint voult, et ce que nous en savons, en 2 ) brief ves paroles expedions.
Car ycy vient joiensement le pueple devot de Ytalie, Hongrie, Grecs
et Esclavons ... — Der lateinische Text bei Guerra S. 524.
Schi. 44v: Et de ce que avint devant plusieurs gens, nous faisons
tesmoingnage de verite a vous tous et le coramandons a Dieu. Datum.
Pal. lat. 1989. Boccaccios Decameroii
in der Uebersetzung von Laurent de Premierfait.
Pergament. 30 x 22,5 cm, mit 100 Miniaturen. Alte Sign.
C. 155. 1262.
Auf die durch Illuminierung und Text wichtige Handschrift hat
Paul Durrieu bereits hingewiesen, s. Comptes rendus des seances de
TAcademie des inscriptions et belies- lettres 1909, S. 842 ff., Bibliotheque
de l'ßcole des chartes LXXI (1910) 64 ff. Nach Durrieus Ansicht
unter Leitung Laurents, zum Teil von ihm selbst geschrieben, gehörte
') Ich habe zum Vergleich die Hsa. Lucca, Archivio di Stato 110
(s. Inventario del R. Archivio di Stato in Lucca, Lucca 1872- SS, IV 346f.)
und Yat. Reg. lat. 487 (s. A. Poncelet, C&talogus cod. hagiograph. lat
Bibliothecae Vaticanae, Bruxellis 1910, S. 332) herangezogen; die letzte Hand-
schrift (XIV. Jahrh.) enthält, an den lateinischen Text anschließend, eine
italienische Uebersetzung, als deren Verfasser sich ein Krater Franciscos de
Mediolano ordinis servorum S. Mariae nennt. Das Legendario de'sancti vulgär
storiado des Camaldulünserabtes Niccolö Manerbi von Murano. zuerst gedruckt in
Venedig 1475 von Jenson, welches die Legend a anrea des jacobus a Voragine
mit neuen Legenden bereicherte, bietet auch eine Historia del Volto saneto,
frei nach Leboinus, von den Wundern nur das bekannteste, das Spielmanns-
wunder. Eine neuere Uebersetzung von Jacopo Ciuffarini soll in Lucca 15S2
(Neudr. Pistoia ls57) erschienen sein. — Eine Handschrift der lateinischen
Legende, 1420 in Lucca geschrieben, besitzt das Dowgvuinasinm in Magdeburg
(Hs. 234) f s. Wattenbach im Neuen Archiv X (lsfeM 192.
-) Hs. et
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UNIVERSITYOF CALIFORNIA
— 105 —
die Handschrift Johann ohne Furcht, dem 1419 ermordeten Herzog
von Burgund. Sie findet sich in dem 1420 in Dijon aufgestellten
Inventar seiner Handschriften. Später im Besitz Philipps des Guten,
verzeichnet sie noch das Inventar der herzoglichen Bibliothek von
Brügge 1467. Ihre Spur verliert sich dann bis zu ihrem Wieder-
erscheinen in dem Katalog der kurfürstlichen Schloßbibliothek in
Heidelberg von 1610. Der alte, leider nicht erhaltene Einband stammte
aus der Werkstätte Liävin Stuvaerts, eines auch sonst bekannten Buch-
binders der letzten Herzöge von Bnrgund.
Pal. lat. 1990.
(Aldebrandin de Sienne:) Lien du corps k Käme.
Pergament 136 Blätter, 34x23 cm, Schriftfeld 19,5x13 cm.
Flämische Lettre de forme, einspaltig, 20 Zeilen. Rubriken, zahlreiche
größere und kleinere Goldinitialen, rote and blaue Absatzzeichen ; die
Zeilen sind rosa vorgezogen, der Schnitt ist vergoldet. Ledereinband
der Vatikana mit dem Wappen Pius' VI. (1775—1799) und dem des
Kardinalbibliothekars de Zelada (1779 — 1801); eine ausführliche
französische Inhaltsangabe, die der Handschrift eingefügt ist, gehört
gleichfalls der vatikanischen Zeit an. — Alte Sign. C. 155. 1261, 1815.
Handschrift der kurfürstlichen Schloßbibliothek.
Miniaturen: 7r: Gott Vater und ein Engel halten den leidenden
Christus, dessen Füße auf der Weltkugel ruhen (16 X 13 cm). — 74r:
Ein Fürst in einem Gemach, das Ausblick auf eine Landschaft gewährt,
erblickt betend eine himmlische Erscheinung (12,5 X 15,2 cm). — 85 v:
Gott in weiter Landschaft segnet Tiere und Pflanzen (12,5 x 21 cm). 1 ) —
Die Miniaturen und der Text von Bl. lr, 86 r sind von einer breiten
Randfüllung umgeben, die auf Bl. lr, 85 v, 86 r aus einem reichen,
mit BiUten und Tieren belebten, kontinuierlichen Rankenwerk gebildet
wird, während auf BL 7r, 74 r einzelne Zweige, Früchte, Blüten und
Schmetterlinge naturalistisch mit starker Plastik und Schattengebnng
auf goldgelben oder purpurroten Grund gemalt sind, die neue Manier,
die nach P. Durrieu 2 ) zeitlich fixiert zuerst in dem 1483 beendeten
ersten Band der Antiquites des Juifs (Paris, Bibl. Nat. fr. 14) auftritt.
Der für das Wappen ausgesparte Raum ist unausgefüllt geblieben,
nur als Vorzeichnung ist Schild und Helmzier zu erkennen. Der Stil der
Miniaturen und des dekorativen Schmuckes, die Schrift sichern in
Uebereinstimmung mit den nordlichen Sprachformen die Handschrift
als Erzeugnis des flandrischen Kunstkreises gegen Ende des XV. Jahr-
hunderts.
l ) Die Deutung dieser Miniaturen ist nicht ganz klar. Der Text des der
ersten folgenden Gebetes spricht dafür, daß eine Darstellung der Dreifaltigkeit
beabsichtigt war. Eine Beziehung der zweiten Miniatur znm Inhalt ist nicht
gegeben ; die dritte steht am Anfang des letzten Ruches, das von den Nahrungs-
mitteln handelt.
a ) Gazette des beaux arts. 1S91, 1 361 f.
■ I Original from
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— 106 —
Von der Diätetik Aldebrandins, wie sie im Pal. lat. 1967 vorliegt,
sind mehrere Neubearbeitungen erhalten, die das vielgelesene Werk
den Bedürfnissen und Anschauungen einer späteren Zeit anzupassen
suchten. Die letzte und wohl gründlichste ist die vorliegende. Sie
ist den Herausgebern des Regime du corps 1 ) entgangen, obwohl der
gleiche Text auch in der Hs. 318 der Bibliothek von Valenciennes
vorliegt und von J. Mangeart 7 ) beschrieben worden ist. Für den Be-
arbeiter, der vielleicht der am Schlnß genannte J. Markant ist, scheinen
religiös - astrologische Anschauungen , die dem Original fremd sind,
besonders bestimmend gewesen zu sein. Seine Ausdrucks weise ist
weitschweifig, oft verworrep, im Gegensatz zu der Klarheit und Anschau-
lichkeit Aldebrandins. Kürzungen an zahlreichen Stellen, besonders
innerhalb des dritten Buches, stehen Erweiterungen durch Vorreden,
Ueberleitungen und Gebete gegenüber; an Stelle des vierten Buches
ist ein neuer Abschnitt (Le jugement des medechines) getreten, der
Prognose und Therapie der Krankheiten nach dem Stande der Gestirne
regelt.
Anf. lr (Prologe und Register): Cy commence ce presmt livre
intituli et appelli lien du corps a Vorne et de Vame au corps . . .
et premierement se commenche la (!) prologue de Vacteur. — En
contendant pour plus parfettement employer mon temps et apliqnier
au biens parfaits tant comrae pour la 8 an et e du corps et de Tarne,
sy me fut comrnande par la tres noble et excellente dame et contesse
de Pronvence, mere au bon roy Loys de France et mere a la royne
des Alemaignes et d'Angleterre, dont. moy, maistre Abrandi (!) de
Syenne, Chevalier et champion du saint sepulcre de Jherusalem . . —
(11 r, Buch I, 1:» En cestui premier cbapitre vous voeul moustrer et
faire aroplement congnoistre la maniere et nature du bon air . . .
128r: Cy commence le jugement des medechine[s]^ le quel apertiefit
a tous medechins le congnoistre comme le nous certefye[nt] Atistote?
Galyen, Ypocras, Avin^aine et Basis. Pour ce qne tone medechins
doivent savoir . . .
Schi. 135v: Sy prye a toy, 6ouverain Dien, que tu(s) donne[s]
tousjours l'advertisement a ceulx quy ceste oeuvre regarderont . . .
(136r:) car par vraye amour leur abandonne la science *que ycy
s'entonne. Explicit. 3 )
Icy est finfi mon derrmier liv[r]c apelU lyen du cotps a Vame
et de Vame au coips et se nommc le secret des medecines. —
J. Markant*)
. ! ) s. die bei Pal. lat. 1967 zitierte Ausgabe (S. 63.)
') Catalogue des manuscrits de la bibliotbeque de Valenciennes, Paris 1860,
S. 327. AI angeart hat auch auf die Verschiedenheit des Textes von dem der pariser
Handschriften hingewiesen, er geht indessen zu weit, wenn er ein ganz neues
Werk annimmt.
a ) Der Schluß ausführlicher bei Mangeart 1. c.
*) Ein der Handschrift vorgeheftetes Schutzblatt enthält, von anderer
Hand geschrieben, ein Fragment der Neubearbeitung, den Schluß des zweiten
Buches, in verändertem Wortlaut (von der Gesichtsfarbe s. Ausgabe S. 9S).
I . Original from
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— 107 —
Pal. lat. 1991.
Yertu de la messe. — Seuse, Horloge de Sapience.
Papier. 180 Blätter, eine alte Zählung beginnt mit Bl. 4;
26,5x20 cm, einspaltig zn 35 Zeilen. Zweite Hälfte des XV- Jahr-
hunderts, die Meßerklärung von anderer Hand. Rubriken, rote Initialen,
Absatzzeichen, Strichelung der Majuskeln. — Heidelberger Bezeichnung
Horologmm Sapientiae. Alte Sign. C. 103. 1254, 1820.
I. Erklärung der Messe, — Das gleiche Stück wie im Pal. lat.
1959, s. S. 46.
Auf. lr: Cy apres s'ensuit la vertu de la messe. An commance-
ment de la messe on ne doit nullement penser ne regarder a chose
que on ait veue ne oye.
Sohl, lv: Apces dit on la derriere oroison. Lors doit on prier
et requerir les sains et les saintes, qui ne nous oblient nüe, de nous
faire nostre besoigne envers Nostre Seigneur et de impetrer que [nous]
puissons fere nostre sauvement
II. Uebersetzung von Seuses Horologium Sapientiae. —
Bl. 2r— 180 r, genau der gleiche Text wie in Pal. lat. 1973.
Pal. lat. 1992. Jehan Dupin, Livre de Mandevie.
Papier. 174 Blätter, 30,5x2£cm, einspaltig- zu 38— 40 Zeilen.
Kursive des XV. Jahrhunderts. Rote Initialen, Absatzzeichen, Strichelung
der Versanfänge. — Die heidelberger Bezeichnung Joannis du Pyn
Visionum lib. <s, primus atttem desideratur. Item de rirtutibus üb. l. t
cuius duae sunt partes (lr) zeigt, daß die Handschrift früher mit Pal.
lat 1961 vereinigt war, der von derselben Hand als Virtutum lib. 1.,
omus duae sunt partes (1 r) bezeichnet wird. Beide Handschriften sind
von demselben Schreiber geschrieben. Bereits in Heidelberg fehlte
der Anfang der Hs. 1992, nnd zwar, wie aus der gleichzeitigen Zählung
der Lage sich ergibt, Bl. 1 — 3 1 ); nach Bl. 4 und 151 ist je ein
Blatt herausgerissen, BL 47—56 sind verheftet. — Alte Sig. 683, C. 71.
1243, 1821. .
Die Traumvision des Zisterziensers Jehan Dupin, 2 ) eine unter strenger
Kritik der Zustände der Zeit an alle Stände gerichtete sittliche Ermahnung
und Belehrung, ist in zahlreichen Handschriften und zwei Drucken erhalten.
In den Angaben über die Entstehungszeit (1340) folgt der Palatinus
den meisten Handschriften. 3 ) Ein letztes Buch in Achtsilblem. die
! ) Ein kleines Fragment von Bl. 1 liegt der Handschrift noch bei, Anf.:
Cy cotnmencc le prologue [du livre de] bonne vie . . .
*) 8. A. Dinaux, Les trouveres cambresiens. 3"6cL Paris 1837, S. 156ff.,
Groeber S. 1023, Literatur bei Chevalier, Repertoire des sources hist. du
moyen-äge, Bio-Bibliopraphie, Paris 1905-07, Sp. 2471.
*) Die Vision beginnt: Au dejtartir de ma juenesce en l'eage de XXXVI 1
a *w, je tstant en la char humaine ... (lr, Anf. von Buch I) und schließt:
Quant je fu esvoilliez je me trouvay en Veage de XXXVUI ans sur le terrnc
de la incarnacion Jf[CCC] et XL (104 v. Schi, von Buch VII).
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 108 —
sechszeilige Strophen bilden, faßt als „Somme de la Vision" den Inhalt
der sieben vorhergehenden Prosabücher zusammen.
Anf. Ir (Vorrede): guerre en ce temps au roy d'Engleterre, tribu-
lacion et desolacion estoit parmy le monde, et droiture estoit faillie
en plußeure lieux.
Schi. 174 r: A la fin de m'entencion
Fais je a Dieu ma peticion,
Qu'il me doint vraye sapience
Et me face remission
De mes pechiez et vray pardon
Par sa tres haulte sapience. Amen. 1 )
Fal. lat. 1995.
Jacques le Graut, Livre de bonnes. nioeurs.
Pergament. 88 Blätter nach Zählung des Rubrikators, der die
drei Blätter des Registers zuzufügen sind; 38x27 cm, Schriftfeld
24 X 17 cm, einspaltig zu 2(> Zeilen. Schöne Lettre de forme, Rubriken,
Miniaturen, Initialen, Intervalle, Absatzzeichen, die Zeilen mit blaß-
violetter Tinte vorgezogen, der Schnitt vergoldet. — Alte Sign. C. 154.
1258, 1837. Kodex der kurfürstlichen Schloßbibliothek.
Die Handschrift, literarisch von geringem Werte, 2 ) gewinnt durch
künstlerischen Schmuck Bedeutung. Sie ist ein Erzeugnis aus der
Blütezeit burgundisch- flämischer Buchmalerei und stammt aus einer
der Schreib- und Malstuben, die für David Aubert, 3 ) den bekanntesten
Kalligraphen und Handschriftenhändler Flanderns, tätig waren, in der
sie nach eigener Angabe 1467 im Auftrage von Guillaume Bourgeois,
„con8eillier u und „maistre de la chambre aux deniers" des burgun-
di sehen Hofes, geschrieben wurde, ein Jahr vor der brüsseler Hand-
schrift des Romuleon und vor dem letzten Bande des breslauer
Froissarts. Aus Bourgeois' Besitz scheint die Handschrift bald in die
Bibliothek Antons, des außerehelichen Sohnes Philipps des Guten, von
den Zeitgenossen le Grand Bätard de Bonrgogne genannt (gest. 1504),
gelangt zu 6ein. In die Prachthandschriften seiner Schloßbibliothek
La Roche in den Ardennen, die nun über ganz Kuropa zerstreut sind,
hat dieser berühmte Bibliophile des XV. Jahrhunderts mit eigner Hand
seinen Namen und die Devise Nul ne s'y frote eingetragen. 4 ) Beide
finden sich am Schluß des Palatinus, gefolgt von einer späteren Ein-
tragung A. de Bourgognv. Nid ne Vaprochc, die auch in anderen Hand-
») s. P. Paris IV 179 ff.
-) Der gleiche Text im Pal. lat. 1961.
') Ueber Aubert s. Grüber 8. 1144, Doutrepont S. 49 u. ö. und A. Lindner,
Der Breslauer Froissart, Berlin 1912, S. 17 ff.
4 ) Ueber Anton als Bibliophilen s. A. Boinet Bibliotheqae de l'Ecole des
chartes. LXVII (190*;) 255 ff., Doutrepont S. 43f. lt. ü., Lindnor S. |3ff.; über
eine andere Handschrift aus seiner Bibliothek s. oben S. 21 ff.
I . Original ftom
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Schriften Antons wiederkehrt und nach einer Vermutung, die zuerst
Alwin Schultz 1 ) ausgesprochen hat, das Exlibris seines Enkels Adolf
von Bnrgund (gest. 1540) ist.
Etwa gleichzeitig mit dem Palatinus und ebenfalls die Arbeit eines,
freilich begabteren, flandrischen Miniators ist eine andere illustrierte
Handschrift des Li vre de bonnes moeurs entstanden, von der A. Boinet*)
Kenntnis gegeben hat. Sie war gegen 1470 für den Bastard selbst
geschrieben, kam später in die Bibliothek Karls von Croy und ist
jetzt in nicht näher bezeichnetem pariser Privatbesitz. Ein Vergleich
mit dem Palatinus, soweit ihn Boinets Aufsatz ermöglicht, erweist
jedenfalls eine Zusammengehörigkeit beider Handschriften. Beide haben
Miniaturen am Anfang der fünf Bücher, von denen die zweite, vierte
und fünfte gleiche Gegenstände behandeln, nur mit dem Unterschied,
daß der Palatinus mehrere Darstellungen auf demselben Bilde ver-
einigt, während die pariser Handschrift sich mit einer begnügt. 3 ) Auf-
fallend ist zweifellos die Aehnlichkeit bei der vierten Miniatur: Thi-
berion (im Palatinus Marcinius) weist vor seiner ärmlichen, verfallenden
Hütte die Geschenke zurück, die drei Boten ihm überbringen. Hier
ist die Analogie in der Komposition, in der Darstellung der einzelnen
Personen so weitgehend, daß sie nur durch die Benutzung der gleichen
Vorlage oder durch direkte Abhängigkeit der beiden Handschriften
von einander erklärt werden kann.
Miniaturen (10 — 15x17 cm): lr: Sündenfall, Vertreibung aus
dem Paradies, späteres Leben der Voreltern. — 84 r: Zeltlager, Kon-
stantin erblickt im Traum das von einem Engel getragene Kreuz (links).
— Konstantin, ein Kreuz in der Hand, mit Gefolge; ein Kleriker trägt
ein Tabernakel in Gestalt einer Kirche (rechts). — 40 v: Sieg des
Pompeius über den König von Armenien (links). — Pompeius gibt '
dem Besiegten die Krone zurück (rechts, nach Valerius Maximus V 1).
54r: Marcinius (Thiberion) verweigert die Geschenke (links, nach Valerius
Maximus IV 3) — Demokrit wirft seine Reichtümer ins Meer (rechts,
nach Seneca, De Providentia VI). — Im Hintergrund, am Wege, der
nach einer Stadt führt, Alexander und Diogenes (nach Valerius
Maximus IV 3). — 72r: Triumph des Todes; der Tod, drei Pfeile
schwingend, wendet sich drei Gruppen zu, die von den Fürsten (rechts),
der Geistlichkeit (links) und dem Volke (Vordergrund) gebildet werden.
— Als Umrahmung der Miniaturen dient der schmale, auf der Bild-
seite von einer roten Linie begleitete Goldstreif. Der dekorative
Schmuck zeigt den Reichtum und die Feinheit der Handschriften
Aubert8 ; im Gegensatz zu der pariser Handschrift fehlen breite Rand-
bordüren.
') Beschreibung der Breslauer Bilderhandschrift des Froissart, Breslau
1869, S. 7.
*) I.e. S. 26öff.
■) Die erste Miniatur ist in beiden Handschriften verschieden, die dritte
der pariser Handschrift herausgeschnitten; eine Reproduktion der beiden letzten
gibt Boinet 1. c.
■ I . Original from
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Anf. (Register, drei ungezählte Blätter): Cy commence la table des
rubrices ...
lr: Cy commence le livre intituU de vertus et bonnes meurs . . -
Tons orgueilleux se veulent a Dieu comparer en tant qu'ilz se glorifient
en eulz meismes et es biens qu'ilz ont, desquelles choses la gloire
est deue principalment a Dieu.
Schi. 88 r: Pour quoy il appert que petit vault l'esperance de
ceulx qui dient qne le raonde durera moult longuement. Et si n'en
scevent que par cuidier.
Cy fine le livre intitule de vertus et bonnes meurs, lequel fist
grosser tres honnourable et sage Guillaume Bourgois, conseillier de
mon tres redoubtc seigneur, monseigneur le duc de Bourgogne et de
Brabant, et maistre de sa chambre aux deniers par David Aubert Tan
Mil CCCCLXVIL
Nul . ne . s'y . f rote | . ob . de bourg no .
A | nul ne Taproche | de bourg 11 *. 1 )
l ) Der Schaft des b io .ob. (nach neuerer Deutung als obelus aufzulösen,
das auf die illegitime Geburt Antons hindeutet) mit Kttrzungastrich. Auch
sonst sind die beiden Besitzvermerke in allen Einzelheiten die gleichen, wie
die des vierten Bandes des breslaner Froissarts, die Lindner S. 17 wieder-
gibt, nur steht im Palatinus Über der Devise Antons noch die bekannte Schleife
mit den Buchstaben i. n. e. (in nomine ecclesiae?), die auch die Abbildung
S. 43 bei Lindner zeigt, s. auch ebenda S. 16, 43 und F. Winkler, Repertorium
für Kunstwissenschaft XXXVII (1914) 56 f.
I Original front
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Die Handschriften der Universitätsbibliothek
in Heidelberg. 1 )
Pal. germ. 354. Alain Chartier, Le livro des quatre dames. —
Kürzere Stücke.
Papier. 50 Blätter, 20 x 13,5 cm; einspaltig zu 35 Zeilen. Mehrere
Hände, der Zusammensetzung der Handschrift entsprechend: dem ur-
sprünglichen Teil (Bl. 1 — 44, Buchkursive des XV. Jahrhunderts) sind
später zwei Lagen angebunden worden, die erste (Bl. 45 — 48) mit
Nachträgen, die bereits dem Anfang des XVI. Jahrhunderts angehören,
die zweite (Bl. 49 — 50) das Schlußfragment einer Handschrift des
XV. Jahrhunderts enthaltend. Der Hauptteil mit Titelrubrik, roten
Initialen und gelber Tupfung der Versinitialen. — Einband Ott
Heinrichs: Holzdeckel mit braunem, gepreßtem Lederüberzug, des Kur-
fürsten Bild in Goldpressung mit der Jahreszahl 1558 auf dem Vorder-
deckel; Eckbeschläge und. Schließen. Alte Signaturen 1939, 1362;
die heutige gab Schimmelpfennig. 2 ) Heidelberger Bezeichnung: Ein
buech von 4 fratccn (Ir). Früher mit Pal. germ. 484 vereinigt. —
Wilken S. 545 f.
I. Alain Chartier, Le livre des quatre dames.
In der Ausgabe der Werke Chartiers von A. Du Chesne, Les oeuvres
de Maistre Alain Chartier, Paris 1617, S. 594—684, s. auch Grüber
S. 1102. Der Palatinus bietet an einigen Stellen einen gekürzten Text.
>) Diese Handschriften behandelt bereits F. Wilken, Geschichte der heidel-
bergischen Büchersammlungen (1817) S. 545 f. Eine erneate Beschreibung ist
gerechtfertigt, auch abgesehen davon, daß die ältere an einer dem Komaofaten
kaum bekannten Stelle steht nnd die altfranzüsischen Handschriften Heidel-
bergs deshalb bisher völlig unbeachtet geblieben sind. Wilkens Angaben
sind nämlich nur für Pal lat. 1U69 einigermaßen zutreffend, sonst aber ganz
unzureichend oder irreführend. Daß Pal. germ. 354 und 484 Gedichte Alain
Cbartiers enthalten, ist nicht erkannt. Pal. germ. 484 soll eine „Französische
Uebersetzung von des Boethius Tröstung der Philosophie" sein; von den Frag-
menten des Pal. germ. 354 ist das erste als „Ein scherzhaftes Liebesgedicht - ,
das zweite als „Bruchstück eines französischen Gedichts, wie es scheint, einer
Hymne an die Mutter Gottes" charakterisiert.
*) s. Einleitung S. 27.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 112 —
Anf. lr: Cy commancc le livre des quatrc dames.
Pour oublier merencolie,
Et pour faire chiere plus lie,
Ung doulx matin aux champs yssi,
On mois de may qu'amours ralie
Les euere, et la saison jolie
Fait cesser ennuy et soussi;
Et alay tout seulet ainsi,
Que Tay de coustume, et aussi
Marcbant l'erbe poignant menue,
Qni toute la terre tyssi
Dea eatranges couleurs, dont si
Long tempa Pyver ot estö nue.
Schi. 44 r: De moy mettre en vouatre servi6e,
Faictes du voustre ä voustre guise. Explicit.
IL Gedicht in Briefform.
Ein junger Dichter wendet sich an einen Meister, den er als
großen Dichter verehrt, und bittet ihn, die eigene Unwissenheit be-
klagend, um Förderung durch Belehrung und Kritik. 17 Strophen
von wechselndem Bau und zwar Strophe 1 — 7 und 17 in Zehnsilblern,
Strophe 12 — 16 in Achtsilblern, mit der Reimfolge ab ab bebe; die
Strophen 8 — 11 mit den Reimen aabaabbbcbbc, davon die ersten
Strophen in Achtsilblern, die Viersilbler umschließen, die beiden letzten
in Zehnsilblern.
Anf. 45 r: Avant que j'aye ose la plume prendre
A vous escrivre aueun petit dictier,
•Tay differc long temps, car l'entreprendre
Me sembloit fort, veu que Ten me dist hier
Qu'en France n'a plus expert plus entier
Que vous, mon maistre, ou en rime ou en prose;
Neant mains en fin me suys mis au sentier.
Fol hardi fait, ce que le couart n'ose.
Schi. 47 r: Quant doit amant plus vrayement amer,
Apres le fait ou devant que jouyf?
III. Aus dem lateinischen Briefwechsel zweier französischen
Humanisten.
Ein Briefschreiber dankt für die Zusendung von Versen und ver-
teidigt die Franzosen gegen den Vorwurf, daß sie andern Nationen,
besonders den Italienern, in der Nacheiferung antiker Sprachknnst
nnd Beredsamkeit nachstünden. Er schließt mit der Ankündigung
seiner Rückkehr jenseits der Alpen {noslrum Irans Alpes reditum
speckt) und der Widmung eines zehn Verse umfassenden, an die
Pastoraldichtung sich anlehnenden Gedichtes.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 113 —
Auf. 47 v: Responsio. Ja. ad 1 ) ... Tuas, quisquis es, nostrorum
facundissime, in te landes retorquere decenter, et que ingenioli nostri
modica magnificasti ad exaratum sermonem tuum, simul et eloquencie
gravitas et intelligencie tue magnitudo compellunt.
48 r: Versus. Nostra licet tremulis resonet compacta cicutis |
Fistula .... (Vers 9:) Precipites hominum casus fortuna revolvit, |
Virtuti assidue premia tuta patent.
IV. Jehan Chapuis, Les sept articles de la foi.
Ueber dieses im Anfang des XIV. Jahrhunderts entstandene Gedicht,
das auch als Tresor, Testament und Grand codicile in zahl-
reichen Handschriften verbreitet war und ohne Grund Jehan de Meun
zugeschrieben wurde, s. Gröber S. 868 f.; Abdruck in Meons Ausgabe
des Roman de la rose, Paris 1813, III 331 ff. Der Palatinus gibt
nur den Schluß mit starker Kürzung, entsprechend Meon V. 1377 — 1403,
1464—75, 1600—23, 1584 — 95, 1608—19.
Anf. 49 r: Et qui a bien fait, si le port,
Et qui mal, tiengne soy pour mort,
Gar sa roe ton[t] droit tonrra.
Schi. 50 r: Et pour ce, dame debonnaire,
Que je ne me puis de tout taire
De toy loer, et si ne puis
Toutes tes loenges retraire,
Te pri je qu'il te vueille plaire
A prendre en gre ce que j'en puis;
Car je croy vraiement que puis
Que mon euer ne puet de ton puis
Sachier tout ce qu'il en veult traire,
Que les coipeaux et les chapuis
Prendras en grä que j'en chapuis,
Car ce te piaist c'on en puet faire.
Pal. denn. 484.
Alain Chartier, L'espärance ou la consolation des trois vertue.
Papier. 124 Blätter, 20x14,5 cm; einspaltig, meist 28 Zeilen.
Bnchkursive des XV. Jahrhunderts, rote Initialen und Absatzzeichen. —
Einband Ott Heinrichs mit der Jahreszahl 1558, wie. Pal. germ. 354.
Alte Signaturen 1904, C. 95; die heutige ist noch die Schimmelpfennigs.
Die heidelberger Bezeichnung: Von glaub&i, verstentniss, hoffnung vnd
den vier frawen (lr) zeigt, daß mit der Handschrift ursprünglich der
Pal. germ. 354 vereinigt war und wohl erst beim Neueinband (1558)
') Von dem folgenden Wort sind die beiden ersten Bachstaben durch
Korrektur unleserlich geworden; erkennbar Ist ..kern (Jobannem?).
Beiheft 46. 8
1 1 . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 114 —
abgetrennt wurde. Von vatikanischer Hand ist das Rückenschild: Gallig
Erudition[e8] et earum explicatio. — Wilken S. 546.
Alain Chartier, L'Esp^rance ou consolation des trois
vertus, c'est ä s$avoir Foy, Esperance et Charit«*.. Aasgabe von
Dn Chesne 8. 261—390; VcirgL Gröber S. 1103 f.
Anf. lr: Ou dixiesme an de mon dolent exil.
Apres maint deul et maint mortel peril
Et lez dangiers qu'ay jusquez cy passes,
Dont j'ay souffert, graces a Dieu, asses,
N'a pas gramment es croniques lisoye,
Et aux hanlx fais des anciens visoye,
Qui au premier noble France fonderent.
Schi. 124r: Sur tont prens pour confirmation V alere, qui te dit
par arrest que lez seignouries anciennes furent tonsiours astablez 1 )
tant comme ilz servirent et sacrifierent deuement a divinite. Finis.
Pal. lat. 1969.
Guillaume de Digulleville, Pölerinage de vie humaine.
Pergament. 84 Blätter, eine gleichzeitige Zählung zählt bis 94,
indem sie von 79 auf 90 springt; 29,5x20,5 cm, Schriftfeld
22,3x15,5 cm; zweispaltig, 45 Zeilen. Sorgfältige Buchschrift der
Mitte des XIV. Jahrhunderts; Versinitialen vorgerückt mit gelber
Tupfung. Als Interpunktionszeichen dient der Punkt am Versende.
An einigen Stellen spätere Besserungen und Nachträge. Die Sprache
zeigt nordfranzösische Eigentümlichkeiten, die dem Schreiber zuzuweisen
sind. — Alte Sign. 1924, C. 105. 1255, 1822. Heidelberger Bezeichnung:
Peregrinatio vitae human$ ( 1 r). — Wilken S. 545.
Unter den zahlreichen Handschriften der Dichtungen Digullevilles
sind nicht wenige durch prächtige Buchmalerei ausgezeichnet Zu
ihnen gehört auch der Palatinos. Mit seinen 127 Miniaturen (Höhe
5,5 — 7,3 cm, Breite 7,3 cm) bietet er, ohne daß sein Wert den einer
guten Werkstattarbeit überschreitet, ein treffendes Beispiel französischer
Miniaturmalerei der Mitte des XIV. Jahrhunderts, etwa der Zeit Johanns
des Guten (1350 — 64). Die landschaftlichen Elemente treten noch
wenig hervor, nur da, wo der Text ihre Andeutung fordert, und sind
dann unvermittelt auf den noch rein ornamentalen, farbig, meist schach-
brettartig gemusterten , seltener goldenen Hintergrund anfgetragen.
Die zahlreichen Initialen tragen eine kurze Ranke oder lehnen sich
an eine leistenartig die Spalte herabziehende, in Dornblattzweige
endende Randverzierung an. Ihre Farben bewegen sich noch in der
üblichen Reihe Blau — Weiß — Rot und Gold, während die
'; Korrigiert aus astabliez.
I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 115 —
Miniaturen eine größere Mannigfaltigkeit, insbesondere anch gebrochene
Farben zeigen. 1 )
Wappen fürstlicher Besitzer sind an zahlreichen Stellen ein-
getragen: nicht nur am Anfang und Ende, sondern auch, zugleich um
die Handschrift gegen Verluste zu sichern, am unteren Rande der
äußeren und inneren Blätter einer Lage. Es sind immer zwei Wappen
in gleicher Folge: links ein mit Goldlilien auf blauem Grunde besäter,
von rotem Bande begrenzter Schild, rechts ein senkrecht geteilter,
dessen linke Hälfte das Lilienwappen wiederholt, während die rechte
regelmäßig verteilte Hermelinflocken auf weißem Grunde zeigt. 2 )
Beide sind gleichzeitig und erweisen sich, da sie teilweise die alte
Randverzierung verdecken und von den Miniaturen verschiedene Farben-
gebung, besonders eine andere Technik des Goldauftrages zeigen, als
eine fremde, aber sicher nicht viel spätere Zutat. Bereits Wilken
meinte, daß die Handschrift für eine französische Prinzessin geschrieben
worden sei. In dem ersten Wappen wird man mit Recht einen
Hinweis auf einen Fürsten des Hauses Anjou-Valois erblicken dürfen,
während das zweite seiner dem Geschlecht der Herzöge von der
Bretagne entstammenden Gemahlin angehören wird. Von den pracht-
und kunstliebenden Sühnen Johanns des (Juten vermählte sich der
zweite, Ludwig, 1360 mit Marie, der Tochter Karls von Blois, des
Herzogs der Bretagne. In dem gleichen Jahre wurde er mit dem
neubegründeten Herzogtum Anjou belehnt. 1382 zum König von
Neapel gekrönt, starb er zwei Jahre später in Bari; seine Gemahlin
überlebte ihn bis 1404. Als erster Herzog von Anjou führte Ludwig
das Lilienfeld mit rotem Rande, seine Gattin außerdem das Hermelin-
wappen der Bretagne. 3 ) Ludwig gehörte, ebenso wie seine Brüder
') Eine dem gleichen Kunst kr eis angehörende, aber, wie der entwickeltere
Stil der Miniaturen und der Ornamente zeigt, spätere illuminierte Handschrift
des Rosenromans, Kodex 2592 der Wiener Hofbibliothek, hat vor kurzem
A. Kuhn, Die Illustration des Rosenromans, im Jahrbuch der kunsthistorischen
Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses XXXI (1913 — 14) eingehend unter-
sucht. Nach Kuhn ist sie in Paris am Anfang des letzten Drittels des
XIV. Jahrhunderts entstanden. — Eine Anzahl Miniaturen aus vorwiegend
pariser Handschriften der Pclerinage de vie humaine bietet die Untersuchung
von G. Ludwig, Giovanni Bellinis sog. Madonna am See in den Uffizien, in
dem Jahrbuch der Kgl. Preußischen Kunstsammlungen XXIII (1902) 163 ff.
Qpd aus einer etwas späteren Zeit die noch zu zitierende Ausgabe Stlir-
^flgers.
2 ) Ein späterer Besitzer scheint bestrebt gewesen zu sein, die Hermelin-
hälfte durch Verwischen unkenntlich zu machen.
■) 8. P. Anselme, Histoire g£n6alogique et chronologiqne de la maison
royale de France, 3e£d., Paris 1726ff. T. Uli (Anjou: seme de France ä la
bordure de gueules), 1227 (Marie de Blois: seme d'hcrmines). — Neben dem
Wappen des Herzogs diente auch das seiner Gemahlin, wie es in dem Pala-
tino vorkommt, als Besitzzeichen auf Gegenständen der herzoglichen Schatz-
kammer, s. Inventaire de l'orfevrerie et des joyaux de Louis I er duc d' Anjou,
Publik par H. Moranville, Paris 1 90« S. XVII ff. Die Zahl der Goldlilien ist
auch dort meist unbegrenzt und unterliegt noch nicht der erst Ende des
XIV. Jahrhunderts beginnenden Beschränkung auf drei.
■ I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 116 —
Karl V., Johann, der Herzog von Berry, und Philipp der Kühne von
Burgund, zu den gekrönten Bibliophilen des XIV. Jahrhunderts ; in
seiner Bibliothek darf man als wertvollen Familienbesitz auch die
Handschrift der Pelerinage de vie humaine vermuten. 1 ) In den In-
venturen der Bibliothek des Stiftes zum hl. Geist erscheint sie später
unter der Bezeichnung Peregrinatio ritae humanae, die auch in
den Kodex selbst eingetragen ist. Wie die Stempel der Bibliotheque
Nationale auf Bl. lr, 84 v bezeugen, ist die Handschrift, die einzige
der französischen der Palati na, 1797 von den Franzosen, die wohl
in ihr ein altes Besitztum ihres Königshauses vermuteten, ans der
Vaticana nach Paris mitgenommen worden. Von dort kehrte sie 1816
nach Heidelberg zurück. 2 )
Von den drei Epen der großen Traumallegorie, in denen der
Zisterzienser GuillaumedeDigullevilledie Pilgerfahrt des Menschen
im zeitlichen und ewigen Leben und zuletzt als Vorbild den Erden-
wandel des Erlösers schildert, ist die Pelerinage de vie humaine das
früheste, 1330 — 32 entstandene Gedicht. 25 Jahre später unterzog
der Verfasser selbst die erste Niederschrift einer Umarbeitung. Der
Palatinus enthält die erste Fassung, die Stiirzinger für den Koxbarghe
Club herausgegeben hat. 3 ) Merkwürdigerweise ist dem Heransgeber
die Heidelberger Handschrift, die zu den ältesten und auch textlich
sicher zu den wertvolleren des Gedichtes zählt, unbekannt geblieben,
wenigstens vermißt man sie neben den drei Handschriften in deutschen
Bibliotheken — Berlin, Kgl. Bibl. Hamilton 285; München, Cod. Gall.
30; Metz, Stadtbibl. 315 — unter den 54 Handschriften, die er ein-
leitend aufzählt.*)
Anf. lra: A ceulx de ceste region,
Qui point n'i ont de mansion,
Ains y sont tous, com dit saint Pol,
Riche, povre, sage et fol,
') Ueber Louis d'Anjou s. A. Lecoy de la Marche, Le roi Rene, Paris
IS75, I 8 ff., Doutrepont S. XV f. — Ein Inventar seiner Bibliothek ist nicht
erhalten. Unter den Handschriften, die der Herzog nach dem Tode Karls V.
1360 und 1381 der königlichen Bibliothek im Louvre entnahm, befand sich
auch eine Handschrift Digullevilles , allerdings den ganzen Zyklus der drei
Epen (Le Pelerinage dn Munde, de Tarne et de Jhesus Crist; enthaltend,
s. L. Delisle, Recherches sur la librairie de Charles V., Paris 1907, I 135,
II *1S9. Ludwig III. von Anjou (1403—34), der Enkel Ludwigs I., war mit
Margarete von Savoyen vermählt, die in zweiter Ehe 1444 Kurfürst Ludwig IV.
von der Pfalz heiratete (s. oben S. 5). Vielleicht ist durch sie die Handschrift
nach Heidelberg gekommen.
2 ) s. oben S. 2S.
*) Le pelerinage de vie humaine de Guillaume de Deguileville. Ed. by
J. J. Stiirzinger. London 189S.
*) Ausgabe S. IX ff.; über Guillaume s. Grüber S. 749 IT.; das Verhältnis
der beiden Fassungen zu einander wird erörtert in F. J. Furnivalls Ausgabe
der englischen Uebertragung der zweiten Redaktion durch John Lydgate in
der Early English Text Society, Extra Series Vol. "7. 83, 92, London 1S99
— 1JMU, P. III S. XVII ff.
I . Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 117 —
Soient roy[s] ou soient roynes,
Et pelerins et pelerines,
Une vision veull nonchier,
Qui en dormant m'avint Tautrier.
Schi. 84 vb : Celle fin est le guerredon
Et la remuneration "
De la joie de paradis
Que doinst Diex as mors et as vis. Amen
Explicit le pelerinage de vie humainc.
■ I . Original ftom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
III. Register. 1 )
1. Verzeichnis der beschriebenen Handschriften. 2 )
a) Rom, Bibliothek des Vatikans.
Pal. lat. 1957
1958
195»
i960
1961
1962
196.»
1961
1965
1966
1967
1968
1969
31
44
45
5 a
54
55
56
«0
DI
62
62
64
66
Pal. lat. 1970
n r. 19"1
„ „ 1972
„ n 19-3
„ „ 19S3
n n 1^4
n » 198S
„ „ 1989
n n 199«
„ „ 1991
n n 1992
- - 1995
Seite
75
I t
84
85
86
89
1U0
104
105
107
107
108
*)
Pal. genn. 354
- 484
Heidelberg, Universitätsbibliothek.
111 Pal. lat. 1969 . .
113
114
2. Verfasser- und Sachregister.
Alain Charticr, Livre des quatre
danies 111
— Espörance ou Consolation des
trois vertus 113
A Idebrand in de Siefine, Kegiroe
du corps 62, 105
Alexis, Huictain d' 92
Amadas et ldoine 80
Apokalypse 40
Artus, Mort d' 62
Aspremont 83
Bassenges, Gilles: Emblem es mis
en niusique 20
Bässen ^es, Les neuf Muses palatines 20
Beda, De meditatione passiouis
Christi 46
Bembo 99
Benardinus Donatus Veronensis . 92
Beza, Juvenilis 96
Bibel 31
— Altes Testament 33
— Apokalypse 40
— Jakobusbrief 41
— Petrusbrief I . • 42
— Sprüche Saloiuonis .... 42
Bion, Epitaphium Adonidis . . 95
l ) Nur die Handschriften der alten Heidelberger Bibliotheken sind be-
rücksichtigt.
'-) Die verlorenen oder nicht mit Sicherheit nachweisbaren Heidelberger
Handschriften sind in der Einleitung (.S. 21 ff.) behandelt.
Original frorn
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 119 —
62
99
»9
Seite
Boccaccio, Decaineron. lieber-
setzung von Laurent de Premier-
fait 104
Brut d'Angleterre, von Wace . 81
Bud6, Guillaume 97
Cabriere, Tragödie du Sac de . 86
CamiHo, Giulio 99
Caonius (?), M. Antonius, Medio-
Unensia 99
Champion des Dames, von Martin
Le Franc 64
Christine de Pisan, Cite des
dames 62
— Epitre d'Othöa 21 ff.
Chroniques, Anciennes, de Savoye 23
Cit6 des dames, von Christine
de Pisan
Claudianus 06,
Curio, Coelius Secundus . . .
Denais, Peter: Memoires de la
vie de Fr6deric, Comte Paiatin,
Electeur 20
— De Testat de Pologne . . 20
Desperiers, Bonaventure . . 92, 96
Dialogus de amore commnni et
particnlari 21
Dictier (Epitre) 112
Doctrinal pour les simples gens 45
Ooctrines des saints Peres . . 53
Drama: Passions- und Anf-
erstehungsspiel 70
— Tragödie du Sac de Cabriere 86
Du Bellay, Guillaume (f 1543) 94, 9S
Da Bois Lorea (?), Portrait de
Babylone 20
Puchätel, Pierre (t 1552) ... 91
Echecs moralisäs, Le Jeu des 61
Floire et Blancbeflor 82
Folque de Candie, von Herbert
le Duc
Friedrich IV. von der Pfalz, s.
Denais P.
Gautier de Coincy, Nonne Eulalia
— Miracles de Notre Dame . .
Gebete, Livre d'heures ....
— vor der Messe u. Kommunion
— Passionsandacht
84
53
66
21
46
46
Gedichte des XVI. Jahrhunderts 89
Guido delle Colonne , II istoria
destructionis Troiae .... 55
Guillaume de Digulleville, Pele-
rinage de vie humaine . . .114
Guillaume de Wadington, Manuel
des pöches 75
Guy de Roye, Doctrinal pour les
simples gens 45
Herbert le Duc, Folque de Candie 84
Heures, Livre d' 21
S«i'e
Heures, de la passion .... 46
Historienbibel 33
Horlogedesapience,vonSeuse 85, 107
Humanistenbrief 112
Jacobus de Cessolis, Ludus scac-
chorum 61
Jacques le Grant, Livre de bonnes
moeurs 54, 108
Jakobusbrief .41
Jehan Chapuis, Sept articles de
la foi 113
Jehan Dupin, Livre de M and e vie 107
Jehan Ferron, Jen des Echecs
moralisös 61
Jehan Golein , Fetes nouvelles
(S. Voult de Luques) . . . .101
Jehan de Soitabe, Horloge de
sapience v . 85, 107
La Borderie 95
Laurent de Premierfait, Ueb er-
setz ung des Decaineron . . .104
Leboinus Diaconus, De inven-
tione . . . s. vultus de Lucca . 10 1
Legendär der Heiligen .... 49
Liber de amore Dei 21
Lien du corps ä Tarne .... 105
Livre de bonnes moeurs, von
Jacques le Grant ... 54, 108
Louise von Savoyen 92
Mandevie, Livre de, von Jehan
Dupin 107
Manuel des peches, von William
de Wadington 75
Margarete von Navarra . . . 91, 95
Marienklage 47
Marienwunder .... 50, 53, 66
Marot, Clement . . . 93—95, 97, 98
Martin le Franc, Champion des
dames 64
Messe, Erklärung der . . 46, 107
— Gebete vor der 46
Miracles de Notre Dame, von
Gautier de Coincy .... 53, 66
Missale, Übersetzung .... 44
der Orationes ante missam 46
Mort d'Artus 62
Moschos, Epitaphium Bionis . . 96
Musconius, Jobannes Thomas . 99
Muzio, Girolamo 96
Olivier, Fran^ois, Kanzler von
Alengon (t 1560) 92
— Jean, Bischof von Angers
(t 154'}) .93
Othea, Epitre d\ von Christine
de Pisan 21 ff.
Ovid, Heroldes XVI 97
Partonopeus de Blois .... 78
Passionsbetrachtungen .... 46
Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 120 —
Seit«
Passions- und AuferBtehungsspiel 70
Pelerinage de vie humaine, von
Guillaume de Digullevüle - .114
Peres, Doctrines des Stints . . 53
Petrarca, Canzoniere . . . 93, 90
Petrusbrief 42
Pinc6, Herne (?) de 91
Planctus beatae Mariae virg. . . 47
Polen, s. Denais, P.
Poyet, Guillaume, Kanzler von
Frankreich 90, 93 f.
Preces, Mariae vigiüae .... 21
Psalmen, Vom Lesen der ... 45
Quadragesima, Dechristianorum 19, 21
Raoul Lefevre, Recueil des his-
toires de Troie 55
Regime du corps, von Aldebrandin
de Sienne «2, 105
Ronsard, Pierre 99
Sac de Cabrtere, Tragödie du . 86
Sadoletus, Jacobus 93
Saint-Gelais, Melin de . 91—97, 99
Salel 97
Salomonis Proverbia 42
Savoie, Anciennes cbroniques de 23
Sept articles de la foi, von Jehan
Chapuis 113
Seuse, Orloge de sapience . 85, 107
Souillat(?) 95
Theokrit . . 96
Tournon, Cardinal de . . . 90, 95
Tristan, Prosaroman ..... 60
6ciU
Troie, Histoires de, von Raoul
Lefevre 55
Verba seniorum 53
Vertu de la messe 107
Voult de Luques lüü
Wace, Brut d'Angleterre ... 81
Wilham de Wadington, Manuel
des p6ch£s '5
Wilhelm von Tyrus, Histoire de
la Guerre sainte 56
Zacharie, Cantique de .... 92
Zeitalter, Die acht 39
Zeitgedichte. *)
Karl VI 48
Kaiser Karl V 94
Franz 1 94, 95
Louise von Savoyen .... 92
Margarete von Navarra ... 91
Karl von Bourbon 91
Jacques de Beaune .... 91
Guillaume du Bellay .... 94
Guillaume Bude 97
Clement Marot 98
Jean Olivier, Bischof von
Angers 93
Guillaume Poyet . . 90, 93, 94
Pierre Ducbätel 91
Ereignisse d. J. 1527 .... 91
Plünderung Roms (1527) . . 91
Kampf um Parma (1556) . . 97
Friede von Cateau-Cainbr£sis
(1559) 100
3. Schreiber und Miniatoren.
David Aubert 108 Jehan du Beau Gardin (Besitzer?) 55
David de Grufiez 44 Jehan du Boys 61
Huez .. . 64 Lttvin Stuvaert (Buchbinder) . . H>5
J. Markant (Verfasser?) . . . 106 \ Wafflarz 65
4. Aeltere Besitzer. 2 )
Adolf von Burgund 109! Jehan du Bcau Gardin (Schreibet?) 55
Anton, Bastard von Burgund 23, 108 Johann ohne Furcht 104
Christoph, Pfalzgraf . . 13, 19, 88 Isabella, Königin von Norwegen 57
Colinus 5S Ludwig L, Herzog von Anjou . 115
Fugger, Ulrich . 12f , 19, 21, 58, 76f. Rapondi .102
Guillaume Bourgeois 108 ,
') Gedichte, welche Beziehungen auf historische Personen oder Ereignisse
enthalten; hier nur soweit verzeichnet, als die Verfasser unbekannt sind.
') Vergl. S. 3 f.
Original frorn
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 121 —
5. Verzeichnis der Anfange der im Pal. lat. 1984
enthaltenen Gedichte.
a) Französische Gedichte. 1 )
A ce iTiatia, rae comp tan t d'ung
proces 107
A vous, seigneur, qui nous voules
laisser 73
Amour et moy et celle que j'en-
tends tu
Au m oii de n'a, o soeur de roy
et royne 15
Au teinps passe n'avoit ad ce
qu'on dict 100
Au temps passe, il fut ung per-
sonuaige 96
Autant qu'homme qui soyt au
monde 104
Benoist soit Dieu, ung seul, vray,
tout puyssant 22
Bion est mort. o vous fleuves
courans 92
Ce forgeron, ce boiteux Vulcanus 126
Ce n ? est pas moy, mays vous,
qui faict que je vous amo . . 62
Ce qu'on desir est une volupte 72
C'est Adonis pour lequel je la-
mente . .* 69
Cest oeuil pour qui je suys
aymant / . . . 1 1
Cheveulx, seul remede et confort 23
Ci gist maistre Herne de Pince . 19
Cy gist avec sa rouge trongne . 137
Dapnnis ä la chasse s'en va . . 84
De inoyns que rien on pcult ä
peu venir 17
De quoy me sert d'estre loue
d'ung maistre 9
Des Angevins l'affecte parroquet 48
Des faictz d 'amour je n'ay point
congnoissance ..... f . 03
Dieu tout puissant en repos te
maintienne 57
Dizain heureux, vous n'estes plus
ä moy v 83
En desespoir de folle amour sur-
prise IS
En la cit£ partout si renommee 93
En raon cbemaiu j'ay trouvc ung
gras movne 16
Envers cefuy qui me faict guerre
ouverte SO
Estant tout prest de me mettre
en chemin 124
Estre ä bon escient donc, ma
dame 123
Gloireetcaquet, fardesd'affecterie 47
Ha, ba, mousieur, disait ung gros
sotart 101
Helas, faut-il que pour ung fault
rapport 125
Honneur chercbant oii habitens
les graces 5
Je n'auroys point ä bien cboysir
failly 68
Je prye ä Dieu que ce petit . . 24
Je s(ay tres bien qu'une divinite 71
Je suys un rien quant point ne
me voyez 64
II avoit sens, 8<-avoir et eloquence 50
II est plus de sorte d'aymer . . 89
La Transmontane a bien sondä . 60
Laissez la verte cuuleur ... 61
L'ame de moy, en ceste chair
enclose 27
L'an mil cinq cens trente et troys
nioins 20
Las, si je suys en ung jour en-
vieilly 25
Le premier jour que trespassa
la belle . 40
Les jours passcz, je voyoys une
troupe 106
Martin menoit son pourceau . .108
Mc prenant garde ung jour que
le aoleil 6
Mon cueur estoit en sa cbambre
seerette 12
Mort et amour ont semblables
effectz 29
Mort pour revivre, a mis en
terre icy 121
Mort, sans soleil, tu as laisse
le monde 40
Nature a faict ung grand bien •
aux hmnains 8
Ne faictes point de ce libvre
lecture 74
Nous avons faict comme le paintre
saige 71
M Die den Anfängen folgenden Zahlen beziehen sich auf die Zählung
der Gedichte in der Beschreibung der Handschrift.
Beiheft 46. 9
Original frorn
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
— 122 —
bienbeureux qui a passe son
aage S6
couibien est heureuse ... 59
doulce nuict, o nuict heureuse
et belle %7
lut, plus estim6 present . . 56
pas espars, o pensees soub-
daines 40
que d'ennuy ä tnes yeux sc
preseute 114
On diet que tu es aiuoureux . . 14
Or $a, iua langue, aurez vous
bardiesse 128
Paris, le fils de Priam, roy de
. T
Robin avolt uDg lopin de pain bis 41
Si je le doy, jamais en ce mortel
sejour 113
Si j'estoys ciel, damoysellettc . 10
Si la beault£ se perist en peu
d'beure 4B
Si le desir avoit este autheur . 5S
Si le roy, l'enneniy et le peuple
de France 141
Si Tun xue inoustre affection . . 90
Soubz ceste nienue berbeleite . 30
Ta vertu est couronnee .... 3
Tant que le bleu aura non
lovaulte . 7.~>
Troye 109 Tant que vouldras jette feu et
Pour aller ailleurs tracassaiit . . 79
Pour messe ouyr en la Sainte
chapelle S2
Pour inettre accord entre Venus
la belle 7
Pourquoy pint on Amour ne
voyant guutte 4
Pourquoy voules vous tant durer 77
Puys qu'i la court nous voyons
revenue 42
Puys que de ta promesse ... 28
Puys que nouvelle aftection . . 2fi
Puys que vivre en Servitute . .115
Puys que je voys que tant plus
je lu'efförce 112
Quant au tourment et martire je
pense 131
Quaot eile estoyt d'unze ans
encore pucelle 21
Quand le aoleil, des saisons l'or-
donneur 130
Quant pour donner au porte-
faix 13
Quand tu nie voys avoir melan-
cholie 103
Quand viendra le siecle dore 70
Que ferois tu pis ;i ton grand
ennerav 80
Quenouille, invention divin« . . 94
Qui est ce corps qu'un si grand
peuple suyt 117
Qui vouldra veoir tout ce que
peult natura 40
Qui veult garder son cueur de
pleurs 129
Quiconque soyt celluy d'entre
les dienx 95
fumee 45
T'esbabis tu dont point on ne
souspire 65
T'esbahis tu dont si fort on
souspira 66
Tu as vaincu, amour, que tant on
prise 73
Tu es fol painctre, ce ine
semble 88
Tu t'esbahis, passaut, avecques
nous öl
Ung advocat consoloyt une feinine 1 05
Ung bon esprit, qu and le beau jour
TeBveille S5
Ung ciel en terre on veoyt la court
de France 2
Ung hypochrite, ayant farde s^a-
voir . , v 49
Ung jour d'hiver, Robin aupres
du feu . .' 41
Ung jour d'byvcr, Robin tout
esperdn 122
Un jour que inadame dormoit . 67
Une mignonne en Teage de quinze
ans 44
Une nonnain trrs belle et en bon
poiact 43
Verray je poinct ä mon gr6 bien
danaer 111
Voicy mesnaige accomply et par-
faict 81
Vous avez tort de pleurer mon
absence 127
Vous qui oyes en mes rinies
le son 4*i
Vous qui portez pour chose fort
nouvelle 102
b) Lateinische Gedichte.
Batte, aniinos, quando tristes curas- Cuius id est tanta comitatum
que levare 32
Contendunt dum forte Venus,
Tritonia, Juno 136
plebe cadaver 118
Die mihi, nain sylvis non tantum
aut vallibus finis 13S
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
— 123 —
Eccealto terrae e cumulo, Ingentis-
que ruinae
Et pergebat adhuc Caroli Rex
credere dictia
Fama volat mammas olira caniisse
papillis -
Felix qui propriis aevum transegit
in agris
Haec voluit tuinulo, laqueo ne
pendeat, addi
Helis, Pompilti furoris ardor . .
Helis, quod speculo multumque
diuque retenta
Die illa dormit, quac saluti
publicae
Inquiris, hospes, qui sieiu . . .
Isto Loysa diva sub tumulo jacet
lato quiesceus AHobrox sub mar-
more
Martinnm comitatur Alis, por-
camque vicissim
Miraris, viator, praeter morem
Nobilibus, clero, plebi, legumque
peritis
39 !
i
55
100
140 '
54
97
98
33
3S
36
37 I
108
52
53 i
Non mirum est Parmam nostros
petiisse, rebelies . . . . . .110
Oblectat, satiat, earpir, voce, hau-
stibus, igne 31
Offenso est ausus Caesar sc red-
dere Gallo 133
Pauper erat, fieri vult dives,
cogitat unde 99
Perdere quem voluit Caesar se
reddidit hosti 134
Pietas, fidesque prisca pertinax
amor 34
Que tibi jain sedes, aquilu, aut
que regna petuntur . . . .135
Quid suspiras, Pasquille . . .139
Quiescitistoraptaperinvidiamdeüm 35
Quis jacet hie, quem tauta virum
comitata corona est ... . 116
Sic faciem, sie illa oculos, sie ora
gerebat .120
Te juvenem rapuere deae fatalia
nentes 132
Una rapit lectica duos quibus ante-
ferendis 119
o) Italienische Gedichte.
Ben e possente la vivace tiamina 91 Per la vezzosa, eterna prima-
Douna, Tardenti stelle .... 91 vera 91
Original from
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA
Drnck von Ehrhardt Karras G. in. b. H. in Halle (Saale).
■ I . Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA